Review: DC-HORROR: „Der Zombie-Virus“

Mit DC-HORROR beschert uns Panini auch hierzulande die geballte Ladung Spannung, Nervenkitzel und ganz nebenbei auch eine Menge explizit blutiger Tode! Wirklich mit Vorsicht zu genießen!

Enthaltene Titel:
Der Zombie-Virus / DCEASED #1-6
Ein schöner Tag zum sterben / A Good Day To Die
#1

Autor*in: Tom Taylor
Künstler*in: Darick Robertson, Laura Braga, Stefano Gaudiano, Trevor Hairsine u.a.

Verlag: Panini
Seiten: ca. 228
Softcover: 24,00 €
Variantcover: 30,00 €
Hardcover: 33,00 €
Status: abgeschlossene Einzelgeschichte

Erschienen am 09.06.2020

©Panini Comics Deutschland

Im Sublabel des DC-HORROR Kosmos befindet sich eine der fürchterlichsten Storylines für unsere Lieblingscharaktere (und damit meiner Meinung nach absolut nichts für Kinder und sensible Jugendliche)! Passenderweise betitelte man diese Schreckensvision im Original mit „DCeased“ (engl. deceased = verstorben). Treffender könnte es nicht sein, denn die Geschichte bedient zwar zahlreiche Formen des Horror-Genres, konzentriert sich dabei aber eindrücklich auf das Dezimieren seiner Figuren. Beispielsweise wurde in INJUSTICE noch eine Elseworld-Geschichte um eine Superman Diktatur kreiert und konnte mit dramatischen Szenen aufwarten. Die Handlung von DER ZOMBIE VIRUS bemüht sich erst gar nicht um ein weitläufiges Worldbuilding, sondern dekonstruiert von Beginn an das Leben selbst. Denn sollte dieser Virus in irgendeiner anderen Parallelerde oder einem alternativen Universum auftreten gibt es keine Hoffnung mehr – wirklich nicht! Es ist diese Kombination aus Spannung, Schrecken, Ekel und morbider Faszination, die dieses Endzeitszenario so lesenswert macht! Völlig ohne Spoiler möchte ich euch mit meiner angewiderten Begeisterung anstecken!

HANDLUNG

Der Start dieser Wahnsinnsreihe beginnt mit Darkseid höchstpersönlich. Nach einer scheinbar fehlgeschlagenen einwöchigen Invasion kniet Darkseid der Justice League zu (auch fliegenden) Füßen. Während ihn das Lasso der Wahrheit von Wonder Woman bändigend zur Wahrheit zwingt, fordert ihn Batman auf, seine Niederlage zu akzeptieren und nie wieder zurückzukehren. Daraufhin verschwindet Darkseid freiwillig und ohne weitere Gegenwehr auf seinen eigenen Planeten. Er hinterlässt allerdings noch schaurige Worte: „Ich kehre nicht zurück. Ist auch nicht nötig. Denn die Wahrheit ist … ich habe das, was ich wollte.“ Es sollte klar sein – wenn Darkseid aus freien Stücken das Feld räumt, kann das nichts Gutes bedeuten.

©Panini Comics Deutschland

Zurück auf Apokolips nimmt das Unheil seinen Lauf. Mit Desaad, Darkseids persönlichem Folterkönig, ist es tatsächlich gelungen die Anti-Lebens-Gleichung von der Erde zu stehlen. Also jene Formel die das Ende des freien Willens bedeutet und Darkseid die Macht über alles denkende Leben garantiert. Allerdings ist der Träger dieser kuriosen Machtessenz nicht für eine Extraktion geeignet, da er bei dem Versuch sterben würde und damit auch die Gleichung vernichtet wäre. Also ruft der gottgleiche Tyrann Darkseid die Inkarnation des Todes. Mit einem Teil von eben jenem Black Racer soll nun die Anti-Lebens-Gleichung vom Überleben des Trägers unabhängig gemacht werden. Es kommt folgenschwer zur Mutation der Gleichung – eine „Omega-Variante“ wenn man so möchte. „Nun muss ein Gott sterben.“

Der Träger des völlig neuen Anti-Lebens-Virus flieht auf die Erde. Als Patient Null setzt er die Mutation aus Anti-Leben und Pro-Tod völlig ungehindert mittels der digitalen Infrastruktur auf dem Planeten frei. Konsequenz: Alle Bildschirme die eine Internetverbindung haben oder hatten sind nun potentielle Infektionsherde. Der Zombie-Virus überträgt sich also über Smartphones, Tablets, Computer-Monitore, Leinwände, TV-Geräte, digitale Litfaßsäulen, Werbeanzeigen in der U-Bahn, Smartwatches oder in Form von infizierten Menschen, gleich direkt durch die blutende Haut! Das wäre soweit die Ausgangslage. Und nun denkt mal nach, welcher Multimillionär im Fledermauskostüm ganz besonders viele Monitore und technische Spielereien um sich gehäuft hat!

Mit einer relativ kurzen Inkubationszeit (also der Dauer vom Zeitpunkt der Infektion, bis zu den auftretenden Symptomen) ist die globale Welt im Chaos versunken und ihre menschlichen Lebewesen in wirklich lebensbedrohliche, auseinanderfallende Fleischhaufen verwandelt. Dabei machen die Infizierten weder Halt vor sich selbst (Stickpunkt: Kopfhaut abziehen) noch macht der Virus einen Bogen vor Superheld*innen oder Metawesen! Die Bedrohung ist so extrem, dass es schon sehr schnell nicht mehr um die Rettung der Welt gehen kann, sondern um das Überleben Einzelner! Denn es gibt in dieser Geschichte wirklich keine einfache Lösung! „Wenn ihr die Welt retten wollt, müsst ihr jeden menschlichen Träger töten und das Internet völlig abschalten.“

Hardcover ©Panini Comics Deutschland

WORT & BILD

So fürchterlich die Szenen auch sein mögen. Alles sieht in den über 200 Seiten einfach grandios gut aus! Von den genutzten Farbpaletten, Bildaufbau und -kompositionen haben sich alle Künstler*innen mächtig ins Zeug gelegt und dabei auf hohem Niveau die anti-organische Atmosphäre einfangen können. Mit großer Detailliebe geht es auch in die erzählerischen Stärken dieses Sammelwerkes.

Die wirklich gruseligen Dramen spielen sich nicht nur während der zahlreichen blutigen Verluste ab. Nach den aufgerissenen Augen kam bei mir der aufstehende Mund, wenn mir nicht nur eine lieb gewonnene Figur durch das Virus genommen wurde, sondern die Erkenntnis welche Tragweite dieser Umstand für weitere Charaktere hat! Um auch weiterhin spoilerfrei zu bleiben, darf ich natürlich an dieser Stelle auch nichts zu der drastischen Endgültigkeit verraten. Aber vielleicht helfen ein paar Gedankenspiele?

©Panini Comics Deutschland

Welches Ausmaß hätte eine unumkehrbare Infektion innerhalb der Bat Family? Völlig egal wen es betrifft. Sucht euch einfach eine Figur aus und überlegt wer daran zerbrechen könnte oder wer gern die Beseitigung des infizierten Mitglieds übernehmen würde! Wohin geht ein Green Lantern Ring, wenn sein Träger infiziert ist? Bleibt er dann bei einem derartigen Untodbringer? Oder sucht er sich jemand anderen, in einer Welt voll von weiteren lebensvernichtenden Kreaturen? Welche DC-Charaktere haben eigentlich eigene Kinder? Welche wollten welche haben? Und was wäre wenn Metawesen mit Supergeschwindigkeit zu rasenden Virenschleudern werden?

In tollen Dialogen werden die möglichen Folgen einiger dieser Gedankenkonstruktionen behandelt. Diese kurzen Passagen des Innehaltens sind bei den Geschehnissen dringend nötig und bringt die Überlebenden an emotionale Grenzen. Damit bekommt auch die interessierte Leserschaft einen Einblick in die Tragweite von deren Verlusten und die gezeigte Brutalität wird mit sensibler Tiefe für ihre Figuren unterfüttert. Damit beweist Tom Taylor dass die Gewaltdarstellungen nicht nur inszenatorische Schauwerte sind. Dies konnte der kreative Autor bereits bei INJUSTICE gut vermitteln, geht hier aber deutlich schonungsloser zu Werke. Sie kommen bis auf sehr wenige Ausnahmen ohne Ironie und karikatureske Überzeichnung aus. Noch weniger sind vermeintlich coole One-Liner zu finden, weil es in den gezeigten Situationen einfach nichts Heroisches zu kommentieren gibt. Damit wehrt sich DER ZOMBIE-VIRUS auch gegen die Ecke der bedeutungslosen Splattergeschichten. 

FAZIT

Ihr dachtet ihr hättet wirklich alles zum Joker bereits gelesen? Vergesst es! Harley hat sich vom Joker getrennt? Fragt nach dem WieBatman hat immer einen Masterplan? Seid euch nicht zu sicher! In Atlantis ist man vor dem Virus sicher? Vergesst auch das! Hier treten so viele Figuren des DC Universums in Erscheinung (die ich aus möglichen Spoilergründen nicht nennen möchte), dass eine Aufzählung ohnehin einer Todesliste gleichkommen würde. Es reicht jedoch zu wissen, dass mit DER ZOMBIE-VIRUS einmal durch alle Reihen von Super- und Antihelden gefegt wird, um mit den wenigen Überlebenden emotional den Boden aufzuwischen!

©Panini Comics Deutschland

Bis zum großen Finale dieses Bandes wird durchweg an der Brutalitäts- und Ekelschraube gedreht! Auch wenn die Zeichnungen durchweg alle Szenen perfekt einzufangen wissen, ist das Abziehen der Kopfhaut, blutenden Auge (falls noch vorhanden) und allgegenwärtig tief klaffende Wunden definitiv ein Schlag in die empfindliche Magengegend. Wer das abkann, bekommt ein dramatisches Gesamtpaket, das in seiner Konsequenz und rasenden Schonungslosigkeit nicht viele Vertreter finden lässt. Obendrein lassen sich am Ende noch die Variant-Cover der amerikanischen Ausgaben finden. Darunter sind einige durch den Stil bekannter Horror-Film Plakate wie beispielsweise THE CONJURINGA NIGHTMARE ON ELM STREET oder LA LLORONA geprägt. Für die Grusel-Cineast*innen unter euch gibt es also ganz am Ende doch nochmal etwas zum Schmunzeln.

DER ZOMBIE-VIRUS ist grandiose, schwer verdauliche Lesekost mit lediglich einem halben Bat-Head Abzug, weil es mir zwischenzeitlich doch etwas zu unnötig brutal gewesen ist. Nichtsdestotrotz oder eben genau deswegen überaus spannend und in hohem Maße zu empfehlen! Zum Glück gibt es die satte Horror-Packung aktuell noch bei Panini in allen Variationen zu haben.

 
4 ½ von 5 Bat-Heads

“You wanna get nuts? Come on! Let’s get nuts!” – Bruce Wayne (1989) / Lego Batman (2017)

4 comments

  1. Marian sagt:

    Oh man. Als ich das damals alles in den Ankündigungen gelesen habe, dachte ich, das wird so ein Zombiequatsch wie bei Marvel und habe es verworfen. Dank der Review darf ich auch hier wieder investieren. Vielen Dank 😉 Aber naja, Tom Taylor ist bei mir aktuell ja eh immer ein Must Buy 🙂

    • Visual Noise sagt:

      Ich kann mir nicht vorstellen,dass dir ein gewisser Herr neben dem Death Metal Event nicht auch die Virus-Reihe ans Herz gelegt hat! 🧐

  2. Batcomputer sagt:

    Den Band hab ich auch noch hier liegen. Scheint jetzt auch die richtige Stimmung bzw. Jahreszeit dafür zu sein 😉

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