„Hot town, summer in Gotham City, back of the batneck gettin‘ dirt‘ and gritty“. Die heiße Jahreszeit ist in Gotham angekommen und mit ihr neuer Ärger für den Dunklen Ritter in John Jackson Millers Romanfortsetzung „Batman: Revolution“, die seit Ende Oktober zumindest auf Englisch erschienen ist und die letzte Lücke zwischen Tim Burtons Filmen schließen will.

Autor: John Jackson Miller
Seitenzahl: 544
Publisher: Random House Worlds
Sprache: Englisch
In den USA erschienen am 21.10.2025
Bislang noch nicht auf Deutsch erhältlich!
© Random House Worlds
Story:
Es ist Sommer und in Gotham City gibt es (ausnahmsweise) Grund zum Feiern. Die letzten Spuren von Jokers vergiftetem Vermächtnis sind endlich verblasst – gerade rechtzeitig, damit Bürgermeister Leo Borg gemeinsam mit dem Unternehmer-Tycoon Max Shreck eine spektakuläre Feier zum 4. Juli auf die Beine stellen kann. Doch nicht alle sind in Feierlaune: Batmans unermüdliche Wachsamkeit ist von Nöten, denn rivalisierende Gangs und maskierte Kriminelle bedrohen weiterhin die Stadt. Gleichzeitig wächst auf den Straßen der Protest gegen die verschwenderischen Ausgaben der Stadt.
Diese aufkeimenden Hoffnungen und die gleichzeitigen Bedenken treffen niemanden so sehr wie Norman Pinkus, ein unscheinbarer Laufbursche des Gotham Globe – und das geheime Genie hinter der allseits beliebten „Riddle Me This“-Rätselrubrik. Doch Norman hütet ein noch viel größeres Geheimnis: Er ist der klügste Kopf in ganz Gotham City und löst seit Jahren Kriminalfälle anonym über die Hotline der Polizei – noch bevor Batman überhaupt von einem Fall erfährt.
Berühmt oder reich ist er dadurch nie geworden. Doch Norman glaubt an Gothams Zukunft und daran, das Richtige zu tun … bis er diesen Glauben verliert. Immer wieder muss er mit ansehen, wie die Stadt und ihre Oberhäupter nur zum Dunklen Ritter hinaufblicken und Norman übersehen. Enttäuscht fasst er einen Plan: Gemeinsam mit gefährlichen neuen Verbündeten nutzt er die angespannte Stimmung des heißen Sommers, um Batman in ein gefährliches Rätselspiel zu verwickeln – mit dem Ziel, Gothams wahren Retter zu krönen. Während der Kampf zwischen Batman und Norman – der sich nun der Riddler nennt – eskaliert, stoßen beide auf düstere Geheimnisse aus Gothams Vergangenheit, die dramatische Folgen für die Zukunft der Stadt haben werden.
Figurenübersicht:











- Batman ist die Vigilanten-Persona, die Bruce Wayne nach dem plötzlichen und brutalen Mord an seinen Eltern durch Jack Napier und einen unbenannten Helfer, dessen Identität in Revolution verraten wird, annahm. Der Dunkle Ritter ist erst relativ kurz im Einsatz nach den Kämpfen gegen den Joker und seinen Männern sowie den Ereignissen aus „Batman: Revolution“. Im Burtonverse wird er gespielt von Michael Keaton.
- Alfred Pennyworth ist Bruces Butler, Vertrauter und Vaterfigur, der von Michael Gough verkörpert wird.
- James Gordon ist Gothams Polizeichef, der in Batman 89 von Pat Hingle dargestellt wird.
- Leo Borg ist der derzeitige Bürgermeister Gothams, dargestellt von Lee Wallace in Batman 89.
- Harvey Dent ist weiterhin der Staatsanwalt von Gotham City, der in Batman 89 von Billy Dee Williams gespielt wird.
- Norman Pinkus ist der unscheinbare Laufbursche des Gotham Globe, der im Hintergrund die beliebte Rubrik „Riddle Me This“ (unter dem Pseudonym Edward Nygma) leitet. Seine Mutter Martina arbeitete früher bei Axis Chemicals, was nicht besonders positiv für ihre Gesundheit war. Norman kümmert sich um seine erkrankte Mutter. In einer nicht unbedingt vom Studio gewünschten weiteren Fortsetzung von Tim Burton war Robin Williams als möglicher Schauspieler für den Riddler angedacht. Dieses Gedankenspiel übernahm Joe Quinones (Zeichner der Comic-Fortsetzungen zu Batman 89) bei seiner obigen Interpretation.
- Alexander Knox ist der vorlaute Reporter des Gotham Globe, der in Batman 89 von Robert Wuhl gespielt wird. Knox arbeitet beim Globe mit Norman Pinkus zusammen, zu dem er sowas wie eine Freundschaft pflegt.
- Roscoe Jenkins ist ein Anwalt, der u.a. seine Mandanten wie Normans Mutter bei Klagen gegen Axis Chemicals vertritt. Im Burtonverse wird er von Michael Murphy verkörpert.
- Max Shreck ist ein Wirtschaftsmagnat, der nach mehr Macht und Einfluss in Gotham strebt und in Revolution versucht, seine Fußstapfen auch in Gothams Geschichte zu verewigen. In Batmans Rückkehr wird er von Christopher Walken gespielt.
- Chip Shreck ist Max Shrecks Sohn, der in Batmans Rückkehr von Andrew Bryniarski gespielt wird.
- Selina Kyle ist Max Shrecks Angestellte, die sich mit Alexander Knox und Norman Pinkus anfreundet. In Batmans Rückkehr wird sie von Michelle Pfeiffer verkörpert.
Einordnung:
„Batman: Revolution“ ist der Nachfolgeroman zu „Batman: Resurrection“ und spielt ebenfalls im „Burtonverse“ zwischen den Filmen „Batman“ (1989) und „Batmans Rückkehr“ (1992).
Hier könnte es aber zu gedanklichen Problemen kommen, denn schließlich dreht sich der Roman um die Figur des Riddlers, diesmal in der Person des Gotham Globe-Mitarbeiters Norman Pinkus. Doch das ist natürlich nicht das erste Mal, dass der Riddler im Mittelpunkt einer Geschichte im Zusammenhang mit Tim Burtons Werk steht.

Auf der einen Seite haben wir die Darbietung von Jim Carrey in „Batman Forever„. Batman Forever ist aber spätestens seit dem Film „The Flash„, der eine Fortführung des Keaton-Batman und auch eine Fortschreibung dessen persönlicher Geschichte ist, die nichts mit dem weiteren beiden Filmen zu tun hat (so ist auch der Cameo am Ende des Films erklärbar), nicht mehr Kanon.
Auf der anderen Seite haben aufmerksame Leser der Comic-Fortsetzungen von Sam Hamm unter dem Titel „Batman 89“ bzw. „Echoes“ im letztgenannten Werk die Martin Short nachempfundene Figur des Edward Nigel Maynard (oder kurz E.NIG.MA) kennengelernt. Aber auch für dieses Rätsel hat „Revolution“ eine passende Antwort parat, sodass es zumindest hier keine Kanonprobleme geben sollte.
Persönliche Meinung:
Was hat diese große, 200 Jahre alte Stadt namens Gotham City nicht schon alles erleben müssen? Im Herbst ein Clownprinz des Verbrechens, im Frühling die Auswirkungen von „Projekt Hegemon“ und jetzt kommt eine drückende Hitze- und Gewaltwelle auf Gotham zu, bevor die Gerüchte um einen Pinguinmann in den Abwasserkanälen zum Winter hin richtig an Fahrt gewinnen. Doch wenn sich das Böse erhebt, ruhen die Hoffnungen der Bürger Gothams auf den Schultern des noch nicht allzu lange im Dienst befindlichen Batmans.
Beim Bösen kommen wir zu einem Kernproblem der Geschichte. Wir haben zum einen Norman Pinkus, der schon im Vorgänger „Resurrection“ aufgetaucht ist und Batman durch seine Auffassungsgabe aus der Klemme geholfen hat. Norman ist der wahrscheinlich klügste Mensch der Welt, der sein Wissen primär aufgrund seiner Zeit als Kind mit seiner Mutter Martina in der Bücherei von Gotham City besitzt. Beide mussten sich dort aufgrund von akuten Geldproblemen verstecken, bis Martina Pinkus einen Job bei Axis Chemicals bekommen konnte, was nicht nur ihr Leben nachhaltig verändern sollte. Norman hingegen ist durch diese Kindheit eher sozial inadäquat unterwegs, was ihn zum Laufburschen beim Gotham Globe gemacht hat, wo er u. a. mit Alexander Knox zu tun hat. Durch seine Erzählung gelingt es John Jackson Miller durchaus, dass man mit Norman aufgrund seiner Darstellung als unterprivilegierter „armer“ Mann sympathisieren kann, was dann natürlich auf den Wandel zum Schurken einzuzahlen vermag. Und was für ein Wandel das dann doch ist. Wenn der Joker so gerne darauf verweist, dass „ein schlechter Tag“ genügt für den Wechsel zum Wahnsinn, dann vergeht dem Clown wahrscheinlich hier auch einmal das Lachen. Den Tag, den Norman Pinkus durchleben muss, kann man getrost als „der schlechteste unter den schlechten Tagen“ bezeichnen, wobei Versatzstücke (Animated Series ist zumindest naheliegend) bekannt sind. Es gibt auch eine gute, für mich sehr comicakkurate Begegnung mit Batman in einer Schule, bei der Norman charaktergetreu agiert. Nach seinem Turn zum Riddler bleibt Norman aber weit hinter den Erwartungen an ein kriminelles Genie zurück. Das nachfolgende Handeln als Riddler ist für mich nicht ganz nachvollziehbar, vielleicht auch deshalb, weil neben dem Riddler noch weitere, für diese Geschichte erschaffene Antagonisten zum Tragen kommen, die allesamt eher blass bleiben, dennoch den Fokus vom Riddler nehmen.
Kern der Handlung bleibt so die Untergrundmiliz der „Aeterna Militia“, die von der geheimnisvollen Camille angeführt wird und die den namensgebenden Beginn einer Revolution einleiten wollen. Daneben treibt ein Bogenschütze in Gotham sein Unwesen. Zu guter Letzt bekommt es Batman ab und zu mit einem Unbekannten zu tun, der mit einem Fluggerät aus der Luft Jagd auf den Dunklen Ritter macht. Diese schiere Vielzahl an Gegnern führt dazu, dass keine der weiteren Figuren den ausreichenden Platz hat, zu scheinen. Am ehesten bekommt Camille noch eine ausreichende Tiefe verpasst, jedoch konnte die Figur bei mir aufgrund der eindimensionalen Motive nicht zünden. Zudem schwächt sie (wohl aus emotionalen Gründen gegenüber der Leserschaft) die Position des Riddlers in der Folge, was ebenfalls negativ bei mir ankam. Die Einbindung des Bogenschützen, der mitunter ein Verweis auf den Charakter aus der 66er-TV-Serie sein mag, hätte man sich aus meiner Sicht gänzlich sparen können. Sowohl vom cartoonigen Motiv seines Handelns als auch von seiner zu vernachlässigenden Sidekickpräsenz passt der Charakter nicht wirklich ins düstere Gotham nach Tim Burton. Da passt noch eher der Flugantagonist, wobei selbstredend nicht verraten wird, welcher Batmanschurke hier eine Neuinterpretation bekommt. Was auffällt ist leider, dass „mehr“ nicht immer besser ist. In Batman 89 gab es „nur“ den Joker nebst kultigem Anhang. Batman Returns fährt schon drei Bösewichte auf. Die Anzahl hat John Jackson Miller für seinen ersten Roman übernommen, wobei Max Shreck eine untergeordnete Rolle innehatte. Zählt man hier Christopher Walkens Charakter nicht dazu, bleiben dennoch vier Hauptantagonisten plus Anhang, was mindestens einer zu viel ist.
Positiv überwiegt, wie beim Erstlingswerk auch, die figurentechnische Einbettung zwischen den Filmen. Aus der (bei weitem nicht abschließenden) Figurenübersicht kann man schon erkennen, wie viele bekannte Gesichter sich auf den über 500 Seiten des Buches wiederfinden lassen. Jeder bekommt ein wenig Platz zum Atmen, obwohl bei den meisten die Reise bekanntlich weitergehen wird in filmischer Form, bei manchen auch nur stückweise. Eine Ausnahme bildet Alexander Knox, der aufgrund seines Fehlens in Batmans Rückkehr einen gebührenden Abschied erhält. Besonders positiv für mich war die stärkere Einbindung von Michael Goughs Alfred. Alfred bekommt hier wesentlich mehr zu tun als sonst. Auch der Intellekt des Butlers wird in den Vordergrund gestellt, was eine willkommene Abwechslung und einen gut gesetzten Gegenpart zum Intellekt vom Riddler darstellt. Diejenigen, die leider mit fortschreitender Jahreszeit offenkundig immer einfältiger werden, sind hingegen die guten alten Nick und Eddie. In Tim Burtons Batman noch eine Familie hinterrücks ausgeraubt und dafür der gerechten Strafe durch Batman zugeführt, fallen den beiden Gaunern in diesem Sommer anscheinend die kleinsten Dinge schwer. Das hat doch bei mir für einiges Kopfschütteln gesorgt.
Weniger tief beleuchtet wird leider die Titelfigur selbst. Der Vorgänger hatte einen besonderen Kniff bei der psychologischen Auseinandersetzung Batmans mit den Geschehnisses aus dem ersten Film parat, auf die in diesem Buch vollends verzichtet wurde. Eine vertiefte Darstellung mit dem inneren Ich des Dunklen Ritters bleibt aus, obwohl Keatons Batman eher als nachdenkender, geradezu grübelnder Bruce Wayne gezeichnet wurde. Miller nähert sich so der Darstellung in Batmans Rückkehr an, wo Batman auch dabei ist… mehr nicht unbedingt. Darüber hinaus kann man auch das eine oder andere neue Spielzeug, das John Jackson Miller extra für „Revolution“ kreiert hat, skeptisch belesen (ich sage nur „Batvan“). Es mutet dann doch eher nach James Bond an, wenn genau das richtige Gadget passend zu einer neuen Situation bereit steht. Wahrscheinlich stand das Ende fest und der Autor musste überlegen, was Batman zum Auflösen der brenzligen Situation benötigt, um es dann vorne einfach einzubauen.
Damit kommen wir zum Hauptproblem des Buches: Das Ende! Die mit gewissen Längen versehene Story, die schon zeitintensiv die ganzen Figuren auf dem Schachbrett so anordnet, bis der Leser überhaupt nachvollzieht, was der eigentliche Plan ist, endet mit einem schlicht einfallslosen und vorhersehbaren „Twist“, der schlussendlich auch den Untergang für die Antagonisten bedeutet. Insgesamt gibt es sogar zwei Twists, die beide nicht funktionieren, da durch das sehr einfach gestrickte Schreiben Millers diese viel zu leicht vorweggenommen werden. Daher verpufft die „große Enthüllung“ im Finale genauso wie der „große Knall“ (mehr möchte ich aufgrund möglicher Spoiler nicht sagen), der mich eher zum Lachen gebracht hat, weil ich nicht glauben konnte, was ich da gelesen habe. Das war für mich leider zu wenig.
Das ist auch das Gefühl, wenn ich an dieses Buch denke. Der erste Roman hatte eine gradlinigere Story, die den Fokus auf ihre besser ausgearbeiteten Figuren legte. Zudem hatte Miller eine Comicvorlage in seine Idee eingewoben. Bei „Revolution“ kann mich die gänzlich originäre Story trotz einiger schöner Ideen und Verwebungen mit dem gesamten Burtonverse nicht überzeugen. Die Antagonisten sind größtenteils blass, wenn nicht gar unnötig für den Plot. Selbst Norman kann als Riddler nicht so recht überzeugen. So bleibt gerade bei diesem Charakter der Beigeschmack, dass letztlich die gleiche Erzählung wie im Vorgänger abgespult wurde.
Fazit:
Ich hatte es in meiner Review zu „Batman: Resurrection“ schon angekündigt, dass ich nach dem Lesen des Vorgängers große Lust auf dieses Buch hatte in der Hoffnung, die Geschichte werde auf mindestens dem gleichen Niveau fortgeführt. Leider wird „Batman: Revolution“ diesen Vorschusslorbeeren nicht gerecht. Die tragische Geschichte des Norman Pinkus weiß mich nicht so recht zu überzeugen, habe ich diesen Erzählverlauf doch schon hundertmal woanders und teils auch besser gesehen oder gelesen. Nicht zuletzt ähnelt der Ablauf in seinen Grundzügen doch stark der Entwicklung von Karlo Babić aus „Resurrection“, was dann doch bei mir die Frage aufwirft, weshalb John Jackson Miller nicht einen anderen narrativen Weg mit der Figur eingeschlagen und ihn zum wirklichen „Front and Centre“ gemacht hat. Der Film „The Batman“ hat gezeigt, was man narrativ mit der Figur so alles machen kann, ohne sich sehr stark an der Comicvorlage anzulehnen. So wirkt Norman Pinkus vom Werdegang und von dem Charakter eher wie ein schlechtes Abziehbild von Paul Danos Riddler-Interpretation.
Alle Burtonverse-Enthusiasten sollten trotzdem einen Blick riskieren, stellt „Revolution“ doch eine letzte Brücke zu Batmans Rückkehr aus 1992 dar. Das Werk Millers ist mit einem starken Beginn und einem leider enttäuschenden Abschluss gesegnet. Weitere Bücher wird es nicht mehr geben und muss es aus meiner Sicht auch nicht. Die Brücke zu Batmans Rückkehr ist geschlossen, sogar mit dem Ausbessern von ein paar Plot Holes zu diesem Film, wie es schon „Batman: Resurrection“ für Batman (1989) getan hat. Apropos… nach diesem Sommerloch kann man sich nun entsprechend der derzeitigen Jahreszeit dem Winter widmen, wenn eine dunkle Kreatur aus den Abwasserkanälen der Stadt nach der Macht greift. Aber das ist ein anderes (besseres) Weihnachtsmärchen. Für das vorliegende Werk reicht es für mich nur für





2 von 5 Bat-Heads.


