Reingeschaut: Catwoman – Lonely City, Batman ’89, Nightwing, The Joker und mehr

In unserer Reihe „Reingeschaut” sammeln wir in Kurz-Reviews ein paar erste Eindrücke und Zwischenfazits zu laufenden US-(Mini-)Serien mit Batmanbezug bzw. von DC.

 

Inhalt

  1. Catwoman: Lonely City
  2. Batman ’89
  3. Nightwing
  4. The Joker
  5. Batman: Wayne Family Adventures
  6. Rausgeschaut (Superman ’78)
  7. Kommentare

Was diese Rubrik hier ist bzw. wie sie aufgebaut ist, haben wir im ersten Beitrag dazu, im Vorwort erläutert.


Catwoman: Lonely City

©DC Comics

Ausgabe: Catwoman: Lonely City #1

Story, Zeichnungen, Farben und Lettering: Cliff Chiang

In Personalunion hat hier Cliff Chiang einen Elseworldcomic über eine gealterte Selina Kyle geschaffen, in welchem sie sich in einem ziemlich ungewohnten Gotham City zurechtfinden muss, nachdem sie nach fast 10 Jahren aus der Haft entlassen wurde.

Und was soll ich sagen?! Chiang liefert hier voll ab.

Zu den Hintergründen und einigen Artworks und Previews geht es hier entlang.

Doch auch hier nochmal kurz etwas zum Inhalt von „Catwoman: Lonely City“:

Auf den ersten Seiten sehen wir, wie eine gestrenge Polizeitruppe (mit stilisierten Batmanhelmen) über die Geschicke der „Sichersten Stadt Amerikas“ wacht, geleitet von dem stets in alle Kameras lächelnden Bürgermeister Harvey Dent. Von der Batfamily zunächst keine Spur. All das ist das Ergebnis eines schlimmen Ereignisses namens „Fools Night“, welches eben vor 10 Jahren stattfand und zur Inhaftierung Catwomans führte.

Chiang gelingt es spielend, subtil eine leise Spannung zu erzeugen, die mehr und mehr an Zugkraft gewinnt. Man kann das Heft kaum beiseitelegen. Neugierig beginnt man, mit Selina dieses neue Gotham zu erkunden bzw. herauszufinden, wie sie mit ihrem geschundenen Körper und den Erinnerungen an die Katastrophen der Vergangenheit in dieser ungewohnten Umgebung zurechtkommt.

Dazu werden relevante Fragen aufgeworfen. Sie betreffen Selina, ihr Einstellung zum Leben, vor allem aber Sinnhaftigkeit wie Auswirkungen maskierten Vigilantentums. All das geschieht nacheinander und doch irgendwie nebenbei, in einer gemächlich aber unaufhaltsam fließenden Story.

Die Zeichnungen sind sicherlich Geschmackssache. Ich mag Chiangs Stil. Den kenne ich schon von seinem hervorragenden Wonder Woman-Run mit Brian Azzarello und ich mag ihn. Zudem sollte man Komplettwerken von Künstlern immer etwas Vertrauen entgegenbringen. Denn man kann so davon ausgehen, ziemlich klar vor sich zu sehen, was der Künstler in seinem Kopf kreiert und dann eben auf Papier gebracht hat.

Ich bin auf jeden Fall heiß auf Ausgabe 2 und bin gespannt, wie Chiang all die Fäden, die er hier aufgerollt hat, am Schluss zu einem stimmigen Knäul zusammenbindet. Die Nr. 1 der Black Label Serie erhält aber schon mal pro forma eine Leseempfehlung.

 


 

Batman ’89

© DC Comics

Ausgabe: Batman ’89 #2
Autor: Sam Hamm
Zeichner: Joe Quinones
Farben: Leonardo Ito

Ich habe das Heft aufgeschlagen mit einem aus Nummer 1 übrig gebliebenen flauen Gefühl. In mir hatte sich still der Eindruck gefestigt, dass mich Joe Quinones‘ Zeichnungen nicht mehr vom Hocker hauen würden. Dennoch hatte mich die Nummer 1 neugierig auf die Folgebände gemacht. Vor allem wollte ich wissen wie sie den Cliffhanger (pun intended) auflösen.

Meine Erwartungen bestätigten sich aber glücklicherweise nicht. Es geht zu Beginn nicht nur ordentlich zur Sache, sondern Quinones legt gleich einen überraschend starken Start hin. Klar wird das kein Jim Lee mehr und das Artwork bleibt natürlich dem Portrait-Cartoon-Stil aus Ausgabe 1 treu. Aber die Komposition zu Beginn wirkt, als hätte man sie direkt aus einem Batmanfilm von Tim Burton geschnitten. Wie da mit Gesten, Bewegungen und Atmosphäre gearbeitet wird, wird wohl die Herzen der meisten Burton-Batman-Fans höherschlagen lassen. Erwähnt werden muss hierbei unbedingt Kolorist Leonardo Ito, der hier in Ausgabe #2 einen ganz großartigen Job im Aufwerten der Quinones-Bilder leistet.

Dazu kommt die wirklich kreative Fortschreibung dieses Elseworld-Universums. Sam Hamm schafft es, bekannte Teile des Comicmythos ganz natürlich in seine Geschichte zu übernehmen. Einzig der Auftritt einer Figur kommt etwas plötzlich. Die Anpassungen, die er aber generell vornimmt (u. a. auch bei Batman/Bruce selbst), finde ich auf erfrischende Weise interessant. Ja, sogar interessanter als die eigentliche Storyline. Aber auch die bekommt mehr Fleisch auf die Rippen und hie und da jenen gesellschaftskritischen Anstrich, der sich in Teil 1 schon ankündigte. All das führt wieder zu einem spannenden Cliffhanger, bei dem man eigentlich ahnen sollte, wie er ausgeht. Aber ich vermute, Mr. Hamm wird da eine weniger erwartbare Abzweigung nehmen. Ich freue mich drauf.


Nightwing

© DC Comics

Ausgabe: Nightwing (Vol. 4) #83: „Leaping into the Light, Part 6”
Autor: Tom Taylor
Zeichner: Bruno Redondo
Farben: Adriano Lucas

Tatsächlich fehlte mir bei der letzten Kurzkritik nur noch dieses Heft zum Abschluss des ersten Runs. Zuletzt habe ich viele positive Worte zu Tom Taylor, Bruno Redondo und ihrem Nightwing gefunden und ich würde sie hier nur wiederholen. Daher konzentriere ich mich auf die Enthüllungen aus dem letzten Heft, Nummer 82. Diese werden hier zunächst etwas nach hinten gestellt. Ich bin mir aber sicher, dass dieses Thema weiterhin eine Rolle spielen wird. Deutlicher kann ich leider nicht werden, es wären einfach zu krasse Spoiler.

Nichtsdestotrotz führen die Ereignisse der letzten Hefte zu einer großen Entscheidung in Dicks Leben, die womöglich auch die Stadt Blüdhaven verändern könnte. Taylor muss jetzt liefern und bleibt hoffentlich konsequent seinem roten Faden treu. Dann bleibt „Nightwing“ ohne Frage eine der besten Batman-Serien, die ich die letzten Jahre gelesen habe.

Dieser erste Storyarch handelt von einem Nightwing, der schon einige Zeit aus dem Schatten seines fledermausohrigen Mentors herausgetreten ist; von einem Nightwing, der auch schon seinen Platz in der Welt, in seiner Stadt und innerhalb seiner Familie gefunden hat. „Leaping into the Light“ löst das Versprechen des Titels ein, indem es uns einen Dick Grayson zeigt, wie er sich aus seiner gefestigten Basis heraus weiterentwickelt und  vorwärts will. Dazu gehören Fragen wie: „Möchte ich weiter sein, wer ich bin? Wo möchte ich noch hin? Was will ich noch erreichen? Was kann ich (dafür) tun und was bin ich bereit dafür zu riskieren?

Damit trifft Taylor genau die Themen, die vor allem Millenials (und älteren Semestern) sehr bekannt vorkommen dürften. Für Nightwing kann es nach der Ansage in diesem Heft nur bedeuten, ein (aus seiner persönlichen Sicht) besserer Held, ein besserer Freund bzw. insgesamt ein besserer Mensch zu werden. Das bedeutet für mich – „Mr. Taylor, shut up and take my money.

 


The Joker

©DC Comics

Ausgaben: The Joker #1 – 5
Autor(en): James Tynion IV (& Matthew Rosenberg)
Zeichner: Guillem March (& Francesco Francavilla)
Farben: Arif Prianto

Ja, ja. Ich habe mich schon hundert Mal darüber beschwert, dass es aktuell zu viele DC- und Batman-Comics gibt, bei denen der Joker eine Rolle spielt. Trotzdem hole ich sie mir immer wieder. Überspringen wir also Spott und Selbstkasteiung und gehen direkt über zur Joker-Serie.

Da steht zu Anfang gleich die Frage: „Joker ohne Batman – kann das funktionieren?!“ Autor James Tynion IV beweist, dass das geht. Dafür bedient er sich eines Tricks. Denn Joker ist kein reiner Comic über den Killerclown. Nein, zentrale Figur hier ist James Gordon. Gleich zu Beginn erfahren wir etwas über seine persönliche Geschichte und die Anfänge in diesem Moloch namens Gotham City. Und schon hat man den Leser eingesponnen, nur um schnell in die Geschehnisse der aktuellen Batman-Kontinuität geworfen zu werden.

Für Kenner derselben dürfte es recht unfein wirken, dass Gordon einem die letzten (ziemlich einschneidenden) Ereignisse in Textkästen zusammenfasst; ebenso, dass Guillem March streckenweise nicht mehr machen darf, als das Geschriebene nochmals grafisch zu spiegeln. Für mich als Unkundigen des bisherigen Tynions IV-Runs und dem Ende des Joker-War, half das allerdings sehr bei der (notwendigen) Orientierung.

Kurz zur Story: der neue Status Quo nach dem Soft-Reboot „Infinite Frontier“ macht den Joker zum „Most wanted man in the world“. Doch der Clownprinz des Verbrechens denkt gar nicht daran sich schnappen zu lassen, hat seine Koffer gepackt und ist weit über die Grenzen Gothams geflohen.

Nachdem dieses Feld bestellt ist, folgt Trick Nummer 2: Vor dem Hintergrund der bekannten Comic-Historie James Gordons und aller Informationen die man als Einsteiger hier schnell gelernt hat, schubst Tynion IV den guten Jim in eine Situation, die fast unglaublich ist und lässt den alten Commissioner immer so ein bisschen In- oder Out of Character agieren; wie es die Story gerade benötigt. Das ist aber gar nicht schlimm. In Heft #5 ergibt sich so zum Beispiel die Möglichkeit, einen näheren Blick auf eine erste Begegnung der beiden zu werfen und das ist wirklich schön gemacht (und übrigens sehr stimmungsvoll gezeichnet wie koloriert vom Gastkünstler Francesco Francavilla).

Damit hat man dann die Grundlage – zwei Figuren aus dem Batmankosmos, die spätestens seit „The Killing Joke“ eine gemeinsame Geschichte haben, welche für diese Serie nun aufs Äußerste zugespitzt wird. Im Grunde geht es hier um eine Verfolgungsjagd um die Welt, mit allerlei persönlichen Verwicklungen. Da gäbe es weit schlechtere Ideen für eine Joker-Serie.

Ach ja, der Joker. Der ist eben der dankbare Charakter, dem man auf den Leib schreiben kann, was man will, Hauptsache es ist irgendwie unerwartet oder böse. Dass sich das Konzept hier nicht totläuft, liegt daran, dass er wirklich zur meistgesuchten Person hingebogen wird. Denn sein letzter zerstörerischer Akt hat auch viele Schurken das Leben gekostet. Die wiederum hatten Freunde, Weggefährten und Familie. Ein paar einflussreiche wie skrupellose Kompagnons und Familienmitglieder wetzen also die Messer und sie kennen jeden geheimen Unterschlupf auf der Welt.

Die Story trägt, hat ein interessantes Set-Up und man fragt sich schnell, wo all das für Jim Gordon und den Joker noch hinführen soll. Dabei betreibt Tynion IV (neben erwartbaren Killing Joke-Anleihen) auch noch ein wenig witzigen Fanservice (Gordon bekommt z. B. von Batman ein rotes Telefon, damit er ihn erreichen kann) und hält inhaltlich die ein oder andere Überraschung für Kenner bereit.

Guillem March liefert ein gefälliges, wie detaillverliebtes Artwork ab. Dabei gelingt es ihm auch (mit Unterstützung von Kolorist Arif Prianto), seinen Zeichenstil entsprechend zu ändern, wenn es das jeweilige Szenario erfordert.

Im Anschluss gibt es immer noch eine Backstory zu Punchline, Jokers neuer Sidekick-Dame. Dort lernt man die Figur näher kennen, indem auch ihr aktueller Status Quo näher beleuchtet wird. Ob man das liest, hängt stark vom eigenen Interesse an diesem noch jungen Charakter ab.

The Joker“ ist eine klassische, unterhaltsame Monatsserie, bei welcher sowohl Ausgangslage als auch Figurenkonstellationen ziemlich interessant sind. Mehr wird diese Serie wahrscheinlich nie sein, aber eben auch nicht weniger. Tynion IV bietet Action, Witz, einen mordlüsternen Clown, grüblerische Monologe und sogar eine Detektivgeschichte, ohne Batman tatsächlich teilhaben zu lassen. Die fortschreitende Story bleibt von Monat zu Monat spannend und ist auch für einige überraschende Wendungen gut. Zwingend muss man die Serie vielleicht nicht haben, aber ein Kauf ist keinesfalls ein Fehler.

 


Batman: Wayne Family Adventures

Ausgabe: Batman: Wayne Family Adventures #1 – 10
Autor(in): CRC Payne
Hauptzeichner: StarBite
Zusätzliches Artwork: Maria Li & Lan Ma

Über den eher „häuslich“ gehaltenen Comic(-Strip) von und bei WEBTOON hatten wir alle Hintergründe schon hier berichtet. Die (aktuell ausschließlich englischsprachigen) Geschichten sind kurz, also ist es die Review auch.

Die „Batman: Wayne Family Adventures“ sind ein leicht verdaulicher Spaß, der zum großen Teil daheim im Wayne Manor bzw. zwischen den Heldeneinsätzen spielt. Das Ganze ist nicht einmal soapig, sondern zeigt in kurzen Episoden eher sehr menschliche (vor allem für jüngere Leser bekannte, wie interessante) Alltagsgegeneinheiten, nahezu immer mit einer Prise leichten Humors versehen.

So bekommt der Leser Einblicke in das Training wie Liebesleben der Junghelden, erfährt, was Batman wirklich eifersüchtig werden lässt und was es mit dem Vigilanten-Bingo auf sich hat.

Das dürfte auf keinen Fall jedermanns Sache sein, macht aber die sonst so schwer beladene und grimmige Batfamily sehr viel nahbarer. Jede Woche erscheint jeweils eine dieser kurzen Episoden zum durchschollen. Für mich fühlt sich das allemal sinnvoller an, als im Insta-Infinity-Scroll seine Zeit zu verbrennen.

 


Rausgeschaut

Diese kleine Unterrubrik ist für den Blick über den fledermausförmigen Tellerrand gedacht – in die weiteren Gefilde der DC-Comics.

©DC Comics

Ausgabe: Superman ’78 #1

Autor: Robert Venditti
Zeichner: Wilfredo Torres
Farben: Jordie Bellaire

Nummer 1 dieses nostalgischen Superman-Runs ist erschreckend unspektakulär. Im Grunde stellt sie nur ein langes Intro oder Setup dar, das ich unter anderen Umständen auf keinen Fall weiterverfolgen würde.

Die Zeichnungen von Wilfredo Torres sind allerdings lobend hervorzuheben. Ihm gelingt der Spagat zwischen einer getreuen Abbildung der 78er-Welt und -Charaktere und einem modernen Comicflair und das ganz ausgezeichnet (und tatsächlich besser als Joe Quinones im vergleichbaren „Batman ‘89“).

Aber auch hier werde ich noch ein oder zwei Hefte weiter dranbleiben. Ein gutes Intro gelingt nicht jedem.

Batmanfan seit frühester Kindheit; besonders geprägt durch die Animated Series und die Dino-Comics.

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