Suicide Squad Misserfolg führt zu Kurswechsel bei Warner/Rocksteady

Es wird -spätestens nach einem kürzlich veröffentlichten Insiderbericht von Bloomberg- immer mehr deutlich, dass Rocksteadys erster Gehversuch im Multiplayerbereich mit „Suicide Squad: Kill the Justice League“ eines der größten Desaster der Videospielgeschichte sein dürfte. Wir blicken zurück auf die Entstehungsgeschichte und die möglichen Konsequenzen für das Entwicklerstudio.

Der Videospielmarkt ist ein wachsender, umsatzstarker Markt in der Unterhaltungsindustrie. Im Jahr 2023 soll sich der Gesamtumsatz statistisch auf über 230 Milliarden Euro belaufen haben. Die Tendenz ist weiter stark steigend. Daher überrascht es nicht, dass jeder etwas von diesem lukrativen Kuchen abhaben möchte. Doch wo es Gewinner und Pioniere gibt, bleiben stets auch Studios als Verlierer aus den unterschiedlichsten Gründen auf der Strecke, was zu Arbeitsplatzverlusten oder gar Schließungen der jeweiligen Studios führen kann. Berühmt-berüchtigt dürfte in diesem Zusammenhang die Videospielumsetzung von „E.T. – Der Außerirdische“ sein, die als vielleicht größter Flop der Videospielgeschichte gilt und Ataris Ende bedeutete. Der Misserfolg war so groß, dass von Vergrabungen der Module in Mexiko gesprochen wurde, was sich 2014 sogar in einem gewissen Ausmaß als zutreffend erwies.

Ob „Suicide Squad: Kill the Justice League“ ein ähnliches Schicksal blüht, darf bezweifelt werden. Dennoch zeigen kürzlich geleakte Zahlen aus dem Hause Warner Bros., dass die in das Spiel gesetzten Erwartungen (freundlich ausgedrückt) nicht erfüllt wurden. Bei der Muttergesellschaft Warner Bros. Discovery hatte man insbesondere aufgrund des weltweiten Erfolgs von „Hogwarts Legacy“ die Erwartung eines neuen Milliardenhits aus der Spieleabteilung des Konzerns.

Stattdessen hat „Suicide Squad: Kill the Justice League“ laut eines Artikels von Jason Schreier von Bloomberg, der sich auf anonyme Quellen hinter den Kulissen beruft, einen Verlust von 200 Millionen Dollar (Stand: Mai 2024) eingefahren. Doch wie konnte es dazu kommen? Der Artikel gibt auch Erkärungsversuche für das Scheitern des Spiels:

©Rocksteady Studios

Wie unsererseits bereits zur Entstehungsgeschichte berichtet, wollte Warner nach dem Ende der Arkham-Trilogie ein neues Superheldenspiel entwickeln lassen. Bestätigt ist hierbei, dass WB Games Montreal zunächst auftragsgemäß an einem Suicide Squad-Titel gearbeitet hat. Nach der Einstellung des Projekts übernahm 2017 Rocksteady Studios. Erst im Jahr 2020 kündigte Rocksteady u. a. auf dem DC FanDome-Event einen Nachfolger zu „Batman: Arkham Knight“ an.

Nun könnten auch Hintergründe zu der Entwicklungsgeschichte durch den Artikel offenbart werden. Nicht überraschend soll Warner Bros. krampfhaft versucht haben, seine DC-Produktionen auf das Niveau der Konkurrenz aus dem Hause Walt Disney bzw. Marvel zu heben. Im August 2016 veröffentlichte Warner Bros. den Film „Suicide Squad“ von David Ayer. Der Film erzielte bei einem Budget von 175 Millionen Dollar ein weltweites Einspielergebnis von knapp 750 Millionen Dollar, was als großer Segen für das Unternehmen bewertet worden sei. Danach bemühte sich Warner Bros., diesen Schwung für eine Videospielumsetzung zu nutzen… eine fatale Fehleinschätzung im Nachhinein.

©Rocksteady Studios

Ursprünglich wollten Rocksteadys Mitbegründer Jamie Walker und Sefton Hill nach der Arkham-Trilogie unbedingt etwas anderes machen und begannen mit der Arbeit an einem Prototyp eines Multiplayer-Puzzlespiels mit dem Codenamen „Stones„. Gegen Ende 2016 teilten sie ihren Mitarbeitern mit bzw. mussten mitteilen, dass es eine Planänderung gäbe. Sefton Hill soll erläutert haben, dass Suicide Squad eine bessere Gelegenheit sei, als etwas von Grund auf Neues zu entwickeln.

Zu dieser Zeit war die Branche insgesamt zunehmend auf einem „Games as a Service“-Trend durch Spiele wie Destiny und League of Legends. Entsprechend sei es Warners Bestreben gewesen, auch auf diesen Zug aufzuspringen, mit dem Rocksteady bislang jedoch keine Erfahrung hatte. Trotzdem sollen die Führungskräfte von Rocksteady beschlossen haben, Suicide Squad im Einklang mit der „neu entdeckten Begeisterung ihrer Muttergesellschaft“ als ein Online-Multiplayer-Spiel mit Live-Service-Inhalten entwickeln zu wollen. Bis zur Bekanntgabe 2020 soll das Studio seine Arbeit an diesem Projekt sogar vor potenziellen neuen Mitarbeitenden geheim gehalten haben, was eine stärkere Fluktuation nach sich zog. Die schlechten Ergebnisse anderer zwischenzeitlich veröffentlichter Spiele mit diesem Ansatz (z. B. Marvel’s Avengers) sollen durch eine Art „toxische Positivität“ überspielt worden sein.

Die Entwicklung des Spiels soll von unzähligen Verzögerungen geplagt gewesen sein. Als weitere Gründen seien von verschiedenen Interviewten eine sich ständig ändernde Vision, eine Kultur des starren Perfektionismus und die ungeeignete Genre-Neuausrichtung des Studios genannt worden. Beispielsweise soll der Schwerpunkt von Nahkampf auf Schusswaffengebrauch verschoben oder erhebliche Zeit durch die Idee eines zusätzliches Fahrzeugsystems vergeudet worden sein.

2022 verließen schließlich Jamie Walker und Sefton Hill Rocksteady. Mit ihrem neuen Studio namens Hundred Star Games hätten sie die Möglichkeit, ein Spiel frei von den Vorgaben und dem Druck eines Konzerns wie Warner Bros. zu entwickeln.

©Rocksteady Studios

Jeder kann sich selbst eine Meinung zu dem vermeintlichen Seitenhieb bilden. Festzuhalten bleibt jedoch, dass ausweislich der Aussagen von fast zwei Dutzend anonymer Mitarbeitende des Entwicklers ein Scheitern dieses Projekts nicht nur für diese vorhersehbar war. Ich persönlich bleibe dabei, dass die Hauptstory durchaus vorzeigbar ist und das Spiel schlechter wegkommt, als es zumindest im Hauptpart ist. Das tatsächliche Ziel, Spielende dauerhaft mit immer neuen herunterladbaren Content an das Spiel zu binden, ist offenkundig gescheitert. Das Interesse ist drastisch eingebrochen. Wie Rocksteady zuletzt mitteilte, werde man Developer Updates künftig nur noch veröffentlichen, wenn es große Neuigkeiten gebe. Ob dies der erste Vorbote für ein ähnliches Schicksal wie bei Konkurrent „Marvel’s Avengers“ ist, bleibt abzuwarten.

Aber was wird nun aus Rocksteady? Die gute Nachricht ist, das Studio existiert trotz des berichteten Verlusts weiterhin. Es sollen keine Kündigungen ausgesprochen werden. Der Mutterkonzern will vielmehr eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den zwölf Studios von Warner Bros., zu denen u.a. Monolith Productions oder WB Games Montréal gehören. Aufgrund dieser neuen Strategie arbeitet Rocksteady kurzfristig an einem Director’s Cut zu „Hogwarts Legacy“ mit.

Rocksteady selbst möchte zu seinen Wurzeln zurückkehren und sich zukünftig wieder auf die Entwicklung von eigenen Singleplayer-Spielen fokussieren. Eine entsprechende Idee, die man Warner Bros. vorlegen wolle, werde aktuell ausgearbeitet. Ob es sich hierbei um ein DC-Projekt handelt, ist nicht bekannt. Es bleibt also abzuwarten, ob der Mutterkonzern etwas damit anfangen kann oder ob sie selbst ihre Ideen umsetzen wollen.

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Batmanfan seit der Animated Series und neuster Zuwachs im Autorenteam bei Batmannews.de.

2 Kommentare

  1. Batbleuler sagt:

    Nun…was das Studio hier versucht hat ist nicht mehr als eine Schande für das was sich „Arkham Verse“ nennt. Der erste Trailer war bereits eine Nullnummer. Das das Nix wird war absolut abzusehen! Nun gilt es Batman zurück zu holen und das Maximum heraus zu holen!

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    • Matchesmalone sagt:

      oder endlich mal ein gutes Superman Game – von mir aus auch auf Warworld oder auf Kandor mit eingeschränkten Fähigkeiten zu Anfang. Ein Flash – Year One Game mit Wally West nach den Storys von Mark Waid könnte ich mir auch vorstellen…

      1

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