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Batman: The Animated Chronicles, Kapitel 5 – Red Claw

Anfang

Mit Red Claw sehen wir uns heute eine Schurkin an, welche für die Animated Series geschaffen wurde und nie den großen Sprung in andere Bat-Medien geschafft hat. Vielleicht erschließt sich uns ja während der Betrachtung, warum das so sein könnte. Wir wollen zunächst möglichst unvoreingenommen bleiben und steigen direkt ein mit einer Doppelfolge namens

„Gefährliche Klauen“(S01E15E16; Original: „The Cat and the Claw, Part I & II“)

Story: Sean Catherine Derek & Lauren Bright| Drehbuch: Jules Dennis & Richard Mueller | Regie: Kevin Altieri (I) & Dick Sebast (II)

Synopsis:

In den ersten Minuten von „Gefährliche Klauen“ muss der Mitternachtsdetektiv feststellen, dass Gothams neuer Katzeneinbrecher eine Frau ist und beide liefern sich gleich darauf eine erste spannende Verfolgungsjagd. Am Ende entkommt das Katzenweib und Bats bleibt nur ein zerfetztes Cape als Andenken.

Bald lernt auch Bruce Wayne auf einer Benefizveranstaltung (auf dem ein Abendessen mit ihm versteigert wird) die an ihm nur mäßig interessierte Selina Kyle kennen. So interessant und teilweise spannend diese ersten Begegnungen der Katze und der Fledermaus sind, so muss der geneigte Leser doch noch auf die Besprechung innerhalb der Catwoman-Chronik warten, bis wir das ganze Beziehungsgeflecht detaillierter beleuchten.

Wir konzentrieren uns erst einmal auf Red Claw, einen bisher gesichtslosen Terroristen, der seit kurzem auch in Gotham operiert. Der Polizei gelingt es, eine geplante Waffenlieferung an Red Claw abzufangen. In einer dunklen Ecke verabredet Gordon mit Batman, dass man diesem neuen Terroristen und seiner Vereinigung das Handwerk legen müsse. Aber wie nur?

Bald darauf trifft sich Batmans Alter Ego mit Selina Kyle zum ersteigerten Dinner. Doch Selina ist am Boden zerstört. Sie plante, ein Berglöwenreservat vor den Toren der Stadt zu errichten, wurde aber bezüglich des Geländes von Multigon International überboten. Bruce lässt seine Kontakte spielen und im Handumdrehen hat das blonde Katzenweib einen Termin bei Mr. Stern, dem CEO von Multigon. Dieser plant auf dem abgelegenen Grundstück offenbar ein modernes Ressort zu eröffnen. Doch Selina traut ihm nicht.

So sehen wir sie wenig später im Catwoman-Kostüm in Sterns Büro herumschnüffeln, während Batman anderenorts mehrere Mafiosi verhört, um an Informationen über Red Claws Aufenthalt zu kommen.

Unglücklicherweise befindet sich die Schurkin im selben Gebäude wie Catwoman (Überraschung!) und entdeckt diese auch dank der Überwachungskameras in Sterns Büro. Dort hat Selina mittlerweile geheime Akten in einer versteckten Konsole gefunden und macht fleißig Fotos.

Wirklich bemerkenswert ist das Ausmaß, in welchem Catwoman gefilmt wird. Das Büro scheint mit Kameras überfüllt zu sein, die es sogar schaffen, die Einbrecherin von vorn abzulichten, sogar während diese in einen geschlossenen Safe hineinfotografiert 🙂

Red Claw lässt sich das natürlich nicht gefallen (Goon: „Wer ist das?“ Red Claw, während sie ihre Waffe lädt: „Eine Katze am Ende ihrer 9 Leben.“) und die gesamte Bande macht sich auf die Jagd nach der Katze. Die Verfolger kennen keinen Spaß und schließlich hat es Selina nur Isis und Batman zu verdanken, dass sie mit dem Leben davonkommt.

Red Claw selbst erweist sich hierbei als besonders skrupellos und schreckt keine Sekunde davor zurück Catwoman samt einem Dachvorsprung in die Luft zu jagen. Doch wie gesagt – Catwoman entkommt. Aber Red Claw ist nicht auf den Kopf gefallen und lässt das Katzenweib heimlich verfolgen. Und der Spion entdeckt recht schnell, dass Catwoman und Selina Kyle ein und dieselbe Person sind. Und mit diesem Cliffhanger endet die erste Folge.

Wir aber haben den Luxus, direkt mit Episode zwei anzuschließen. Diese beginnt mit einem offenbar geheimen Treffen zwischen Batman und dem ansässigen Mafiaboss. Von diesem erfährt er, dass Red Claw plant, einen Zug zu überfallen; mehr weiß er nicht. Beinahe zu spät können Bats und Gordon schlussfolgern, dass es sich um einen geheimen Militärtransport handelt. Schon in der nächsten Szene sehen wir den schwer bewachten Zug. Und während sich das recht unmotivierte Wachpersonal noch fragt, wer denn „schon eine Kiste mit Bazillen stehlen will“, erhält der Zuschauer die Antwort in Gestalt von Red Claw und ihrer Gang, welche auf einem recht eigentümlichen Raketengefährt (erinnert irgendwie sehr an die Looney Tunes) heranrauscht. Red Claw macht kurzen Prozess, überfällt die überraschten Soldaten und sprengt das Zugdach. Die Zugräuber können das Gefahrengut sichern und bereiten sich auf den Abtransport vor. Doch da stört Batman die Operation und trifft nach kurzem Schlagabtausch erstmalig auf Red Claw. Bisher hatten weder die Fledermaus, Gordon oder Catwoman das Gesicht der Terroristin gesehen. Peinlicher Moment: Als Bats erkennt, wen er vor sich hat, sagt er voller Überraschung: „Red Claw?! Eine Frau?!“ Aber die Dame kontert: „Ist das etwa ein Problem für Sie?“ Batman: „Überhaupt nicht. Ich bin für Gleichberechtigung bei der Verbrechensbekämpfung.“ … Hach, die 90er 🙂

Im weiteren Dialog überzeugt Red Claw Batman davon, ihr nicht zu nahe zu kommen. Sie trägt einen hochansteckenden Pesterreger bei sich und lässt keinerlei Zweifel daran, dass sie bereit ist, die Seuche jederzeit freizusetzen; selbst, wenn dies ihren eigenen Tod bedeutet.

Zähneknirschend lässt Batman sie ziehen. Triumphierend ruft sie ihm zu: „Diesmal haben Sie Ihren Meister gefunden, Dunkler Ritter. Kein Wunder – es ist ja eine Frau!“

Bald darauf erfahren wir, dass Red Claw – wie alle Terroristen – Geld braucht und nun Gotham erpresst. Sie verlangt innerhalb von 24 Stunden 1 Milliarde Dollar in Gold und droht für den Fall der Nichterfüllung, die Pesterreger auf die Stadt loszulassen. Statt an einer Lösung zu arbeiten, unterhalten sich aber im Weiteren der Commissioner und Batman über Frauen, bis Bats schließlich auflegt. Denn Bruce hat zunächst vor, endlich das geplante Date mit Selina in die Tat umzusetzen und holt diese zu Hause ab. Doch schon wieder wird das Rendezvous vorzeitig unterbrochen. Ein fremder Wagen versucht Bruces Auto (mit Selina als Beifahrerin) von der Straße zu drängen. Nur dank Bruce‘ fahrerischem Können, landen die Verfolger schließlich im Gotham River. Beiden, Bruce und Selina, ist nun klar, dass sie in akuter Gefahr schweben. Als Bats später in der Höhle dahinterkommt, dass Catwoman und Selina Kyle identisch sind, geht ihm auf, dass Selina das eigentliche Ziel der Attacke war. Doch als er sich (im Kostüm) wieder zu ihr begibt, trifft er nur noch auf Maven, die gerade gegen einen Handlanger Red Claws und um ihr Leben kämpft. Der Dunkle Ritter rettet Selinas Assistentin und erfährt von ihr, dass sich Catwoman auf dem Berglöwengelände befindet, dass ihr zuvor Multigon abgeluchst hat.

Als Batman dort eintrifft und Catwoman zum Rückzug überredet, ist es allerdings schon zu spät. Sie werden von Red Claw überrascht, überwältigt und unverantwortlich nah an den Pesterregern gefesselt zurückgelassen. Um die Falle wirklich tödlich werden zu lassen, gibt Red Claw noch 2 Tropfen Säure auf den Virusbehälter und lässt dann das Gelände räumen. Catwoman und Batman sollen so ihren Tod gemächlich kommen sehen. Ach so, hatte ich schon erwähnt, dass der ganze Raum mit Sprengstoff gefüllt ist!?

Aber dank gutem Teamwork und einer etwas merkwürdigen Idee mit einem Tanklaster können die beiden sowohl entkommen, als auch ihre Gegenspielerin (per riesiger Explosion) an der Flucht hindern.

Es ist schließlich ein Berglöwe, der Catwoman im finalen Kampf das Leben rettet und Red Claw in Schach hält. Als später die Polzei hinzukommt, ist Catwoman bereits fort. Gordon lässt sich von Batman kurz auf den neuesten Stand bringen und konstatiert: „Hätte ich mir denken können, dass alles erledigt ist, wenn wir kommen.“ Was für eine Arbeitseinstellung …

Für Batman ist die ganze Angelegenheit aber noch nicht beendet. In Selinas Wohnung stellt er Catwoman zur Rede. Es wird wieder heftig geflirtet. Und während das Katzenweib sich sicher wähnt, klicken die Bat-Handschellen.

Zur Episode:

Was für ein Auftakt. Ja, richtig gelesen: Auftakt. Denn wie bereits in der Man-Bat-Chronik erwähnt, wurde der eigentliche Pilot „Auf mächtigen Schwingen“ zugunsten von „Gefährliche Klauen“ in den USA erst in der Folgewoche ausgestrahlt. Fox (was damals noch der Haussender für die BTAS war), wollte an den Erfolg von „Batman Returns“ anknüpfen und mit der nun überall bekannten (blonden) Catwoman seine Batmanserie starten. Doch dafür mussten die Amerikaner ganze 7 Episoden warten, bis sie den zweiten Teil präsentiert bekamen. Das ist allerdings nicht ganz so schlimm, da es rein inhaltlich möglich ist, dass mehrere Wochen (und Abenteuer) zwischen den beiden Folgen liegen.

Schöner ist es dennoch, wenn man beide Episoden am Stück genießen kann, obwohl das tatsächlich nur für den Fluss der Geschichte gilt. Ansonsten ist inhaltlich wie gestalterisch ein klarer Abfall von Teil 1 zu Teil 2 festzustellen. Teil 1 ist zwar noch nicht ganz rund und wirkt zeichnerisch etwas aus der Zeit gefallen, aber mit dem Hauptaugenmerk auf der Beziehung zwischen der neuen Katzenräuberin und dem Dunklen Ritter, bietet er ein kleines Schmankerl für den geneigten Bat-Fan.

Es war nicht herauszufinden, ob Teil 1 als Startfolge noch einmal überarbeitet wurde, doch sie funktioniert als Pilot ziemlich gut. Catwoman und Batman werden uns anfangs umfassend nähergebracht, genauso wie ihre beiden Alter Egos. Außerdem haben wir als Zuschauer die Möglichkeit, Batman, Catwoman und das GCPD ausführlich kennenzulernen.

So gibt es von Beginn an eine starke Beziehung zwischen Batman und Gordon und wir dürfen quasi live mit dabei sein, wie sich langsam eine zarte Bande zu Catwoman entwickelt. Außerdem dürfte den meisten Zuschauern damals Michelle Pfeiffer als Catwoman ziemlich bekannt und in dieser Rolle auch beliebt gewesen sein. Daher ist das Kalkül von Fox durchaus nachzuvollziehen. Die detaillierte Betrachtung der Beziehung zwischen diesen beiden Hauptfiguren müssen wir allerdings (wieder einmal) auf die Catwoman Chronik verschieben. Und das ist leider auch die Krux bei „Gefährliche Klauen“. Episode 1 funktioniert ziemlich gut und ist wegen der Bat-Cat-Beziehung wirklich schön geworden. Aber über Red Claw erfahren wir so gut wie nichts und es gibt ein offenes Ende. Da könnte man sich also in beiden Kritikpunkten auf Folge 2 verlassen aber die wiederum scheitert auf so vielen Ebenen und schafft es nicht, die guten Anfänge aus Teil 1 befriedigend fortzuführen.

Aber der Reihe nach:

Die erste Episode wirkt (v. a. beim Figurenverhalten und den gezeichneten Bewegungen) noch sehr trickfilmmäßig, was aber gerade bei der Auftaktsequenz angenehm auflockernd wirkt. So ist die mit Infrarotblick ausgestattete Katze Isis außerdem in der Lage das Lasergitter beim Diebesgut geschmeidig zu überwinden und die Juwelen zu Catwoman zu apportieren.  Dann folgt der anfängliche Kampf, der auch eine Art Vorstellung der Charaktere Batman und Catwoman darstellen soll. Hier lieferte man uns sogar noch einige 80er-Jahre-Shots des Dunklen Ritters. In derartigen Einstellungen bemerkt man den angelegten Stil für die Serie. Alan Burnett und Eric Radomski hatten seinerzeit auch geplant, die Aufmachung der Serie stark an die Fleischer Superman Cartoons aus den 40ern anzulehnen. In keiner anderen Folge ist dies so deutlich wie in diesem Piloten. Das hat viel Schönes, auch wenn die Zeichnungen insgesamt noch unfertig wirken. So, als ob die Charaktere später noch besser ausgestaltet wurden. Auch die Animationen kommen zeitweise recht behäbig daher (also, mehr als sonst). Mit dem Wissen aber, dass dies die erste (gesendete) BTAS-Folge war, die erste eines relativ ungewohnten Trickfilmprodukts bzw. aus welcher Zeit das Ganze stammt, finde ich das sehr verzeihlich. Die kleineren Schwächen fallen auf, stören aber wenig den Genuss dieses ersten Teils.

Als Kind der 90er (und aller Jahre zuvor) blickt man mittlerweile auch eher liebevoll auf solche Details, wie die Wählscheibentelefone oder die übergroßen Anzüge der feinen Gesellschaft à la Donald Trump. Einen weiteren Pluspunkt verdient sich Teil 1 wegen seiner Actionsequenzen. Die Jagd Catwomans über die Dächer Gothams ist schön choreografiert, die Verfolgungsjagd zwischen GCPD und den Red Claw – Gangstern folgt einer auf Tempo konzentrierten Inszenierung und die Flucht Catwomans aus dem Multigongebäude ist spannend und kompromisslos. Generell gibt es ein gutes Timing hinsichtlich der Wechsel zwischen Action, Romantik und Erzählszenen.

Die Animation der zweiten Episode übernahm das (bezüglich BTAS) viel gescholtene Studio AKOM (siehe auch unsere letzte Chronik). Bruce Timm beschwerte sich später über mehrere Sequenzen der Folge. Die Explosion zum Schluss habe man z. B. mehrmals überarbeiten müssen.

Einiges sei künstlerisch einfach schlecht gewesen. Doch die Zeit reichte schließlich nicht aus und die Episode wurde (nach Timms Maßstab) unfertig freigegeben.

Auch die Story flacht im zweiten Teil erheblich ab. Unter anderem wird dort der schon in der ersten Folge und irgendwie aus der Zeit gefallene Holzhammer-Versuch fortgesetzt, eine besonders feministisch angehauchte Frauenpower-Episode zu schaffen. Allein der bemühte Versuch selbst, wirkt (auf eher belustigende Art und Weise) wie eine Altherren-Idee.

Wie ist das gemeint? Nun, durch die Handlungen und Äußerungen der Figuren unterstellen die Autoren den männlichen Hauptcharakteren (hier Batman und Gordon) selbst Sexismus und prangern auch deren Ungenauigkeit bei der Recherche an. Als die Fledermaus Catwoman das erste Mal sieht, murmelt er ungläubig vor sich hin, dass der geschickte Räuber also eine Frau ist. Und bis Batman auf Red Claw in persona trifft, geht er davon aus, dass diese Organisation von einem Mann geleitet werden müsste. In Teil 1 äußert sich Gordon ähnlich. Es kommt einem arg erzwungen vor, wenn erwähnt wird, dass die ganze Zeit nach einem Mann gefahndet wurde und ja niemand ahnen konnte, dass es sich hier um eine Frau handelt usw.

Gordon verrät zudem, dass es sich um eine extrem gefährliche Terrorgruppe handelt, aber die Behörden faktisch NICHTS über Red Claw wissen. Man kann nun argumentieren, dass das ja alles Prä-9/11 geschrieben wurde. Und auch wenn US-Behörden selbst zu dieser Zeit schon internationale Terroristen im Auge hatten, der kleine Trickfilmschreiberling davon keine Ahnung hatte und nur das Bild eben seiner Zeit verarbeitet. Aber wenn ich als Autor nicht recherchieren oder nachdenken möchte, dann lasse ich bestimmte Aspekte einfach weg. Zu vermuten steht aber vielmehr, dass unbedingt dieses Feminismus-Thema in den Episoden Platz finden sollte und deshalb so hölzern durch die Geschichte geschleift wird. Und auch, wenn Lauren Bright an der Story mitschrieb, so wirkt es eher so, als hätte sich ein Typ, der keine bis wenig Ahnung von Feminismus hat, dazu entschieden, genau diese Materie in diese kleine Story zu zwingen. Und das gelang ihm ganz famos mit Sätzen Batmans wie: „Ich bin für Gleichberechtigung bei der Verbrechensbekämpfung“ … Nicht!

Als Batman-Fan hat mich diese Charakterisierung schon (leicht) empört. Batman ist üblicherweise kein Chauvie, er würde nicht so plump antworten, wenn man es ihm doch vorwürfe und (und das ist das Schlimmste) Batman ist kein so schlampiger Ermittler bzw. würde er das nicht so blicken lassen. Wenn er schon Hals über Kopf zum Zugüberfall eilen muss, weil er zu spät gecheckt hat, was Red Claw plant, dann fällt ihm doch nicht ein Satz der Überraschung aus dem Mund, wenn er auf die Schurkin trifft. Nicht unserem Cold-As-Ice-Detective.

Auch in der Interaktion mit Catwoman/Selina gibt es derartige Anspielungen. Diese sind zwar weitaus subtiler platziert, aber trotzdem auffällig. Sie lässt Bruce wissen, dass sie nicht die Jungfrau in Nöten ist, die von ihm gerettet werden muss und sie erwaähnt immer mal wieder, dass sie für dies oder jenes keinen Mann brauche. Derartiges In-Your-Face-Storytelling ist völlig unnötig. In der direkten Auseinandersetzung mit Batman gibt es viele schöne Momente, die aufzeigen, dass Catwoman ihm in vielen Belangen ebenbürtig ist. Aus einigen Konfrontationen geht Bats als Sieger hervor und aus manchen eben Catwoman. Gleiches gilt für Red Claw. Sie ist die unwidersprochene Anführerin einer Terrororganisation, Stern macht, was sie sagt und sie befiehlt über eine beträchtliche Anzahl loyaler Gefolgsleute. Da braucht es keine Pseudogleichberechtigungsschwafelei. Ihr zeigt es uns doch schon!

Naja, man könnte sich noch jede Menge Szenen herauspicken und die vor diesem Hintergrund hin und her wenden. Ich denke aber, der Punkt ist klar geworden. Und es gibt ja noch so viel mehr, über das man sich echauffieren kann. Die ganze Verknüpfung von Red Claw und Catwoman ist genauso erzwungen. Selina wird betreffs ihres Reservats von Red Claw überboten, während diese schon fleißig Militärkrams durch Gotham transportiert. Nur deswegen folgt Catwoman der Spur bei Multigon, wird dann wiederum von Red Claw verfolgt, nur um dann deren Machenschaften auf dem Reservatsgelände zu beobachten, woraufhin sie und Batman gefangen werden und dort am Ende alles in die Luft sprengen.

Warum hat Red Claw sich dieses Gelände gesichert? „Als Basis“ lässt man den Zuschauer wissen. Eine Basis, die sie aufgibt, nachdem sie die Stadtoberen mit der Pestfreisetzung gelinkt hat; wie zuvor schon geplant. Wozu genau brauchte sie dann so einen riesigen Stützpunkt? Warum tun es nicht ein/zwei Lagerhäuser für die kurze Zeit, die sie in Gotham weilt? Und aus genau welchem Grund setzt sie Batman und Catwoman dem Virus aus, wo sie doch zuvor feststellt, dass eine Freisetzung viel zu gefährlich sei? Logisch erscheint mir das Ganze nicht, aber lasst mich gern wissen, wo meine Denkfehler liegen.

Wie wir gleich näher betrachten hat Red Claw hier meiner Meinung nach nur einen Zweck – der Bösewicht zu sein. Nach der ganzen Anbahnung des Beziehungsparallelogramms von Bats, Cats, Bruce und Selina braucht es ein Ziel für die Fähigkeiten Batmans bzw. die antizipierten Action-Gelüste des Publikums. Und das kann/darf auf keinen Fall ein finaler Kampf zwischen Batman und Catwoman sein. Dann stünde ja Selina irgendwie als Schurkin da. Und die Autoren mussten wohl glauben, dass das die kleine Kinderseele überfordert. Das Berglöwenreservat sowie die letzte Auseinandersetzung zwischen Catwoman und Red Claw geben der Katze den Anstrich, dass sie aus edlen Motiven handelt und eher eine Heldin, als die Böse ist (weil die hat sie ja bekämpft). Aber mit der Verhaftung Selinas zum Schluss zeigt Batman uns doch, dass sie nicht frei von Schuld ist. Und auch in späteren BTAS-Episoden werden wir genau mit diesem vermeintlichen Widerspruch mehrfach konfrontiert: Man kann etwas Gutes bzw. das Richtige wollen und aus genau diesen Gründen das Falsche tun. Oder über das (legale) Ziel hinausschießen. Da genügt bereits ein Blick auf unsere vergangenen Chroniken zu Mr. Freeze oder zu Kirk Langstrom. Das ist ein beständiges Motiv innerhalb der Serie. Aber bei Catwoman schien man sich das nicht zu trauen. Ich hätte einen Catwoman-Auftakt (egal ob in ein oder zwei Teilen) begrüßt, der nicht den Umweg über Red Claw gegangen wäre, sondern sich ganz klassisch auf die oben beschriebenen Figurenbeziehungen konzentriert hätte. Der ganze Unsinn drumherum wäre dann nicht nötig gewesen. Und man hätte die eigens für die Serie entworfene Figur Red Claw mit mehr Tiefe ausstatten und sie nicht so verbrennen müssen, um eine eigentlich ganz andere Geschichte zu erzählen. Warum das so schade ist, sehen wir uns jetzt an.

Zur Figur:

Red Claw. Oder wie man einen Charakter nicht gestaltet.

Wenn wir uns Red Claw ansehen, was sehen wir? Eine Schurkin mit Schlafzimmerblick (zumindest im ersten Teil), ausgestattet mit durchaus beeindruckenden Kampffähigkeiten sowie einem furchtbaren osteuropäischen Akzent, v. a. in der deutschen Synchro. Im Original wird sie (etwas erträglicher) gesprochen von Captain Janeway herself, Kate Mulgrew. Die meisten Serienjunkies dürften sie auch aus Orange is the new blackkennen. Dort spielt sie eine Rolle, ebenfalls mit einem russischen Akzent, mit dem Spitznamen „Red“. Toll, oder?!

Bis auf ihre durchgängig rote Bekleidung und das Symbol einer roten Klaue auf ihrer Schulter, bleibt die Schurkin aber enttäuschend blass. Wir erfahren keinen Hintergrund, keine Origin-Story oder überhaupt eine Motivation für das, was sie tut. Lediglich bei der obligatorischen Szene, in welcher der Schurke seinen Plan erläutert, erfahren wir, dass Red Claw die ganzen Mühen, Gefahren und Kosten auf sich genommen hat, um am Ende die Stadt zu erpressen – nicht aufgrund verblendeter, terroristischer Ideale, sondern des schnöden Mammons wegen (Hand hoch, wer an Stirb Langsamdenken musste).

Was sie damit tun will, bleibt offen. Welche generellen Ziele sie hat, sagt man uns nicht. Nur, dass sie ihre mysteriösen Ziele erreichen will und dabei kompromisslos ist und bleibt, das wissen wir jetzt. Dafür scheint kein Mann zu schade und kein Betrag zu hoch. Die Sache ist alles und die Sache ist … ach ja, sagt man uns nicht. Diese ganze rote Ausgestaltung könnte ein Wink auf den in den USA gefürchteten aber nie erlebten kommunistischen Terror aus der Sowjetunion sein, aber das ist schon sehr spekulativ. Fakt ist, dass sie gern überkomplexe Pläne entwirft, die fast zwangsläufig scheitern müssen.

Warum das so ist, sagt man uns aber nicht. Zu erwähnen sind vielleicht noch ihre untergebenen Männer (keine einzige Frau!), die alle vom Look & Feel her mehr an das Klischee eines Eisenbahnräubers erinnern, als an das üblicher Gangster oder Terroristen. Ganz offensichtlich scheint ihr die Truppe aber bedingungslos – wahrscheinlich bis in den Tod – zu folgen. Der Grund dafür … ach ja, sagt man uns nicht.

Was ich hier sehr schön finde ist das Charakter-Design. Sie trägt nicht die übliche Schurkinnenkluft, damit sie dem Nerd vorm Fernseher gefällt. Red Claw wirkt wie eine gestandene Frau, die auch anhand Auftreten und Erscheinungsbild fähig zu sein scheint, eine terroristische Vereinigung anzuführen. Die freie Schulter mit dem Tattoo einer roten Klaue mag zwar etwas sehr plakativ sein bzw. albern wirken, mir gefällt es. Vom Design her ist diese Figur gut ausgestaltet. In ihrer Charakterisierung allerdings bleibt sie in beiden Teilen eher oberflächlich und wenig greifbar.

Betrachtet man Red Claw isoliert, dann haben wir eine potenziell sehr gefährliche Frau vor uns; eine krasse Gegnerin für die Fledermaus. Doch die Story, in die sie eingebettet wurde und der abstruse Plan, mit dem man sie präsentiert, stutzen ihr von Anfang an die roten und auch alle sonstigen Krallen. Ein brüllender Löwe, gefangen hinter den undurchdringlichen Gitterstäben wohlfeilen Storytellings. Erzwingungshaft im Trickfilmknast. … So, reicht jetzt aber auch.

Vielleicht überzeugt uns Red Claw ja in der nächsten Episode.

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