Review: TRINITY – GEMEINSAM STARK – Paperback 1

Comic-Lesende werden bei dem Anblick der drei wohl prestigeträchtigsten Helden etwas andächtig. Demzufolge sind die Erwartungen hoch, wenn Superman, Wonder Woman und Batman das Cover unter dem Namen TRINITY gemeinsam repräsentieren.

©Panini Comics Deutschland

Die Gedankenspiele lassen sich in alle Richtungen führen, die die verschiedenen Welten und Ansichten dieser Charaktere in einer Geschichte zusammenführen könnten. Es ist Francis Manapul vergönnt, diese Comic-Giganten im neuen Auftakt gemeinsam zu präsentieren – als Autor und (teilweise) auch als Zeichner.

Interessierte sollten sich bewusst sein, dass es sich hierbei um keine direkte Weiterführung des 52er-Universums handelt, sondern eben dieses komplett umgestaltet werden soll. Unter dem Rebirth-Banner sollte so einiges ungeschehen gemacht werden und neu-alte Verschlimmbesserungen für eine breitere Leserschaft attraktiv gestaltet werden. Es bleibt demnach verwirrend, dass Superman aus der New 52-Reihe nicht mehr existieren kann, aber hier ein beinahe identischer Nachfolger eingeführt wird. Die Erklärungen dazu sind scheinbar so belanglos, dass sie für dieses Paperback nicht einmal mehr kurz illustriert wurden. Aber es muss eben manchmal auch schnell gehen, wenn eine komplette Ära abgehakt werden soll.

HANDLUNG

Es ist für den Autoren Manapul eine spürbare Freude gewesen, diese drei Helden abbilden zu können. Diese Begeisterung gibt er direkt an die Leser*innen weiter und schenkt der Trinity ein menschelndes Zusammentreffen. Superman ist auf der Erde, die Diana und Bruce kennen, gestorben. Beide besuchen den neuen Superman von einer anderen Erde, um ihn nicht nur von ihrer bisherigen Zusammenarbeit mit (dem alten) Clark zu berichten, sondern diese möglichst fortsetzen zu können.

Während Lois (die neue) und ihr Sohn Jon sich über banale Alltagsthemen unterhalten, erscheinen Wonder Woman und Batman vor ihrem Landhaus. Nach einer „interaktiven“ Begrüßung sitzen alle fünf in zivil am Tisch und versuchen ein annäherndes Gespräch, welches nicht so ganz in Fahrt kommen möchte. Und das sind genau die Glanzpanels, die ich mir persönlich mehr gewünscht hätte: Versuche, ein neues Teammitglied kennen zu lernen – abseits der epischen Schlachten. Meinungsverschiedenheiten, Dominanzverhandlungen einer Ehe und Witzeleien über Bruce Wayne lassen sich ebenso finden, wie der stoische Unmut Batmans gegenüber dieser Zusammenkunft. Diana hat drauf bestanden!“

In den weiteren Kapiteln wird diese Nahbarkeit intensiviert, indem durch ungewollte Zeitreisen auf andere Erden verschiedene Eckpunkte der Trinity behandelt werden. Als beobachtende Personen erleben alle drei ihre schicksalshaften Wendepunkte erneut und anders – Rebirth sozusagen. Damit beginnen anfänglich Fremde sich einander anzunähern, zu verstehen, zu stärken und Vertrauen aufzubauen. Allerdings wird auch die Frage diskutiert, wie es zu diesen Zeitsprüngen kommen konnte.

Während Lois auf unserer Erde die handfeste Auseinandersetzung mit der Verursacherin austrägt, verhandeln die ikonischen Drei andernorts ihre Erinnerungen neu. Batman kommt in Kapitel Zwei zu der Erkenntnis, dass es nicht seine Stadt sei: „Ich weiß nicht, wer oder was uns hergebracht hat, aber man spielt mit uns.“

Während Bruce den Tod seiner Eltern abermals anders erlebt, (der neue) Clark seinen verstorbenen Vater als Erwachsener kennen lernt und Diana ihr neugieriges junges Ich zu hinterfragen beginnt, „gilt es, sehr viele Fragen zu beantworten.“

WORT & BILD

Gerade bei den Zeichnungen von Manapul selbst kommt man nicht um ein zufriedenes Seufzen herum. Der sehr kunstvolle Zeichenstil lebt von seinen aquarellanmutenden Hintergründen. Die schwungvolle Strichführung der Charaktere wird durch eine hervorragend eingesetzte Schraffierung ergänzt und setzen sich damit von den Pastellfarben der Hintergründe deutlich ab. Besonders gut ist dies Manapul auf den ersten Seiten gelungen, wo Diana einen riesigen Eber auf den Schultern trägt.

Die verschiedenen Episoden der Trinity sind optisch sehr abwechslungsreich. Jedoch kam bei jeder weiteren emotionalen Abhandlung dramatischer Vergangenheitsbewältigung eine gewisse Ermüdungserscheinung auf. Während Supermans Episode die Vater-Sohn-Dynamik umkehrt und dadurch allein schon unverbraucht erscheint, hat man die Ermordung der Wayne Familie bereits deutlich öfter strapaziert. Zudem kommt die wirklich aufregendere Episoden Vier auf Themyscira und das große Finale beinahe gänzlich ohne Schauwerte daher. Emanuela Lupacchino verzichtet auf eindrucksvolle Splash-Panels und ihr Zeichenstil legt den Charakteren etwas größere Augenpartien in die Gesichter. Damit wirken alle Figuren auf mich etwas naiver und zutraulicher, da sie ständig die Augen geweitet haben. Wer von Lupacchino die Star Wars Comics gelesen hat, möge mich dahingehend bitte korrigieren. Das aber nur als Randnotiz, denn das Finale lässt zumindest Hoffnung auf interessante Charakter- und Storyentwicklungen zu.

FAZIT

Der erste Band der TRINITY-Reihe ist nicht die epische Action, die sich bestimmt einige gewünscht hätten. Es ist vor allem aber nicht die Zusammenkunft der Helden, die ich mir vorgestellt hatte. Auch wenn es zu Beginn wunderschön menschelt und die Geschichte einige Schauwerte zu bieten hat, kommt mir die Annäherung an einen neuen Superman viel zu kurz. GEMEINSAM STARK / BETTER TOGETHER ist mit sechs Kapiteln abgeschlossen, wirkt aber wie eine Pilotfolge mit Überlänge, die etwas versprechen möchte: „Fremde werden Freunde. Freunde werden Familie.“ Ich wünschte, ich könnte diesen Optimismus teilen.

Das Paperback ist bei Panini zu haben und ist auch als Variant-Version verfügbar. Interessanterweise ist es nicht ganz verkehrt den wirklich guten Einzelband von Poison Ivy gelesen zu haben. KREISLAUF VON LEBEN UND TOD / CYCLE OF LIFE AND DEATH ist allerdings schon vergriffen und auch für das Verständnis von TRINITY nicht zwingend erforderlich.

“You wanna get nuts? Come on! Let’s get nuts!” – Bruce Wayne (1989) / Lego Batman (2017)

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