Menu

Batman ‘89: So entstand das Comic-zum-Film

Diese Woche erschien in den USA die Deluxe-Neuauflage von Denny O‘Neil und Jerry Ordways Comic-Adaption von Tim Burtons ‚Batman‘. Doch welche Herausforderungen bringt die Kreation eines solchen Comics mit sich?

Schon als Kind habe ich Comics-zum-Film geliebt. Es war einerseits eine Möglichkeit, einen Film nach dem Kinobesuch erneut zu erleben und sich an bestimmte Szenen und den Ablauf des Films zu erinnern. Andererseits war es für mich als zeichnerisch nicht untalentiertes Kind spannend zu sehen, wie man die Ähnlichkeit der Schauspieler in das von mir geliebte Comic-Medium transferierte.

Vor „Batman“ waren mir „Motion Picture Adaptionen“ wie Marvels „Krieg der Sterne“-Reihe, „Robocop“,  „Masters of the Universe“, „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“, „Willow“ oder Goodwin & Walt Simonsons „Alien“-Adaption noch unbekannt. „Batman“ stellte Ende 1989 für mich den Startschuss in die Comic-zum-Film-Welt dar, dem neben den weiteren Batman-Umsetzungen die offiziellen Adaptionen von „Star Trek VI: Das unentdeckte Land“, „Terminator 2: Tag der Abrechnung“ und natürlich die unzähligen Filmverarschungen des MAD-Magazins folgten.

Aber wie gesagt, „Batman“ machte für mich den Anfang und gab mir auch die Erkenntnis, dass es auch mal eine andere Version von Tim Burtons „Batman“ gab, denn in dem Comic fanden sich einige Szenen, die es nicht in den Film geschafft hatten oder auf andere Art und Weise umgesetzt wurden. Doch wie kann es zu solchen Abweichungen kommen? Und generell: Wie schwierig ist es, sich solch einem Projekt anzunehmen? ComicsAlliance.com sprach genau darüber mit Zeichner Jerry Ordway, der sich seit 1987 für die „Adventures of Superman“-Reihe („Superman im Exil“) verantwortlich zeigte.

1988: Noch bevor er das Angebot für die Umsetzung bekam, war Ordway Gast auf einer Comic Convention in London und durfte das „Batman“-Set in den Pinewood Studios besichtigen.

“Ich konnte die Kostüme sehen, die Bauten, das Batmobil. Es hat mich umgehauen. Die Dreharbeiten hatten noch nicht begonnen, aber es war schon sehr beeindruckend die künstlerische Ausrichtung zu sehen“, erinnert sich der heute 61-jährige. „Es gab schon Jahre vor dem Produktionsstart einen Rummel um den Film. Ich kann mich noch daran erinnern, wie Herausgeberin Jenette Kahn uns zu einer Vorführung von ‚Pee-wee‘s Big Adventures‘ schleppte, weil der Regisseur des Films, Tim Burton, den Batman-Film inszenieren sollte! Wir hatten schon unsere Vorbehalte, aber die verschiedenen Kamereinstellungen und der Score zu Pee-wee von Danny Elfman hatten uns überzeugt.“

Nach seiner Rückkehr aus England führte Orway erneut ein Gespräch über Comic-Adaptionen mit DC Editor Jonathan Peterson.

“Er und ich erkannten das Potenzial dahinter und wie man Comicläden und den Zeitschriftenhandel mit Comics, die wie der Film aussehen, erreichen könnte.“

Getreue Adaptionen waren seinerzeit selten, was unter anderem einem großen Aufwand geschuldet war. Ein Künstler musste nicht nur viel Zeit in das Zeichnen einer umfangreichen Geschichte stecken, sondern die Ähnlichkeit zu den Schauspielern sicherzustellen.

Im Dezember 1988 ließ „Batman“-Produzent Jon Peters einen Trailer zum Film zusammenschustern, um zur Weihnachtszeit einen Hype für den Film zu generieren – also Monate, bevor der Film im Juni 1989 in den US-Kinos starten sollte. Aber das Risiko zahlte sich aus und innerhalb von wenigen Monaten überschwemmte die Batmania das Land. DC Comics gab Ordway und Peterson grünes Licht für eine „Official Comic Adaption of the Motion Picture“.

“Ich kann mich noch an daran erinnern, welch großen Eindruck man mit dem Trailer bei der Comic Book-Community schindete. Der Teaser wurde 1988 mit einem dieser großen Warner-Weihnachtsfilme gezeigt und als der Joker sich mit den Worten ‚Geflügeltes Monstrum terrorisiert Gothams Unterwelt – wartet nur, bis ihr es mit mir zu tun bekommt!‘ meldete, haben alle gejubelt!“

Das große Problem stellte aber die Zeit dar. Comic-Legende Denny O‘Neil versuchte ab Januar das Drehbuch des Films zu adaptieren, welches aber mehrmals überarbeitet werden musste und im nächsten Monat an Ordway übergeben wurde.

Der Zeitplan war die Hölle und Ordway erinnert sich daran, wie man zu Beginn des Projekts Al Williamson als Tuscher zum Projekt hinzuziehen wollte.

“Er lehnte freundlich ab, da er mit dem Zeichnen seiner ‚Krieg der Sterne‘-Adaptionen sicher seine eigenen Erfahrungen gemacht hatte und zudem exklusiv bei Marvel Comics unter Vertrag war. So gab ich mich der Selbstkasteiung hin und tuschte das Comic mit seinen 64 Seiten und 2 Titelbildern in zweieinhalb Monaten selbst. Mit einem Zeitplan von sieben Tagen die Woche und keinerlei Flexibilität bezüglich des Abgabetermins, war es schon ein äußerst strapaziöses Unterfangen. Aber was dich nicht umbringt, macht dich stärker!“

Peterson versuchte derweil, so viele Informationen wie möglich über den Film zu sammeln, um sie im Comic einzubringen. Was sich als gar nicht mal so einfach herausstellte, da Drehbuchänderungen direkt am Set vorgenommen wurden. Peterson schaffte es trotzdem, kleine Päckchen mit Dias vom Set-Fotografen an Ordway zu schicken.

“Ein Comic ist was völlig anderes als ein Film“, meint Ordway. „Die Filmszenen schlicht zu kopieren, wäre ganz schön langweilig, da Filme für eine breite Leinwand konzipiert sind, während Comics jegliche Panel-Größe nutzen können, um die Bilder spannend wirken zu lassen. Auch wenn es nur Bilder sind, so müssen Comic-Illustrationen die Geschichte mit nur wenigen Sprechblasen pro Panel erzählen und trotzdem visuell ansprechend sein.“

Ordway begann mit den ersten freien Skizzen anhand von O‘Neils Drehbuch-Adaption und dem Input von Peterson, wenn er merkte, dass manche Dinge während den Dreharbeiten abgeändert wurden. Er merkte an, wo Dialoge stattfinden könnten und übergab dies an John Costanza, der die Texte handgeschrieben in die Sprechblasen setzte.

„Er schickte mir dann die mit Schrift gesetzten Seiten zurück, damit ich die Zeichnungen fertigstellen konnte, an der Ähnlichkeit zu den Schauspielern feilen konnte, und so weiter. So kam so langsam alles ins Rollen, auch wenn ich dadurch ausgebremst wurde, keine Seiten tuschen zu können, um mit den Dreharbeiten und Änderungen am Set mithalten zu können.“

Zum Beispiel begann Ordway mit seiner Arbeit im Februar, als der Film zur Hälfte abgedreht war und die Macher sicher waren, mit ihrer Comic-Adaption dem bereits gedrehten Material gerecht zu werden. Aber bei etwa der Hälfte der Dreharbeiten änderte sich der Film und eine Reitszene wurde gestrichen und mit einer neuen Sequenz ersetzt.

“Uns war es möglich unsere Seiten zu überarbeiten, weil sie noch nicht komplett ausgearbeitet waren und nur aus Bleistiftzeichnungen bestanden“, erklärt Ordway.

Als sich dann auch noch das Ende des Films änderte und sich daraus weitere Änderungen ergaben, war O‘Neil mit den Überarbeitung so sehr beschäftigt, dass er Ordway und Peterson die Erlaubnis erteilte, alles zu tun, was immer es auch benötigte, um Comic und Film gleichauf zu halten. Ordway erklärt, dass die Referenzbeispiele vom Joker, die er als Abzüge und aufgrund der Größe schwierig zu erkennende Dias erhielt, von Peterson heimlich vom Set geschmuggelt worden waren. Zusammen haben sie dann die Dias unter einer Lupe betrachtet und gehofft, herauszufinden, wo sich die neuen Szenen im Film einordnen.

“So etwas kann einem bei jedem Comic einen Strich durch die Rechnung machen“, meint Ordway. „Als wir dann Ende Mai den Film vorab sehen durften, haben Jonathan und ich akribisch den Film erstmal nur danach abgesucht, ob wir den Comic richtig hinbekommen haben. Erst als der Film offiziell im Juni anlief, konnten wir ihn dann auch richtig genießen.“

Größtenteils entspricht „BATMAN: The official comic adaption of the Warner Bros. motion picture“ seinem Filmvorbild, auch wenn es offensichtliche Unterschiede gibt. Zum Beispiel stellt sich Batman mit „Ich bin die Nacht“, anstatt dem berühmten „Ich bin Batman“ vor.

Einen weiteren Unterschied stellt das Ende des Comics dar: In Ordway und O‘Neils Adaption befindet sich eine Szene, in der Batmans Umhang über Reporter Alexander Knox liegt, um es Vicki Vale und Batman zu ermöglichen, vor der Polizei zu entkommen.

Weitere kleine Änderungen sind vorhanden, von Szenen, die entfernt oder eingekürzt wurden. Kurz vor dem Kinostart von „BATMAN“, als Poster, T-Shirts und jede Menge an Merchandise erhältlich waren, entschied man sich bei Warner Brothers, den Comic für eine Woche zurückzuhalten. Laut Ordway war man sich über die Erfolgsaussichten des Films nicht sicher und wollte auf Nummer sicher gehen. Letztendlich waren die Sorgen unbegründet und das Comic verkaufte sich unglaublich gut.

 

“Ich weiß, dass Warner bis zum Start nervös war. Eines der coolen Sachen, die DC machte, war den Filmcomic an einem eigenen Stand zu verkaufen! Als dann der Film in seiner ersten Woche eine Rekordsumme einspielte, war jeder glücklich. DC war rehabilitiert und konnte aus dem Popkultur-Schatten der 66er TV-Serie hervortreten.“

DC produzierte seinerzeit eine Deluxe-Fassung mit gemaltem Cover für die Comicläden und Kinos, aber auch eine günstigere Standard-Version für Zeitschriftenhändler und Läden. Zwischen dem Erscheinen der beiden Versionen verkaufte sich das Comic über 400.000 mal weltweit.

“Die Leute liebten den Film und mochten, dass der Comic dem Film und den Schauspielern sehr ähnlich war. Ich bekam eine Menge Komplimente und es war das Gesprächsthema des Sommers.“

 

Im Zuge des 30-jährigen Jubiläums von Tim Burtons BATMAN legt DC Comics das gelungene Comic-zum-Film neu auf und bringt „The 1989 Movie Adaption Deluxe Edition“ neu in den Handel.

Dabei wird es nicht nur als Hardcover verpackt, sondern kommt mit 144 Seiten daher – mehr als das Doppelte, was die ursprüngliche Veröffentlichung an Seiten mit sich brachte. Diese werden durch die unkolorierten Seiten aufgefüllt.

Die englischsprachige Deluxe Edition lässt sich auch bereits bei Amazon.de für knapp 19 Euro vorbestellen und sollte dann Anfang Dezember in eurem Briefkasten liegen. Panini plant auf unsere Nachfrage hin, keine Neuauflage für den deutschen Markt.

In unseren Augen zählt die Comicadaption zu den besten Comics zu einem Batman-Film, was ihr hier in unserem Film-2-Comic Special nachlesen könnt.

Quelle: ComicsAlliance.com

Batcomputer
Gründer und Chefautor von Batmannews.de. Batman-Fan seit 1987.

5 Kommentare

  1. Florian Florian sagt:

    Laut Amazon erscheint die Deluxe Edition bei mir am 11.Dezember. Ich freu mich richtig auf dieses Teil :) Ich hoffe sehr,dass in 3 Jahren vielleicht eine solche Edition auch für BATMAN RETURNS erscheint.

  2. Henning Henning sagt:

    Meine ist bereits eingetroffen. Sieht gut aus :)

  3. Florian Florian sagt:

    Echt ?! Hmmm,vielleicht hab ich ja Glück und ich bekomme die Ausgabe kommende Woche. Es sei dir aber gegönnt. :)

  4. Avatar Sonny David sagt:

    Toller Artikel.
    Das Original besitze ich noch, aber da man sich auf Grund der schlechten Verarbeitung kaum traut zu blättern, überlege ich mir die Deluxe-Edition zu ordern.
    Wie muss ich mir das mit den „unkolorierten Seiten“ vorstellen? Sie diese immer dirket neben der kolorierten Seite?!

    • Avatar Vicero sagt:

      Genau. Auf der linken Seite unkoloriert, rechts koloriert. Es gibt, glaube ich, lediglich eine Doppelseite mit übergreifenden Panels, bei der erst die unkolorierten und danach die kolorierten Seiten eingebunden sind.

Schreibe einen Kommentar

COUNTDOWN TO „BIRDS OF PREY“

days
6
0
hours
1
9
minutes
1
0
seconds
5
9

Neueste Kommentare

Umfrage

Robert Pattinson soll der neue Batman werden. Eure Meinung?

Ergebnis ansehen

Loading ... Loading ...