Review: DC Celebration: Der Joker

Der Clownprinz des Verbrechens hat(te) runden Geburtstag und zur großen Feier sind wir alle eingeladen.

Titel: DC Celebration: Der Joker

Autoren: Brian Azzarello, Paul Dini, Denny
O’Neil, Scott Snyder, Tom Taylor uvm.

Artwork: Lee Bermejo, Simone Bianchi, Jock,
Dan Mora, Riley Rossmo uvm.

Verlag: Panini
Seiten: 124
Preis: 24,- € (Hardcover)

VÖ: 13.04.2021


Ja ja, ich weiß – schon wieder ein Joker-zentrierter Comic in den Reviews. Wir müssen aber einsehen, dass letztes Jahr nunmal das Joker-Jahr war. Immerhin ist der Gute 80 Jahre alt geworden. Robin und Catwoman zwar auch, aber wer sind die schon?! Auf jeden Fall hinken wir naturgemäß etwas hinter den US-Veröffentlichungen hinterher, weshalb uns hier der Clownprinz des Verbrechens wohl noch etwas länger beschäftigen wird.
 
Denn während in den Staaten langsam Scarecrow als neuer Gegner des Jahres dem Dunklen Ritter (mit seinem neuen Status Quo) das Leben schwer machen darf, kommt hierzulande der Joker War gerade erst so richtig ins Rollen. Damit nicht genug – selbst überzeugte Jokermuffel der einschlägigen Comicportale kommen nicht umhin, die erst neu gestartete Joker-Serie (welche schon für eine deutsche Veröffentlichung vorgesehen ist) über den grünen Klee zu loben; so wird uns der Killerclown wohl noch einige Zeit begleiten.
 
Während böse Zungen behaupten, dass 2020 überhaupt eine Art Joker-Jahr war, ist sowas ja auf einer Batman-Seite eher ein Grund zu feiern. DC Comics lässt den einträglichen Schurken sowieso zu allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten hochleben.  Daher gibt es von dem Clown natürlich zig Anthologien, gefühlt alle 5 Jahre eine Neue, die die altbekannten Joker-Stories wieder aufwärmt. Hier aber haben wir nun etwas anderes vor uns. Zum Geburtstag will man ja auch nicht immer nur die alten Geschichten hören.
 
Für die Ausgabe „The Joker 80th Anniversary 100-Page Super Spectacular” wurden deshalb komplett neue (Kurz-)Geschichten für das Geburtstagskind entworfen. Und die Riege der Gratulanten kann sich sehen lassen; alles hochverdiente Comicautoren und -zeichner, die den Joker oder den Dunklen Ritter bereits auf die ein oder andere Weise unter ihren Fittichen hatten.
 
Panini hat das Ganze in ein Deluxe Hardcover gepackt und „DC Celebration: Der Joker” genannt. Interessanterweise nutzen die Stuttgarter nicht das Orignalcover (welches aber innen nochmal abgebildet ist), sondern das der Anthologie „Joker: 80 Years of the Clown Prince of Crime*, welches neben ein paar Klassikern erstmals auch „Batman: The Killing Joke” und „Batman Adventures: Mad Love” enthält. Dieser Band wird so aber nicht auf Deutsch erscheinen, weshalb man sich durchaus des schicken Covers bedienen kann.
 
Nun aber genug der Vorrede. Lasst uns in die Joker-Celebration mit einstimmen. Da es sich hier aber nicht um einen Comic im klassischen Sinne handelt, gibt es einen kurzen, spoilerfreien Abriss zu jeder Story. Auf Besonderheiten einzelner Geschichten gehe ich dann im Nachgang ein.
 
©Panini Comics Deutschland
Narben (Scars)
 
 
Scott Snyder (Geschichte), Jock (Zeichnungen) und David Baron (Farben)
 
… gehen der Frage nach, was den Joker eigentlich so angsteinflößend macht und wie es den Opfern nach seinen Angriffen geht. Unheimlich.

Tötet Batman (Kill the Batman)
 
 
Gary Whitta & Greg Miller (Geschichte), Dan Mora (Zeichnungen) und Ivan Plascencia (Farben)
 
… wollen wissen, was passiert, wenn der Joker beim Kampf gegen Batman endlich den ultimativen Erfolg hatte. Ein Fanfest!

Der innere Kampf (The War Within)
 
Peter J. Tomasi (Geschichte) und Simone Bianchi (Zeichnungen und Farben)
 
… entführen den Leser in eine düstere (Alp-)Traumwelt, in der sie nochmals die bedeutendsten Aufeinandertreffen von Joker und Batman kunstvoll Revue passieren lassen. Anspruchsvoll.

Geburtstags-Käfer (Birthday Bugs)
 
 Tom Taylor (Geschichte) und Eduardo Risso (Zeichnungen und Farben)
 
… werfen einen Blick auf die „einfühlsame” Seite des Clowns. Beeindruckend und gruselig. 
 

Sühne (Penance)
 
Tony S. Daniel (Geschichte und Zeichnungen) und Tomeu Morey (Farben)
 
…. geben uns einen Eindruck davon, wie es ist, wenn der Joker in deinem Geist wütet. Erwartbar erzählt, aber schön gestaltet. 
Was kommt am Ende von ‘nem Witz ? (What Comes After a Joke?)
 
James Tynion IV (Geschichte), Mikel Janín (Zeichnungen) und Jordie Bellaire (Farben)
 
… liefern einen kurzen Origin-Teil für Jokers neue Herzensdame Punchline (wie der Story-Titel schon halb-subtil verrät). Entbehrlich.
 

Willkommen beim Taubencorps (Introducing the Dove Corps)
 
Denny O’Neil (Geschichte), José Luis García-López (Zeichnungen), Joe Prado (Tusche) und Marcelo Maiolo (Farben)
 
… versuchen den Joker von gewohnten Pfaden abzubringen und doch bietet diese Geschichte 100% Joker. Witzig.

Ein letztes Lächeln (The Last Smile)
 
Paul Dini (Geschichte), Riley Rossmo (Zeichnungen) und Ivan Plascencia (Farben)
 
… präsentieren uns Jokers schlimmsten Albtraum. Vielschichtig und unterhaltsam. 
 
 
 

Keine Helden (No Heroes)
 
Eduardo Medeiros  & Rafael Albuquerque (Geschichte), Rafael Albuquerque (Zeichnungen) und Marcelo Maiolo (Farben)
 
… zeigen explizit, was geschieht, wenn man in Jokers Gegenwart den Helden spielen will. Auf den Punkt.

Zwei fielen ins Hornissennest (Two Fell Into the Hornet’s Nest)
 
Brian Azzarello (Geschichte) und Lee Bermejo (Zeichnungen und Farben)
 
…. durchdringen jede Metaebene und erzählen die abgefahrenste Geschichte zum Schluss. Völlig drüber.
©Panini Comics Deutschland
Bei einigen der Geschichten lohnt tatsächlich nochmal ein näherer Blick.
 
Zunächst sei erwähnt, dass wir mit „Willkommen beim TaubencorpsDennis O’Neils letzten Comic vor seinem Tod zu lesen bekommen. Auch, wenn man schon (sehr, sehr) viele solcher Jokerstorys gelesen hat, ist sie dadurch doch etwas Besonderes und mit einen bittersüßen Beigeschmack versehen.
 
Ebenfalls bemerkenswert, wenn auch etwas übers Ziel hinausgeschossen, ist die Abschlussstory von Azzarello und Bermejo. Da haben die sich doch glatt an „Einer flog übers Kuckucksnest” bedient und das ganz offensichtlich. Beim nochmaligen Lesen fällt auch auf, dass diese Geschichte eine ganz klare Abrechnung des Keativteams mit der DC- oder Black Label Redaktion ist. Die hatte nämlich einst entschieden, Batmans bestes  Stück ab der zweiten Auflage des Azzarello- und Bermejo-Werks „Batman: Damned” rauszuretuschieren. Die Anspielungen auf diesen Vorfall und die umgebenden Faktoren sind beim genauen Hinsehen häufig und wirken für den Abschluss eines Jubiläumsbandes ziemlich deplatziert. Daher ist „Zwei fielen ins Hornissennest” reine Geschmackssache; mein Fall (höhö) war es nicht. Wenigstens stellt das ganze Vorhaben auf Metaebene eine schöne Hommage für zwei der ikonischsten Rollen Jack Nicholsons dar.
 
Zwei weitere Storys habe ich sehr gern und wiederholt gelesen; auch wenn beide nichts wirklich Besonderes sind.
Die eine ist „Tötet Batman”. Diese Geschichte kommt als kleine Mogelpackung daher, denn eigentlich dreht sich alles viel mehr um Batman als den Joker. Hier wird (mit einigen schönen Eastereggs) eher die Historie und die Einbettung des Dunklen Ritters zelebriert, als der Joker an sich. Dem gehört allerdings das letzte „Panel”, das wohl den meisten zumindest ein Schmunzeln entlocken dürfte. Dan Moras Zeichnungen hierbei sind übrigens wunderschöne, klassische Comickunst.
 
Meine zweite Feel-Good-Story ist „Das letzte Lächeln”. Ich glaube, ich bin da auch völlig voreingenommen – ich mag einfach Paul Dinis Schreibe, seine Anspielungen und seinen Witz. Dazu passen Riley Rossmos Zeichnungen übrigens ausgezeichnet. Sein Stil ist eigenwillig und brauchte etwas, um sich in mein Herz zu schleichen, aber für diese Geschichte passt er perfekt. Stellenweise erinnert das Artwork schmerzlich an den seligen Darwyn Cooke
 
Richtig beeindruckt hat mich tatsächlich nur eine einzige Story und zwar „Geburtstags-Käfer”. An diese Geschichte musste ich auch im Nachgang immer mal wieder denken. Tom Taylor ist sehr eindrücklich in seiner Figurendarstellung. Das Artwork von 100-Bullets-Zeichner Eduardo Risso passt eigentlich sehr gut zu dieser unbequemen Story. Leider konnte mich seine Joker-Darstellung nicht überzeugen. Das ist aber eher zweitrangig, weil einen die Erzählung in ihren Bann zieht und sich eine unangenehme Ambivalenz in einem selbst entfaltet. Einerseits will man sich angewidert abwenden, kann es aber nicht, da man andererseits durchaus angerührt ist. Wie gesagt – beeindruckend.
 
Von „Keine Helden” wird der ein oder andere genauso beeindruckt sein, weshalb diese hier noch ehrenvoll erwähnt sein soll.
 
©Panini Comics Deutschland
Direkt im Anschluss an die Kurzgeschichten lässt Panini eine Galerie der für diesen Band entworfenen Variant-Cover von Neal Adams über Gabriele Dell’Otto bis Jim Lee folgen. Die sind ziemlich gut gelungen und beginnen mit einer Abfolge von Joker-Darstellungen von den 1940ern bis zu den 2010ern. Ganz zum Schluss folgen noch ein par Kurzportraits zu den Künstlern der Storys.
 
Damit aber nicht genug, denn über den Band verteilt, wechseln sich die für die Joker-Historie wichtigsten Comiccover mit völlig neu gestalteten Pin-Ups zum Clownprinz des Verbrechens ab. Diese wurden gestaltet von Künstlern wie Tim Sale, Stjepan Šejić, Ivan Reis oder Kelley Jones. Fürs Auge bietet diese Jubiläumssammlung tatsächlich Einiges.

MARIAN MEINT

Die in „DC Celebration: Der Joker” enthaltenen zehn Kurzgeschichten sind abwechslungsreich und insgesamt leicht zu konsumieren. Die Jubiläumsausgabe mit ihren etwas mehr als 100  Seiten hat man daher schnell durchgelesen. Einige der Geschichten laden aber durchaus dazu ein, den Band nochmals in die Hand zu nehmen und sich an Details und Estereggs zu ergötzen. Die gebotene Vilefalt sollte für jeden Geschmack etwas dabeihaben. Es stellt sich aber die Frage, ob es jedem Leser reicht, ein oder zwei Storys vorzufinden, mit denen er etwas anfangen kann und den Rest als lediglich hübsches Beiwerk dazuzubekommen.
 
Ich persönlich hätte zuvor gesagt, dass ich diesen Band nicht brauche, bin jetzt aber doch froh, ihn in meiner Sammlung zu haben. Hie und da ergeben sich ein paar erfrischende Perspektiven auf den (wie ihn das Backcover nennt) „irrsten und größten Superschurken von allen”; mehr aber auch nicht
 
Das Fazit lautet also erwartbar: Für den Joker-Fan ist dieser Band natürlich ein Muss; für alle anderen eher ein Nice-To-Have

Übrigens: Damit man sich mal ein gutes Bild von Umfang und Atmosphäre der einzelnen Storys machen kann, stellt Panini in einer Leseprobe die komplette erste Geschichte „Narben” von Scott Snyder, Jock & David Baron zur Verfügung:
 

LESEPROBE (bereitgestellt von ©Panini Comics)


DC Celebration: Der Joker (Deluxe-Hardcover)

Shop-Links: Panini-Shop | Amazon*


DISCLAIMER

Für die vorliegende Review wurde uns ein Rezensionsexemplar von Panini Comics Deutschland zur Verfügung gestellt. Dafür vielen Dank!


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Schiller
Batmanfan seit frühester Kindheit; besonders geprägt durch die Animated Series und die Dino-Comics.

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