Review: DC Celebration – Robin

Mit diesem Band schließen wir die Geburtstagsfeierlichkeiten jener Batman-Figuren ab, die im vergangenen Jahr 80 Jahre alt geworden sind. Ob es sich lohnt, bei der Party des Wunderknaben aufzutauchen, klären wir in dieser Review.

Titel: DC Celebration – Robin

Autoren: Chuck Dixon, Devin Grayson, James Tynion IV, Judd Winick, Marv Wolfmann, uvm.

Artwork: Scott Hanna, Mikel Janín, Jorge Jiménez, Dan Jurgens, Scott McDaniel, Dustin Nguyen, uvm.

Verlag: Panini
Seiten: 116
Preis: 24,- € (Hardcover)

VÖ: 13.07.2021


Robin ist also ebenfalls 80 Jahre alt geworden oder vielmehr die Robins – Mehrzahl. Denn was das Rotkehlchen den anderen beiden Geburtstagskindern, Catwoman und Joker, voraushat, ist nun mal, dass bereits mehrere Personen das bunte Kostüm überstreiften, um an der Seite des Dunklen Ritters Gotham Citys Straßen zu säubern.

Auch bei dem vorliegenden Band (den wir dankenswerter Weise als Panini-Rezensionsexemplar erhalten haben) handelt es sich nicht um eine Anthologie „der besten Robin-Geschichten der Comichistorie“, sondern um eine Sammlung neuer, abgeschlossener Kurzgeschichten; meistenteils dargeboten von jenen Künstlern, die bereits die Feder und den Zeichenstift für den Wunderknaben geschwungen haben.

Auffällig ist dabei, dass Fanliebling Dick Grayson/Nightwing 4 Geschichten spendiert bekommt, während Tim Drake/Red Robin und Damian Wayne jeweils mit 2 Stories gewürdigt werden. Jason Todd/Red Hood und Stephanie Brown/Spoiler/Batgirl erhalten gar jeweils nur einen Auftritt in dem Buch. Warum das so ist, wird nicht klar. Ich rede mir ein, dass die Anzahl der ihnen gewidmeten Kurzgeschichten aus der jeweiligen Robin-Zeit an Batmans Seite resultiert. Dabei völlig ausgelassen wurde Carrie Kelley.

Der Vorworte sind nun aber genug gewechselt. Widmen wir uns gleich den Storys selbst. Diese werden zunächst kurz und Spoilerfrei inhaltlich zusammengefasst. Wie bei den DC Celebrations zu Catwoman und Joker, gehe ich danach noch auf einzelne Geschichten näher ein.

©DC Comics
Dick Grayson, Robin in „Ein kleiner Anstoß“ („A Little Nudge“)
 
Marv Wolfman (Geschichte), Tom Grummet (Zeichnungen), Scott Hanna (Tusche) und Adriano Lucas (Farben)
 
… beschreiben einen ganz besonderen Tag im Leben von Dick Grayson und in der Beziehung von Batman und Robin. Starker Auftakt.

Dick Grayson, Nightwing in: „Nachbeben“ („Aftershocks“)

Chuck Dixon (Geschichte), Scott McDaniel (Zeichnungen), Rob Hunter (Tusche) und Photobunker (Farben)

… erzählen eine Geschichte aus der Zeit des Erdbebens in Gotham, über einen heldenhaften Einsatz Nightwings. Nichts Besonderes.


Nightwing & die Titans in: „Teamgeist“ („Team Building“)

Devin Grayson (Geschichte), Dan Jurgens (Zeichnungen), Norm Rapmund (Tusche), Hi-Fi (Farben)

… stellen unter Beweis, dass Dick Grayson ein hervorragender Teamleader ist. Sehr unterhaltsam.


Dick Grayson, Agent 37 in: „Lektionen und Pläne“ („The Lesson Plan“)

Tim Seeley & Tom King (Geschichte), Mikel Janín (Zeichnungen), Jeromy Cox (Farben)

… blicken durch Dicks Augen neu auf die Ratschläge seines alten Mentors. Interessanter Perspektiv-wechsel, am Ende aber zu konfus.


Jason Todd, Red Hood in: „Mehr Zeit“
(„More Time“)

Judd Winick (Geschichte), Dustin Nguyen (Zeichnungen), John Kalisz (Farben)

… geben uns einen Einblick in die Beziehung von Jason und Batman – damals und heute. Die Geschichte ist in jeder Hinsicht ein kleines Juwel.

Tim Drake, Robin III in: „Spezielle Gaben
(„Extra Credit”)

Adam Beechen (Geschichte), Freddie E. Williams II (Zeichnungen), Jeremy Colwell (Farben)

… versuchen das Potenzial von Tim Drake zu erschließen. Vergnüglich.


Tim Drake, Red Robin in: „Wunderknaben“
(„Boy Wonders”)

James Tynion IV (Geschichte), Javier Fernandez (Zeichnungen), David Baron (Farben)

… lassen Tim die Historie der Robins aufarbeiten, um dort seinen eigenen Platz zu finden. Sehr gut orchestriert.


Stephanie Brown, Robin IV in: „Passgenau“ („Fitting In”)

Amy Wolfram (Geschichte), Damion Scott (Zeichnungen), Brad Anderson (Farben)

… begleiten Stephanie Brown in ihren ersten Tagen als neue Robin. Wirkt wie ein (teilweise ziemlich peinlicher) Teaser auf die richtige Story.


Super Sons in: „Mein bester Freund“ („My Best Friend”)

Peter J. Tomasi (Geschichte), Jorge Jiménez (Zeichnungen), Alejandro Sanchez (Farben)

… verfassen eine Liebeserklärung an die Freundschaft von Damian Wayne und Jon Kent. Süß.


Damian Wayne, Robin: Sohn von Batman: in „Bat und Maus“ („Bat and Mouse”)

Robbie Thompson (Geschichte), Ramon Villalobos (Zeichnungen), Tamra Bonvillain (Farben)

…. thematisieren (nach den großen Verlusten der letzten Zeit) die schwierige Beziehung zwischen Vater und Sohn als auch Damians Emanzipation von Batmans Philosophie. Bedrückend.

©Panini Comics Deutschland

Noch ein vertiefender Blick auf einige der Kurzgeschichten.

Wo die Titans-Story „Teamgeist“ wenigstens noch unterhaltsam war, kann ich an Lektionen und Pläne“ kaum etwas Gutes finden. Zum einen ist fraglich, ob man nun in einem Robin-Band unbedingt Dick Graysons Werdegang als Spion mit drin haben muss (da hilft es auch nicht, wenn Ex-CIA-Agent Tom King an der Geschichte mitarbeitet). Zum anderen ist die Hauptstory belanglos, bruchstückhaft, überhastet und mit einem himmelschreienden Ende versehen. Die Nebenstory, nämlich die Transformation von Batmans Ratschlägen, sodass sie zum heutigen Leben von Dick passen, folgt einer sehr schönen Idee und bietet auch ein befriedigendes Ende. Aber alles, was da oben draufgepappt wurde, ist wirklich für die Tonne. Die Geschichte hätte ich auch ohne zu Klagen mitgenommen, hätten dafür nicht andere Charaktere auf weitere Auftritte verzichten müssen.

Zu „Mehr Zeit“ sollte man gar nicht mehr sagen, als in der Kurzbeschreibung. Lest einfach diese Geschichte! Judd Winick hat hier ein Kleinod geschaffen, welches Dustin Nguyen in großen Panels veredelt. Die Geschichte ist kurz, sie ist ruhig, läuft an einem perfekten roten Faden entlang und geht unheimlich tief. Es ist DIE Jason Todd-Geschichte, die ich ab sofort immer wieder zitieren und aus dem Regal holen werde.

Auch Wunderknabenhat mir ziemlich gut gefallen. Das ist im Grunde die Geschichte, die jeden (männlichen) Robin in seiner Rolle definiert. Sie bietet den besten Überblick, wer wie charakterisiert wird und sich weiterentwickelt hat. Es gibt allerdings ein paar Abzüge in der B-Note, da James Tynion IV die Infos in Textkästen oder Sprechblasen recht ungelenk aneinanderreiht. Nichtsdestotrotz dampft er die Charakterisierungen der vier Jungs gut aufs Wesentliche herunter. Zudem unterstützt Javier Fernandez auf Bildebene die Erzählung, indem er die unterschiedlichen Kampfstile der Wunderjungs in ihrer Vielfalt inszeniert.

Weitaus schwieriger ist es da mit Stephanie Browns Solostory. Anfangs hat die Geschichte schon einen unangenehm sexistischen Anstrich, vergleicht man die Themen der männlichen Robin-Storys und den Einstieg in „Passgenau“. Amy Wolfram (die undankbarer Weise vorher nie Stephanie geschrieben hat) bekommt dann aber noch die Kurve und erzählt eine Geschichte, deren Fortsetzung ich jetzt nur zu gern lesen würde. Damian Scotts Zeichnungen werden nicht jedermanns Sache sein. Ich fand sie aber äußerst passend.

Zuletzt haben wir die zunächst sperrig anmutende Damian-Geschichte Bat und Maus“. Die Aktualität dieser Story ist ihr größtes Problem. Sie behandelt Themen des Serienkanons, um im Weiteren auf dessen Zukunft hinzuarbeiten. Liest man die aktuelle Serie nicht, wird man dadurch inhaltlich kaum folgen können. Das ist schade, denn die allgemeine, beklemmende Stimmung und die komplexe Beziehung von Damian und Bruce werden hier hervorragend konstruiert und transportiert. Ein zweiter Blick lohnt sich hier allemal. Ich kenne Robbie Thompson nicht (derzeit Stammautor der aktuellen Suicide Squad-Reihe), aber in „Bat und Maus“ beweist er großes Potenzial. Gleiches gilt für Zeichner Ramon Villalobos, der einen sehr interessanten Stil präsentiert; irgendetwas zwischen Frank Miller und Frank Quietly.

©Panini Comics Deutschland

Die meisten Geschichten schaffen es, klar zu machen, wofür Robin eigentlich geschaffen wurde. Auf der Metaebene wird schnell klar, dass sich der junge Sidekick hervorragend als Identifikationsfigur für die (jungen) Leser eignet. Inhaltlich hat er die Funktion, Batman menschlicher zu machen; nicht „erscheinen zu lassen“, nein „zu machen“. Viele der Storys haben den Legendenstatus von Batman zum Inhalt. Dabei fokussieren sie auf das jeweilige Wunderkind, das nun versuchen muss, einen adäquaten Platz unter diesem großen Schatten zu finden. Oft wird hier gezeigt, welche Schwierigkeiten das mit sich bringt, ebenso wie die Beziehung zu Batman. Das gelingt meistens so gut, dass es zu keinem Zeitpunkt seltsam wirkt, dass dieser junge Mensch neben einem emotionalen Eisblock nachts gegen Verbrecher kämpft. In „DC Celebration – Robin“ ist man damit erfreulich nah an den Figuren geblieben. Das bildet auch die Grundlage für die größte Stärke des Geburtstagsbandes – die Unterscheidbarkeit der verschiedenen Charaktere.

Leider gibt es noch ein paar klare Punkte Abzug, wenn man den Band mit den Geburtstagsalben von Catwoman und Joker vergleicht. Auch bei Robin gibt es zum Schluss eine Variant-Cover Galerie über die Jahrzehnte und zusätzlich drei Profilseiten, die die Persona und Geschichte jedes Robin nochmal kurz zusammenfassen. Aber die Zusammenstellung aller weiteren (Variant-)Cover und Pin-Ups ist mehr als dürftig (auch wenn ein neues Frank Miller-Original darunter ist). Dafür wird Panini nichts können, sondern es wurden zum US-Band eben nicht so viele Variants und Pin-Ups gefertigt. Hat man die Bücher der anderen beiden 80-jährigen in der Hand, wirkt der Robin-Band dadurch leider regelrecht lieblos zusammengeschustert. Wirklich schade.


MARIAN MEINT

Bei „DC Celebration: Robin“ hatte ich mir zunächst mehr erwartet. Zwei/Drei Geschichten fühlen sich überflüssig an, während man sich für andere Robins eine zweite oder generell eine längere Geschichte gewünscht hätte. Der vermeintliche Segen, dass man hier auf mehrere Besetzungen zurückgreifen kann, hat sich letztendlich als ein kleiner Fluch herausgestellt. Hinzu kommt die fragwürdige Entscheidung, nicht einfach jedem Robin zwei Storys zu spendieren. Dadurch wirkt der Band recht unausgewogen. Tiefere Einblicke in die kurzen Robin-Einsätze von Jason und Stephanie hätten viel Potenzial gehabt.

Generell gewinnt man den Eindruck, dass hier Einiges verschenkt wurde. Ganz abgesehen davon, dass der Band auch nicht so reichhaltig ausgestattet ist wie der zu Joker oder Catwoman. So wirkt diese Ausgabe im Vergleich zu den bisherigen Batman-Celebration-Bänden als die Schwächste unter ihnen. Mein ursprüngliches Urteil lautete daher „Nur für Hardcore-Robin-Fans“.

Deshalb aber lohnt ein zweiter Blick. Denn was der Band schafft, ist einen daran zu erinnern, wer Robin ist und was diese Figur im Batman-Universum bedeutet – ein Licht in der finsteren Nacht. Ebenso zeigt er Robin (egal welchen) als Figur, die straucheln darf und zwangsläufig wird, sich anpassen will und anpassen muss; eine Figur, die einem starren Mentor gefallen, in die Fußstapfen seiner Vorgänger treten und selber der Rolle ihren eigenen Stempel aufdrücken will. Außerdem kristallisieren sich die einzelnen Facetten der unterschiedlichen Rotkehlchen über die Geschichten hervorragend heraus. Somit sehen wir Robin hier als das, wofür er oder sie ursprünglich gedacht war: als Identifikationsfigur für die Leser und als menschlichsten aller Helden.


Übrigens: Panini hat in einer Leseprobe die komplette erste Geschichte „Dick Grayson, Robin in: Ein kleiner Anstoß” zur Verfügung gestellt:

 

LESEPROBE (bereitgestellt von ©Panini Comics)


DC Celebration – Robin (Hardcover)

Shop-Links: Panini-Shop | Amazon*

DISCLAIMER

Für die vorliegende Review wurde uns ein Rezensionsexemplar von Panini Comics Deutschland zur Verfügung gestellt. Dafür vielen Dank!


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Batmanfan seit frühester Kindheit; besonders geprägt durch die Animated Series und die Dino-Comics.

2 Kommentare

  1. Lars sagt:

    Den ganzen Band will ich irgendwie nicht. Aber die eine Geschichte dann schon. Na danke! 😉

    1
    • Marian sagt:

      Haha. Sorry.
      Wenn du des Englischen mächtig bist, kannst du dir den Original-Band auch für 10 $ bestellen oder irgendwann mal bei Comixology zuschlagen. Oder du wartest noch ein paar Jahre, bis du ihn gebraucht holen kannst. Oder du holst ihn dir jetzt einfach so 😉 Wegen einer sehr, sehr schönen Geschichte und mindestens 5 – 6 weiteren guten bis sehr guten Robin-Geschichten.

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