Comic-News, Previews & Neuerscheinungen 06/2022

Previews & News

Seit George Pérez öffentlich gemacht hatte, dass er an inoperablem Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt ist, haben wir ihn ja hier noch ein wenig begleitet. Wie viele der Leser hier schon erfahren haben dürften, ist der Zeichner und Autor am 06. Mai 2022 im Kreis seiner Lieben friedlich eingeschlafen. Er wurde 67 Jahre alt.

George Pérez war einer der einflussreichsten Comicschaffenden der Moderne und hat sich sowohl bei DC Comics als auch bei Marvel mit vielen Figurenneuschöpfungen sowie Titeln, die später zu Klassikern wurden, unsterblich gemacht. Den meisten jüngeren Lesern wird er vor allem durch seine ikonischen Massenszenen aus Crossover- und Event-Titeln wie Crisis on Infinite Earths (DC), Infinity Gauntlet, New Teen Titans, Avengers/JLA uvm. bekannt sein.

©DC Comics | ©Marvel Entertainment | ©Panini Comics Deutschland

Seine Hochzeit hatte er in den 80er Jahren. Nicht nur war er der erste Künstler, der zur gleichen Zeit die Justice League of America als auch die Avengers zeichnete (was ihm später die Türen für das reichlich verspätete Crossover dieser beiden Heldenteams öffnete), sondern er verhalf – gemeinsam mit seinem kongenialen Partner, dem Autor Marv Wolfman, den New Teen Titans dazu, zu einer der erfolgreichsten Serien ihrer Zeit zu werden. Dabei erschufen die beiden Charaktere wie Starfire, Cyborg, Raven, Deathstroke oder Terra und halfen Robin/Dick Grayson dabei, in seine Rolle als Anführer und Nightwing zu finden. Auch war es Marv Wolfman, mit dem Pérez dann eines der ersten Mega-Event-Crossover der Comicgeschichte schuf und gestaltete – die Crisis of Infinite Earths. Danach verpasste George Pérez Wonder Woman als Co-Autor einen modernen, feministischeren Anstrich sowie eine zeitgemäßere Origin.

Nachdem er sich von den beiden großen Verlagen losgesagt hatte, widmete sich Pérez aim Comicbereich kleineren Projekten (zeichnete unter anderem 12 Ausgaben für die von mir heiß geliebten CrossGen Comics) und legte schließlich 2019 aus gesundheitlichen Gründen den Zeichenstift beiseite.

Egal, ob er Auseinandersetzungen mit den Verlagen hatte oder ob er auf Fans oder seine potenziellen Nachfolger traf, egal in welcher Verfassung er sich befand und auch egal, welchen Nachruf man heute liest, bei einer Sache scheinen sich alle einig zu sein – George Pérez war ein freundlicher, humorvoller wie höflicher Mann, der es wohl vermochte, einen ganzen Raum mit seinem Lachen anzustecken. Das macht ihn nicht nur zu einem Mann alter Schule, sondern – mit allem, was er für die Superheldencomics und die Fanbase geschaffen hat – zu einer Legende. Mögest du in Frieden ruhen, George Pérez.


Eine weitere Hommage an das Autoren-Zeichner-Duo Pérez und Wolfman findet sich wiederholt seit dem ersten Heft im Nightwing-Run von Tom Taylor und Bruno Redondo. Dort tauchen die geistigen Väter Nightwings gelegentlich auf, um „Marv and George’s Pizza” an den Mann (oder auch mal an alle Bedürftigen der Stadt) zu bringen. DC Comics teilte kürzlich eine Seite des aktuellen Hefts #92, in der Dick Grayson und George Pérez – je nach Interpretation – einen kurzen Gruß oder ein stummes „Farewell” austauschen.


Mit kleinen Gesten Großes bewirken, das ist etwas, was den Nightwing des Kreativteams Taylor & Redondo auszeichnet. Das findet nicht nur dieser Fanboy hier. Nein, auch das Eisner-Award-Komitee der San Diego Comic-Con hat die Serie mit sage und schreibe 5 Nominierungen versehen.

Zur 34. Verleihung des größten Branchenpreises der US-Comicindustrie wurde „Nightwing” nominiert für „Beste fortlaufende Serie“, „Bestes Einzelheft/One-Shot“ (Heft #87), „Bester Zeichner/Inker (Bruno Redondo)“, „Bester Cover-Künstler (Bruno Redondo)“ und „Bestes Lettering (Wes Abbott)“.

Weitere, mit Batman verbundene Titel oder Künstler sind dieses Mal nicht so oft vertreten. Allerdings freut es mich, dass in der Kategorie „Bester Webcomic” die nach wie vor äußerst unterhaltsame Serie „Batman: Wayne Family Adventures” nominiert wurde.

In der Kategorie „Bester Autor” finden sich dann noch James Tynion IV (u. a. für die mittlerweile von ihm verlassenen Serien „Batman” und „The Joker”) und Ram V. Letzterer war bis letztes Jahr Autor der laufenden Catwoman-Serie und wird demnächst die Reihe „Detective Comics” übernehmen (wir berichteten).

Die vollständige Liste mit allen Nominierten findet sich hier.


©DC Comics

Bleiben wir bei den Sidekicks und schauen mal, was eigentlich auf Robin/Damian Wayne demnächst so zukommt.

Nach 14 Jahren ist ja Mark Waid wieder zu DC Comics zurückgekehrt, um dort seit März die neue „World’s Finest”-Serie zu schreiben. Aus dieser heraus wird er, gemeinsam mit Zeichner Mahmud Asrar und Kolorist Nathan Fairbairn eine fünfbändige Miniserie mit dem Titel „Batman vs. Robin” herausbringen.

In dieser greifen die Kreativen Ereignisse aus dem aktuell laufenden Event Shadow War, als eben auch aus World’s Finest auf. Demnach werden es Bruce und Damian vor allem mit Zauberei und Mystizismus zu tun bekommen … und vor allem mit sich selbst. Denn die Spannungen zwischen den beiden Helden, die sich sukzessive seit dem Joker War aufgebaut haben, bahnen den Weg für einen „epischen Kampf der beiden Ikonen“. Zeichner Mahmud Asrar spricht gar von Ereignissen, die „die Welt von Bruce erschüttern werden”.

Es verdichten sich auch die Hinweise, dass Robin vs. Batman wohl das große Herbstevent bei DC werden wird. Die erste Ausgabe erscheint im September. Wir werden sehen, welche Auswirkungen das Ganze auf die weitere Batfamily haben wird.


Vielleicht übernimmt Mark Waid ja sogar bald die laufende Robin-Serie, denn der aktuelle Autor, Joshua Williamson steigt mit Nummer #17 im August aus.

Als persönliche Gründe gibt er an, dass er den Reihen „Batman”, „Robin” und „Deathstroke Inc.” zuletzt viel seiner Zeit gewidmet habe (davor und daneben war er zudem viel in die großen Events und in die Infinite Frontier Crossover eingebunden ). Daher sei jetzt ein guter Zeitpunkt, Robin hinter sich zu lassen. So könne er sich auch mehr auf Dark Crisis, sowie seine Creator Owned Projekte, als auch jene bei DC Comics für das nächste Jahr fokussieren.

Zunächst aber wird Williamson noch den Shadow War über die Bühne bringen und kündigt bald ein paar mehr Details zu seinem Ausstieg bei der Robin-Serie an.


Wo wir gerade noch bei der Fledermausfamilie sind, blicken wir doch mal auf die eher bucklige Verwandschaft. Da hat erfreulicherweise Autor Dan Watters eine ganz besondere Miniserie angekündigt.

Ja, ihr seht und lest richtig, Azrael kommt zurück, der echte, der einzig wahre Jean-Paul Valley. Jener … ähm .. naja … „Held”, der einst von Bruce Wayne dazu auserkoren war, das Batman-Kostüm zu tragen, nachdem Bane dem Dunklen Ritter das Rückgrat gebrochen hatte. Wie die meisten wissen, blieb dieses Vergnügen für Azrael nur von kurzer Dauer. Dennoch blieb er den Batmanfans über die 90er weiter erhalten und trat dann wieder in seinem originalen Kostüm auf, in dem er 1992 in „Batman: Sword of Azrael #1” debütierte.

Nun, 30 Jahre später, bringen Autor Dan Watters und Zeichner Nikola Čižmešija den Racheengel des Ordens von St. Dumas für die gleich klingende sechsteilige Miniserie „Sword of Azrael” zurück ins Rampenlicht. Entworfen von den legendären Dennis O’Neil und Joe Quesada, tauchte Jean-Paul Valley zwar (mit einigen Kostümwechseln) in bisher über 500 mit Batman verbundenen Ausgaben auf (darunter 100 Hefte seiner eigenen Serien), doch in den letzten beiden Jahrzehnten durfte er kaum in Aktion treten; zwischenzeitlich wurde er gar durch Andere ersetzt.

Nun ist der Engel des Todes wieder zurück. Aber laut Verlagstext hat er eigentlich keine Lust mehr, das Kostüm wieder überzustreifen. Jean-Paul hat sich in ein europäisches Kloster zurückgezogen, um endlich Frieden zu finden von einem Leben, das ihm nur Schmerz, Gewalt und Kummer gebracht hat. Doch als eine junge Frau im Kloster eintrifft, die behauptet, dieselbe System-Programmierung zu besitzen, die Jean-Paul zu Azrael gemacht hat, bleibt ihm nichts anderes übrig, als noch einmal den Umhang anzulegen und die neue Bekanntschaft mit dem Schwert in der Hand vor den tödlichen Attentätern St. Dumas‘ zu schützen.

Die weitere Ankündigung DCs, dass die neue Serie eine der „ikonischsten und kämpferischsten Figuren“ aus Batmans Dunstkreis neu definieren wird, könnte darauf hindeuten, dass Jean-Paul möglicherweise seinen Mantel weitergibt.

Dan Watters hatte ihn bereits in „Arkham City – The Order of the World” auf die Spur flüchtiger Arkham-Insassen angesetzt. Außerdem hatte dasselbe Kreativteam wie hier in Batman: Urban Legends #8-10 mit der Storyline „Azrael: Dark Knight of the Soul” eine Art Intro für „Sword of Azrael” entworfen. Nun bekommen sie die Gelegenheit den 30. Geburtstag Jean-Pauls gebührend zu feiern. Für Ausgabe #1 ist der 02. August 2022 vorgemerkt. Man darf hoffen, dass daraus vielleicht noch mehr Azrael-Action für die Zukunft erwächst.

©DC Comics


Eine weitere Figur des Batman-Kosmos feiert dieser Tage ihr 30-jähriges Jubiläum. Im Gegensatz zu Azrael blieb ihr allerdings bis heute ein Auftritt in der regulären Comickontinuität verwehrt. Die Rede ist von (der bisher einzig im sogenannten Timm- oder Dini-Verse vorkommenden) Red Claw, die nun im letzten Panel von Catwoman #43 (diesen Monat erschienen) auftaucht. Einen Blick auf diese letzte Seite könnt ihr bei den Kollegen von Newsarama werfen.

©Warner Bros. Entertainment

Dort ist auch zu erfahren, dass die Storyline ab Heft #44 (erscheint am 21. Juni) „The Cat and the Claw“ heißen wird; eine Reminiszenz an die erste Doppelfolge der Batman: Animated Series gleichen Namens.

Wer sich nur noch leidlich an die damals von Kate Mulgrew (Captain Janeway), gesprochene osteuropäische Terroristin erinnert oder sie überhaupt nicht kennt, dem sei unsere Aufarbeitung in den Animated Chronicles empfohlen.


Andere Schurken sind da ja wesentlich etablierter. Mit denen hat man schon oft genug Geschichten erzählt, auch deren Herkunft schon in zig Varianten geklärt. Trotzdem hält es DC für notwendig, da nochmal mit einer neuen Reihe nachzulegen, bei welcher sich andere Kreative an frische Origins bekannter A- und B-Lister wagen dürfen; dem Titel nach wohl in der leisen Hoffnung, es könne sich ein weiterer Meilenstein á la „The Killing Joke” darunter befinden.

Alle Einzelheiten hierzu haben wir bereits in einem eigenen Artikel zu „Batman: One Bad Day zusammengefasst.


Nur ein schlechter Tag reicht auch aus, wenn eine Zombieapokalypse droht. Einmal die müden Augen nicht richtig aufgemacht und zack – selber Zombie. Diese Erfahrung haben mittlerweile gefühlt fast alle Helden und Schurken des DC-Universums in der Reihe „DCeased” machen müssen (von Visual Noise auch schon besprochen, hier, hier, hier und hier).

Nun schlagen Autor Tom Taylor und der Zeichner des ersten Bandes, Trevor Hairsine, das letzte Kapitel ihrer Untoten-Saga auf. In „DCeased: War of the Undead Gods” hat sich das Virus mittlerweile in die gesamte Galaxie ausgebreitet und sich dabei einen besonders vielversprechenden Wirt sichern können: Darkseid, Herr über die Anti-Lebens-Gleichung. Die Letzte Hoffnung ruht jetzt auf den Schultern einiger weniger überlebender Helden der Erde. Na toi, toi, toi.

©DC Comics

Wie das Ganze ausgeht, erfahren wir dann ab dem 09. August 2022. Da erscheint die erste von acht Ausgaben in den USA.


Andere wissen mit ihrer Zeit besseres anzufangen, als untot durch die Gegend zu schleichen und das Universum zu tyrannisieren. Zum Beispiel Lee Bermejo. Der Zeichner mit dem ungewöhnlichen Stil fiel mir in den vergangenen beiden Jahre wiederholt auf, weil er tatsächlich seit Ausgabe #1019 der Reihe Detective Comics für bisher insgesamt 43 Hefte monatlich ein Variant-Cover abgeliefert hat. Von den Variants für andere Serien und One-Shots ganz zu schweigen. Ich empfand diesen Output für so einen hochgehandelten Fanliebling als recht ungewöhnlich (ja, ich weiß, Dan Mora gestaltet auch ganz viele Variants).

Doch nun erfahren wir – Lee Bermejo hatte einen Plan (und DC wahrscheinlich auch). Denn wie der Künstler nun IGN verraten hat, wird er die Variant-Cover in einem Buch namens „Batman: Dear Detective” nochmal neu veröffentlichen, versehen mit einem Extra.

Bermejo habe sich schon beim Entwurf der Cover Gedanken gemacht, wie er eine Geschichte darum bauen könne und so wird er sie in Dear Detective mit persönlichen Briefen an den Dunklen Ritter versehen. Es handelt sich also weniger um einen Comic, als mehr um eine Art Prosaerzählung im Graphic Novel-Gewand. Worum es genau gehen wird, bleibt noch offen, allerdings führt Bermejo im Interview aus, er habe sich von Briefen Jack the Rippers und des Zodiac-Killers inspirieren lassen und vom Erzählstil bekämen wir eine dunkle Noir-Geschichte geliefert.

Im Detail können wir uns das dann am 06. September 2022 bei Veröffentlichung von „Batman: Dear Detective” ansehen. Zur Veranschaulichung steuern wir mal ein paar Cover der letzten Jahre bei, die es wahrscheinlich ins Buch schaffen werden.

©DC Comics


Auch zum Abschluss gibt es nochmal eine kleine Covershow. Der Sommer wird wohl wieder sehr heiß werden und auch DC Comics nimmt darauf Bezug. Allerdings geht es nicht um das weltweite Klima an sich, sondern um dessen Auswirkungen auf seine tapferen Recken.

Der Verlag kann einfach nicht mit ansehen, wie sich Heldinnen und Helden in Spandex-Anzügen und langen Mänteln schwitzend durch den Sommer prügeln und geben ihnen daher Zeit und Luft, sich auch mal in einfacher Badebekleidung am Strand zu vergnügen. Künstler wie Artgerm, Joëlle Jones, Nicola Scott, Mikel Janín und andere haben daher mal ein paar Strandmode-Cover für die Serien im August entworfen.

Davon darf jeder gern halten, was er will, eine gute Verkaufsstrategie ist es allemal. Wir wünschen einen wohltemperierten Start in den Juni.

©DC Comics


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Batmanfan seit frühester Kindheit; besonders geprägt durch die Animated Series und die Dino-Comics.

2 comments

  1. Sören sagt:
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  2. Sören sagt:
    Achtung: Spoiler! Spoiler anzeigen

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