Zwei der ikonischsten DC-Figuren treffen unfreiwillig auf der Amazoneninsel aufeinander. Und das in einer Zeit, in der die Amazonen mit größeren Problemen zu kämpfen haben – ihrem eigenen Glauben.

Titel:
Wonder Woman & Harley Quinn – Fluch und Segen
Enthaltene Titel:
Wonder Woman/Harley Quinn: La Souffrance et le Don
Autor*in: Sylvain Runberg
Künstler*in: Miki Montlló
Colorist*in: Miki Montlló
Verlag: Panini
Seiten: ca. 144
Hardcover: 35,00 €
Variantcover: 45,00 €
Status: abgeschlossene Einzelgeschichte
Erschienen am 09.06.2026
©Panini Comics Deutschland
Panini Comics Deutschland hat uns ein Rezensionsexemplar in Übergröße zukommen lassen. Das imposante Hardcover verspricht schon mal ein ansehnliches Artwork. Vielen herzlichen Dank dafür! Doch was sich inhaltlich noch in WONDER WOMAN & HARLEY QUINN – FLUCH UND SEGEN verbirgt, klären wir jetzt.

Nach dem Ende des bisherigen DC-Filmuniversums und Gal Gadots endgültigem Aus als Wonder Woman ist es ruhig um die Amazonen-Prinzessin geworden – allerdings nicht im Comicbereich. Dort lief sie bei Panini Comics unter der Feder von Tom King auch noch bis Mitte dieses Jahres in ihrer eigenen Serie und erlebt mit ABSOLUTE WONDER WOMAN sogar noch eine erfolgreiche Neuinterpretation sondergleichen.
ES KRISELT IM PARADIES
Mit FLUCH UND SEGEN begeben wir uns eher in klassische Wonder-Woman-Gefilde. Auf der gut versteckten Insel Themyscira trainieren die Amazonen unter der Führung von Königin Hippolyta für bevorstehende Kämpfe. Die männerabweisende Kultur der Amazonen wird schnell durch ein Mysterium ins Wanken gebracht. Lyssipee offenbart Wonder Woman bei einem Trainingszwischenfall, dass sie schwanger ist. Schock, schwere Not! Wie konnte das denn geschehen? Für eine Schwangerschaft sind auch auf der Amazoneninsel eigentlich zwei Geschlechter notwendig. Und eigentlich sind alle Amazonen auf der Insel von Geburt an unfruchtbar. Hat sich Lyssipee heimlich von der Insel entfernt? Oder hat womöglich ein Mann den Weg nach Themyscira gefunden? Die Schwangere selbst schweigt. Sie spricht lediglich von „Selbstbestimmung“ und „freiem Willen“. Da das göttliche Lasso der Wahrheit nicht gegen die eigenen Reihen gerichtet werden sollte, spaltet sich das Volk der Amazonen in zwei Lager und gegenseitiges Misstrauen macht sich breit.

Gestärkt wird der Unmut durch das Erscheinen von Harley Quinn. Zusammen mit ihren beiden Hyänen sucht sie Zuflucht, Schutz und eine Ausbildung bei den isolierten Kriegerinnen. All diese Umstände scheinen nach und nach miteinander zusammenzuhängen, und langsam zeichnet sich eine unheilvolle Entdeckung ab.
„Sprich. Wer ist der Vater des Kindes?
Versteckst du einen Mann auf unserer heiligen Insel?“
Ich muss schon sagen, dass die Geschichte gleich mehrere spannende Elemente hat, die schlussendlich sogar zu einem befriedigenden Ende zusammengeführt werden. Gerade das Mysterium um die Schwangerschaft zieht sich sehr glaubhaft durch die Stimmung der Amazonen. Das bedrohliche Misstrauen wird dabei immer wieder durch kleinere Konflikte untermauert. Dabei werden auch immer wieder ganz existenzielle Fragen von Vertrauen und Machtverhältnissen thematisiert. Das ist spannend geschrieben und passt hervorragend in die Welt von Wonder Woman.

Dass dann aber auch noch Harley Quinn auftreten muss, ist wohl allein dem Marketing geschuldet. Ich hätte sie wirklich in dieser Form nicht gebraucht. Zwar trägt sie gegen Ende etwas mehr zur Handlung bei, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Geschichte ohne sie authentischer angefühlt hätte. Harley Quinn bringt durchaus Humor und Dynamik in die Geschichte, steht mit ihrer modernen und anarchischen Figur aber teilweise im Kontrast zur wesentlich ernsteren Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Regeln der Amazonen. Nichtsdestotrotz bringt sie in das eingestaubte Regelwerk der Amazonen etwas frischen Wind. Zudem kann sich doch nicht wirklich jemand dem Charme der Hyänen Bud und Lou erwehren, oder?
SHOW AND TELL
Gerade die abschließenden Seiten von FLUCH UND SEGEN machen dann noch einmal die Stärken dieser Story deutlich: Man nimmt sich Zeit. Sylvain Runberg hetzt an keiner Stelle durch seine Geschichte, schafft einen ordentlichen Aufbau und zieht den Konflikt stringent durch, bis er das knallige Finale herausholen kann. Dass er danach noch einen ruhigen Ausklang schafft, der mich zufrieden zurücklässt, ist für Runberg im Grunde nur noch Formsache.

Das Überformat hatte ich ja bereits erwähnt und gefällt mir bei solch ungewöhnlichen Aufeinandertreffen von Charakteren immer besonders. Damit wird dem Ganzen noch einmal eine gewisse Wertigkeit zugesprochen. Miki Montlló setzt die knapp 140 Seiten umfassende Handlung ausgesprochen schwungvoll in Szene. In kaum einem Panel gibt es starre Gesichter oder langweilige Frontalansichten. Ständig passiert etwas in den Gesichtern oder der Blickwinkel wird nuanciert verändert. Das ist wirklich stark. Und auch wenn ich gerade zu Beginn die zahlreichen Amazonen nicht immer voneinander unterscheiden konnte, schafft es Montlló, die wichtigen Figuren herauszuarbeiten und mir vertraut zu machen.
FAZIT: BEINAHE GÖTTLICHER GLANZ
Damit bleibt eigentlich nicht sonderlich viel zu kritisieren. Die Story ist spannend, rund erzählt und bietet zusätzlich ordentliche Action. Die Optik ist durchweg sehr dynamisch, hat aber lediglich zwei wirklich gute Splashpages. Das Überformat gibt dem Ganzen allerdings von Natur aus eine zusätzliche imposante Erscheinung.
„Eine der unsrigen ist schwanger …
und nun bleibt auch noch diese Irre bei uns?“
Zum Schluss spendiert uns Panini dann noch ein Interview mit dem Kreativteam Runberg und Montlló, Charakterzeichnungen und kommentierte Drehbuchauszüge des Entstehungsprozesses. Bis auf die aus meiner Sicht etwas aufgesetzt wirkende Einbindung von Harley Quinn gibt es deshalb nur wenig zu bemängeln. FLUCH UND SEGEN erzählt sein Mysterium angenehm geduldig, liefert dynamische Zeichnungen und findet schließlich zu einem befriedigenden Abschluss.
BEWERTUNG
Alles in allem eine wirklich runde Sache, die von mir liebend gern 4½ von 5 Bat-Heads bekommt. Ich möchte euch also diesen Comic wärmstens empfehlen. Abzug gibt es vor allem für die unnötig eingestreuten Elemente die direkt aus Gotham kommen. Zu haben gibt es WONDER WOMAN & HARLEY QUINN – FLUCH UND SEGEN im Übrigen auch noch mit einem Variantcover.




4½ von 5 Bat-Heads



