Review: „Justice League VS. Godzilla VS. Kong 2“

Nicht nur die Justice League verirrt sich erneut in ein anderes Franchise. Auch die Suicide Squad muss sich gegen bekannte Riesenbestien behaupten. Aber was hat eigentlich Lex Luthor damit zu tun?

©Panini Comics Deutschland

Erneut spendiert uns Panini Comics Deutschland ein Rezensionsexemplar. Und erneut bekommen wir gigantische Wesen wie Godzilla oder Kong versprochen. Vielen herzlichen Dank dafür! Allerdings sollte sich die interessierte Leserschaft auf viel mehr Kaijus vorbereiten. Denn mit dem Sammelband zu JUSTICE LEAGUE vs. GODZILLA vs. KONG 2 möchte man den ersten natürlich übertreffen. Dabei kommen nicht nur mehr Monster zum Einsatz, sondern auch mehr DC-Charaktere. Ob das eine gute Idee war, klären wir jetzt.

IST DAS EINE STORY ODER KANN DAS WEG?

Ohne zu viel zu verraten, wird die komplette weitere Handlung auf den ersten Seiten eigentlich schon vorweggenommen. Die Suicide Squad soll als Versuchskaninchen zur „Hohlen Erde“ – also einem eigenen Ökosystem innerhalb des Planeten – und Kampfdaten zu einem neu entwickelten Serum liefern. Unter der Leitung von Amanda Waller werden also erneut bekannte Schurken wie Croc, King Shark, Harley, Captain Boomerang, Lex Luthor und wie sie nicht alle heißen auf eine möglichst schwierige Mission geschickt.

„Es gibt zwei Erden die exakt gleich sind,
nur dass wir Superhelden haben und sie Riesenmonster.“

Die Besonderheit, die sich für diesen Sammelband zurechtgelegt wurde, ist folgende: Es ist nun möglich, ein Kaiju-Serum zu injizieren, das die Probanden auf eine Größe anschwellen lässt, die es durchaus mit einem Godzilla aufnehmen könnte. Aber es gibt noch eine nicht unbedeutende Nebenwirkung. Aufgrund der urzeitlichen Herkunft der Inhaltsstoffe wird man schlagartig instinktgeleitet und hochreaktiv – und für die Wirkungszeit tatsächlich auch ziemlich dumm. Ja, richtig gelesen. Man erfährt neben enorme Größe und Stärke auch eine schlagartige Intelligenzminderung verpasst. Der Rest ist nicht mal Geschichte. Es ist der Versuch eines möglichst epischen Versprechens von Mensch-Monster-Action, das zusätzlich noch mit allerhand Textzeilen begründet werden soll. Die tollen Cover sprechen da eine deutlich andere Sprache.

„Größerwerden verlangsamt die Synapsen …“

VON ALLEM ZU VIEL

Schon früh wird klar, dass sich nicht nur einmal mit beiden Händen aus dem DC-Kosmos bedient wurde. Neben der Suicide Squad werden auch wieder viel zu viele heldenhafte Persönlichkeiten in den sehr simplen Storyrahmen gesteckt. Ganz nebenbei kann man also auf einer Hochzeit auch Beast Boy oder Batwoman entdecken. Die trifft man natürlich danach nie wieder. Der Name der Figur Colonel Leland Lafayette Shaw III ist für die Geschichte sogar so egal, dass sich die Charaktere an Stellen selbst nicht richtig erinnern können.

„Sie kennen mich anscheinend nicht gut.“

Nun huschen also allerhand Metawesen, Menschen und Monster durch die Panels und schwadronieren über das Serum oder fragen sich ständig, was denn nun gerade schon wieder passiert ist. Beiläufig schauen wir Harley auch mal in die Gedankenwelt, sollen für Berry Allens Beziehung mitfiebern oder überrascht werden, wenn die nächste ausgeklügelte Falle von Hinz und Kunz zugeschnappt hat. Am besten verschläft man diese drögen Wendungen von Brian Buccellato. Denn nach der Serums-Grundidee kommt einfach nichts mehr. Was zunächst an eine spaßige Fan-Fiction mit vielen Charakteren erinnert, ist hier zu einem professionellen Sammelband geworden. Es wird also alles in den Ring geworfen, was auch nur im Ansatz machbar ist. Damit bekommen wir auch teils Panels mit überfrachteten zehn Monstern auf einmal. Das wäre insofern spektakulär, wenn es sich bedrohlich anfühlen würde oder zumindest gut aussehen würde. Aber aus Gründen ist das leider nicht der Fall und führt uns zu einer der größten Schwächen dieses Sammelbandes.

WECHSELHAFTE OPTIK IN ALLEN BELANGEN

Im ersten JUSTICE LEAGUE vs. GODZILLA vs. KONG hatte Zeichner Christian Duce noch Tom Derenick an seiner Seite und beide haben in ihren Bildern gut harmoniert. Schattierungen, Speedlines und Perspektiven wurden genutzt, um zumindest optisch eine bedrohliche Atmosphäre zu schaffen. Nun ist Derenick nicht mehr mit im Kreativteam und es fällt sofort schmerzlich auf. Viele Seiten wirken sehr flach, statisch und bieten kaum Sehfreude. Einige aufgepumpte Charaktermodelle wie Killer Croc als Gigant bieten immerhin noch ein paar Schuppendetails, ansonsten hatte ich oft das Gefühl, ein Stickeralbum vor mir liegen zu haben. Nur um dann wieder durch die Detailliebe der Kaijus überrascht zu werden. Da muss man in jedem Fall die Großaufnahmen von Godzilla und Mothra lobend erwähnen. Aber als Gesamtpaket ist es in der bildnerischen Qualität einfach zu schwankend.

Das Hauptstück jeder Monstererzählung in diesem Ausmaß ist die Action. Und erneut mangelt es nicht an den zahlreichen Ansätzen, sondern an der Umsetzung. Das Problem ist also nicht, dass zu wenig passiert – sondern dass das viele Geschehen nur selten nach großer Action aussieht. Speedlines, Bildtiefe und Größenverhältnisse sind im besten Falle unklar zu definieren. Da ist es mir auch wirklich egal, ob noch ein Monster die Bühne betritt. Das Verständnis von Stärke ist hier auch bei einem Laserblick einfach nicht auszumachen. Dieses Actiondefizit ist mir bei Duce in den Batman-Runs noch nie aufgefallen. Das häufige Fehlen eines Impacts wird auf diesen 200 Seiten allerdings mehr als deutlich.

©DC Comics

FAZIT: EIN SATZ MIT X (-FORCE)

Leider bleibt nach den zahlreichen Versprechungen nicht mehr viel, was ich an diesem Comic positiv besprechen könnte. Wenige Bilder sind eindrucksvoll, die Action ist überwiegend ermüdend oder aufgrund ihrer undynamischen Starre unfreiwillig komisch. Die Geschichte ist völlig überladen, unnötig lang, und das Ende passt wiederum auf zwei knappe Seiten. Buccellato hätte sich auf die Suicide Squad konzentrieren oder zumindest einzelne Charaktere stärker in den Fokus rücken sollen. Hier handelt es sich um reinen Fanservice, der durch Gedankenspiele Spaß verspricht, aber auf dem bedruckten Papier lediglich verwirrend und ermüdend ist.

©DC Comics

BEWERTUNG

Mit dem ersten Sammelband hatte ich durchaus meinen Spaß und hatte gehofft, zumindest optisch wieder etwas geboten zu bekommen. Leider musste ich feststellen, dass der Nachfolger in allen Belangen schwächer abschneidet. JUSTICE LEAGUE vs. GODZILLA vs. KONG 2 dürfte damit wirklich nur für Hardcore-Fans und Komplettisten interessant sein. Von mir gibt es lediglich 2 von 5 Bat-Heads für die vielen nett gemeinten Gedanken und die wenigen wirklich starken Bilder. Zu haben gibt es diese Massenkeilerei bei Panini Comics.


2 von 5 Bat-Heads

Hardcover©Panini Comics Deutschland

Visual Noise
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“You wanna get nuts? Come on! Let’s get nuts!” – Bruce Wayne (1989) / Lego Batman (2017) / Batman (2023)

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