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The Dark Knight

Jack Nicholson über den neuen Joker

JACK NICHOLSON ÜBER DEN NEUEN JOKER

In einem Interview mit MTV.com äußert sich der ehemalige Joker-Darsteller in seiner bekannt ehrlichen Art über die Neubesetzung seiner Paraderolle.

MTV: Wie denken Sie darüber, dass jetzt Heath Ledger den Joker in ‚The Dark Knight’ spielen wird`

Nicholson: Jetzt bin ich mal so, wie ich sonst nicht in Interviews bin. Ich bin wütend. Ich bin wütend (lacht). Sie haben mich nie nach einer Fortsetzung mit dem Joker gefragt. Ich weiß doch, wie man das macht! Keiner hat mich jemals gefragt.

MTV: Es wurde Ihnen nie angeboten?

Nicholson: Nein. In manchen Fällen kann man einfach nicht glauben, dass manche Sachen passieren und manche nicht. Mich nicht zu fragen, wie man eine Fortsetzung dazu macht, gehört zu diesen Sachen. Vielleicht ist es kein Fehler. Vielleicht war es das Richtige. Aber um ehrlich zu sein, ich bin schon erbost darüber.

MTV: Ich bin nun doch sehr überrascht, Sie so konkurenzbetont über solch eine Rolle sprechen zu hören.

Nicholson: Nun, der Joker gehörte zu meiner Kindheit. Das war für mich der Hauptgrund ihn zu spielen. Das ist eine Rolle von der ich dachte, dass ich sie spielen sollte.

MTV: Werden Sie sich den neuen Film ansehen?

Nicholson: Aufgrund dessen, was ich gerade gesagt habe, verspüre ich kein großes Bedürfnis dazu. Falls es aber ein guter Film sein sollte, werde ich ihn mir irgendwo ansehen. Ich denke, dass sie nie wirklich Tim Burtons Spirit einfangen konnten, seit er nicht mehr bei den Filmen involviert ist. Irgendwie wurde die Filmreihe gegen die Wand gefahren.

Tim Burton ist ein Genie. Er hatte den richtigen Ansatz dafür gefunden. Deswegen habe ich den Film auch gemacht. Dafür hat es nur ein einziges Gespräch mit ihm gebraucht. Wir beide kommen ursprünglich aus der Welt des Zeichentricks. Wir hatten ähnliche Ideen. Tim meinte, der Joker sollte eine humorvolle dunkle Seite haben.

Burton ist einer der größten Filmemacher. Ich halte sehr große Stücke auf ihn. Und er verspürt keinen Druck. Und das liebe ich bei ihm. Wenn er ankommt lächelt er und macht den Film. Das war’s!

Quelle: MTV.com

3 Hot Dogs für Batman

3 HOT DOGS FÜR BATMAN

Von Adam Higginbotham

Viel Neues über ‚The Dark Knight’ erfährt man aus dem Interview des DETAILS-Magazins mit Christian Bale nicht. Dafür umso mehr über den Menschen Christian Bale. Lest hier das amüsante Interview in der deutschen Übersetzung.

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie sich zum ersten Mal im Batsuit sahen?

Ich stand in dem Bereich, wo sie den Anzug entworfen haben und hatte ein paar Minuten für mich alleine. Ich stand vor dem Spiegel und dachte mir, „Das wird nicht funktionieren. Ich werde klaustrophobisch, ich kann nicht atmen, ich hab jetzt schon Kopfschmerzen, und das wird ganz übel enden.“

Was konnte Sie dennoch überzeugen?

Ich habe zu mir selbst gesagt, „Atme ein paar Minuten tief durch. Versuch es wenigstens. Mach dich nicht zum Idioten in dem du schreiend rumläufst und das Teil wieder ausziehst“. Dabei konnte ich dass nicht einmal alleine. Es brauchte dazu drei Leute. Ich hab mir gerade vorgestellt, was für ein Arsch ich doch wäre, wenn ich jetzt sagen müsste, „Nun, ich konnte die Rolle damals nicht spielen, weil ich in dem Anzug jedes Mal Panik bekam“.

Sie spielten bereits eine große Bandbreite an Rollen, aber nur wenige davon gehen unbekümmert durchs Leben. Zieht sie die dunkle Seite an?

Ich bevorzuge bestimmt nicht das Elendige. Und ich mach auch nicht absichtlich auf düster. Was ich aber mit Bestimmtheit sagen kann, ist, dass ich überhaupt kein Interesse daran habe in einer romantischen Komödie zu spielen – so was könnte ich einfach nicht. Das würde grausam werden. Und ich denke so was ist ohnehin ein Widerspruch in sich. Lustig fand ich keinen von denen.

Michael Caine sprach über die intensive Spielweise von Heath Ledger als Joker in ‚The Dark Knight’. Wie fanden Sie die Arbeit mit ihm?

Er war in der Tat bei seiner Leistung sehr intensiv, aber auch unglaublich heiter und entspannt. Bestimmt war da auch dieser großartige anarchistische Charakterzug, sprich, dreckiger als jeder zuvor den Joker darzustellen. Diese Figur hat dadurch Macht, da er keine Grenzen kennt – und überhaupt nichts zu verlieren.

Wie hat Ledgers Tot Ihre Einstellung dem Film gegenüber verändert?

Natürlich war es etwas, was ich mit ihm teilen wollte – und damit habe ich auch fest gerechnet. Und ich kann jetzt einfach nur hoffen, dass der Film seine Leistung ehren wird.

Irgendwie habe ich den Eindruck, dass manche Sachen die Sie in der Vergangenheit über sich erzählt haben, z.B. dass einer Ihrer Großväter ein Bomberpilot war und der andere ein Zauberer für Kinder …

… erfunden habe. Richtig. Ich bin ein Schauspieler und kein Politiker. Ich könnte mir jedes Mal einen Tritt verpassen, wenn ich zuviel über meine Familie oder persönliche Dinge spreche. Im ersten Moment genieße ich es darüber zu sprechen, und im nächsten Moment bereue ich es schon wieder.

Sie sagten einmal, dass Sie den Leuten Geschichten über Dinge erzählt haben, die Sie als Kind getan haben, um dann festzustellen, dass Sie diese Dinge nie getan haben.

Um ehrlich zu sein passiert das recht häufig. Es gibt so viele Dinge von denen ich weiß, dass ich sie nur im Film erlebt habe, aber trotzdem das Gefühl habe sie erlebt zu haben. Und dann muss ich mir erstmal darüber den Kopf zermatern, „Ist das überhaupt in meinem Leben passiert?“ Es gibt Momente, da tu ich so, als wäre ich in einem Schusswechsel gewesen, und dann sind da Leute, die tatsächlich in einem Schusswechsel waren. Das ist natürlich albern und auch respektlos zu behaupten zu verstehen, was das bedeutet. Jeder der behauptet dies zu verstehen, verdient eine richtig schallende Ohrfeige. Aber die Macht der Wahnvorstellung ist unglaublich stark

Als Kind sind Sie in 15 Jahren 15-mal umgezogen. War dies der Grund ein unkonventionelles Leben führen zu wollen?

Eigentlich ist das gar nicht so unkonventionell. Es hat einfach so laufen müssen. Ich hatte nie das Verlangen nach einem unkonventionellen Leben. Es war mehr die Erkenntnis das andere nicht haben zu wollen.

Das andere?

Keinen Ausweg zu haben. Ich war es immer gewohnt die Sachen zu packen und zu gehen.

Als Sie ‚Mio, mein Mio’ in der Ukraine drehten, geschah das Unglück von Tschernobyl.

Richtig. Wir wussten, dass etwas passiert ist, da die Produktion uns sagte, dass wir fertig sind und nun gehen müssen. Einen Monat später kamen wir zurück. Beim Abendessen hatten wir immer jemanden mit einem Geigerzähler neben uns der alles abscannte.

Wussten Sie, dass „Im Reich der Sonne“ Ihr Start in einer Karriere als Schauspieler sein würde?

Ich habe noch nicht einmal für eine Sekunde vermutet dass überhaupt jemand den Film sehen wird. Ich habe nie an irgendwelche Konsequenzen gedacht. Das kümmerte mich nicht. Ich ging nach China, ich ging nach Spanien. Ich sprang herum und ständig flogen Flugzeuge über meinen Kopf hinweg.

Was haben Sie in diesem Alter gemacht, wenn Sie mal nicht schauspielerten?

Ich lebte friedlich in Bournemouth (England) wie jeder andere Teenager auch. Nein, ich formuliere das neu: Die meiste Zeit war ich wie jeder andere Teenager. Aber dann gab es auch die Momente, in denen ich daran erinnert wurde, dass manche Leute nicht der gleichen Meinung waren und mich spüren ließen, dass ich etwas anders war und nicht wirklich dazu gehörte. Anscheinend ist man kein Mensch mehr, wenn man einmal in einem Film mitgespielt hat.

Die Rolle des Patrick Bateman in ‚American Psycho’ zu übernehmen wurde von vielen als beruflicher Selbstmord gesehen.

Ja. Ich mochte immer die Vorstellung von beabsichtigter Selbstzerstörung. Etwas zu übernehmen, was wichtig für mich war – Schauspielern – um dann als unbesetzbar zu gelten. Um zu Testen wie wichtig es wirklich für mich war. ‚American Psycho’ stellte sich als das genaue Gegenteil heraus. Es bescherte mir weitaus mehr Arbeit.

Was hätten Sie getan, wenn es nicht so gelaufen wäre?

Keine Ahnung. (lacht)

Es gab keinen Plan B?

Nein, es gab nie einen.

Gab es einmal eine Zeit, als es für Sie gefährlich wurde nicht genug Geld allein durch die Schauspielerei zu verdienen?

Ich glaube, es gibt keinen lebenden Schauspieler, der noch nicht in so einer Situation war – und Jahre nach dieser Situation haben die Leute nachdem sie einen bemerkt haben keine Vorstellung davon, welchen Lebensstil ich pflege.

Können Sie sich daran erinnern, wann Sie zuletzt in solch einer Situation waren?

(Lange Pause) Ich weiß genau wann das war. Ich bin mir nur nicht sicher, ob ich darüber sprechen möchte … welches Jahr haben wir jetzt? 2008? Dann ist es erst 5 Jahre her. Genau. Die Pfändung meines Hauses, das war’s.

Eine Hauspfändung?

Ja, aber ich will nicht mehr darüber sprechen.

Haben Sie jemals etwas nur wegen des Geldes getan?

Filme gedreht? Hm … nun, ich glaube es gab da eine bestimmte Zeit – und ich sage Ihnen nicht, was es war – aber es ist dem anderem über das ich nicht sprechen möchte sehr ähnlich. Aber letztendlich habe daraus viel gelernt – aber immerhin ging es darum seinen Kopf über Wasser halten zu können.

War es schon immer der Plan für ‚The Machinist’ 30 Kilo abzunehmen?

Nein, das war nie geplant. Es brauchte nur weitaus länger das Geld für den Film zusammenzubekommen als ich erwartet habe. Deswegen wurde der Drehbeginn nach hinten verschoben und verlor so mehr und mehr an Gewicht.

Laut Drehbuch sollte Ihre Figur 60 Kilo wiegen.

Ich stand auf der Waage und sie zeigte 60 Kilo an. Dann kam Brad (der Regisseur) und schob die Skala auf 65 Kilo hoch, da es sonst niemand glauben würde. Und ich sagte, „Leck mich doch! Ich wiege 60 Kilo!“ Ab einem bestimmten Punkt verliert man sein Gefühl dafür, wie dünn man geworden ist. Es ist so schleichend, dass es einem nicht mehr schockiert. Man denkt sich, „Nun, so sehe ich jetzt aus.“

In dem Film ‚Rescue Dawn’ hängen Sie am Gestell eines Hubschraubers, während eines Flugs über den Dschungel. Wann kamen Sie bei Ihrer Arbeit dem Tod am nahesten?

Man spürt eine Art Unverwundbarkeit wenn man einen Film dreht. Ich war in einigen Situationen wo die Dinge auch hätten schief gehen können. Ich sah eine Reihe an ängstlichen Gesichtern während der Arbeit zu ‚The Dark Knight’ als ein Hubschrauber mir bedrohlich nahe kam. Ich stand an einer Kante des Sears Towers, im Freien, 110 Stockwerke hoch oben. Dessen war ich mir gar nicht bewusst. Ich sah den Piloten an und stand da rum, ohne auch nur daran zu denken, dass die Rotorblätter nur wenige Meter von meinem Kopf entfernt waren.

Welche Rolle, die sie mit nach Hause genommen haben, mochte Ihre Frau am wenigsten?

Ich würde sagen, Jim (der Kriegveteran mit post-traumatischen Stress-Syndrom aus ‚Harsh Times’). Da dürfte es nicht viele gute Erinnerungen an ihn geben. Die nächste Zeit wird er wohl kein gern gesehener Gast bei uns sein.

Und wen mochte sie am Meisten?

Überraschenderweise würde Trevor aus ‚The Machinist’ immer ein willkommener Gast bei uns sein.

Hatte das Mitwirken in einem Blockbuster irgendwelche spürbare Ausmaße auf ihr Privatleben?

Ich war einmal mit meiner Tochter und ihren Freunden im Science Museum in London. Sie wollten Hot Dogs. Also ging ich zu dem Hot Dog-Stand und sagte, „Ich hätte gerne 3 Hot Dogs“. Sie sagten daraufhin, „Tut uns leid, wir haben bereits geschlossen“. Also ging ich weiter. Aber dann meinte einer von ihnen, „Entschuldigen Sie, sind Sie nicht Batman?“ Und ich meinte, „Nun ja, ich spiele Batman.“ Und sie meinten, „Nun, hier haben Sie 3 Hot Dogs – die gehen aufs Haus.“ Das ist schon recht beachtlich, oder?

Wann wurden Sie zuletzt für jemand Anderes gehalten?

Gestern Nachmittag. Ich saß irgendwo und zwei Typen unterhielten sich. Sie erzählten, dass sie Agenten wären und fragten mich, was ich so tue und antwortete, „Ich bin Schauspieler.“ Und sie meinten, „Oh, wie läufts bei Ihnen?“ Ich sagte, „Läuft ganz gut.“ Und sie fragten mich, ob ich schon einen Agenten hätte. „Ja, ich habe bereits einen Agenten“. „Nun, falls Sie mal Arbeit suchen, rufen Sie einfach an.“ Und ich sagte, „Vielen Dank“.

Aber das Beste war, als mich eine Casting-Leiterin in einer Hotel-Lobby erkannte und mit einem Drehbuch auf mich zurannte: „Gott-sei-Dank, ich habe Sie endlich gefunden! Wir machen gerade diesen Film für den Sie die perfekte Besetzung wären. Was für ein wunderbarer Zufall. Der Regisseur und Produzent werden es nicht glauben, dass ich Sie hier getroffen habe! Wir haben schon so oft darüber gesprochen, wie perfekt Sie doch für diese Rolle wären! Und jetzt endlich treffe ich Christian Slater.“ „Christian Bale.“ „Wie bitte?“ „Ich sagte, Christian Bale.“ Und sie meinte, „Oh, Entschuldigung“, nahm das Drehbuch und ging weiter.

Wie gut sind Sie darin, berühmt zu sein?

Ehrlich gesagt verstehe ich die Frage nicht. Es gibt unbestreitbar Menschen, die man als berühmt bezeichnen kann. Mich nicht. Man kann einer menge Menschen den Namen „Christian Bale“ sagen und haben keine Ahnung wer zum Teufel damit gemeint ist. Sie haben vielleicht ein paar meiner Filme gesehen, wissen dann aber immer noch nicht wer damit gemeint ist. Deswegen glaube ich nicht, dass ich über berühmt sein sprechen darf.

Wie auch immer Sie damit umgehen, Sie machen es sehr gut – aber ich komm nicht dahinter, wie Sie das schaffen.

Ich auch nicht. Wenn es gut läuft, und ich nicht weiß warum, dann muss ich es aber auch nicht wissen.

Das Nolan-Interview, Teil 1

DAS NOLAN-INTERVIEW, TEIL 1

L.A.-Times Redakteur Geoff Boucher sprach mit Chris Nolan in einem 3-teiligen Interview über seine Erfahrungen mit ‚The Dark Knight‘, über einen eventuellen dritten Teil, seiner Lieblingsszene, Comic-Crossover, und über eine Oscar-Nominierung. Lest hier das komplette Interview in der deutschen Übersetzung.

Willkommen zurück in L.A. Welche Überraschungen haben Sie seit dem Start von ‚The Dark Knight’ erleben dürfen?

Es war schon witzig. Ich wurde sehr oft auf die politischen Themen angesprochen, die manch einer in dem Film entdeckt haben will. Aber ich verwehre mich diesen Analogien (lacht). Als David Goyer, Jonathan und ich uns die Story ausdachten, haben wirklich nicht an so was gedacht. Aber nehmen wir nur mal die Verhörszene mit Batman und dem Joker – hier gibt es zwar überhaupt keinen politischen Bezug an sich, aber es war für mich schon faszinierend, wie die Schauspieler hier ein Paradoxon erforschen konnten: Wie bekämpft man jemanden, der seine Energie hauptsächlich aus Aggression schöpft?

Mich hat es jedes Mal geschüttelt, wenn ich einen Artikel gelesen habe, in dem jemand in ihrem Film eine politische Botschaft entdeckt haben will. Ich glaube, dass sagt mehr über mein Business aus, als über Ihres.

(lacht) Ja, da könnten Sie recht haben.

Für mich hat es den Anschein, dass in Ihrem Genre politische Bezüge eher vom Zuschauer gesehen werden, als vom Regisseur selbst. Eine Schlussfolgerung, die nicht beabsichtigt war.

Da gebe ich Ihnen vollkommen Recht. Besonders wenn man es richtig macht. Besonders wenn man in diesem Genre arbeitet, welches sich einer überhöhten Wirklichkeit bedient. Ich spreche gerne über diese Filme, da es um eine opernhafte Inszenierung geht oder man auf dieser hohen Ebene arbeitet und man sich ein wenig vom Rhythmus des realen Lebens entfernt, egal wie sehr wir auch versuchen eine Szene realistisch umzusetzen. Für diese Szene zum Beispiel wollten einen rauen Realismus erzeugen, dennoch bleibt es eine überhöhte Wirklichkeit. Wir haben versucht auf einem mehr universellen Level zu arbeiten. Wenn man das richtig macht, bekommen die Leute die Möglichkeit ihre eigenen Interpretationen aufzustellen, immer abhängig davon, wer sie selbst sind. Dies ermöglicht es der Figur eine Verbindung zum Publikum aufzubauen. Es erlaubt dem Publikum eine Beziehung zu Batman und seinem Dilemma aufzubauen. Und dabei ist es egal, ob man selbst Republikaner, Demokrat oder sonst was ist.

‚The Dark Knight’ erreicht nun bald die 1-Milliarde-Grenze. Kann man solch einen Erfolg überhaupt fassen?

Ehrlich gesagt nein. Es ist etwas verwirrend. Einerseits ist das ausgezeichnet, auf der anderen Seite aber auch abstrakt. Die Zahlen sind so unfassbar. Mich würde interessieren wie es aussehen würde, wenn man all die Leute, die ‚The Dark Knight’ gesehen haben, den Leuten gegenüberstellt, die den ersten Film gesehen haben. Wie wir das Publikum vom ersten Film an erweitern konnten – das war wirklich beeindruckend.

Wir waren über den Erfolg des ersten Films sehr glücklich, wussten allerdings nicht, wohin es von hieran nun gehen könnte. Dass es sich nun zu solch einem Phänomen entwickelt hat, ist dafür umso erfreulicher. Ich habe an die sechs Jahre meines Lebens an den Batman-Filmen gearbeitet. Es wurde zu einem Bestandteil meines Lebens. Man wird davon besessen und es macht schon Spaß zu sehen, wenn andere Menschen diese Besessenheit teilen und sich den Film gleich mehrmals ansehen.

Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Nein, solch einen Erfolg kann man nicht fassen, das ist auch nicht möglich. Es beruhigt mich zu wissen, dass der nächste Film – welcher das auch immer sein mag – bei weitem nicht soviel Geld einspielen wird (lacht). Das brauche ich die nächsten Jahre auch gar nicht erst versuchen.

Ihr nächster Film könnte ja den Titel ‚Batman und das Geheimnis der Titanic’ tragen?

Da könnten Sie Recht haben, das wäre es vielleicht.

Wenn man sich ‚The Dark Knight’ so ansieht, kann man sich gut vorstellen, dass der Joker nach Gotham City zurückkehren könnte, da sein Schicksal noch offen stand. Liebäugelten Sie schon mit der Rückkehr des Jokers in einem dritten Film, als Sie am Drehbuch zu ‚The Dark Knight’ arbeiteten?

Nein, ganz offen und ehrlich – ich kümmere mich immer nur um einen Film. Dagegen musste ich mich schon des Öfteren wehren. Wir hatten nie vor etwas für eine Fortsetzung aufzuheben oder aufzubauen. Das mag manch einer nicht glauben, da wir ‚Batman Begins’ mit einem Cliffhanger enden ließen. Aber mir ging es nur darum, dass die Leute begeistert das Kino verlassen und sich im Kopf ausmalen konnten, wie es nun weitergehen könnte. Sie haben nun gesehen, dass er in diesem Film zu Batman wurde. Deshalb erscheint der Filmtitel auch erst am Ende des Films, da dies den Beginn von Batman darstellte. Und nur darum ging es.

Erst dann war auch ich von der Idee angetan zu sehen, wohin die Reise für diese Figur geht. Das war zwar im Voraus geplant, blieb sich aber seiner Linie treu. Wir haben wirklich hart daran gearbeitet den Joker in diese Geschichte einzuflechten. Jokers letzter Hohn und Spott auf Batman sollte sein, dass sie nur aufgrund von Batmans Regeln sich im ständigen Kampf befinden. Denn hier entsteht ein Paradoxon: Batman will nicht töten. Und der Joker ist von Batman so fasziniert, dass er es genießt sich mit ihm anzulegen und überhaupt kein Interesse daran hat, Batman völlig loszuwerden. Für beide stellt dies einen Teufelskreis dar. Und so war dies auch gedacht. Und Heath erschuf dann auch noch eine der außergewöhnlichsten Figuren, von denen man gerne 10 weitere Filme sehen würde. Das ist eine zwiespältige Sache. Es war eine unglaubliche Charakterzeichnung. Für uns alle war dies eine zwiespältige Sache.

Nach dem enormen Aufwand, den Sie für den Dreh von ‚The Dark Knight’ auf sich genommen haben, denkt da an ein Teil von Ihnen als nächstes einen etwas kleineren, bescheideneren Film zu drehen?

Einerseits ja. Nach ‚Batman Begins’ hatte ich das Gefühl erstmal etwas Kleineres machen zu müssen. Was mich aber an ‚The Dark Knight’ gereizt hat, war es die IMAX-Technologie einzusetzen und in diesem überlebensgroßen Format zu arbeiten. Das hat eine menge Spaß gemacht. Mich reizen nun beide Richtungen. Vielleicht muss ich als nächstes eine kleine Story in einem übergroßen Format drehen. Oder umgekehrt (lacht).

Ich bin mir nicht sicher, ob ich das jetzt verstanden habe.

Ja, da bin ich mir selbst nicht sicher (lacht). Aber letztendlich kommt es auf die Geschichte an. Ich fühle mich von den großen Dingen wie von den kleinen Dingen angezogen. Deswegen kann ich dazu nichts eindeutiges sagen …

Vielleicht sollten Sie eine kleine Geschichte an einem riesigen Ort drehen. „Mein Essen mit André“ auf dem Gipfel des Mount Everest, zum Beispiel.

Oder im All. Das könnte funktionieren.

Könnten Sie sich eigentlich vorstellen, keinen dritten Batman-Film zu drehen?

Nun, wie soll ich mich ausdrücken. Zwei Sachen vorweg: Erstens liegt der Schwerpunkt auf der Story. Um was soll es gehen? Gibt es eine Geschichte, die mich so emotional packt, dass ich weitere Jahre in einen Film investieren will? Das ist die grundlegende Frage. Und auf einer oberflächlichen Ebene gefragt: Wie viele gute dritte Teile eines Franchises können die Leute aufzählen? (lacht) Andererseits mussten wir uns schon mit diesem Film der Herausforderung stellen, einen großartigen zweiten Teil abzuliefern – und davon gibt es auch nicht gerade viele. Letztendlich geht es wirklich nur um die Story. Wenn es eine Geschichte zu erzählen gibt, dann ist alles möglich. Ich hoffe, dass war eine entsprechend gerissene Antwort.

Das Nolan-Interview, Teil 2

DAS NOLAN-INTERVIEW, TEIL 2

Welche Szene aus ‚The Dark Knight’ würden Sie als den essentiellen Moment des Films bezeichnen?

Das ist recht einfach zu beantworten. Für mich ist die Verhörszene zwischen Batman und dem Joker der wichtigste und zentrale Punkt des Films. Als wir das Drehbuch schrieben, war dies immer der zentrale Punkt, den wir knacken wollten.

An welchem Punkt der Dreharbeiten wurde die Szene gedreht?

Schon recht früh. Eigentlich war es sogar eine der ersten Szenen, die Heath als Joker hatte. Er erzählte mir, dass er tatsächlich enorm aufgeregt war schon so früh eine solch große und wichtige Szene, eine der Schlüsselszenen des Jokers, in den ersten 3 Wochen des 7-monatigen Drehs drehen zu dürfen. Wir beide mochten die Idee einfach loszulegen, wie es auch Christian Bale machen musste.

Wir haben die Szene nur ein wenig geprobt. Während der Vorproduktion gingen wir die Szene ein paar Mal durch um ein Gefühl dafür zu bekommen, ob sie funktioniert. Aber keiner von ihnen wollte schon während der Probe alles geben. Die Kampf-Choreografie mussten sie einstudieren, aber selbst da wollten wir es frei und improvisiert halten. Sie wollten es sich aufbewahren. Wir waren alle sehr aufgeregt diese vielen Dialoge und intensiven Szenen zwischen diesen beiden Kult-Figuren zu inszenieren. Batman dem Joker gegenüber sitzen zu sehen hatte schon etwas Bizarres (lacht). Danke, dass Sie danach gefragt haben. Wissen Sie, über diese Szene könnte ich eigentlich stundenlang sprechen.

Zudem hatten wir auch genügend Zeit diese Szene zu drehen, da wir uns noch am Anfang des Drehplans befanden. Oft hängt man dem Plan hinterher und die Zeit läuft einem gegen Ende des Drehs davon. Dann kann es eng werden. Meist gibt man der Crew, den Schauspielern und auch mir am Anfang die Zeit sich aneinander zu gewöhnen und seinen eigenen Platz zu finden. Hier hatten wir nur ein paar Tage.

Haben Sie noch eine bestimmte Erinnerung an den Dreh dieser Szene?

Das Set, welches in einem Gebäude errichtet wurde, war großartig. Es hatte den Vorteil, dass es sich nach einem real existierenden Ort anfühlte. Nathan Crowley, unser Production Designer, baute diese sensationellen Spiegel und diesen langen, gekachelten Raum, in dessen Look ich mich einfach nur verlieben konnte. Der Raum erinnerte mich an ein Schlachthaus. Dies passte einfach zur Brutalität der Szene. Wir wollten sehr rau und brutal wirken. An diesem Punkt sollte Batman vom Joker auf die Probe gestellt werden. Hier merkt man auch, wie es dem Joker möglich ist, jedem unter die Haut zu gehen. Das habe ich an dieser Szene jetzt erst erkannt – vorher war mir dies gar nicht bewusst – alles was mich am Filmemachen am meisten interessiert, kommt in dieser Szene zusammen.

Die Szene beginnt mit Gary Oldman und Heath. Die Lichter sind aus. Kameramann Wally Pfister lies den Raum nur mit einer Tischlampe beleuchten. Nur die Tischlampe, nichts anderes. Als dann das Licht angeht, erkennt man Batman und alles ist massiv überbelichtet. Wally überbelichtete die Szene an die 5-mal mehr wie es ansonsten üblich wäre und korrigierte dies nachträglich um wieder Farbe ins Bild zu bringen. Aber es war dieses unglaublich intensive Oberlicht, welches uns erlaubte in jegliche Richtung zu gehen. Wir nutzten eine Handkamera und drehten von überall, von wo wir wollten. Alles war sehr spontan.

Aus kreativer Sicht wollte ich hier die Erwartungen umdrehen. Es gab schon eine menge düstere Verhörszenen, in der jemand ins Kreuzverhör genommen wird. Dies wollten wir nun komplett auf den Kopf stellen. In diesem hellen, grellen, kalten Licht sieht man Jokers Make-up und wie von seiner Haut rinnt. Der Batsuit wurde für diesen Film überarbeitet. Und im Gegensatz zu dem Suit aus ‚Batman Begins’ kann man diesen sehr detailliert zeigen und hält auch diesem hellen Licht stand. Der Suit wirkte diesmal weitaus realistischer und funktionell. In dieser Szene ging es darum, etwas Realistisches und Brutales zu zeigen und um eine gewisse Rauheit zu erzielen.

Die unterschiedliche Präsenz der beiden Schauspieler in dieser Szene ist bemerkenswert: Christian ist diese dunkle Masse voller Wut, und Heath stellt eine spindeldürre Verrücktheit dar.

Ja, und ich glaube, dass bemerkt man schon am Anfang der Szene, wenn alles in Nahaufnahmen gehalten ist. Es sind sehr enge Bildausschnitte, mit nur leichten Bewegungen der Kamera. Wir haben sehr kontrolliert angefangen, aber als Heath vor und zurück rutscht – und er rutschte wirklich aus der Brennebene der Kamera vor und zurück – ist es sehr schwer jemanden zu folgen, wenn er sich ständig in Richtung Kamera bewegt. Aber letztendlich hat es der Szene das gewisse Etwas gegeben. Wir haben ständig versucht ihn wieder mit dem Focus einzufangen. Man sieht wirklich seine vor und Zurück-Bewegungen. Selbst in solch einem engen Bildausschnitt hat es etwas Fremdartiges an sich.

Und dann kommt der Moment, in dem das Fass überläuft und sich in eine körperliche Auseinandersetzung wandelt und Batman den Joker über den Tisch zieht. Ab diesem Moment arbeiten wir mit einer Handkamera und drehten damit die restliche Szene, um frei in unseren Bewegungen zu sein. Sie hatten die Stunts und den Kampf sehr genau geprobt, aber wir wollten den Schauspielern ihren Freiraum lassen. Ich habe noch nie erlebt, wie jemand einen Schlag von Christian so rüberbringen kann wie Heath. Ich habe die Gewalt bekommen, die ich wollte. Mein Gefühl war aus kreativer Sicht wirklich wichtig für mich, denn diese Szene zeigt, dass Batman zu weit geht. Wir zeigen ihn, wie er jemanden aus persönlichen Gründen foltert um an Informationen zu kommen.

Schon bei ‚Batman Begins’ haben Christian und ich uns oft darüber unterhalten, ob es einen Moment gibt, in dem Batman zu weit geht. Einen Moment, in dem seine Wut überschäumt und er seine eigenen Regeln bricht. Diesen Moment haben wir aber nie gefunden. In dieser Geschichte gab es so etwas nicht. Es gab zwar eine Stärke und Aggressivität in seiner Rolle, aber die Story bot keine Grundlage für einen Verlust seiner Selbstkontrolle.

Im zweiten Film bringt der Joker diesen Ansatz mit sich, denn seine gesamte Motivation besteht darin, bei den Leuten bestimmte Schalter umzulegen, damit sie ihre eigenen Regeln gegen sich anwenden. Batman sind seine Regeln sehr wichtig, sie stehen für seine Moral. Aus seiner Sicht unterscheidet er sich damit von anderen Gesetzlosen. Der Joker schafft es ihn zum Umdenken zu bewegen und sein Handeln zu hinterfragen.

Im ersten Film wirkte Batmans Aggression wie Schauspielerei – eine kalkulierte Show um Menschen einzuschüchtern. Im ersten Film ging es um Batmans Angst. Der zweite Film dreht sich um seinen Zorn.

Exakt. Das ist auch der Grund, warum wir nie den Moment gefunden haben, bei dem er Gefahr läuft, zu weit zu gehen. Dieser Zorn ist ein sehr wichtiger Punkt der ‚The Dark Knight’-Story. Die Verhörszene ist der Moment, an dem sich der ganze Film wendet. Batman und auch Bruce Wayne finden in dieser Szene sehr viel über sich selbst heraus. Es war einfach toll mit anzusehen, wie Christian diesen Zorn rüberbringen kann. Und es stellt einen wunderbaren Ausgleich zu Garys kontrolliertem Verhalten dar.

Auch wenn sich jeder bei der Szene an den Joker und Batman erinnert, so spielte Gordon darin eine sehr wichtige Rolle um diese Szenerie aufzubauen und um das Verhör überhaupt möglich zu machen. Dann erkennt er durch den Spiegel den Moment, an dem sich die Situation zuspitzt. Er kennt Batman inzwischen gut genug um dies zu erkennen. Er versucht noch in den Raum zu gelangen, aber Batman hat schon die Tür verriegelt.

Als Batman auf den Joker einprügelt gelang es Heath die Essenz der Bedrohlichkeit des Jokers zu finden und zu zeigen wer er ist: Er wird ins Gesicht geschlagen und lacht einfach nur und genießt es. Man ist hilflos. Wie er schon zu Batman sagt: „Soviel Kraft und du kannst nichts damit anfangen“. Für den gepanzerten und kräftigen Batman ist dies ein Moment der Ohnmacht. Er ist voller Kraft, kann diese aber nicht auf eine vernünftige Art einsetzen. Dieser Situation muss er sich nun stellen.

Gegen Ende der Szene, wenn der Joker seine Informationen preisgibt, hat ihn Christian ursprünglich fallen gelassen und ihm nachträglich einen Tritt gegen den Kopf verpasst, bevor er den Raum verlässt. Das haben wir weggelassen. Das wirkte etwas zu trotzig für Batman. Auch so mochte ich Christians Spiel in dieser Szene: Wenn er den Joker loslässt und die Sinnlosigkeit seines Handelns erkennt, kann man dies in seinen Augen sehen. Wie bekämpft man jemanden, der sich von solch einem Kampf nährt. Ein sehr offenes Ende bleibt dabei zurück.

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  1. Jack Nicholson über den neuen Joker
  2. 3 Hot Dogs für Batman
  3. Das Nolan-Interview, Teil 1
  4. Das Nolan-Interview, Teil 2
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