Review: DC Celebration – Catwoman

Catwoman ist im letzten Jahr 80 Jahre alt geworden. Hättet ihr’s gewusst?! Wenn nein – dann habt ihr jetzt trotzdem die Möglichkeit, verspätet an ihrem Jubiläum teilzunehmen.

Titel: DC Celebration – Catwoman
Original: Catwoman 80th Anniversary 100-
Page Super Spectacular #1

Autoren: Ann Nocenti, Will Pfeifer, Tom King,
Ed Brubaker, Paul Dini, Jeff Parker, Ram V., Chuck Dixon, Mindy Newell, Liam Sharp

Artwork: Lee Garbett, Pia Guerra, Kelley Jones, Fernando Blanco, Robson Rocha,
Emanuela Lupacchino, Mikel Janín,
Cameron Stewart, Jonathan Case uvm.

Verlag: Panini
Seiten: 116
Preis: 24,- € (Hardcover)

VÖ: 09.02.2021


VORWORT

Eines vorweg: ich mag Catwoman. Obwohl für mich lange Zeit Talia die Frau an Batmans Seite werden sollte (was sich aus Gründen der Altersmilde nunmehr geändert hat), hatte Selina Kyle für mich trotzdem immer einen hohen Stellenwert in Batmans Rogues Gallery. Das ist nicht zuletzt der 66er-Serie, „Batmans Rückkehr“ und der Animated Series zu verdanken. Selbst wenn Selina in letzterer (neben Joker und Pinguin) bedauerlicherweise keine Origin und dadurch weniger Tiefe erhielt, da man ihre Bekanntheit aus dem Burton-Batman voraussetzte. Dennoch sind mir einige Episoden mit der räuberischen Katze in guter Erinnerung geblieben, genau wie die wunderbar funkensprühende Dynamik zwischen ihr und dem Dunklen Ritter.

 

Beim späteren Comicgenuss verfestigte sich dieser Eindruck noch. Bereits in den wegweisenden Werken Frank Millers „Batman: Year One” sowie „The Dark Knight Returns” hatte Selina einprägsame Auftritte. Ein weiterer wunderbarer Meilenstein waren die berühmten Bände von Jeph Loeb und Tim Sale, namentlich „Batman: Das lange Halloween“ und „Batman: Dark Victory”, in welchen sie keine unwesentliche Rolle spielte. Der dritte Band der Reihe, „Catwoman: Damals in Rom” drehte sich ja fast ausschließlich um das Katzenweib und ihre Verbindung zur Familie Falcone. Dieser Comic als auch der (in Deutschland einst als „Catwoman – Das dunkle Ende der Straße“ und „Catwoman – Böse kleine Stadt“ erhältliche) Run von Ed Brubaker, u. a. gezeichnet von Darwyn Cooke, als auch Cookes eigenes Werk: „Selinas großer Coup” hatten nachhaltigen Einfluss auf meine Catwoman-Liebe (auch wenn ich anfangs das neue Kostüm und den Kurzhaarschnitt so gar nicht mögen wollte). Danach kamen noch „Batman: Hush” von Jeph Loeb & Jim Lee und ein paar einzelne Abenteuer, aber nach und nach kühlte das Verhältnis zur peitschenbewährten Diebin ab.

Ein Grund dafür ist, dass ich den Tom King Run (mit der kontrovers besprochenen „Hochzeit” von Bats und Cats) bis heute immer noch nicht nachgeholt habe und auch dessen Nachfolge-Miniserie „Batman/Catwoman” gern am Stück lesen würde.

Ein weiterer Grund ist die recht stiefmütterliche Behandlung der betagten Katze bei DC. Ja, zuletzt durfte King sie oft und groß in den Mittelpunkt stellen; ja, sie bekommt ihren 100-Seiten-Band zu ihrem 80. Geburtstag und nein, das reicht nicht. Letztes Jahr blies nämlich auch ein weiterer Batmanschurke seine achtzigste Kerze auf der Torte aus und das war der Joker. Und was haben wir nicht alle von und über ihn gelesen?! Der Joker bekam neben seinem Hundertseiter gleich noch 2 Anthologien obendrauf, daneben eine prominente Platzierung in der Batmanreihe, Three Jokers, Joker – Killer Smile. Und. So. Weiter! Während der Killerclown also in der Mitte des Raumes das ganze Jahr Party machen durfte, musste Selina ihre 80 hinten am Katzentisch feiern.

Es ist zu hoffen, dass Catwoman spätestens durch „The Batman” (zumindest hausintern) wieder etwas mehr Aufmerksamkeit zuteilwird. Bis dahin beschäftigen wir uns mit dem vorliegenden Band.

©DC Comics | Variant E by J. Scott Campbell

REVIEW

Bei „DC Celebration – Catwoman“ handelt es sich nicht um eine Anthologie, also eine Sammlung bereits bekannter, möglicherweise prägender Catwomanstorys, sondern hierfür haben sich mehrere Kreative zusammengefunden, um neue, kurze Geschichten zur 80-Jahr-Feier des Katzenweibes beizusteuern.

Es wird einem dabei schon warm ums Herz, sobald man das Inhaltsverzeichnis durchblättert. Das Lineup an Künstlern besteht aus (zum Teil schon oben genannten) Autoren und Zeichnern, die bereits in der Vergangenheit einige Zeit mit Selina Kyle verbringen durfte, seien es Chuck Dixon, Will Pfeifer, Ed Brubaker, Paul Dini oder Tom King.

Der Band sammelt insgesamt 10 Storys und diese zeigen die Vielfalt und universelle Einsetzbarkeit der Katze. Catwoman präsentiert sich hier als eine eigenständige Comicfigur, die völlig ohne Batman funktioniert, die nachvollziehbar handelt, ohne dass man in den Kurzgeschichten zwingend die Untiefen ihrer Seele ausforschen muss.

Die Storys sind von wechselnder Qualität. Es ist jedoch kein absoluter Totalausfall darunter. Jede Geschichte zeigt eine andere Facette der Berufsdiebin. Dabei ist es für den altgedienten Batmanfan wirklich schön, auch ein paar alte Bekannte auf Autoren- bzw. Zeichner-Seite zu sehen. Ich habe mich zum Beispiel sehr auf die beiden Gespanne Chuck Dixon & Kelley Jones sowie Ed Brubaker & Cameron Stewart gefreut und wurde nicht enttäuscht.

©DC Comics | 2010s Variant Cover by Jeehyung Lee

Während sich Chuck Dixon in „Geboren um zu brennen”(?!) auf eine klassische Heist-Catwoman zurückbesinnt (und gleich noch einen anderen Batman-Gegner beschwört, für den kaum ein anderer Zeichner mehr geeignet wäre, als Kelley Jones), versetzt Ed Brubaker seine Selina in ein rasantes Actionszenario.

Nicht nur bietet Letzteres am Ende alte Bekannte, nein, Brubaker verpasst der Katze im inneren Monolog auf seinen 12 Seiten noch einen neuen Aspekt für ihre Origin. Cameron Stewarts Artwork grenzt hierbei an Perfektion. Es macht richtig Spaß, der schnell voranschreitenden Geschichte zu folgen und sich durch die immer detaillierteren Panels zu arbeiten. Die verschiedenen Stimmungen der 3 bzw. 4 Hauptszenerien unterstützt Stewart gekonnt mit seiner Koloration. „Die Kunst des Schlösserknackens“ ist die letzte und gleichzeitig meine Lieblingsgeschichte aus dem Band.

Ebenfalls hervorragend gezeichnet ist die inhaltlich eher schwächere Story „Überwachung“, geschrieben von Ann Nocenti. Catwoman trägt hier das Kostüm aus „Batman Returns“ und wird fantastisch in Szene gesetzt. Der verantwortliche Zeichner ist der tragischerweise kürzlich an einer COVID 19-Infektion verstorbene Robson Rocha, der hier durch Inker Daniel Henriques und Kolorist Alejandro Sánchez unterstützt wurde.

©Panini Comics Deutschland

Besonders hervorzuheben sind noch zwei weitere Geschichten. Zum einen haben wir da „Catwoman – Retterin der Erde“ von Jeff Parker (Story) und Jonathan Case (Artwork). Hierbei handelt es sich um eine amüsante und (erst auf den zweiten Blick) erstaunlich gut orchestrierte Batman ’66-Geschichte, die ganz ohne den Dunklen Ritter auskommt. Catwoman ist hier gezwungen, von der Diebin zur Heldin zu werden. Das Ganze ist ansprechend und flott erzählt und der Einsatz der Farben auf angenehme Weise ungewöhnlich.

©Panini Comics Deutschland

Zum anderen präsentieren Will Pfeifer (Story), Pia Guerra (Zeichnungen) und John Kalisz (Farben) mit „Convention-Wahn” eine äußerst interessante Meta-Story, die Catwoman zudem auf eine sehr schöne Reise durch die Jahrzehnte schickt.

Wie gesagt, auch die meisten der anderen Kurzgeschichten sind mindestens eine ehrenvolle Erwähnung wert. Tom King (Story), Mikel Janín (Zeichnungen) und Jordie Bellaire (Farben) bieten zum Beispiel einen rührenden Einblick in Catwomans Gefühls- und Gedankenwelt, als sich ihr Leben mit „Helena“ schlagartig zu ändern beginnt und sie sich über ihre Beziehungen und Motive klar werden muss.

©DC Comics

Ram V (Story) und Fernando Blanco (Zeichnungen) geben mit „Süchtig nach Ärger“ derweil einen hübschen Vorgeschmack auf ihren mittlerweile aktuellen Run am Katzenweib.

Wie schon erwähnt, sind auch die restlichen Storys nicht wirklich schlecht. Aber es gibt dann eben hie und da Abstriche zu machen. Neben den Geschichten glänzt dieser Band (wie auch die anderen Geburtstagsbände) durch die vielen Pin-Ups und Jahrzehnt-Reminiszenzen im Inneren. Wie schon beim Joker-Jubiläum sind auch hier sämtliche Variant-Cover, die für den 100-Seiter gezeichnet wurden, in einer Galerie hinterlegt. So erkennt man beim oberflächlichen Schmökern ganz schnell die Stärke von Catwoman, die sie anderen Batman-Figuren voraushat – Vielfalt. Allein die Outfits bei den Pin-Ups und Covern wechseln von Seite zu Seite. So wird dem Leser auch optisch Abwechslung geboten. Selbst in jeder der 10 Geschichten trägt Catwoman jeweils ein anderes Kostüm bzw. hat einen anderen Style. Weil sie es eben kann! So sollte in dem Band eigentlich für jeden Katzenfreund, inhaltlich wie stilistisch, etwas dabei sein.


FAZIT

MARIAN MEINT

Für Catwoman-Fans ist der Band ohne Frage ein Must-Read.

Ich hätte gern geschrieben, dass sich „DC Celebration – Catwoman“ auch für Neuleser eignet, aber das ist nicht der Fall. Beim schnellen Durchblättern ist die schicke Hardcoverausgabe durchaus ein beeindruckender Hingucker. Inhaltlich aber ist oft ein gewisses Vorwissen notwendig; allein um zu würdigen, was einem die Künstler hier anbieten.

Für Gelegenheitsleser wiederum lohnt sich ein Kauf. Man bekommt einen sehr guten Überblick über die Historie wie auch das Wesen von Selina Kyle, unterhaltsam erzählt und meistens wahrlich grandios gezeichnet. Ich zumindest bin dieser Katze gnadenlos verfallen und spreche daher eine klare Leseempfehlung aus.


ÜBRIGENS: Panini hat in einer Leseprobe die komplette erste Geschichte „Katzenjammer” von Paul Dini, Emanuela Lupacchino, Mick Gray & Laura Allred zur Verfügung gestellt.
 

LESEPROBE (bereitgestellt von ©Panini Comics)


DC Celebration – Catwoman (Deluxe Edition)

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Batmanfan seit frühester Kindheit; besonders geprägt durch die Animated Series und die Dino-Comics.

4 Kommentare

  1. Visual Noise sagt:

    Die New 52-Ära Catwoman hats mir gehörig versaut… Da war in der Reihe so ein geschriebener Murx dabei… Am besten sind immer noch ihre kurzgehaltenen Storys und natürlich beinahe jedes Aufeinandertreffen mit Batman! 😀

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    • Marian sagt:

      Dann wird dir dieser Band sehr gefallen. Da sind ausschließlich kurzgehaltene Storys drin 😉

      • Visual Noise sagt:

        Finde 116 Seiten aber trotzdem etwas dünn… Ich würde mich über eine Hardcover Anthologie sehr freuen! Vor allem – selbst die Birds of Prey haben eine bekommen! Finde das etwas unverhältnismäßig! 😅

      • Marian sagt:

        Vielleicht verkauft sich Catwoman auch schlechter. Bei Birds of Prey gab’s auch vor einiger Zeit einen Film. 🤷🏻‍♂️ Wir werden sehen, wie groß die Rolle in “The Batman” ausfällt und ob sich das positiv auf die Verkäufe auswirkt.

        Immerhin will Panini nochmal die ersten Hefte des Brubaker-Runs neu auflegen. Dann kommt es wieder auf die Käufer an. Verkauft sich das gut, sähen wir auch erstmals die weiteren Brubaker-Hefte auf Deutsch.

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