Review: BATMAN DETECTIVE COMICS PAPERBACK 13: „Eiszeit in Gotham“

Fanliebling Mr. Freeze kehrt passend zum Jahr des Schurken mal wieder zurück ins Rampenlicht. Dabei gelingt ihm ein ungeahnter Durchbruch.

Enthaltene Titel:
Frostige Pläne / Freeze Frame
Eiskalte Welt / Cold Dark World #1-4
Waisen / Orphans
Im tiefsten Winter / Dead Winter #1-2

Autor*in: Peter J. Tomasi, Tom Taylor
Künstler*in: Doug Mahnke, Fernando Blanco, Scott Godlewski, José Luís, Tyler Kirkham

Verlag: Panini
Seiten: ca. 188
Softcover: 20,00 €
Hardcover: 33,00 €
Status: abgeschlossene Einzelgeschichten

Erschienen am 26.04.2022

©Panini Comics Deutschland

Wenn Mr. Freeze auf dem Cover erscheint, versucht man sich krampfhaft von Wortspielen rund um Kälte fern zu halten. Außer dass meine Gedanken zum dreizehnten Paperback spoilerfrei sind, kann ich allerdings nichts versprechen. Freundlicherweise haben wir den vorliegenden Sammelband als Rezensionsexemplar von Panini Comics Deutschland erhalten – herzlichen Dank dafür. 

HANDLUNG

Das weite Kreise ziehende „Das Jahr des Schurken“-Event hat zahlreiche Widersacher der DC Universen an Oberwasser gewinnen lassen. Lex Luthor persönlich hatte seine Finger mit im Spiel und verschaffte den entscheidenden Vorteil. Großangelegtes Ziel war dabei der Ausbau einer neuen und gefährlicheren Legion of Doom. Das komplette Event lief seit 2019 in den USA. Im deutschen Raum nähern wir uns so langsam seinem Ende. Nachdem Joker, Bane, Leviathan und Konsorten schon ihren großen Auftritt spendiert bekommen haben, hat nun auch Mr. Freeze einen Deal mit Lex abgeschlossen.

Ehemals bekannt unter dem Namen Dr. Victor Fries, ist Mr. Freeze vor allem durch die Batman Animated Series populär geworden. Victor muss seit einem Unfall (oder auch wahlweise einer Erkrankung) in ständiger arktischer Kälte leben. Dafür nutzt er einen speziellen Anzug, den er für seine Raubzüge noch weiter entwickelte. Bruce Timm und Paul Dini spendierten der Figur eine tragische Hintergrunderweiterung. Sie führten in der Animated Series seine Ehefrau Nora Fries ein. Aufgrund einer unheilbaren Erkrankung sah sich Victor gezwungen seine Frau einzufrieren – Kryokonservierung von Organismen nennt man das dann – bis er ein Gegenmittel gefunden habe. Das ist nun schon so viele Jahre her, dass Fries irgendwann immer verzweifelter wurde und kriminelle Methoden anwendete, um seine Forschungen finanzieren zu können. Dabei ist es egal, ob wir in der Comichistorie ab Mitte der 90er forschen, den Film BATMAN & ROBIN nochmal anschauen (müssen) oder erneut in die Arkham-Spielereihe eintauchen. Nora ist zum festen Bestandteil von Victors Biografie geworden.

©DC Comics

Mr. Freeze bekommt nun endlich das, was er schon so lange sucht – ein Heilserum für seine Frau. Dieses von Luthor überreichte Serum soll sie angeblich nicht nur sicher aus der Kryostase holen, sondern zugleich ihre konservierte Krankheit heilen. Das klingt erstmal vielversprechend, auch wenn Luthor seinen eigenen Vorteil daraus nicht preisgibt.

Der unterkühlte Doktor traut dem Ganzen allerdings nicht so ganz. Woraufhin er sich menschliche Testobjekte entführen lässt. Diese lässt er in die Kryokammern stecken, um sie später unter Verwendung des Serums wieder aufzutauen. Er simuliert sozusagen die Anwendung bei seiner Frau Nora. Die Entführungen in Gotham rufen natürlich Batman auf den Plan, der Mr. Freeze dazu zwingt einige Schritte seiner Forschungsarbeit zu überspringen.

©DC Comics

Tatsächlich scheint dennoch alles zu funktionieren und Nora erwacht unversehrt aus ihrer Kühlkammer. Naja, bis auf die Tatsache, dass sie nun ebenfalls Temperaturen am Gefrierpunkt bevorzugt. Durch ihren überlangen Winterschlaf in Kombination mit dem Serum hat sich ihre Physis verändert. Mr. und Mrs. Fries sind nun wieder vereint und imstande Raubzüge gemeinsam auszuführen. Dabei gehen sie immer brutaler vor. Vor allem Nora scheint Gefallen an ihren neuen Fähigkeiten zu finden und fängt auch an, ihren Mann aus einer neuen Perspektive zu betrachten.

„Feuerschutz.“
„Geht auch Eisschutz?“

Im Kampf gegen dieses neue Verbrecherpärchen muss Batman alle Register ziehen und kann sich dabei nicht mal auf James Gordon verlassen. Gordon hat sich durch die Ereignisse in DER BATMAN, DER LACHT – DER TOD DER BATMEN zurückgezogen. An seiner Stelle dient nun Harvey Bullock als Bindeglied zwischen Vigilant und Polizei.

„Ich hoffe dass das alles war und kein erstes Anzeichen für ein größeres Übel.“

So viel zum Hauptteil des fast 190-seitig starken Bandes. Denn es gibt noch zwei kleinere Geschichten, wovon eine von Tom King geschrieben wurde und die zweite wieder aus Peter J. Tomasis Kreativkopf entsprungen ist. King beschäftigt sich im One-Shot WAISEN mit dem von Martha Wayne gegründeten Waisenhaus. Gemeinsam mit Bruce Wayne gehen wir einigen Ungereimtheiten auf den Grund. Während es im Zweiteiler IM TIEFSTEN WINTER wieder deutlich abgedrehter wird und wir einigen Okkulisten auf die Schliche kommen.

WORT & BILD

Machen wir es kurz. Dieses Paperback ist solide Blockbuster-Comic-Kunst. Zu keiner Zeit erreicht man eine Storyqualität, die durch besonderen Tiefgang glänzen würde. Es ist aber auch nie langweilig oder behäbig erzählt. Es werden ausreichend Wendungen und imposante Action präsentiert. Die durchweg sehr guten Illustrationen sind stimmig. In ihnen steckt auch eine besondere Faszination durch die charakteristische kalte Farbpalette.

Die Auflösung von Kings One-Shots WAISEN ist wiederum so dermaßen heftig, dass ich mich hüte von einem Happy End zu sprechen. Um ehrlich zu sein, gab es ausschließlich Verlierer. An dieser Stelle hat das Paperback eine Richtung bekommen, die der seichten Unterhaltung der Mr. und Mrs. Geschichte etwas den Spaß raubt. Diesen thematischen Wechsel hatte ich nicht kommen sehen.

„Es ist recht beunruhigend,
dass du dir ganze Gebäude mit potenziellen Ersatz-Robins hältst.“

Während es in Gotham immer kälter wird, nimmt das gezeichnete Schneegestöber auch in Kings Geschichte spürbar zu. Das nimmt stellenweise so heftige Formen an, dass es der visuellen Darstellung schadet. Auf zwei Doppelseiten kommt das Auge gar nicht mehr zur Ruhe und die eigentliche Szenerie wirkt entfremdet. Hier hat man es besonders gut gemeint und das Schneetreiben leider unglücklich umgesetzt. Das soll aber auch der einzige Kritikpunkt an den Zeichnungen von Fernando Blanco sein.

Hardcover©Panini Comics Deutschland

Nach dieser kurzen Autoren-Stippvisite darf sich Tomasi wieder in der Kälte austoben. Nach seinen stark durchwachsenen Geschichten aus dem Sammelband BIS DAS BLUT GEFRIERT, die bei mir so gar nicht punkten konnten, schafft er es wieder gute Storys zu schreiben. Er hat die Kurve für mich tatsächlich noch bekommen und weiß durchweg gut zu unterhalten.

„War leider keine Spielzeug-Marke für dich in der Müslipackung […]
also mach das Fenster mal wieder von draußen zu.“

Er versteht es teilweise sogar hervorragend mit Fingerspitzengefühl seinen Figuren typische Charakterzüge in die Dialoge einzustreuen. Dabei bedient er zwar ausschließlich Stereotypen, aber seine (besseren) Geschichten bieten diesen Rahmen auch gerne an. Der Twist am Ende seiner okkulten Erzählung kam für mich zwar etwas aus dem Nichts. Allerdings hätte mich das auch weniger gestört, wenn es nicht eine mehrseitige Exposition gebraucht hätte, um diese Wendung überhaupt mit Sinn zu behaften. Hier hatte ich das Gefühl, als wäre noch ein drittes Kapitel angedacht gewesen, welches gekürzt werden musste und nun in Form dieses eher gehetzten Zweiteilers vorliegt.

FAZIT

EISZEIT IN GOTHAM ist deutlich kohärenter als sein Sammelband-Vorgänger und das in allen Belangen. Dennoch kommt er nicht ohne kleinere Schwächen aus. Diese sind im Gesamtbild aber nicht tragisch, da es in allen Erzählungen abwechslungsreiche und spannende Wendungen gibt. Hier und da hätte es noch etwas Feingefühl für die Auflösungen gebraucht, aber ich muss zugeben, dass gerade Peter J. Tomasi für mich wieder etwas an Ansehen gewinnt. Allerdings kann es sein, dass er dieses in seinen nächsten Geschichten wieder einreißt. Aber hier war er gut – wirklich gut.

Somit bleibt die Geschichte rund um die Familie Fries natürlich das absolute Highlight dieses Paperbacks und hält was sie verspricht: Eine spannende, actionreiche und mit genügend Dramatik aufgeladene Story. Wenn ich die bisherigen Fauxpas von Tomasi mal ausblende und lediglich dieses Paperback betrachte, kann ich guten Gewissens dreieinhalb von fünf Bat-Heads vergeben. Denn ich bin sehr zufrieden, habe aber auch deutlich weniger erwartet. Wer diesen Blockbuster-Comic auch haben möchte, wendet sich gern an seinen Comicladen des Vertrauens oder gleich an Panini.


3½ von 5 Bat-Heads

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“You wanna get nuts? Come on! Let’s get nuts!” – Bruce Wayne (1989) / Lego Batman (2017)

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