Review: Batman – Equilibrium

Erst hieß die Miniserie „Batman: The Dark Knight”, dann benannte man sie in „Batman – The Detective” um, um sie schließlich in Deutschland gesammelt als „Batman – Equilibrium” zu veröffentlichen. Ob die Story ebenso unstet ist wie ihre Namensgeschichte oder im wahrsten Sinne des Wortes eher ausgeglichen daherkommt, das klären wir in folgender Review.

Titel: Batman – Equilibrium
Original: Batman – The Detective #1 – 6

Story: Tom Taylor
Zeichnungen: Andy Kubert
Tusche: Andy Kubert, Sandra Hope und
Danny Miki
Farben: Brad Anderson

Verlag: Panini
Seiten: 164
Preis: 19,- € (Softcover)
32,- € (limitiertes Hardcover)

VÖ: 26.04.2022


INHALT

Equilibrium (oder hierzulande eher typischer „Äquilibrium”) – ist ein dem Latein entlehnter Begriff und bedeutet so viel wie Gleichgewicht oder Ausgeglichenheit. Eine mysteriöse Gruppe gleichen Namens sorgt im vorliegenden abgeschlossenen Comicband aufgrund ihres übertriebenen Strebens nach Ausgleich für ein katastrophales Unglück im Vereinigten Königreich. Sie hinterlassen dabei eine Botschaft, die unmissverständlich an ausschließlich eine einzige Person gerichtet ist – Batman. So entschließt sich der Dunkle Ritter, seine Heimatstadt (endgültig?!) hinter sich zu lassen und eine Reise nach und durch Europa anzutreten.

Doch ist dies nicht der Batman, den man so kennt, sondern schon ein Bruce Wayne fortgeschrittenen Alters, der hie und da an „Batman: Dark Knight Returns” erinnert. Der alte Bruce ist Gotham City und das kalte, leere Wayne Manor leid und begibt sich deshalb Richtung London in die Spur, um dem grauenerregenden „Ruf” der Equilibrium-Fanatiker zu folgen. In Europa angekommen warten weitere fürchterliche Bluttaten und alte wie neue Bekannte auf ihn. Außerdem erhalten wir Rückblicke in jene Zeit, in der Bruce noch nicht Batman war und der Glaube in dem Jungen noch stark war, dass ein Einzelner einen Unterschied machen kann.

©Panini Comics Deutschland

Was hält mich noch hier? Ein Ort ohne Zukunft. Hier sind nur Erinnerungen. Kein Grund hier zu bleiben. In diesem Haus, dieser Stadt. Es zieht mich fort. Und ich sehe keinen Grund zurückzukommen. Die Fledermaus muss die Höhle verlassen, für … immer.

– BATMAN

WERTUNG

Ach ja, beim reinen Durchblättern wird mir warm ums Herz. Dieser Band ist eine Freude für jeden comiclesenden Batmanfan der 2000er-Jahre.

Der verantwortliche Zeichner ist Andy Kubert. Ich mag seinen Strich sehr und vor allem mag ich seine Arbeit an Batman. Seine dahingehend bekannteste Arbeit am Dunklen Ritter dürfte wohl seine Kollaboration mit Grant Morrison für die Storyline „Batman and Son” innerhalb der regulären Batman-Reihe gewesen sein. Die Geschichte erschien erstmals 2007 bei Panini in Batman #4 und #5 als „Batmans Sohn Damian”. Außerdem war er auch der Zeichner von Neil Gaimans großartigem Batman-Hohelied „Was wurde aus dem Dunklen Ritter?“ (O: „Batman: Whatever Happened to the Caped Crusader?“).

In „Batman – Equilibrium” läuft Kubert zur Höchstform auf und versetzt den alten, mit Narben übersäten Till-Lindeman-Verschnitt namens Bruce Wayne in einem ziemlich coolen Kostüm glaubhaft in verschiedenste, actionreiche Settings und zeichnet einen Batman, der noch lange nicht seinen Zenit überschritten hat.

©Panini Comics Deutschland

Die Darstellung des Dunklen Ritters, der anderen Personen sowie der Handlungsorte sind detailreich, dynamisch und (wenn notwendig) überlebensgroß. Vergessen sollte man dabei Inkerin Sandra Hope nicht. Die Feinheiten und Details in Kuberts Zeichnungen dürften sie lange ans Zeichenbrett gefesselt haben – und es hat sich gelohnt. Dann wäre da noch mein aktueller Lieblingskolorist (sorry Jordie) – Brad Anderson. Alles, was der in Farben taucht, wird zu Gold. Hier nun ist die Farbgebung die meiste Zeit recht dezent, knallt aber sobald sie muss. Diese drei Künstler schaffen hier ein durchaus düsteres und doch abwechslungsreiches Setting mit einigen Schauwerten, allem voran Batman. 

Damit ist für mich das Artwork hier über jeden Zweifel erhaben. Es ist nicht alles so ultra-definiert, wie zum Beispiel bei einem Jason Fabok, aber alles passt richtig gut in diesen Comic und zur Geschichte an sich. Der Stil wirkt irgendwie wie ein Hybrid aus Andy Kubert, Frank Miller und Scott McDaniel und das meine ich im besten Sinne. Die besuchten Orte, die Figurendesigns, die ausladendenden Kostüme, die wunderbar gestalteten Masken, die Schatten … hach, so muss ein Batman-Comic aussehen. Grafisch ist der Band also großartig und das Umblättern macht dadurch besonders viel Freude.

US-Card Stock Variant Cover zu #2 | ©DC Comics

Dank Tom Taylors (Injustice, Batman und die Ritter aus Stahl, DCeased, Nightwing) dynamischer Erzählweise, stellt das flüssige Blättern auch kein Problem dar. Taylor hat ein Talent für einfache Worte in hin und wieder komplexen Settings. Der Autor springt in „Batman – Equilibrium” in der Zeit vor und zurück, nimmt darauf Bezug, stellt neue Charaktere vor, verpasst ihnen schnell eine Origin, verweist auf Erwähnungen weiter vorn und baut eine große Geschichte, wie in einem Film. All das geschieht scheinbar mühelos und ohne dass man beim Lesen durcheinanderkommt. Alles hat seinen Platz und überfordert selbst die löchrigsten Gedächtnisse und die knappsten Aufmerksamkeitsspannen nicht.

Erst wollte ich schreiben, dass Taylor hier auch geschickt Anspielungen an ein paar große Batman-Momente bzw. -Storys der letzten 40 Jahre unterbringt, aber das stimmt nicht. Taylor tut dies nicht geschickt, auch nicht subtil, er macht es einfach. Tom Taylor ist ein Superheldenfan durch und durch wühlt voller Spielfreude in der Historie des Mitternachtsdetektivs. Er schmeißt einem die Hommagen auch nicht plump ins Gesicht, sondern er reiht sie spielend aneinander oder bringt sie eben dort unter, wo er sie braucht. All das fügt sich nahtlos in die Geschichte ein und sorgt dafür, dass sämtliche Hinweise der Story dienen. Ebenfalls hervorzuheben ist der von Taylor gut platzierte Humor, der an der richtigen Stelle unter anderem beweist, dass Batman menschlich ist. Das passt wunderbar in diese Geschichte hier, trotz der wirklich brutalen und gnadenlosen Gegner sowie dem düsteren Setting.

©Panini Comics Deutschland

Leider ist das Ende etwas unrund geraten und ein paar Zufälle zu viel verknüpfen hier Handlungsstränge und Personen, die wohl unter normalen Umständen so kaum zueinandergefunden hätten. Die Action ist angemessen spektakulär, rein inhaltlich sind aber einige Punkte äußerst vorhersehbar, weil man vieles davon so oder so ähnlich schon mal irgendwo gesehen hat. Dafür gelingt die abschließende Klärung einer Frage, die über den ganzen Band aufgebaut und immer wieder behandelt wurde.

Doch das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir hier keinen zukünftigen Klassiker vor uns haben. Das Artwork ist weit erinnerungswürdiger als die Story selbst und die eben angesprochenen Schwächen werden gerade zum Ende hin offenkundig. Das schmälert ein wenig den Spaß, den die meisten mit dem Großteil des Bandes haben dürften. Taylor beraubt sich am Schluss der Möglichkeit, einen ganz großartigen Batman-Comic geschaffen zu haben. Denn am Dunklen Ritter selbst gibt es in dieser Geschichte kaum etwas auszusetzen.

FAZIT

MARIAN MEINT

Der ganze Band lässt sich an einem Abend flüssig weglesen und bietet optisch so einiges, an den man sich erfreuen kann. Der Story fehlt es nicht an Spannung, auch nicht an interessanten Figuren und Dynamiken und ein alternder Batman, der mit seiner Vergangenheit konfrontiert in Europa ermittelt, hat sowieso einen ganz besonderen Reiz. Leider wirkt die Geschichte hier und da recht konstruiert. Die neuen Perspektiven auf Batmans Lehrjahre als auch die Gegner sind für den eingefleischten Fan zwar verlockend, aber viel Neues lernt man dabei nicht. So ist „Batman – Equilibrium“ eher ein schöner Comic für den Batman-Fan und (Gelegenheits-)Leser, der die Fledermaus mal außerhalb von Gotham actionreich inszeniert sehen will. Die Geschichte bleibt ohne großen Nachhaltigkeitswert, wird aber äußerst ansprechend präsentiert und sehr unterhaltsam erzählt. Wer nichts Originelles braucht, sondern nur gut unterhalten werden will (und bei so manchem plötzlichen Twist auch mal ein Auge zudrücken kann), kann hier bedenkenlos zugreifen.


Bei Panini liegt der Band jeweils im Soft- und Hardcover vor.

Batman – Equilibrium (Softcover)
Batman – Equilibrium (Hardcover)


Übrigens: Panini gibt in einer einer Preview noch ein paar weitere Einblicke.

LESEPROBE (bereitgestellt von ©Panini Comics)

DISCLAIMER

Für die vorliegende Review wurde uns ein Rezensionsexemplar von Panini Comics Deutschland zur Verfügung gestellt. Dafür vielen Dank!

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Batmanfan seit frühester Kindheit; besonders geprägt durch die Animated Series und die Dino-Comics.

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