Review: „SUICIDE SQUAD – King Shark“

Baby Shark, doo-doo, doo-doo. Baby Shark, doo-doo, doo-doo. Baby Shark, doo-doo, doo-doo.

Enthaltene Titel:
SUICIDE SQUAD: KING SHARK #1-6

Autor*in: Tim Seeley
Künstler*in: Scott Kolins

Verlag: Panini
Seiten: ca. 172
Softcover: 20,00 €
Status: abgeschlossene Einzelgeschichte

Erschienen am 08.11.2022

©Panini Comics Deutschland

Der gefühlvolle Knorpelfisch King Shark, bekannt aus dem von der Kritik gefeierten Film THE SUICIDE SQUAD, hat nun auch im deutschen Raum seinen eigenen Comicband bekommen. Dieser liegt uns dank Panini Comics Deutschland freundlicherweise als Rezensionsexemplar vor. Dafür schon mal ein herzliches Dankeschön.

Auch wenn ich stets versuche den Umständen entsprechend objektiv zu bleiben, fällt es mir mit dem riesigen Hai Nanaue deutlich schwerer als gedacht. Nicht nur, dass ich mir meinen eigenen Wohnraum mit fünf (!) IKEA-Haien teile, ich habe zudem eine zusätzliche Schwäche für große Kreaturen der Marke Kaijū. Mit King Shark werde ich also gleich doppelt angesprochen und habe ihn schon vor THE SUICIDE SQUAD in mein Herz geschlossen.

HANDLUNG

Für die, die den Kiemenatmer noch nicht kennen oder sich gefragt haben, ob eventuell ein experimenteller Unfall zu seiner Hybridform von Mensch und Hai geführt hat, möchte ich die Figur kurz einordnen. Dabei ist zu beachten, dass die vorliegende Interpretation durchaus von anderen Erzählungen abweichen kann. Ich berichte also folgend von der aktuellen Herkunftsgeschichte des einstmals kleinen Haiwesens.

King Shark ist ein Aumakua – eine Tiergottheit, das aber auch nur zur Hälfte. Nanaue, wie er von seinen Eltern getauft wurde, ist Sohn von Lord Chondrakka. Dieser ist auch bekannt unter dem Namen Kamo der „Schneider der Wellen“ oder auch „Die Zähne der Tiefe“ sowie „Der Schatten von oben und unten“ und sicherlich noch ein paar anderen Bezeichnungen. Wie dem auch sei. Kamo ist der Haigott überhaupt und somit Nanaue sein Sohn und Herrschaftsnachfolger einer ganzen Spezies. Leider ist seine Kindheit ganz und gar nicht königlich.

Nanaue verbrachte sein bisheriges Leben unter der Aufsicht von Amanda Waller und ist durch sie auch Teil der Suicide Squad geworden. Durch Waller erhielt er auch den Namen King Shark. Warum es überhaupt dazu kam, wird in diesem Comic grob erzählt. Zwar ist ihm dadurch lediglich Gewalt als Lebensinhalt bekannt, doch seine Wurzeln in den Tiefen der Meere haben sein Herz vor der vollständigen Verrohung bewahrt.

Seine Sanftmütigkeit nutzt Amanda für ihre Zwecke und setzt die junge Freundschaft zu Defacer als Druckmittel gegen King Shark ein. Defacers bürgerlicher Name ist Shawn Tsang und könnte dem einen oder der anderen aus der Liebschaft mit Nightwing bekannt sein. In Bludhaven ist sie allerdings auch durch ihren ausgeprägten Vandalismus berüchtigt.

„Du hast etwas Bezauberndes an dir.
Eine Straßenratte, die sich nimmt, was sie will.
Du bist eine Frau nach meinem Geschmack.“

Während eines Einsatzes der Suicide Squad verschlägt es Nanaue und Defacer nicht ganz freiwillig zu den WILD GAMES. Dieses Turnier entscheidet nicht weniger als über die Vorherrschaft der Spezies aller Welten. Sprich: Wer darf für die nächste Dekade über Existenzfragen entscheiden? Dabei treten wirklich alle Wesen an, die man sich so vorstellen kann. Ein Hase mit Maschinengewehr ist ebenso vertreten wie ein kämpfendes Nilpferd, der König der Kakerlaken oder ein Wurmwesen, welches ständig heilige Orgien feiern möchte. Natürlich ist auch die Spezies Mensch vertreten.

„Meine Damen und Herren und das gesamte Spektrum vorstellbarer Geschlechter!
Tiere aller Reiche! Willkommen im schlagenden Herzen,
Stätte der WILD GAMES.“

Das klingt alles nach sehr viel Action und abgedrehtem Humor. Und das ist es im Grunde auch, wenn nicht immer wieder kleine Feinheiten gereicht würden. So bekommt King Shark eine dramatische Familienkonstellation zugeschrieben, die sich um Erwartungen, Verantwortung und Anerkennung dreht. Das ist für einen überdimensionalen sprechenden Riesenhai erstaunlich tiefgreifend gelungen und erzeugte bei mir sehr viel Mitgefühl. Gerade weil sich die Hintergründe erst nach und nach herausschälen, wurde der Spannungsbogen gut gehalten.

Auch Defacer bekommt nach und nach mehr emotionale Tiefe und stellt ihr eigenes Handeln zunehmend infrage. Ihre ambivalenten Charakterzüge haben sich im Übrigen auch während des Techtelmechtels mit Nightwing entwickelt. Ihre Unfähigkeit, starke Bindungen einzugehen, überträgt sich natürlich auch auf die Freundschaft zu King Shark, was zusätzliche Schwierigkeiten mit sich bringt.

„Das ist wie MORTAL KOMBAT mit Furries.“

Das große Finale haut dann auch nochmal so richtig auf alle Tasten und schenkt uns sogar einen abgedrehten Blick in eine ferne Zukunft. Das ist dann allerdings sowas von gaga, dass man spätestens da merken sollte, schon viel früher nicht alles ernst nehmen zu müssen.

WORT & BILD

Der Actionanteil steht klar im Fokus und ist zuweilen auch ziemlich roh. Es gibt eine Menge Verletzte und Tote. Das ist natürlich auch den WILD GAMES geschuldet, die mit einigen Überraschungen auftrumpfen können. Die Action ist also nicht das Problem dieser Geschichte, da es auch abseits dieser nie langweilig wird. Allerdings fordert dieser Comic ein immens ausgeprägtes Namensgedächtnis. Aufgrund der zahlreich auftretenden Figuren wird die interessierte Leserschaft mit Namen, Aliasen und Alter-Egos nur so zugeschmissen. Das kann ich zu Beginn noch als humoristisches Stilmittel kaufen, wurde über den kompletten Band allerdings etwas ermüdend. Bei Doppelnamen wurde ich sogar verwirrt und habe dann auch nicht mehr ernsthaft daran geglaubt, mir die Mehrzahl merken zu können. Und so heißen bei mir Charaktere auch einfach mal „Augenbinde“, „Tigerlady“, „Taubenschrei“, „Reimer“ und „Coach“, damit ich der Geschichte ohne Namensballast besser folgen konnte. Denn wenn ich ehrlich bin, sind eigentlich beinahe alle Nebencharaktere völlig egal. Was bei den WILD GAMES passiert, bleibt bei den WILD GAMES, sozusagen.

„Dr. Grace Balin.
Einst war sie ein niederer Landgänger,
aber jetzt ist sie Orca,
die Walfrau.“

Auch wenn Scott Kolins Zeichenstil etwas fahrig wirkt und seine beinahe überstrapazierten Schraffuren bei mir nicht für Begeisterungsstürme sorgen, passt es ganz gut zur unkonventionellen Story von Tim Seeley. Seeley ist mir persönlich im Übrigen durch seine Zusammenarbeit mit Scott Snyder an BATMAN ETERNAL noch sehr gut im Gedächtnis geblieben.

Man merkt, dass sich Seeley und Kolins wirklich was mit SUICIDE SQUAD – KING SHARK gedacht haben. Und auch wenn der Humor nicht immer zünden konnte, der urbane Slang teilweise befremdlich wirkt, fühlt sich dennoch alles wie aus einem Guss an. Es gibt keinen Abschnitt, den ich als weniger oder mehr gelungen bezeichnen würde. Manchmal wechselt zwar die Tonalität, aber die Qualität bleibt durchweg auf hohem Niveau. Man sollte einen etwas gröberen Erzählstil, der für die Suicide Squad Comics durchaus üblich ist, allerdings auch mögen. 

FAZIT

Dieser Comic ist rundum stimmig in Szene gesetzt. Zumindest bei mir ist der kreative Freudenfunke übergesprungen und ich wurde exzellent unterhalten. Ich bin auch etwas erleichtert, dass mein persönlicher Lieblingshai in der Comicwelt ein würdiges Solo-Abenteuer bekommen hat. Die Suicide Squad Storys neigen dazu, manchmal etwas drüber und abstrus zu sein. Das ist hier natürlich auch der Fall, fühlt sich aufgrund der WILD GAMES aber wesentlich organischer an und wird durch die emotionalen Akzente deutlich aufgewertet. Gerade King Sharks familiärer Kummer schiebt die nötige Portion Ernsthaftigkeit vor die sonst so locker wirkende Geschichte. Der hier dargelegte Kosmos erzwingt nichts und erschleicht sich dadurch auch ein zusätzliches Maß an Glaubwürdigkeit, welches beispielsweise in JAGD AUF HARLEY QUINN nicht erreicht werden konnte.

Deswegen komme ich um die Spitzenwertung von vier Bat-Heads nicht herum. Dafür schlägt mein Herz zu sehr für derartige Außenseiter und ihre skurrilen Welten. Allerdings kann ich das nicht von dem Baby Shark Song behaupten. Denn auch der spielt eine nicht unwichtige Rolle in diesem aufregenden Wellenritt. Bei Panini oder eurem Comicladen des Vertrauens könnt ihr SUICIDE SQUAD – KING SHARK für einen wirklich fairen Preis noch kaufen.


4 von 5 Bat-Heads

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“You wanna get nuts? Come on! Let’s get nuts!” – Bruce Wayne (1989) / Lego Batman (2017)

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