Review: DC HORROR: „Angriff der Vampire“ 1 (von 2)

Blutsaugende Fledermäuse mit charismatischer Außenwirkung: Eine perfekte Ausgangslage – hatte ich gehofft …

Enthaltene Titel:
Angriff der Vampire / DC VS. VAMPIRES #1-6

Autor*in: James Tynion IV & Matthew Rosenberg
Künstler*in: Otto Schmidt

Verlag: Panini
Seiten: ca. 164
Softcover: 19,00 €
Status: fortlaufende Story

Erschienen am 16.08.2022

©Panini Comics Deutschland

Mit ANGRIFF DER VAMPIRE spendiert uns Panini Comics Deutschland den ersten von zwei Bänden mit diesen mythischen Kreaturen. Das Rezensionsexemplar habe ich sogleich auch in der Stille der Nacht aufgesaugt – vielen herzlichen Dank dafür.

Leider kann die starke Ausgangslage nicht so ganz mit meinen Erwartungen mithalten; denn ich bin doch etwas durch das DC HORROR-Sublabel verwöhnt worden. Auch wenn der letzte Band DIE ZOMBIE-APOKALYPSE schon angefangen hatte, deutlich zu schwächeln, sind gerade DER ZOMBIE-VIRUS und SCHURKEN GEGEN ZOMBIES wahre Unterhaltungsgranaten der härteren Gangart. Und als Gesamterzählung möchte ich keinen, der bisher vier erschienen Sammelbände missen.

Ich möchte der Vampir-Thematik durchaus ihren Reiz zusprechen. Leider ist die Umsetzung sehr holprig und nach dem ersten Sammelband erscheint mir auch Einiges etwas sinnbefreit. Warum das so ist, versuche ich euch nun spoilerfrei näher zu bringen.

VAMPIRE – WAS, WIESO?

Immer wenn Geschichten von Vampiren getragen werden sollen, gilt es als Allererstes zu klären, welcher Fähigkeiten sich denn bedient wird. Irgendwas mit Blut ist eigentlich immer zu finden, genauso wie die Verletzlichkeit durch Sonnenlicht und manchmal auch Knoblauch.

Die hier genutzte Vampir-Variante zeichnet sich durch einen besonders großen Blutdurst aus. Sie kann wie üblich Sonnenlicht nur schwer ertragen, religiös aufgeladene Objekte sind unter den hiesigen Vampiren ebenfalls unbeliebt und sie können eine hypnotische Aura nutzen, um ein potenzielles Opfer gefügig machen.

Letzteres klingt unheimlich nützlich, erweist sich unter diesen Vampiren, aber als eher unpopulär und findet in diesem Comic lediglich einmal Anwendung. Und ab hier beginnen leider auch schon die weiteren Ungenauigkeiten, was zu Logiklücken führt.

©DC Comics

AGATHA CHRISTIE … FÜR VAMPIRE!

Um selbst zu einem Vampir zu werden, kann man sich beißen lassen oder das Blut eines Vampires trinken. Da scheint man sich in diesem Sammelband allerdings noch nicht so ganz einig zu sein. Denn so häufig wie hier sporadisch Blut vergossen wird (beispielsweise durch starke Gewalteinwirkung, wonach eine Fontäne im Gesicht landet), hätte es eigentlich schon öfter zu einer unfreiwilligen Transformation kommen müssen. Diesen Umstand kann man sich aber irgendwie noch schön reden.

Das unsinnigste Attribut ist allerdings das Böse – also wirklich das Böse an sich. Denn wer zu einem Vampir wird, möchte auch zeitgleich immer mehr Vampire um sich scharen. Inwieweit es sich dabei um ein Schwarmbewusstsein oder verführerischen Vampir-Komplex handelt, wird nicht geklärt. Es scheint aber absolut genial zu sein, wenn man ein Vampir ist.

„Tja, mir ist was Gutes widerfahren!
Und ich wollte, dass es dir ebenfalls zuteilwird!

Wahrscheinlich hat man sich aufgrund von verschiedensten medialen Vampir-Interpretationen auch noch gedacht, dass es spannend wäre, wenn sich diese Vampirform spontan in Fledermäuse verwandeln könnte. Ansonsten gibt es soweit keine wesentlichen äußerlichen Veränderungen. Denn auch die arttypischen rötlichen Augen und scharfen Fangzähne können nach Belieben versteckt werden. Und damit spreche ich, so ganz nebenbei, endlich den eigentlichen Reiz von ANGRIFF DER VAMPIRE an: Das Versteckspiel.

„Damian hat nicht Unrecht.
Sie müssen die Superhelden-Gemeinschaft untergraben,
uns infiltrieren … so würde ich es machen.“

©Panini Comics Deutschland

Finde den Vampir in den eigenen Reihen! Nachdem der angeschlagene Vampir Andrew Bennett die Justice League vor einer drohenden Vampir-Invasion zu warnen versucht, wird sehr schnell deutlich, dass die Infiltration bereits begonnen hat. Um jedoch an die großen Held*innen heranzukommen, vermutet man, dass versucht wird, sich über die Jüngeren die gefährliche Nähe zu erschleichen. Mögliche Ziele der Vampire könnten also die Titans, Outsiders oder die Birds of Prey sein. Aber natürlich hat das Übel bereits einen anderen Weg gefunden.

Was mich sehr begeistern konnte, ist die Darstellung von Batmans detektivischen Fähigkeiten. Stück für Stück erarbeitet er sich eine Strategie zur Enttarnung der Vampire. Er testet auf clevere Weise seine Verbündeten und fügt verschiedene Hinweise auf mögliche Maulwürfe zusammen. Das ist mitunter ungeheuer spannend, aber diese Stärke wird ein paar Mal zu oft verschenkt. Denn zu häufig wird die interessierte Leserschaft darüber in Kenntnis gesetzt, wer bereits über die langen Eckzähne verfügt. Und so wird aus dem Katz und Maus Spiel lediglich ein effekthascherischer Thriller.

SCHADE, ABER SCHÖN, ABER SCHLECHT … ICH WEISS NICHT …

©Panini Comics Deutschland

Da wir zum Großteil der Geschichte über die Geschehnisse bescheid wissen, ist auch der schockierende Cliffhanger nicht mehr ganz so intensiv, als wenn man sich etwas bedeckter gehalten hätte. Allerdings hätte man dann auch auf einige blutige Tode verzichten müssen, die auch vor großen Namen nicht Halt machen.

©Panini Comics Deutschland

Nicht nur Batman glänzt mit Scharfsinnigkeit. Green Arrow ist mir seit langem mal wieder besonders positiv präsentiert worden und macht im Zusammenspiel mit Batman eine ebenbürtige Figur. Allerdings agieren einige andere Charaktere völlig unlogisch – ja beinahe bescheuert. Zwischenzeitlich war ich mir nicht mehr sicher, ob das Vampirdasein nicht nur böse, sondern auch dämlich macht. James Tynion IV und Matthew Rosenberg haben, ungefähr in der Mitte dieses Bandes, auf einmal so einen Unfug geschrieben, dass ich ein entnervtes Seufzen nicht unterdrücken konnte. Wie charakterfremd fast die komplette A-Riege von DC Comics handeln kann, könnt ihr in diesem Band nachlesen.

©Panini Comics Deutschland

Ich denke, dass es die nicht genau definierte Form der Vampire ist, die das Autoren-Duo hat straucheln lassen. Es beginnt bei der Frage der Weitergabe: Wie funktioniert das beispielsweise bei Cyborg, der zur Hälfte Mensch und Maschine ist? Warum fällt es Martian Manhunter nicht ein, die Gedanken von potenziellen Vampiren zu lesen? Kann man die Haut eines Kryptoniers durchbeißen? Ist das Vampirdasein denn der Magie zuzuordnen? Warum werden keine Zivilisten verwandelt, um Chaos zu stiften? Und warum wird man denn nun böse, wenn Andrew Bennett offensichtlich ein guter Vampir ist und die Justice League gewarnt hat? Ich bin mir nicht sicher, ob diese Fragen überhaupt im nächsten Band zufriedenstellend beantwortet werden können. Dafür tauchen die Fragezeichen einfach zu oft in meinem Kopf auf.

Dieser Comic profitiert von einer gewissen Spannung, die sich aus der Ungewissheit nährt, wer als Nächstes zu einem Vampir wird oder sterben soll. Allerdings verpufft diese Wirkung mit zu viel Einsicht für die interessierte Leserschaft und mündet in billiger Effekthascherei. Während Batman den Spuren folgt, werden wir leider zu oft darüber informiert, wer gerade wieder verwandelt wird.

FAZIT: VERSCHENKTES BLUT

Beinahe durchweg agieren Green Arrow und Batman unheimlich taktisch. Das ist wirklich großartig. Leider können die Autoren diese Stärke nicht halten. Denn bei zahlreichen anderen Charakteren hat das Kreativ-Duo die Dumpfbacken-Keule über die Köpfe der größten Heldenriege gezogen. Diese zusammengefasste Ambivalenz finde ich ärgerlich und schlägt sich deutlich auf das Leseerlebnis nieder. Gerade wenn man weiß, dass James Tynion IV hervorragend schreiben kann.

Hardcover©Panini Comics Deutschland

Zum Glück kann das Artwork von Otto Schmidt meine Frustration etwas lindern. Die Enttäuschung ist allerdings groß, wenn es um seine sexistisch-patriarchalischen Posts auf den üblichen Social-Media-Kanälen abseits dieser Zusammenarbeit geht. Von seinen propagandistischen und zutiefst verwerflichen Arbeiten möchte ich gar nicht anfangen. Ich möchte zudem keine weitere Debatte anstoßen, ob das Werk eines Künstlers von dessen Gesinnung getrennt werden kann/sollte/muss. Jede Person sollte die Möglichkeit erhalten, für sich selbst zu entscheiden, wie sie damit umgeht. Aber Schmidt scheint nicht nur eine Grenze wissentlich überschritten zu haben.

BEWERTUNG

Mit den teils guten Ansätzen hätte man hier wieder unter DC HORROR ein brachiales Feuerwerk zünden können. Allerdings reicht es gerade mal für eine kleine Wunderkerze mit 2 ½ Bat-Heads. Für das gute Mittelfeld ist es einfach im Kontext zu quatschig. Für das Untere sieht es einfach zu gut aus und hat seine spannenden Momente. Ich hoffe, dass nicht nur im abschließenden zweiten Sammelband einige Fragen geklärt, sondern vielleicht auch mit ein paar Ungereimtheiten aufgeräumt werden kann. Mehr als „Popcorn-Comic“ ist hier aber wahrscheinlich nicht zu erwarten. Diese blutige Fantasy-Geschichte mit einer guten Batman-Darstellung ist noch bei Panini oder eurem Comicladen des Vertrauens zu haben.


2 ½ von 5 Bat-Heads

 

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“You wanna get nuts? Come on! Let’s get nuts!” – Bruce Wayne (1989) / Lego Batman (2017)

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