Review: BATMAN DETECTIVE COMICS PAPERBACK 11: „Duell der Ritter“

Der Arkham Knight ist zurück! Beziehungsweise wird er in diesem Paperback komplett neu eingeführt…

Enthaltene Titel:
Duell der Ritter / Medieval #1-6
Adam zeugte den Kain / Adam Raised a Cain

Autor*in: Peter J. Tomasi
Künstler*in: Brad Walker, Max Raynor, Travis Moore

Verlag: Panini
Seiten: ca. 180
Softcover: 20,00 €
Hardcover: 30,00 €
Status: abgeschlossene Einzelgeschichte

Erschienen am 12.10.2021

©Panini Comics Deutschland

Das Sammelband DUELL DER RITTER kann wirklich beherzt ohne jede Vorkenntnis genossen werden und wurde uns freundlicherweise von Panini Comics als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Dieser Review geht als ein großes Dankeschön voraus und ich freue mich zudem vom neuen Arkham Knight berichten zu können.

Ein neuer Schurke verbreitet Chaos auf Gothams Straßen. Doch es sollte mächtig in der Erinnerungsabteilung klingeln, wenn ihr euch mit dem 2015 erschienenen Videospiel BATMAN: ARKHAM KNIGHT befasst habt. Für dieses auch immer noch grafisch sehr ansprechende Spielerlebnis wurde eigens ein neue Figur geschaffen – so hat es das Entwicklerstudio ROCKSTEADY zumindest damals großspurig verlauten lassen. Die Offenbarung, wer sich hinter dem futuristischen Kampfanzug verbirgt und warum er einen so unbändigen Hass gegen Batman hegt, hat jedoch viele Fans enttäuscht. Vier Jahre später hat man versucht zumindest im Comic-Bereich diesen kleinen Fauxpas wieder auszubügeln und die Figur Arkham Knight mit einer neuen Origin zu rehabilitieren. In diesem Jahr hat es die komplette Geschichte auch nach Deutschland geschafft.

HANDLUNG

Bevor uns die neue Charakterisierung des Arkham Knight präsentiert wird, gibt es vorab schon mal beeindruckende ganzseitige Panels, die nicht nur Referenzen an bisherige Abenteuer von Batman sind, sondern auch nochmal einige seiner stärksten Gegner in den Fokus rücken. Zum Beispiel erinnern Killer Croc, Two-Face, Talon und Mr. Freeze noch einmal seitenfüllend daran, dass das Batman-Universum bereits spannende Villains hat. Dieser Prolog endet mit dem süffisanten Sinnieren über Batmans Bedeutung in Gotham. Der Arkham Knight kommt zu dem Entschluss: „Die Menschen verdienen mehr als einen dunklen Ritter.“ Was er damit meint, wird schnell klar.

Es werden kurzer Hand ein heiliger Krieg ausgerufen und einige Handlanger um sich geschart. Passend zur mittelalterlichen Auslegung des Wortes Knight (eng. = Ritter) geht es unter dem Banner von Licht und Hoffnung gegen das vermeintliche Schattenreich des Batman. Ausgestattet mit Pfeil und Bogen hetzt der Arkham Knight seine Gefolgschaft auf, um Batman „endlich seiner gerechten Strafe“ zuzuführen. Man merkt schon, dass auch in dieser Interpretation des Arkham Knight ein eindeutig persönliches Motiv zu Grunde liegt, welches den Reiz der Figur ausmacht. Ganz nebenbei sterben auf unerklärliche Art und Weise die realen Fledermäuse in Gotham und Umgebung. Des Weiteren erhellt noch eine Tageslichtbombe den Abendhimmel. Es gibt also wieder mal einiges für Batman zu erledigen, denn natürlich rennt ihm mit dem heiligen Krieg Eklipse auch immer mehr die Zeit davon.

WORT & BILD

Die sechs Kapitel lange Story kommt dabei relativ schnell zum Punkt. Wer jedoch einen bekannten Charakter oder einen Aha-Effekt hinter der neuen Maske sucht, wird hier nicht fündig. Der Arkham Knight ist diesmal wirklich ein komplett eigenständiger Bösewicht. Und das ist auch gut so! Auf detaillierten zehn Seiten wird sich auch wirklich Zeit für die Motivation genommen. Peter J. Tomasi begleitet diese neue Figur buchstäblich von der Geburt bis zur wahnsinnigen Selbstaufgabe und Wiedergeburt als Arkham Knight. Die Geschichte ist dem Genre entsprechend zugespitzt und in seiner vielfältigen Dramatik vielleicht auch überzogen, aber sie ist interessant. Die stilsichere Überzeichnung der Ereignisse wird mit anderen bekannten Figuren verknüpft und wirkt auf mich dadurch auch organisch verankert. An die intensive Erfahrung des wirklich grandiosen Runs der BATMAN UND ROBIN-Reihe kann Tomasi allerdings nicht anknüpfen.

Leider endet mit einem eher schwachen Finale auch dieser unterhaltsame Handlungsstrang und hinterlässt das Gefühl, als wäre da mehr drin gewesen. Das alles hätte noch spannender erzählt werden können. Durch die frühen Geheimnisenthüllungen leidet der Payoff spürbar. Aber schlecht ist es eben auch nicht. Gerade der eher kontrovers diskutierte Damian als Sidekick innerhalb der Geschichte gibt dem Plot eine würzige Komponente. Diesem Robin kann man so einiges zusprechen, aber ein Sympathieträger wird er bei mir niemals sein! Für dieses Abenteuer ist er jedoch genau der Richtige, weil er so herrlich eigensinnig ist. „Selbst ohne Helm weiß ich immer noch nicht, wer du bist, und es ist mir auch furzegal.“

Hardcover ©Panini Comics Deutschland

Eines muss ich allerdings wirklich kritisieren. Weiße Augen bei Batman finde ich per se nicht verkehrt. Wer allerdings Brad Walker und Co empfohlen hat eine Verspiegelung in diese weißen Augenpartien mit einzuarbeiten, hat es mit mir nicht leicht. Es gibt Stellen, an denen es eher nach einer Skibrille aus dem letzten Milliardärsurlaub aussieht. Gibt es wirklich Leute, die das gut finden? (Woo hoo! I doubt it!) Überhaupt bekommt Batman ein sehr faltiges und langes Gesicht spendiert, wenn er diese Maske trägt. Als Bruce Wayne sieht er hingegen auch körperlich völlig anders aus. Das hat mich tatsächlich etwas irritiert und dadurch auch gestört.

Am Ende des Sammelbandes gibt es dann noch auf ungefähr 30 Seiten den One-Shot ADAM ZEUGTE DEN KAIN. Im Fokus steht hierbei der Reaper. Ein mit Klingen ausgestatteter Meuchelmörder mit Totenschädelmaske, Umhang und einer seltsamen Auffassung von Gerechtigkeit. Auch der Twist am Ende kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Reaper böse ist, weil er eben böse ist. Also meiner Meinung nach steckt da um Längen weniger Tiefe dahinter, als noch bei der (zugegebenermaßen stark konstruierten) Arkham Knight-Neuinterpretation.

FAZIT

Ich mag den neuen Arkham Knight sehr. Aber ich befürchte, das Pulver ist mit dieser abgeschlossenen Geschichte bereits verschossen. Und auch wenn mir die Zeichnungen etwas aufgestoßen sind, bleibt es in seiner Gänze ein gutes Paperback. Durch Damian als Robin erhält DUELL DER RITTER eine schöne Schärfe, auch ohne ihn ist die zweite Geschichte ebenfalls abgeschlossen und beide Storys bringen mehrere Wendepunkte mit sich. Damit sind wir bei einem gesunden Mittelmaß, das mehr positive Aspekte mit sich bringt und gerne drei von fünf Bat-Heads von mir bekommt. Aber eben auch einen ganz subjektiven halben Bat-Head oben drauf, weil ich die neue Arkham Knight-Origin wirklich gut finde! Beide Varianten gibt es bei Panini auch immer noch zu haben.


3 ½ von 5 Bat-Heads

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“You wanna get nuts? Come on! Let’s get nuts!” – Bruce Wayne (1989) / Lego Batman (2017)

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