Reingeschaut: Batman ’89, Nightwing, Batman – The Detective und mehr

In unserer neuen Reihe „Reingeschaut” sammeln wir in Kurz-Reviews ein paar erste Eindrücke und Zwischenfazits zu laufenden US-(Mini-)Serien mit Batmanbezug bzw. von DC.

 

Inhalt

  1. Vorwort
  2. Batman ’89
  3. Nightwing
  4. Batman – The Detective
  5. Rausgeschaut (Superman – Son of Kal-El & Justice League Infinity)
  6. Kommentare

Vorwort

Seit ich bei Batmannews Artikel verfasse, lese ich wieder mehr Comics. Nicht nur zu Batman, sondern überhaupt. Dass ich diesen Genuss irgendwann fast aufgegeben hatte, will ich heute gar nicht mehr begreifen. Mit den hinzugekommenen Rezensionen und der monatlichen Comic-News-Rubrik hat das Ganze natürlich auch einen gewissen Geschmack von Arbeit bekommen. Doch der brachte noch eine ganz andere drängende Note mit sich – Wissen!

Will man Up-to-date sein, muss man sich vor allem mit News aus den Vereinigten Staaten auseinandersetzen. Das ist ziemlich interessant, bringt aber mit sich, dass man sehr schnell und unangekündigt harte Spoiler zu Comicstories aushalten lernen muss. Ich weiß jetzt schon, wie bestimmte Erzählstränge ausgehen, die hierzulande noch nicht einmal angekündigt wurden. Wenn man das (als penibler Spoiler-Vermeider) erst einmal aushalten gelernt hat, macht sich ein weiterer fataler Effekt bemerkbar: Werbung!

Ich lese wiederkehrend News zu den immergleichen Serien oder angekündigten Titeln und ich komme auch an einigen Reviews der US-Kollegen nicht vorbei. Steter Tropfen höhlt den Stein, vor allem bei mir, der gleichermaßen neugierig wie ungeduldig ist. Ich habe lange widerstanden, doch schon mit der Batman Adventures Fortsetzung wurde ich schwach. Nun aber sind alle Dämme gebrochen. Die Neugier hat gesiegt. All die Vorankündigungen, Previews, Reviews und Lobpreisungen haben dazu geführt, dass ich (neben zum Teil noch hier liegenden Rezensionsexemplaren) in verschiedene aktuell laufende Serien und Miniserien „Reingeschaut” habe.

Womit wir zu dieser neuen Review-Rubrik kommen und der Beantwortung der Frage, warum ihr euch gerade mit meinem für euch belanglosen Gefühlsleben auseinandersetzt – ich teile gern. Vielleicht geht es ja dem ein oder anderen ähnlich – man liest Previews und weiß nicht so recht, ob die Serie oder der Black Label Titel etwas für einen ist. In diesem Sinne wird „Reingeschaut” ein kleiner Servicebeitrag, in dem ich versuche, einen kurzen Eindruck des Materials zu schildern, welches ich nicht liegenlassen konnte (ohne Ein- und Hinleitungen). Das nächste Mal auch ganz ohne Vorwort. Versprochen.


 

Batman ’89

© DC Comics

Ausgabe: Batman ’89 #1
Autor: Sam Hamm
Zeichner: Joe Quinones
Farben: Leonardo Ito

In der ersten Ausgabe von „Batman ’89” wird ein neuer Status Quo eingeführt und der ist wirklich interessant. Es ist nichts, was man so nicht schon in anderen Variationen gesehen hätte. Aber als Fortführung der Burton-Welt ist das Intro schon spannend gemacht. Zunächst wirkte das ganze vergleichsweise naiv und auch ein wenig langweilig. Doch mit jeder Seite entwickelt sich eine vorausschauend konstruierte Welt sowie gut charakterisierte und platzierte Figuren.

Sam Hamms Erzählfluss erscheint zunächst recht gemächlich, nimmt dann aber fast unmerklich an Fahrt auf, sodass man plötzlich schnell mit dieser ersten Ausgabe durch ist.

Während die Hauptstory eine ganz klassische Comicgeschichte ist, werden nebenbei aktuelle Themen mit eingebunden, ohne dass etwas davon forciert oder aufgesetzt wirkt. Die Anpassung der schon aus den Burton-Filmen gewohnten Charaktere ist gleichermaßen zeitgemäß wie natürlich. Inhaltlich konzentriert sich diese erste Ausgabe v. a. auf eine der Figuren und ihre größer werdende Bedeutung in der Stadt … und es ist nicht Batman. Aber auch für den Dunklen Ritter halten die Kreativen einige (unschöne?!) Überraschungen bereit. Die letzten paar Seiten sorgen tatsächlich dafür, dass man wissen möchte, wie es im nächsten Heft weitergeht.

Neben den schönen Anspielungen auf die Originalfilme gibt es auch allerlei unaufdringliche Referenzen zu weiteren Batman-Interpretation wie Dark Knight Returns oder Batman ’66. Was uns zu den Zeichnungen bringt. Joe Quinones hat einen interessanten Stil, irgendwo zwischen realistisch/portraitartig und cartoonig. Das Artwork wirkt dadurch recht einzigartig und insgesamt passend für dieses Projekt. Leonardo Itos kräftige Farbgebung wird hierzu ihr Übriges tun.

Leider verlieren sie mich ausgerechnet bei der Darstellung Batmans. Schon bei Quinones vielzähligen Teasern per Social Media konnte mich nicht jedes Bild der Fledermaus überzeugen. Manchmal sieht Batman viel zu schlank bzw. ungewohnt dünn aus. Die weißen Augen passen mal mehr, mal weniger. In einigen Panels stellt er den Dunklen Ritter dagegen richtig beeindruckend dar; sodass ein richtiges Kinofeeling entsteht. Aber nach meinem Geschmack kann er Batman nicht gut von der Seite zeichnen. Da entstellt Quinones auch die gute 89er-Maske, die er in anderen Panels (von vorn) sehr passend einfängt.

Dennoch – das Artwork passt hier zur Geschichte und fängt Atmosphäre von Burtons „Batman” für meine Begriffe sehr stimmig ein. Und darum geht es ja am Ende. Für DC geht es darum, dass ich mir auch die zweite Ausgabe holen werde. Werde ich.


Nightwing

©DC Comics

Ausgaben: Nightwing (Vol. 4) #78 – 82: „Leaping into the Light”

Autor: Tom Taylor
Zeichner: Bruno Redondo
Farben: Adriano Lucas

Worum geht’s:

Autor Tom Taylor („Injustice”, „DCeased”) hat sich vorgenommen, Nightwing als sogenannten A-List-Hero zu platzieren. Dafür stellt er dem Leser Nightwing, dessen Beziehungsgeflecht und dessen Stadt nochmals vor. Wir lernen, dass (das von Bruno Redondo groß und detailliert gezeichnete und von Adriano Lucas liebevoll eingefärbte) Blüdhaven unter der schimmernden Oberfläche ein korrupter Moloch ist, in dem Blockbuster und Boss Maroni die Strippen ziehen und Polizei wie den Verwaltungsapparat in der Tasche haben. Zudem bewegt sich die designierte Bürgermeisterin Melinda Zucco(!) ebenfalls in diesen Kreisen. Von dem grausamen und herzlosen Serienmörder, der neuerdings in Blüdhaven umgeht, ganz zu schweigen.

Die Kreativen lassen keinen Zweifel daran (und betonen es auch ständig): Blüdhaven ist eine verkommene und grausame Stadt. Und wir sind eingeladen, den Kampf ihres einzigen Strumpfhosenhelden für eine bessere Welt von Beginn an mitzuverfolgen. Dabei bekommen wir auch Gelegenheit, Dicks Familie und Freunde näher kennenzulernen, ebenso wie seine Gedankenwelt.

Erster Eindruck:
Dieser Neustart bietet alles, was eine moderne Superheldenerzählung braucht. Sie ist frisch, spaßig, traurig, durchdacht, herzerwärmend, erschreckend, zutiefst menschlich und bietet eine angenehme Balance zwischen Action und ruhigeren Szenen.

Bruno Redondo ist im besten Sinne des Wortes ein Comiczeichner. Sein gesamter Stil, die ansprechenden Actionsequenzen und die kreative Panelaufteilung passen unfassbar gut zur Story. Allein, wie Barbara Gordon hier erzählt und gezeichnet wird, ist eine wahre Freude. Die Inszenierung wechselt geschickt von intimen Momenten zu großen Blüdhaven-Splashpages. Adriano Lucas‘ Einsatz der Farben kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu. Generell sind die Hefte – je nach Szeniere – knallig, stimmungsvoll oder dezent koloriert. Eines fällt aber auf – das Ganze ist hell. Dick Grayson lebt in einer weitaus helleren Welt als sein einstiger, grummeliger Mentor. Und das spürt man auf jeder Seite.

Überhaupt werden hier zwei Aspekte klar herausgekehrt: 1. Dick Grayson hilft um zu helfen – das ist einfach Teil seines Wesens 2. Er ist ein Mensch. Er liebt, er trauert, empfindet Freude oder Mitgefühl, er genießt gern, er liebt seine nächtlichen Aktivitäten, wie jene am Tag, denn er liebt das Leben. So wirkt Nightwing unter den berufenen Fingern dieses Kreativteam wie der menschlichste aller Helden. Und das ist sehr, sehr schön. Hinzu kommen ein paar witzige Anspielungen auf den Rest der Batfamily und u. a. deren Familienchat. Gebrochen wird das Ganze vom beständigen Narrativ der grausamen, korrupten Stadt in der er lebt. Erst nach und nach schält sich Blüdhaven auch vorm Auge des Lesers und lässt ihn auf ihren hässlichen Kern blicken.

Tom Taylors und Bruno Redondos Nightwing ist eine meisterhaft leichtfüßig erzählte Comicgeschichte, die Dick Grayson tatsächlich den Aufstieg in die A-Riege der DC-Helden ebnen könnte. Hinzu kommt noch eine Enthüllung in bester Comic-Seifenopfer-Manier. Ich werde der Serie auf jeden Fall weiter folgen und hoffe, sie bald auch in deutscher Sprache präsentiert zu bekommen.

 


Batman: The Detective

Ausgaben: Batman – The Detective #1 – 4

Autor: Tom Taylor
Zeichner: Andy Kubert
Tuscher: Andy Kubert, Sandra Hope & Danny Miki
Farben: Brad Anderson

©DC Comics

Ein Verbrechen im fernen England weckt die Aufmerksamkeit eines gealterten Bruce Wayne. Völlig vereinsamt in seinem riesigen, fast musealen Anwesen konstatiert er: „It’s time for the bat to leave the cave. Forever.

Und damit hat (erneut) Autor Tom Taylor nach 10 Seiten das Set-Up für seine Miniserie „Batman – The Detective” vor dem Leser ausgebreitet. Begleitet wird all dies von den raumgreifenden (und für mich über jeden Zweifel erhabenen) Zeichnungen Andy Kuberts. Dass Kolorist Brad Anderson mit Farben umgehen kann, wissen wir spätestens seit “Three Jokers“.

Kubert hat dennoch hier und da ein paar unsaubere Panel. Das fällt aber kaum ins Gewicht. Ich kann Andy Kubert sowieso nicht neutral bewerten. Ich liebe seinen Stil, spätestens seit Grant Morrisons Run an der Fledermaus.

Überhaupt fühlt sich das Ganze an, wie eine reguläre Batman-Storyline alter Tage. Klar, die eingangs erwähnte Tragödie hat alsbald starken persönlichen Bezug zu Batman und der Dunkle Ritter hat hier schon einige millereske Züge. Dennoch ist er noch ein aktiver Mitternachtsdetektiv, der es versteht einer Spur zu folgen und dies auch unter vollem Einsatz seiner Kräfte tut. Dabei nimmt die Story immer mal ein paar Abzweigungen, hin zu Bruce Waynes Training oder zu Batmans Art der Beziehungsgestaltung. Das lässt die zunächst einfach wirkende Geschichte recht schnell größer werden. Hin und wieder fragt man sich aber, wo das Ganze hinführen soll. Wahrscheinlich bzw. hoffentlich ergibt alles dann am Ende Sinn.

Aber nichts von dem was man geboten bekommt, ist tradiert oder abgehoben; es erinnert eben sehr stark an die Comicstoffe, die ich als junger Mensch gelesen habe; so u. a. auch der/die Gegner. Tom Taylor (der kommt hier später übrigens nochmal! vor) könnte ein neuer Grant Morisson für Superheldencomics werden und zwar im besten, unverschwurbelten Sinne.

Batman – The Detective” ist im Wesentlichen spannend, unterhaltsam, aktuell und zugleich comicbooky. Ich mag zudem Batmans neuen Style. Des Weiteren freue ich mich darüber, dass ihn seine Suche nach Europa und auf eine Reise durch seine Vergangenheit führt. Ich bin gespannt, wie es ausgeht und ob vielleicht Nachfolgeserien drin sind … oder Tom Taylor sowieso bald alle DC-Titel selber schreibt.

Bisheriges Lieblingszitat (an Batman gerichtet): “Just because you were left alone in an alley once, doesn’t mean you have to be alone forever.

 


Rausgeschaut

Diese kleine Unterrubrik ist für den Blick über den fledermausförmigen Tellerrand gedacht – in die weiteren Gefilde der DC-Comics. Zwei Publikationen finden hier heute Platz.

©DC Comics

Ausgabe: Superman: Son of Kal-El #1

Autor: Tom Taylor
Zeichner: John Timms
Farben: Gabe Eltaeb

Die letzten DC-Großereignisse haben es mit sich gebracht, dass der Sohn von Clark Kent/Superman und Lois Lane, Jon Kent, mittlerweile ebenfalls erwachsen ist und den Dress seines Vaters trägt.

Damit versucht DC Comics wohl die Abenteuer eines jungen Superman zu etablieren, ohne auf das Althergebrachte verzichten zu müssen. Die Leidtragenden dieser Entwicklung sind in erster Linie die Fans der Super Sons-Serien, wo sich Jon Kent mit Batmanspross Damian Wayne austobte und beide dort wohl eine sehr schöne Jungsfreundschaft ausgebildet haben.

Dies ist nun so nicht mehr möglich, denn Damian ist zwar mittlerweile auch solo unterwegs, aber (im Gegensatz zu seinem rot-blauen Freund) kaum gealtert. Dennoch lässt Tom Taylor (ich sagte ja, er kommt nochmal vor) diesen Aspekt nicht unter den Tisch fallen. Vielmehr ist Damian sogar derjenige, der den neuen Superman auf Herz und Nieren überprüft.

Taylor präsentiert hier einen schnellen wie unkomplizierten Einstieg in die neue Serie. Grundlegend passiert hier noch nicht viel, aber man lässt uns schon tief in Herz und Charakter des titelgebenden Helden blicken. Das führt einerseits zu einem Versprechen auf der letzten Seite, welches wohl schwer zu halten sein wird. Zum anderen ringt Damian seinem Freund die Bekenntnis ab, wofür dieser und dessen Symbol nun eigentlich stehen sollen. Jons Antwort: „Truth, justice and a better world.”

Und das atmet der Comic durch jede Pore. Grund genug, dranzubleiben.


©DC Comics | Cover by Francis Manapul

Ausgaben: Justice League Infinity #1 – 2

Autoren: J. M. DeMatteis & James Tucker
Zeichner: Ethen Beavers
Farben: Nick Filardi

Auf „Justice League Infinity” hatte ich mich richtig gefreut. Immerhin soll sie die Animationsserie „Justice League Unlimited” fortführen. So setzt sie auch nach den Ereignissen der Serie an und vergrößert in den ersten beiden Heften das Serien-Universum. Dies geschieht natürlich unter Zuhilfenahme der großen Sieben, als auch einem (aus der Serie bekannten) Wesen, dessen Bewusstwerdung wir in den Ausgaben 1 & 2 folgen.

Auch, wenn der Zeichenstil weit cartooniger als der der Serie
ist und wir einige Action und mehr oder weniger lustige Sprüche geboten bekommen, wirkt in Heft #1 eine durchaus ernstere Geschichte im Hintergrund.

Das aber hätte mir fast trotzdem nicht gereicht, um auch noch das zweite Heft anzuschaffen. Dass ich es trotzdem getan habe, ist einem coolen Cliffhanger am Ende des ersten Heftes zu verdanken. Ausgabe 2 bediente dann die daraus entstanden Erwartungen auch ganz ordentlich. Aber mehr eben nicht.

Das ist alles nicht schlecht geschrieben, aber für mich enthaten Hauptstory und Nebenhandlungen zu viele bekannte Versatzstücke, die ich schon in hunderten Justice League- bzw DC-Superhelden-Comics gelesen habe. Mit Heft Nummer 2 hat mich leider das Interesse verlassen und die weiteren Ausgaben verschwinden erstmal wieder von meinem Prioritäten-Stapel. Ich folge schon der „Batman Adventures Continue”-Reihe. Daher habe ich leider nicht die Zeit oder Geduld, bei noch einer Serie aus Nostalgiegründen die Augen zuzudrücken.

Batmanfan seit frühester Kindheit; besonders geprägt durch die Animated Series und die Dino-Comics.

3 Kommentare

  1. Christoph sagt:

    Danke Marian für die tolle Preview. 👍

    Batman 89 ist für mich quasi ein fix Kauf, auch wenn ich mir nicht ganz den Flair der Filme erwarte. Es wird wohl ähnlich wie bei den Batman 66er Comics und jenen zur Wonder Woman Serie sein. Diese empfand ich zwar als gute Comics, allerdings kamen sie nicht ans Original ran.

    Nightwing wäre ja ansich auch ein Comic über den ich mich freuen würde, da ich die alte Reihe aus den frühen 2000ern und aich New52 toll fand, allerdings hat mich Rebirth dann ein wenig enttäuscht. Vlt kann mich ja Tom Taylor wieder überzeugen.

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  2. Batcomputer sagt:

    Meine Meinung zum Batman ’89 Comic deckt sich 1:1 mit der von Marian. Lediglich den Preis von 4,50 für die digitale Ausgabe mit 24 Seiten empfinde ich als horrend.

    Tolle neue Rubrik – und schön, das du wieder vermehrt zum Comic lesen gefunden hast 🙂

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  3. Laschinho sagt:

    Auch von mir ein dickes Lob an den Marian und vielen Dank für die informative Vorrausschau!!!
    Batman ’89 ist auch für mich ein absoluter Pflichtkauf.

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