Retro-Review: „SUICIDE SQUAD – Jagd auf Harley Quinn“

Ein Paperback aus der Vergangenheit – kurzweilig unterhaltsam, aber für Fans der Squad ein günstiger Leckerbissen.

Enthaltene Titel:
Suicide Squad #1-8 (2011)

Autor*in: Adam Glass
Künstler*in: Federico Dallocchio, Fernando Dagnino

Verlag: Panini
Seiten: ca. 180
Softcover: 16,99 €
Hardcover: 29,00 €
Status: abgeschlossene Einzelgeschichte

Erschienen am 12.07.2016

©Panini Comics Deutschland

Nach zwei Kinoverfilmungen, die unterschiedlicher nicht hätten sein können, habe ich mal in meinem Comicregal nach der Suicide Squad gestöbert. Dabei ist mir dieser Band ins Auge gefallen, den ich wohl schon länger aus meinem Gedächtnis gelöscht hatte. JAGD AUF HARLEY QUINN verspricht zu viel und ist dennoch durch und durch eine Squad-Geschichte aus erster Hand beziehungsweise aus zweiter Hand, da es sich hierbei um einen Auszug des 2013 erschienen ersten Megabandes MISSION BASILISK handelt.

Bezüglich der zeitlichen Einordnung sollte man erwähnen, dass die Ära der New 52 im US-amerikanischen Raum begonnen hatte. Fast alle DC-Comics wurden, wie man heute sagen würde, rebootet. Das Flashpoint Event eröffnete 2011 die Möglichkeit, neue Origin-Storys zu schaffen. Es darf sich also nicht nur auf die damalige Suicide Squad gefreut werden, sondern auch auf eine Neuinterpretation von Harley Quinn, deren On-off-Beziehung mit dem Joker in dieser Zeit von einem prägenden Ereignis überschattet wurde. Ihr Geliebter hatte sich die Gesichtshaut entfernt. Ja, so war das damals unter Scott Snyder. Während der Joker sprichwörtlich sein Gesicht verlor und als unauffindbar galt, hat man seine ledrigen Überreste im Police Department deponiert. Doch das ist hier nicht Hauptgegenstand der Handlung, sondern spielt erst später eine inszenatorisch untergeordnete Rolle.

HANDLUNG

Die Suicide Squad besteht natürlich wieder aus Inhaftierten des Gefängnisses Belle Reve. Unter der Leitung von Amanda Waller wird eine Handvoll dieser Verurteilten auf eine geheime Mission geschickt, die für die Öffentlichkeit zu schmutzig ist. Wie gewohnt geschieht dies eher unfreiwillig. Denn wer nicht mitmachen möchte, bleibt entweder sein Leben lang im Gefängnis oder wird durch eine Bombe im Nacken während der Mission getötet.

„Raus damit – wer schickt dich?
„Deine Mutter.

Soweit hat sich also wenig an der Ausgangslage geändert. Und auch das damalige Team mag Erinnerungen an den ersten SUICIDE SQUAD Film von David Ayer aus dem Jahr 2016 wachrufen. Das ist natürlich alles andere als ein Zufall. Dieser Auszug der Megabände hat eindeutige Parallelen mit Ayers Film, der einen Monat nach Erscheinen dieses Paperbacks in die deutschen Kinos kam. Das ist clever und hat mich ja auch zum Kauf bewegt. Ich hatte es nur schlichtweg vergessen.

Als Teamchef haben wir im netten Paperback Floyd Lawton alias Deadshot. Zu Beginn unterstehen ihm zum Beispiel El Diablo, King Shark, Voltaic, Black Spider und natürlich Harley Quinn. Das mag jetzt nicht die Zusammenstellung aus dem ersten Film sein, aber die Charaktere lesen sich eben doch ähnlich: Hauptfigur, wichtige Nebenfigur, ersetzbar, austauschbar, definitiv entbehrlich. Schon auf den ersten Seiten wird die Tonalität gesetzt und aus der Figuren-Prioritätenliste kein Geheimnis gemacht. Das ist nicht sonderlich überraschend, aber ehrlich. Denn anstatt einen möglichen Twist auf den Schultern eines unbekannten Charakters zu simulieren, muss halt sterben, wer eben sterben muss.

Bei dieser Erzählung geht es für die Suicide Squad in ein gefülltes Stadion, um ein „wichtiges Paket” zu sichern. Natürlich kann man sich denken, dass da irgendwas so ganz und gar nicht stimmen kann, wenn die Squad eingesetzt werden muss. Und so finden wir uns ganz schnell in einer Schlacht von Cyborg-Zombie-Menschen sowie einem monströsen Wabbelwesen wieder? Fragt nicht! Akzeptiert es einfach …

„Mann, die Kreideumrisse der Bullen werden sicher lustig aussehen.

Die nächste Eskalationsstufe wird mit dem Auftreten eines anderen Teams erreicht, welches ebenfalls Interesse an dem „wichtigen Paket” begründet. Klingt alles nach einer ziemlichen Actionknatterei?! Genau das ist es auch. Die versprochene Jagd auf Harley findet lediglich in zwei Kapiteln statt und ist somit eher verkaufsstrategisch wertvoll. Allerdings erhalten wir auch einen Einblick in die damalige Originstory von Harley, die sich selbst nichts wesentlich Neues zu erzählen wagt.

Hardcover©Panini Comics Deutschland

Immerhin führt sie uns zur erwähnten Joker-Thematik. Und damit leider auch wieder zum Film aus dem Jahr 2016. Denn der Streifen scheint den Comic eindrucksarm rezitiert zu haben. Beinahe identisch wird Harleen Quinzels psychotherapeutische Arbeit mit dem Joker angerissen und der freie Fall der beiden in den Chemikalientank bebildert. Beide Medien konkurrieren dabei mit zwei unterschiedlichen Stilmitteln. Die Comic-Panels schaffen es bei mir Mitgefühl zu entwickeln, weil sie etwas mehr Kontext liefern können. Die filmische Umsetzung bedient sich bei zeitgenössischer Pop-Musik und sieht cool aus. Beide Varianten haben dann aber auch wieder eine Gemeinsamkeit. Sie lassen die Tiefe der komplizierten Beziehung weitestgehend liegen und uns neugierig zurück. 

Dennoch – und das muss man diesem Paperback wirklich zu Gute halten – gibt dieser Abschnitt der Geschichte noch einmal eine andere Richtung und auch etwas mehr Charakterzeichnung. Das hatte ich nach über der Hälfte des Sammelbandes nicht mehr erwartet und dankbar angenommen.

WORT & BILD

Die zeichnerische Qualität ist eher durchwachsen. Bewegungen wirken eher steif, fast nie bekommen wir eine Splashpage und teilweise bin ich mir nicht mehr sicher gewesen, wer nun eigentlich zum Team gehört oder nicht. Denn in bestimmten Momenten sehen einige Charaktere nicht mehr wie sie selbst aus. Besonders deutlich wird das bei Diablo, der mal Muskelpaket, mal Athlet zu sein scheint. Auch King Sharks wechselhafte Körpergröße stellt für mich ein Manko dar.

„Ich hab ein paar üble Drecksäcke umgelegt, nicht mehr.
Sahen dir übrigens ähnlich.

Aber vielleicht ist es ja auch die unausgereift wirkende Rohheit, die der plakativen Darstellung unter die Arme greift. Denn es hat mir – neben aller rationaler Kritik – erstaunlich gut gefallen, weil es zu den Figuren gepasst hat. 

Die Action ist zudem sehr abwechslungsreich geworden; egal ob jemand mit Elektrizität gegrillt wird, der Kopf abgeschlagen, der Körper zweigeteilt oder mit Kugeln durchsiebt, verbrannt, zerquetscht und was weiß ich nicht noch alles … Autor Adam Glass hat sich wirklich eine Menge einfallen lassen. Und irgendwie erwartet man so was ja auch bei einem Team wie der Suicide Squad. Und darauf kommt es mir schlussendlich auch an.

FAZIT

Neben all der Vorhersehbarkeiten gibt es unterm Strich doch noch genügend Überraschungen und Wendungen à la Verrat, Tod und manchem unerwarteten Überleben. Die kleine Harley Origin ist nettes Beiwerk in der sonst so sturen Metzelei. Allerdings sollte man sich von dem Gedanken verabschieden, in diesem Paperback auch mal unbekanntere Charaktere näher erklärt zu bekommen. Häufig muss die Benennung der übermenschlichen Kraft für die Geschichte eben auch ausreichen. Aber manchmal auch nur, wenn sie auch für den Plot genutzt werden kann.

Kein wahnsinniges Leuchtfeuer der Suicide Squad, aber gerade im beabsichtigten Vergleich mit dem damals erschienenen Film deutlich konsequenter und auch fordernder. Ich bin sogar etwas neugierig geworden, wie sich diese Squad noch weiter entwickelt. Wer den kompletten Run von damals lesen möchte, kann noch immer beide Megabände (MISSION BASILISK und WAFFEN DES BÖSEN) bei Panini Comics Deutschland bekommen. Mir reicht allerdings dieses Zeitzeugnis in Form von einem explosiven Abstecher zur damaligen Task Force X. Ich habe hier also einen wirklich guten Einstiegsband in die abgedrehte Welt der zusammengewürfelten DC-Kriminellen und gebe gern drei von fünf Bat-Heads. JAGD AUF HARLEY QUINN ist in beiden Varianten ebenfalls noch bei Panini zu haben.


3 von 5 Bat-Heads

“You wanna get nuts? Come on! Let’s get nuts!” – Bruce Wayne (1989) / Lego Batman (2017)

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