Review: Detective Comics Paperback 10: „Der Batman-Mythos”

Ein kaum zu fassender Gegner, der offenbar Batmans größte Geheimnisse, seine Freunde und Verbündeten kennt und gnadenlos Jagd auf sie macht. Das ist die Prämisse dieses Paperbacks Nummer 10. Ob sie einzulösen vermag, was sie auf den ersten Blick verspricht, verraten wir euch hier.

Titel: Batman – Detective Comics Paperback 10: „Der Batman-Mythos”
Original: Detective Comics #994 – 999: „Mythology”

Autor: Peter J. Tomasi
Zeichner: Doug Mahnke
Farben: David Baron

Verlag: Panini
Seiten: 156
Preis: 18,- € (Softcover)
27,- € (Hardcover)

VÖ: 15. Juni 2021


Der letzte Detective Comics-Sammelband war schon eine richtige Gurke (hier findet ihr unsere ausformulierte Enttäuschung). Die Motivation für den vorliegenden Folgecomic war also entsprechend niedrig. Aber: Neues Kreativteam, neues Glück. Panini verspricht mit der abgeschlossenen Story einen „perfekten Einstiegspunkt”. Das wollen wir doch gleich mal überprüfen.


Inhalt und Wertung

Der Batman-Mythos” beginnt mit der Ermordung der Waynes. „Nicht schon wieder” will man schreien, aber diesmal ist die Szene für die Handlung wichtig. Denn hier hat sich jemand die Mühe gemacht, den Mord an Bruce Waynes Eltern bis auf kleinste Details nachzustellen. Warum? Darüber kommen auch Commissioner Gordon und der Dunkle Ritter ins Grübeln. Doch damit nicht genug – Batman sieht sich alsbald einem bedrohlichen Gegner gegenüber, der im nächsten Moment einen seiner nahestehendsten Verbündeten attackiert. Der Ausgang dieses Schreckenszenarios lässt dem langjährigen Batmanfan durchaus den Mund offen stehen.

©Panini Comics Deutschland

Auf jeden Fall ist schnell klar – das hier ist persönlich. Batman steht somit unter Druck, unverzüglich Informationen zu besorgen, damit der geheimnisvolle Verbrecher nicht noch mehr Menschen aus Bruce Waynes Umfeld schadet. Dafür ist Batman auch bereit, die Samthandshuhe abzulegen, was zu durchaus fragwürdigen Handlungen seinerseits führt.

Das nimmt allerdings nur sehr wenig Raum im gesamten Band ein, u. a. weil die brutalen Verhörmethoden kaum von Erfolg gekrönt sind. Ab diesem Zeitpunkt beginnt die Jagd Batmans auf den schattenhaften Gegner, obwohl das Ganze eher einem verzweifelten Hinterherlaufen gleicht. Aber das macht die Sache spannend und zeitgleich auch tragisch.

„Da beseitigt jemand all jene, die mir halfen Batman zu werden.”

– BATMAN

Für Fledermausfans ist einiges dabei, vor allem da Batman nicht nur Verbündete, sondern auch Lehrmeister der Vergangenheit besucht, um sie zu warnen oder Informationen von ihnen zu erhalten. Der Drahtzieher des perfiden Plans bleibt dabei stets im Hintergrund und ist auch für den Leser auf schon fast ärgerliche Art und Weise nicht zu greifen. Der Plot ist insgesamt vielversprechend und solide erzählt und das Ende kam (zumindest für mich) ziemlich überraschend. Es wird aber nicht jeder mit der Auflösung der Geschichte zufrieden sein, das ist ziemlich sicher.

Ich jedoch bin der Geschichte gern gefolgt, habe mich von ihr unterhalten und vom Ende überraschen lassen. All das ist von Peter J. Tomasi flüssig und nachvollziehbar niedergeschrieben, auch wenn es im Mittelteil – ganz ohne Not – einen Ticken zu fantastisch wird.

Tomasi ist einer jener seriellen DC- und Batman-Autoren, die man kennt, immer wieder liest und die es trotzdem nie zu alle Grenzen überwindendem Ruhm geschafft haben (wie zum Beispiel ein Grant Morrison oder Scott Snyder). Dabei erweist er sich beim „Batman-Mythos” als erfahrener Routinier mit einem guten Gefühl für Spannung. An einigen Stellen übertreibt er es allerdings ein wenig mit dem Bedrohungspotenzial und offenbart zudem eklatante Bildungslücken im Hinblick auf Piranhas.

©Panini Comics Deutschland

Solch kleine Fauxpas gleicht hier aber das Artwork aus. Doug Mahnke gehörte nie zu meinen Lieblingszeichnern (seine JLA fand ich grauenhaft). Doch hier macht er einen hervorragenden Job. Seine Fans könnten kritisieren, er weiche hier zu sehr ins Gefällige aus und damit ab von seinem ureigenen Stil – mir gefällt es. Man erkennt trotzdem, dass man Doug Mahnke vor sich hat, aber die Figuren sind nicht so langgezogen und voller unnötiger Schattierungen und Kanten wie das einstmals der Fall war. Im Zusammenklang mit einer interessanten Panelaufteilung meistert er gekonnt sowohl Charakter- wie Actionszenen. David Barons Farbgebung tut für die abwechslungsreiche Gestaltung ihr Übriges.

Bei der Prämisse und dem Titel erwartbar, präsentiert uns das Kreativteam viele bekannte Versatzstücke des Batman-Mythos. Ich kann gar nicht genau sagen, ob ich trotzdem oder genau deswegen so viel Spaß beim Lesen gehabt habe. Wir bekommen hier nicht die beste Geschichte aller Zeiten, aber eine die Freude macht, Spannung erzeugt, sich bekannter Actionfilm-Memes bedient und trotzdem die Figur Batman als soclhe erkennbar bleiben lässt.


 

MARIAN MEINT

„Der  Batman-Mythos” ist eine tolle Story für Gelegenheitsleser, die dafür kein Vorwissen aus der aktuellen Kontinuität benötigen (aufkommende Fragen werden im Band selbst beantwortet). Zugegeben – ab der Mitte wird es teilweise ziemlich abgefahren bzw. abstrus – aber Tomasi hält unentwegt die Spannung. Batman bewegt sich nichtsahnend von einem Lehrer zum nächsten, klappert auch seine Rogues Gallery ab und das lange Zeit, ohne auch nur einen einzigen Schritt weiterzukommen.

Für einen Einstieg ist „Der Batman-Mythos” kaum geeignet. Dafür würde man als Neuling die meisten Asnpielungen und Charaktere nicht ausreichend einordnen können. Wer aber mal wieder ein gutes Mainstream-Batman-Abenteuer ohne Ballast und Kontinuitätsgeschwurbel lesen will, kann hier bedenkenlos zugreifen.


Bei Panini liegt der Band im Soft- und Hardcover vor.

Detective Comics Paperback 10: „Der Batman-Mythos” (Softcover)

Detective Comics Paperback 10: „Der Batman-Mythos” (Hardcover)


DISCLAIMER

Für die vorliegende Review wurde uns ein Rezensionsexemplar von Panini Comics Deutschland zur Verfügung gestellt. Dafür vielen Dank!

Batmanfan seit frühester Kindheit; besonders geprägt durch die Animated Series und die Dino-Comics.

4 Kommentare

  1. Visual Noise sagt:

    Gerade ferdtsch geworden! Ich fand der gute Tomasi hats am Ende richtig verbockt! Die Auflösung hätte ich mir anders gewünscht… Und was gibt es denn nun über Piranhas zu wissen? Und woher weißt du das? 🧐

    • Marian sagt:

      Hmmm … Verbockt?! Ich nehme mal an, das Ende war so von vornherein geplant. Kann gefallen – muss aber nicht.

      Piranhas sind Süßwasserfische und können demnach nicht so eingesetzt werden, wie Tomasi das hier tut. Woher ich das weiß? Das ist verifiziertes Wissen aus einigen Hollywoodproduktionen und dem Lustigen Taschenbuch.

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      • Visual Noise sagt:

        Lass es mich umformulieren… Die Präsentation der Auflösung hat mir nicht geschmeckt!? Erst nach dem zweiten Mal lesen kam bei mir „Ah! Das willst du mir also sagen!“ auf! 😅

        Es war also mal wieder Zeit für das Fähnlein Fieselschweif Sammel-Überlebens-Büchlein! 🤣

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  2. Tomba sagt:

    Gut dass ich das hier gefunden habe. Ich bin vom monatlichen 5€ Comic weg (das letzte war der Joker War bei mir) und wollte unbedingt in einem PB einsteigen wo Batsy im besten Fall oft alleine unterwegs ist – das mag ich am liebsten. Ich wollte mir die anderen 1-9 noch nachkaufen, aber das kann ich mir ja sparen wie es aussieht. Dann nur Nr.10 bevor die 11 kommt, gute Rezension, danke.

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