Review: BATMAN PAPERBACK 10: „Die Albträume des dunklen Ritters“

Wird mit diesem Paperback endlich die nervenzerreißende Story von Tom King weiter geführt oder müssen wir uns erneut mit einem Cliffhanger zufrieden geben? Lasst es uns herausfinden!

Enthaltene Titel:
Die Albträume des dunklen Ritters / Knightmares #1-7

Autor*in: Tom King
Künstler*in: Amanda Conner, Jorge Fornés, Mikel Janín

Verlag: Panini
Seiten: ca. 172
Softcover: 19,00 €
Hardcover: 29,00 €
Status: fortlaufende Story

Erschienen am 17.08.2021

©Panini Comics Deutschland

Was habe ich nicht alles für Lobeshymnen über Tom Kings Story in EISIGE ZEITEN verlauten können? Wie geschickt waren dessen Erzählungen aufgebaut und wie hochspannend wurde ich da auch zurückgelassen? Von einem „Klassiker“ habe ich da liebestaumelnd berichtet. Im darauffolgenden neunten Paperback DIE FLÜGEL DES SCHRECKENS konnten trotz der Kürze der Hauptgeschichte immer noch drei Sterne geholt werden und ein fulminanter Twist hat mich beinahe um den Fledermaus-Verstand gebracht. Doch nun verzettelt sich Tom King (gewollt oder nicht) in Filler-Episoden, die ich so definitiv nicht bestellt hatte!

HANDLUNG

Beinahe frech wird die Hauptgeschichte mit ihrer dramatischen Wendung komplett liegen gelassen. Der Stillstand nach dem Attentat auf Nightwing und die damit verbundene Verrohung von Batman ist unerträglich geworden. Anstatt tiefer in die Motive von Oswald Cobblepot einzutauchen oder den abstrusen Twist am Ende des neunten Sammelbandes zu verfolgen, befinden wir uns in DIE ALBTRÄUME DES DUNKLEN RITTERS in eben diesen – einer Ansammlung von Fluchtfantasien, Reminiszenzen vergangener Storylines und erzählerischen Widerrufen von Kings eigens geschriebener Hochzeit zwischen Bruce Wayne und Selina Kyle alias Catwoman. Es handelt sich also um nicht aufeinander aufgebaute Kurzgeschichten.

Außerordentlich mühselig wäre es, jede Geschichte einzeln zu rezensieren, da sie immer wieder viele Dinge andeuten, aber sie eben auch nie detailliert ausführen wollen. Damit sei in Kürze und spoilerfrei gesagt:

  • Es gibt einen (nicht ganz) neuen Villain, der dringend einen Generationsschliff benötigt, da er meiner Meinung nach in dieser Form nicht lange eine Daseinsberechtigung haben wird. 
  • Die zweite Episode mit Mr. Pyg wurde aus der Kältekammer geholt und für diesen One-Shot herausragend aufgewärmt. Sprich: Beinahe durchgängig werden die von Metaphern schwangeren Monologe einzigartig visuell inszeniert. Die optisch gelungene extravagante Erzählung besticht durch farbliche Überlagerungen und nur einer Idee von Konturen. Das komplette Kapitel erinnert eher an eine Streetart-Hommage unter der Leitung von Mitch Gerads, was ich im positivsten Sinne verstanden haben möchte!
  • Im dritten Kapitel möchte Tom King anscheinend noch viele vage Phrasen dreschen. „Es hat nichts mit dir zu tun. Abgesehen davon, dass das alles hier mit dir zu tun hat.“ oder „Bloß ein weiterer Traum, der zu einen weiteren Albtraum wird.“ sind eben jene Sätze die eigentlich nur nochmal betonen, dass man sich auf nichts verlassen sollte, da die Haupthandlung vom Gezeigten nicht tangiert wird. Dankeschön! Aber eben auch: Nein, danke! Denn nach der zigsten Ausführung im besonders vage und mystisch sein, bin ich auch etwas genervt.
  • Die kritisch diskutierte Hochzeit von Catwoman und Batman wird erneut debattiert. Dabei lässt King Selina noch einmal ausgiebig über ihre Beziehung mit Batman schwadronieren. Überraschend: Diese Geschichte ist ein überzeugender Liebesbrief an den dunklen Ritter durch Catwoman, aber auch von Tom King, als Fan der Figur selbst. Und damit entpuppt sich diese Abhandlung über die verpatzte Hochzeit als viel stimmiger, als die Hochzeit selbst. „Wieso?“ Diese Frage beschäftigt nicht nur Fans von Batman seit diesem Event immer wieder…
  • In einer der letzten Episoden feiern Lois Lane und Selina in der Festung der Einsamkeit den Junggesellinnenabschied, während sich Bruce um einen gemütlichen Abend mit Kumpel Clark bemüht. Wie diese Erzählung auch nur im Entferntesten etwas mit der Hauptgeschichte zu tun hat, bleibt fraglich. Genauso unbeantwortet bleibt die Frage, warum Batman gegen seinen Willen an eine Traummaschine angeschlossen wurde und was in der Realität eigentlich so passiert.

Man kann also durchaus auch Freude mit diesem Band haben. Voraussetzung sollte allerdings sein, nicht zu viel zu erwarten.

WORT & BILD

Die dargelegten Traumsequenzen, die zwar immer wieder lose Bezüge zur Hauptgeschichte ziehen wollen, sind für die interessierte Leserschaft eine erzählerische Folter, weil sie nichts grundlegend Neues hinzufügen. Wer die vorherigen zwei Bände nicht gelesen hat, wird jedoch mit einer Collage an Ereignissen unterhalten. Die insgesamt sieben Etappen dieses Paperbacks haben alle ihren eigenen Reiz, jedoch bleiben sie unter meinen (zugegebenermaßen) hohen Erwartungen. Die über acht Kreativen bringen jeweils ihren eigenen Stil mit in die Geschichten, wobei die Episode „VERLOREN“ von Mitch Gerards eindeutig hervorsticht. Es wird eine weit gefächerte, künstlerische Vielfalt ausgebreitet, die sich als Paperback durchaus sehen lassen kann.

FAZIT

DIE ALBTRÄUME DES DUNKLEN RITTERS ist ein schönes Sammelsurium an Ideen, das meiner Meinung nach aber kaum Tiefe zeigt. Allerdings lässt Tom King sehr tief blicken, wenn er sich geschichtlich selbst zu kritisieren scheint und wohl gern das Hochzeitsevent nachträglich anders geschrieben hätte. So zumindest verstehe ich seine ständigen Bezüge um und mit diesem Event.

Hardcover ©Panini Comics Deutschland

Sammler sollten sich den Band natürlich nicht entgehen lassen. Er bietet abwechslungsreiche Illustrationen und die ein oder andere interessante Kurzgeschichte. Wer gern wissen möchte, wie die Ereignisse des vorherigen Bandes endlich aufgelöst werden, kann hier ruhig mal aussetzen. Denn selbst ein kurzer Auftritt von Bane muss nicht zwangsläufig etwas zu bedeuten haben, da mehrmals darauf verwiesen wird, dass nichts wirklich real ist.

Nun bleibt also nur zu hoffen, dass wir im nächsten Paperback endlich unsere Antworten bekommen. Das Ende verspricht uns zumindest keine zusätzlichen Albträume mehr. „Danke für diesen Tanz, Bats. Aber der Traum ist vorbei.“ Abseits dessen bleibt Band zehn eine solide Nummer und bekommt von mir guten Gewissens immerhin drei Bat-Heads. Bei Panini gibt es das Paperback in beiden Varianten auch immer noch zu haben.


3 von 5 Bat-Heads

“You wanna get nuts? Come on! Let’s get nuts!” – Bruce Wayne (1989) / Lego Batman (2017)

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