Review: DC-HORROR: „Die Zombie-Apokalypse“

Es gibt endlich eine weitere Erzählung rund um das Verderben bringende Anti-Leben-Virus …

Enthaltene Titel:
Die Zombie-Apokalypse / DCEASED: Hope at World’s Ende #1-15

Autor*in: Tom Taylor
Künstler*in: Carmine Di Giandomenico, Marco Failla, Renato Guedes

Verlag: Panini
Seiten: ca. 180
Softcover: 20,00 €
Hardcover: 33,00 €
Status: aufbauende Einzelgeschichte

Erschienen am 15.02.2022

©Panini Comics Deutschland

Panini Comics hat uns freundlicherweise die aktuellste Geschichte unter dem Label DC-HORROR als Rezensionsexemplar zukommen lassen. Damit, allem voraus, ein herzliches Dankeschön an Panini und an die interessierte Leserschaft ein: Willkommen zu Runde vier der von Tod und Blut getränkten Elseworld-Story!

HANDLUNG

DIE ZOMBIE-APOKALYPSE führt schon zu Beginn etwas in die Irre. Angesiedelt ist diese Geschichte rund um die mutierte Anti-Lebens-Gleichung nämlich nach dem Ausbruch in DER ZOMBIE-VIRUS, beginnt allerdings zwei Wochen davor, um mit Jimmy Olsen die dramatischen Ereignisse kurz zu rekapitulieren. 

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Jimmy, bekannt als Supermans persönlicher Freund und Fotograf, ist sichtlich gezeichnet und lässt uns noch einmal wissen, dass nicht nur viele Menschen, sondern auch ehemalige Heldenfiguren ihr Leben gelassen haben. Dabei werden allerdings nur aufmerksamen Leser*innen kleinste Spoiler zugespielt, die die Schreckensvision bisher nicht verfolgt haben.

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„Es begann mit einem Schrei.
Dann schrien alle und … verwandelten sich.

Auch wenn Jimmy lediglich als kurzweiliges Expositionselement genutzt wird, ist es eine clever gewählte Perspektive und macht die Bedrohung in wenigen Panels erneut spürbar.

Zur richtigen, wenn auch verwirrenden Einordnung: Die Geschichte findet teilweise parallel zu DER ZOMBIE-VIRUS statt und damit noch vor den Geschehnissen aus dem Band DER ZOMBIE-PLANET. Wer diese Bände nicht kennt, wird eventuell sogar weniger Schwierigkeiten bei der zeitlichen Abfolge haben. Es handelt sich sozusagen um einen Begleitband, der die Ereignisse noch etwas detaillierter erzählt, aber auch völlig neue Schauplätze in den Fokus rückt.

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Während sich der Virus zusehends auf der Welt ausbreitet, existiert ein Land, welches die niedrigste Infektionsrate mit der Anti-Lebens-Formel aufweist – Kahndaq. Der Wüstenstaat wurde nicht nur völlig medial vom Netz genommen, um die Ausbreitung des Virus einzuschränken. Nein, der herrschende Diktator und Antiheld Black Adam hat zudem eine weitere Strategie genutzt.

Black Adam gehört (u. a. laut EWIGER WINTER über Jahrtausende hinweg) zur SHAZAM!-Familie und besitzt nicht nur übermenschliche Stärke und kann fliegen, sondern ist auch imstande, auf magische Fähigkeiten zuzugreifen. Das hat ihn bereits zu einem ebenbürtigen Gegner von Superman werden lassen. Während solcher spektakulären Auseinandersetzungen musste Superman sogar teilweise Unterstützung anfordern, um Black Adam in den Griff zu bekommen.

Mit seinen gottgleichen Kräften setzte der streitbare Herrscher eigenhändig eine Null-Infektions-Agenda durch und vernichtete alles infizierte (Anti-)Leben seines Staates. In aller Deutlichkeit: Black Adam tötete dabei nicht nur Infizierte, sondern auch die Flüchtenden, die der Anti-Lebens-Formel zu nahe kamen. Dieser radikale Ansatz brachte ihm unter seiner noch übrig gebliebenen Bevölkerung einen angsterfüllenden Ruf ein. Niemand konnte sich sicher sein, nicht als Nächstes durch magische Blitze zerrissen zu werden.

Hardcover ©Panini Comics Deutschland

Zeitgleich bemühen sich die Speedster Wally West, Jesse Quick, Impulse und Max Mercury, möglichst viele Bildschirme im eigenen Land zu zerstören, um die digitale Ausbreitung des Virus zu schwächen. Das Virus überträgt sich jedoch auch weiterhin über das infizierte Blut der klaffenden Wunden. Es kommt zu einem Strategiewechsel. Noch ahnt niemand, dass die Lage in Kahndaq völlig eskaliert.

„Es hat geklappt. Das Internet ist down.
Dauerhaft. Ich werd’s vermissen …
natürlich nicht den Teil, der Menschen zu Zombies macht.“

DIE ZOMBIE-APOKALYPSE ist wohl der erste Sammelband der DC-HORROR Reihe, der mit rabenschwarzem und damit blutbeflecktem Humor punkten kann. Denn es gibt einige Abschnitte, die sich mit der jungen Generation von etablierten Helden beschäftigen. Rund um Damian Wayne, Jon Kent und Cassandra Sandsmark entwickelt sich eine amüsante Eigendynamik, die bis dato noch nicht gezeigt wurde.

„Tut mir leid, Damian.
Bin ich dir peinlich vor all diesen Leuten in Capes und Strumpfhosen?“

Die drei Jugendlichen in prestigeträchtigen Kostümen besitzen nicht nur andere Sichtweisen, sondern haben auch ganz eigene Probleme. Daraus resultiert so manche Situationskomik. Der Humor ist jedoch nicht immer für alle unterhaltsam. Am wenigsten für diejenigen, auf dessen Kosten der Gag dann tödlich zündet. Ich konnte allerdings herzhaft lachen.

Auch interessant, aber in einem ruhigeren Tonus erzählt, ist ein weiterer Aspekt des Zombie-Virus: Tiere sind anscheinend immun …

„…weil die Sache von Göttern erfunden wurde.
Und Götter sind immer arrogant.
Sie denken Tiere empfinden nichts.“

Wer dabei direkt an Detektive Bobo Chimp denkt, liegt völlig richtig. Der wohl intelligenteste Schimpanse ist nicht nur ein Detektiv von Welt, sondern auch imstande, barrierefrei mit allen Tierarten zu kommunizieren. Dies ermöglicht völlig neue Optionen im Kampf um das Überleben der Menschheit. Und wer hatte eigentlich nochmal ein ganz besonderes Haustier? Im bisher vierten Ableger der Reihe ist also wieder eine Menge los.

WORT & BILD

In der optischen Darstellung ist alles sehr solide und ohne größere Experimente ausgefallen. Allerdings ist der Zeichenstil von Jon Sommariva derartig freundlich (also cartoonesk), dass dieser nicht so recht zur Virus-Thematik passen möchte. Allerdings fängt er somit die neuen humorvollen Einlagen sehr gut ein. Zumal auch die Dramatik ihren angemessenen Platz in dieser Geschichte findet. Auch wenn DIE ZOMBIE-APOKALYPSE der bisher netteste Ableger unter dem DC-HORROR-Label ist, durch den thematischen wie künstlerischen Wechsel der einzelnen Episoden kommt es zu einem Gesamtbild von frischer Abwechslung.

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Auch wenn zum Schluss noch einmal einige Überraschungen warten und ich erneut gut unterhalten wurde, fehlt es mir dann doch etwas an dem Tiefgang, der die Reihe so imposant gemacht hat. Natürlich muss nicht alle fünf Seiten jemand sterben. Gerade SCHURKEN GEGEN ZOMBIES hat eindrucksvoll bewiesen, wie auch mit weniger Gewalt eine bedrückende Atmosphäre aufgebaut werden kann.

Ich wurde sogar vom aktuellen Band etwas enttäuscht zurückgelassen, da ich mir aus der Immunität von Tieren gegenüber dem Zombie-Virus deutlich mehr erhofft habe. Superhund Krypton schafft es gerade mal auf eine Stippvisite in acht Panels und auf den Buchrücken.

„Ich glaube an euch.
Ich glaube an uns.
Wir werden den Virus besiegen.“

Tom Taylor hat bereits ein Ende seiner schaurigen Elseworld-Story in Aussicht gestellt. Also erwarte ich nicht weniger als einen brachialen Paukenschlag zum krönenden Abschluss. Ob dieser dann emotional oder körperlich brutal ausfällt, bleibt ihm überlassen. Vielleicht hat er sein Potenzial aber auch schon ausgeschöpft? Was nur eine mittelschwere Katastrophe wäre, weil auch dieser Band wirklich gelungen daherkommt. Er lässt aber vor allem einige Dinge angesprochen liegen und daraus könnte man noch etwas Spannendes erzählen, bevor endgültig die Lichter ausgemacht werden.

©Panini Comics Deutschland

Ein interessanter Kniff der Übersetzung lässt sich noch beim Auftreten des geschlechtslosen beziehungsweise nicht binären Charakters Aerie bemerken. Auf kreative Weise wird die dogmatisch besetzte Geschlechtsgegebenheit aufgebrochen und linguistisch verdeutlicht. Wie bereits im Wonder Woman-Run der Rebirth-Reihe wird aus „ihre“ ein „ihrne“ und aus „sie“ ein „sier“.

„Sier trug ihrne Freundin Wink und hoffte,
dass die Festung nicht an die Untoten gefallen war.“

Damit ist vermutlich auch der Kurs für das Pride-Event in Deutschland gesetzt. Das mag ungewohnt sein – ja. Aber es ist auch interessant zu lesen, dass aus dem in der englischen Ausgabe genutzten „they“, eine in Deutschland eher weniger geläufige Variante der nichtbinären Verdeutlichung gewählt wurde. Hier hätte sich allerdings auch ein Klappentext zur einfacheren Einordnung angeboten.

FAZIT

DIE ZOMBIE-APOKALYPSE hat kleinere Schwächen. Dieser Band ist für seine Art einfach etwas zu freundlich und alles andere als furchteinflößend. Dennoch bleibt er ungeheuer unterhaltsam und abwechslungsreich. Es darf nicht nur aufgeatmet, sondern auch gelacht werden. Das ist genretypisch nicht selten, aber für DC-HORROR an dieser Stelle tatsächlich neu.

Die vielen Schauplätze und Charaktere werden weniger spannend zusammengeführt als noch bei den Vorgängern. Dennoch funktioniert es im Gesamten als Nebenerzählung sehr unterhaltsam, wenn auch weniger rund. Die eigentlichen Höhepunkte finden sich in den anderen Bänden der Virus-Reihe. Vielleicht bin ich aber auch schon etwas abgestumpft.

Es bleibt damit bei einem netten Begleitband, der durch die großen Schatten der bisherigen Geschichten etwas an Glanz und Intensität verliert. Das Virus-Universum bekommt damit eine gute Unterhaltungserweiterung, die von mir immerhin noch gerne dreieinhalb Bat-Heads zugesprochen bekommt und die ihr bei Panini oder eurem Comicladen des Vertrauens holen könnt.


3½ von 5 Bat-Heads

“You wanna get nuts? Come on! Let’s get nuts!” – Bruce Wayne (1989) / Lego Batman (2017)

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