Review: DC-HORROR: „Schurken gegen Zombies“

Das Endzeit-Epos geht in eine weitere Runde, nimmt alles mit, was den Vorgänger so gut gemacht hat, will aber mehr sein!

Enthaltene Titel:
Schurken gegen Zombies / DCEASED: Unkillables #1-3

Autor*in: Tom Taylor
Künstler*in: Karl Mostert

Verlag: Panini
Seiten: ca. 140
Softcover: 17,00 €
Hardcover: 25,00 €
Status: aufbauende Einzelgeschichte

Erschienen am 27.10.2020

©Panini Comics Deutschland

Im furchtbar guten Einstieg DER ZOMBIE-VIRUS hat es bereits etablierte Heldenfiguren und zahlreiche Zivilisten dahingerafft. SCHURKEN GEGEN ZOMBIES behandelt nun unter derselben Prämisse die weniger heldenhaften Charaktere des DC-Universums. Natürlich ohne Spoiler erfahrt ihr hier, warum dieser Comic meiner Meinung nach eines der gelungensten „Pre-Sequels“ ist und warum ich hoffe, dass die dargestellte Alptraumvision in DC-HORROR fortgesetzt wird!

HANDLUNG

Die Ausgangslage hat sich seit dem ersten Sammelband nicht großartig geändert. Die grauenhafte Mutation der Anti-Lebens-Gleichung wütet ungehindert auf der Erde und verwandelt unzählige Lebewesen in eine blutige Zombie-Version ihrer selbst, die nur ein Ziel kennt: Die Vernichtung allen denkenden Lebens! Berufskiller Deathstroke eröffnet die parallel zu DER ZOMBIE-VIRUS stattfindende Handlung. Dieser wird bei einem seiner mörderischen Aufträge vom Virus überrascht und fällt ihm selbst zum Opfer. Spannend: Deathstroke verfügt über unmenschliche Heilungskräfte, die ihn kurzerhand verwirrt, aber bei (wiedererlangtem) klaren Verstand erwachen lassen. Dieses Schicksal teilt auch seine Tochter Rose.

Mit Hilfe der Spiegel- und Transportkräfte von Mirror Master gelingt ein scheinbar sicherer Rückzug nach Ball’s Pyramid. Auf dieser verlassenen Insel befinden sich neben anderen DC-Bösewichten auch Bane, Solomon Grundy, Lady Shiva und Vandal Savage. Gemeinsam versucht man nicht etwa an einer Lösung der Virus-Problematik zu arbeiten, sondern die Katastrophe einfach auszusitzen. „Was immer von dieser Welt übrig ist, wenn alles vorbei ist: Wir sind die Erben.“ Allerdings sind die ausharrenden Villains durch das Erscheinen von einer übermächtigen und infizierten Heldenfigur gezwungen, einen erneuten Rückzug anzutreten.

©Panini Comics Deutschland

Der zweite Hauptschauplatz dieser spannenden Geschichte ist ein verlassenes Waisenhaus, welches unter der Führung von James „Jim“ Gordon zu einer letzten Bastion des Überlebens organisiert wird. Unter großem Widerwillen kooperieren die dort ebenfalls verbliebenen Jason Todd und Cassandra Cain mit einer Handvoll Schurken, um das Waisenhaus weiterhin vor dem Virus sicher abzuschirmen.

Als wäre die Dynamik der zahlreichen und unterschiedlichsten Charaktere nicht schon kompliziert genug, gilt es zudem die überlebenden Bewohner*innen des Waisenhauses von den aufkommenden Interessenkonflikten fern zu halten. Doch das Zombie-Virus wartet nicht nur vor den zugenagelten Toren, sondern bahnt sich schleichend einen Weg in die Zuflucht.

©Panini Comics Deutschland

WORT & BILD

Was Karl Mostert uns hier visuell präsentiert ist absolut tadellos! Die klaren Konturen sind im Zusammenspiel mit dem hohen Detailgrad jeder Figur wirklich sehr angenehm zu betrachten. Hier und da habe ich allerdings ein paar Perspektivwechsel vermisst. Die oft genutzte Zentralperspektive über den kompletten Sammelband sorgt zwar nicht für weniger Dramatik, aber wirkt etwas arrangiert eintönig. Man sollte dem Mann allerdings zugutehalten, dass es ihm auch bis zum Schluss gelungen ist, wirklich jedem der über zwölf Charaktere die gleiche akribische Aufmerksamkeit in der Darstellung zu widmen!

In SCHURKEN GEGEN ZOMBIES gibt es zweifelsohne nicht weniger bestialische Tode als im Vorgänger. Doch was diesem Paperback meiner Meinung nach eindeutig besser gelingt, ist der dramatische Aufbau. Tom Taylor orchestriert die vielen Figuren beinahe mühelos mit- und gegeneinander. Diese Fähigkeit hat er wohl mitunter durch seine Arbeiten an INJUSTICE und SUICIDE SQUAD verfeinern können. Besonders deutlich wird diese Stärke des Autoren innerhalb des Waisenhauses. Dort jongliert Taylor mit humorvollen Dialogen, bedrückender Aussichtslosigkeit, einem Funken Hoffnung und unangenehmer Gewalt. Jeder Charakter bekommt dabei ein paar Zeilen zugeschrieben, die sein Wesen verdeutlichen und ein mögliches Ableben bedauerlich erscheinen lassen. Das wertet nicht nur diese Geschichte auf, sondern erzeugt auch im DC-HORROR Universum für eher unbekanntere Figuren eine zusätzliche Schwere.

Hardcover ©Panini Comics Deutschland

Der Handlungsbogen bleibt natürlich absolut keine raffinierte Offenbarung, da die Erzählung der letzten Überlebenden gegen Zombies hinlänglich bekannt sein dürfte. Es ist also nicht verwunderlich, dass einige Parallelen zu bestehenden Filmgrößen deutlich werden. Hier möchte ich besonders auf DAWN OF THE DEAD (2004) verweisen, der ebenfalls nicht davor zurückschreckt, Kinder in die Szenerie zu verwickeln. Warum dieser Streifen nun ausgerechnet auch noch ein Zack Snyder Film ist und von James Gunn geschrieben wurde bleibt mal dahingestellt. Zumal es in dem Genre mit Sicherheit eine Vielzahl an Filmen gibt, die sich einer derartigen Erzählstruktur bedienen. Die Parallelen sind mir in diesem Beispiel lediglich prägnant aufgefallen. Des Weiteren steht und fällt ein solches Szenario durch das Mitfiebern mit den Figuren. Das ist zumindest in SCHURKEN GEGEN ZOMBIES vollumfänglich gelungen und offenbart sogar die ein oder andere Romanze. Man sollte allerdings auch ein wenig Interesse für Underdogs im Überlebensrucksack dabei haben.

FAZIT

Dieses Pre-Sequel mit dem Zombie-Virus kommt mit deutlich weniger expliziter Brutalität aus. Wenn sie allerdings dargestellt wird, ist sie schwerwiegend und im vorher gelieferten Kontext umso gnadenloser. Taylor nutzt sein kreatives Geschick als Autor weniger für reine Schock-Momente, sondern nimmt sich auch die Zeit, nicht heroische Figuren mit Bedeutung zu behaften. So sind einige Fähigkeiten der Schurken noch ein Segen und werden im nächsten Kapitel schnell zum Fluch. Das lässt die vermeintliche Zuflucht im Waisenhaus auch zu einer möglichen Todeszelle werden.

Bis zum fulminanten Finale dieser Geschichte, war ich vor Anspannung nicht fähig dieses Paperback aus den Händen zu legen. Ich möchte also eine absolute Leseempfehlung aussprechen, wenn man sich diesem heftigen Nervenkitzel gewachsen fühlt. Es gibt beide Varianten zum Glück immer noch bei Panini zu haben.


5 von 5 Bat-Heads

“You wanna get nuts? Come on! Let’s get nuts!” – Bruce Wayne (1989) / Lego Batman (2017)

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