Die siebte Abo-Lieferung von Hachette steht in mehrerer Hinsicht unter dem Motto „alt“ – denn der Held von Gotham ist im Klassiker-Sequel Der dunkle Ritter schlägt zurück und in der noch frischen Geschichte Equilibrium in der jeweiligen Alternativwelt nicht mehr der Jüngste. Der dritte Band wiederum mit prägenden Beiträgen von Marshall Rogers ist aus den späten 70er Jahren und hat damit selbst schon einige Jahre auf dem Buckel. Was aber nicht alt wird, ist unser kritischer Blick auf Werke rund um Batman. Insofern viel Spaß mit unserer Review zu den Ausgaben 18-20.
„Du warst nutzlos. Du hattest es nicht drauf. Du warst ne totale Flasche.“
-Bruce Wayne

Titel:
Band 18: Der dunkle Ritter schlägt zurück
Enthalten:
Batman: The Dark Knight Strikes Again #1-3 (2002)
Autor*in: Frank Miller
Künstler*in: Frank Miller
Kolorist*in: Lynn Varley
Cover: Frank Miller, Lynn Varley
(Original: „Absolute Dark Knight“ von 2006)
Verlag: Hachette
Seiten: ca. 260
Hardcover: 14,99 €
Erschienen am 22.04.2026
©Hachette
Es gibt Comic-Geschichten rund um den dunklen Ritter, die sind so groß, dass alle, die sich ernsthaft für Batman interessieren, sie gelesen haben sollte. Frank Millers 80er-Klassiker Die Rückkehr des dunklen Ritters zählt für viele als einer der einflussreichsten, wenn nicht als der einflussreichste Vertreter überhaupt. Deshalb eröffnete Hachette seine aktuelle Kollektion mit eben dieser legendären Graphic Novel, der wir uns – genau wie seiner gelungenen Adaption als Animationsfilm – bereits in einem zweigeteilten BatCast angenommen haben.
Bei dem Erfolg und Legendenstatus mussten im Lauf der Jahrzehnte inhaltliche Nachfolger in Millers düsterer Zukunft des DC-Universums her, die Hachette der Vollständigkeit halber ebenfalls im Rahmen der Chroniken des dunklen Ritters im Hardcover neu auflegt. Der dunkle Ritter schlägt zurück erschien 2002 in ursprünglich drei Einzelausgaben, die wie der erste Teil vom Kreativduo aus Frank Miller (300, Sin City) als Autor und Zeichner mit seiner damaligen Frau Lynn Varley als Koloristin erschaffen wurden. Nur Klaus Janson kehrte nicht zurück für die Tusche. Allerdings enden die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Bänden damit schon.
Es ist dabei nicht mal der neue inhaltliche Schwerpunkt, der die Geschichte schwer vergleichbar mit ihrem Vorgänger macht – der alternde Batman verkommt zur Nebenfigur und im Zentrum stehen Supermans Verbindung zu Wonder Woman, seine Erzfeinde Lex Luthor und Brainiac, außerdem zahlreiche andere große DC-Helden, wodurch der Comic nicht mehr primär als Batman-Geschichte durchgeht. Dass Miller hier aber eine konfuse, lustlose Geschichte in absolut grauenerregender Optik aufs Papier klatscht, wiegt in der Bewertung deutlich schwerer.
Was in Band 1 nämlich noch als Millers Stil durchging, mutiert hier zu einfach nur grotesken Darstellungen vor verwaschenen Hintergründen. Von der einst ikonischen Bildsprache ist nichts mehr übrig, dafür darf man sich über willkürliche Farbkompositionen und knallige Wechsel von Seiten Varley „freuen“. Man schlägt den Comic auf, fragt sich, wo man hier gelandet ist und darf sich dann über 250 Seiten durch diesen Fiebertraum kämpfen. Selbst erzählerisch ergibt hier nichts Sinn, obwohl Miller wieder krampfhaft die gesellschaftssatirischen Nachrichtenbilder und seine Motive von Revolution im Untergrund bemüht. Hier passt einfach gar nichts und die Fortsetzung eines der besten Comics aller Zeiten offenbart sich beinahe sofort als eine der schlechtesten Veröffentlichungen aus dem Hause DC, die es je gab. Exemplarisch steht dafür das völlig hanebüchene Finale, das dem Albtraum zum Schluss noch die ganz große Krone aufsetzt.
Der einzige Grund, diesem Totalausfall überhaupt einen Bat-Head zu verleihen, ist, dass er inhaltlich den Weg für den wieder gelungeneren dritten Teil ebnet (wird in der Kollektion voraussichtlich in Band 38 erscheinen) und nach vielen Jahren die Geschichte von Fanliebling Carrie Kelley weitergehen durfte. Sonst kann man aus Der dunkle Ritter schlägt zurück wirklich nichts positives ziehen. Wer ihn noch nicht gelesen hat, sei also gewarnt.
Ach so, es gibt noch Bonusmaterial: 13 Seiten hässliche Skizzen von Frank Miller aus seinem Arbeitsprozess.




1 von 5 Bat-Heads
„Jeder, den Batman gerettet hat, stirbt.“
-Equilibrium

Titel:
Band 19: Equilibrium
Enthaltene Titel:
Batman: The Detective #1-6 (2022)
Autor*in: Tom Taylor
Künstler*in: Andy Kubert
Tusche: Sandra Hope, Andy Kubert
Kolorist*in: Brad Anderson
Cover: Andy Kubert, Brad Anderson
(Original: US-Ausgabe #1 von 2021)
Verlag: Hachette
Seiten: ca. 180
Hardcover: 14,99 €
Erschienen am 06.05.2026
©Hachette
Ähnlich wie in Die Rückkehr des dunklen Ritters und Der dunkle Ritter schlägt zurück bildet auch in der mehrfach umbenannten Miniserie The Detective, die hierzulande als Equilibrium erschien, die Grundprämisse eines älteren Bruce Wayne den Ausgangspunkt: Als Batman ist er nicht mehr der Schnellste und Fitteste. Elseworlds-Experte Tom Taylor (Injustice: Götter unter uns, Batman und die Ritter aus Stahl, DC-Horror) präsentiert gemeinsam mit Zeichner Andy Kubert (Batman und Sohn, Blackest Night, Flashpoint) den Fall einer mysteriösen Mordserie, die mit früheren Einsätzen aus Batmans Vergangenheit verbunden zu sein scheint.
Die Spur schickt den im Alter einsamen Mitternachtsdetektiv auf eine Reise raus aus Gotham City und rüber nach Europa, wie Kubert und Kolorist Brad Anderson schon auf dem Cover mit dem Elizabeth Tower („Big Ben“) verraten. Es ist immer schön, wenn die Fledermaus uns auf dieser Seite des Atlantiks einen Besuch abstattet, wie vor knapp zehn Jahren in Brian Azzarellos Batman: Europa. Die vorliegende Geschichte Equilibrium ist sogar noch jünger und moderner. Zur deutschen Erstveröffentlichung von 2022 gab es seinerzeit bereits eine Review von Marian bei uns, in der ihr auch das Titel-Wirrwarr noch einmal nachvollziehen könnt.
Mehr als ein von Gotham abweichendes internationales Setting wird aus dem Ortswechsel aber nicht gemacht und ist letztendlich für die Story austauschbar. Taylor gelingt es über die sechs Kapitel auch nicht, trotz anfangs spannender Exposition, aus den neuen Gegnern interessante Gegenspieler zu machen, obwohl ihre Motivation Potenzial hat. Stattdessen vermitteln vor allem die letzten Hefte den Eindruck, dass die Serie ursprünglich auf mehr als sechs Ausgaben ausgelegt war, da es zu keiner wirklich befriedigenden Auflösung kommt und der dritte Akt recht generisch wirkt.
Dafür ist Equilibrium von Anfang bis Ende wunderschön anzuschauen. Es fehlt zwar nach dem Anfang an griffigen Splashpages, die im Gedächtnis bleiben und Andy Kuberts Kunst übergroß in Szene setzen, dafür ist der Künstler stets eine sichere Bank für zeitgenössische Batman-Comics. Sein typischer Stiftschwung trifft in Kombination mit Andersons Farben genau den düsteren, realistischen, aber doch comichaften Spagat, der vor allem Batman-Blockbuster-Comics seit 2000 ausmacht. Es fehlt aber etwas einschlagendes, damit einem der Band länger in Erinnerung bleiben würde; imposante Panels zum Staunen oder der letzte Schliff in Taylors Erzählung.
Im Bonusmaterial darf man sieben Seiten mit Variantcovern und Charakter-Skizzen von Andy Kubert bestaunen.




3 von 5 Bat-Heads
„Man wird Ihnen kein Haar mehr krümmen, Sir!„
-Alfred Pennyworth

Titel:
Band 20: Seltsame Erscheinungen
Enthaltene Titel:
Detective Comics (1937) #469-476
(„Strange Apparitions“, 1977-1978)
Autor*in: Steve Englehart
Künstler*in: Walt Simonson, Marshall Rogers, Terry Austin
Tusche: Al Migrom, Terry Austin
Kolorist*in: Marshall Rogers
Cover: Marshall Rogers, Terry Austin
(Original: Sammelband von 1999)
Verlag: Hachette
Seiten: ca. 170
Hardcover: 14,99 €
Erschienen am 20.05.2026
©Hachette
Den dritten Band der Lieferung kann man wie schon Band 17 zu den Ausgaben mit dem ältesten Material der Kollektion zählen. Nach Neal Adams ist es nun Zeichner und Kolorist Marshall Rogers, der den Dunklen Ritter im sogenannten Bronze Age mit seinen legendären Beiträgen stark prägte. Deshalb wurden sie schon häufig in gesammelter Form neu aufgelegt und dürfen auch in Hachettes Auswahl nicht fehlen. Im vorliegenden Band liegt die bekannte aufeinanderfolgende achtteilige Strecke aus Detective Comics von Rogers und Autor Steve Englegart mit dem Titel „Strange Apparition“ vor.
Leider haben sich bei der Bearbeitung des Materials für diesen Band ein paar kleine Fehler und Ungenauigkeiten eingeschlichen. Die obligatorischen Künstler-Angaben in den anfänglichen Credits beziehen sich nur auf die ersten beiden US-Ausgaben, die noch von Walt Simonson gezeichnet wurden und sind in Bezug auf den kompletten Band entsprechend unvollständig. Außerdem gibt es Schwankungen in der deutschen Übersetzung zwischen den ersten beiden Kapiteln und dem Rest, für den auch eine andere Schriftart verwendet wird. Ein Beispiel: Jim Gordon wird anfangs mehrmals als „Kommissar“ bezeichnet, ab Detective Comics #471 bis zum Schluss als „Commissioner“.
Wenn man über diese kleinen Stolpersteine in der Bearbeitung hinwegsieht, bekommt man es aber mit einem Sammelsurium von bekannten und – damals – brandneuen Gegnern des Mitternachtsdetektivs zu tun. Nach dem Erstauftritt von Doctor Phosphorus (der durch Creature Commandos im DCU, wo Elemente seiner hiesigen Origin übernommen wurden, einem breiteren Publikum bekannt wurde) muss es Batman mit Hugo Strange, dem Pinguin, Deadshot und dem Joker aufnehmen, dessen hier erdachte Fische inzwischen zur bekanntesten Lore des Clownprinzen zählen.
Rund um diese Gegner löst Batman nacheinander mit zwischenzeitlicher Unterstützung von Robin in jeweils 1-2 Heften Fälle. Eingerahmt wird das aber von zwei übergeordneten Handlungen: mit dem Kriminellen Rupert Thorne als Stadtrat, der eine politische Anti-Batman-Kampagne verfolgt und mit der ebenfalls neu eingeführten Silver St. Cloud als neue Love Interest für Bruce Wayne. Wie die beiden Angehörigen der High Society sich kennenlernen und schließlich eine Beziehung eingehen, ist entsprechend unangenehm zeitgenössisch und damit überholt dargestellt. Dass Silver aber als Leiterin eines eigenen erfolgreichen Unternehmens portraitiert wird und am Ende selbstständige Entscheidungen trifft, darf sie schon 1978 auch als Charakter überzeugen, nicht nur als Gefährtin für Bruce.
Auch wenn durch die vergleichsweise kurze Seitenzahl pro Ausgabe und die damals dominierenden Erzähltexte – herrlich kommentierend – die Zeichnungen noch einen anderen Stellenwert hatten, gelingt es Simonson und Rogers als Meister ihres Fachs, die Emotionen, Beziehungen, aber auch Actionszenen und dramatische Auftritte jederzeit so herrlich zu gestalten, dass man versteht, warum gerade diese Epoche der Batman-Comics derart als Klassiker gilt. Vor allem wenn Rogers seine eigenen Zeichnungen noch koloriert, tut er dies stets so, dass seine bewusst gesetzten Schwerpunkte der Bildführung auch farblich unterstützt werden und schafft so ein überzeugendes Gesamtkunstwerk.
Das Bonusmaterial fällt hier erstaunlich knapp und zufällig aus. Es umfasst gerade mal zwei Cover je einer nicht enthaltenen alten Ausgabe von Batman und Detective Comics mit Schurken aus der vorliegenden Geschichte.




3,5 von 5 Bat-Heads
Ein großes Dankeschön an Hachette für die Zusendung der Review-Exemplare.
Geht ihr bei den Fazits mit oder widersprecht ihr? Schreibt in die Kommentare!


