Review: Batman – Detective Comics Paperback 9 – Gespalten

Mörder, Brandstifter und Terroristen verspricht uns der Einband des aktuellsten Detective Comics Paperbacks mit dem Titel „Gespalten”. Letzterer verrät zudem, dass wir es dieses Mal mit Two-Face zu tun bekommen. Damit ihr eure Kaufentscheidung aber nicht der Münze überlassen müsst, haben wir uns den Sammelband näher angesehen.

Titel: Batman – Detective Comics Paperback 9 – Gespalten

Autor: James Robinson
Zeichner: Stephen Segovia &
Carmine Di Giandomenico
Farben: Ivan Plascencia

Verlag: Panini
Seiten: 140
Preis: 17,- € (Softcover); 26,- € (Hardcover)


Inhalt & Story
 

Nach den Ereignissen rund um Batmans Hochzeit muss sich der Dunkle Ritter neu zurechtfinden. Auf den ersten Seiten wird schnell per Dialog zusammengefasst, dass er nicht mehr derselbe sei und seine Rolle für sich und seine Stadt neu definieren müsse.

So etwas gelingt ja oft ganz gut, wenn man sich in Arbeit stürzt. Also untersucht er einen zunächst simplen Fall, einen gewöhnlich erscheinenden Mord („Jemandem das Leben zu nehmen, hat nichts simples an sich”). Dem Meisterdetektiv fällt natürlich schnell auf, dass noch mehr dahinter steckt. Wie in den meisten Fällen soll er damit Recht behalten. Durch seine Nachforschungen zu dem Toten stößt Batman zunächst auf Firefly (nicht Garfield Lynns, sondern Ted Carson!) und dessen neue weibliche Begleitung, Lady Firefly – Bridgit Pike. Letztere ist übrigens eine Charakterübernahme aus der Serie „Gotham.

Die beiden entkommen zunächst, sodass man ihnen als Leser in ihr Geheimversteck folgen kann. Dort ergibt sich dann ein teilweise seltsam anmutendes Gespräch der beiden Glühwürmchen über deren ureigenste Motivation. So erwähnt zum Beispiel Ted Carson, dass er bei jedem Kampf mit Batman immer etwas dazulernen könne, was sich im weiteren Storyverlauf auch einige Male wiederholt. Das wirkt, als würden sich die beiden über ihre tiefen Beweggründe bezgl. ihrer sinnerfüllenden Erwerbsarbeit austauschen, während es am Ende schlicht darum geht gegen Batman zu kämpfen. Das sollte uns wahrscheinlich die Fireflys näher bringen, wirkt aber eher cheezy und absurd.

So ist das hin und wieder auch in den Gesprächen zwischen Batman und Commissioner Gordon. Als Gordon einmal fragt, warum der Dunkle Ritter seine Zeit mit ihm verschwendet und Batman antwortet: „Jim, die Zeit mit Ihnen ist niemals verschwendet”, dann kann man das als Fan durchaus als warmen Moment zwischen den beiden für sich annehmen. Über Gordons Frage darf man dann aber nicht näher nachdenken. Die ist nämlich (für diese Storyline) berechtigt. Immerhin hat der Mitternachtsdetektiv eine heiße Spur zu möglichen Terroristen und statt dieser nachzugehen, verbringt er die knappe Zeit lieber damit, mit Jim auf dem Dach vergessenswerte Soapmomente zu schaffen. Oftmals dienen die Gespräche der beiden auch kaum der Geschichte, sondern sind eher ein Vehikel, um meistens unnötigerweise die bisherige Handlung, die aktuelle Beziehungsqualität der beiden oder wiederholt den Status Quo zusammenzufassen.

Auch jede weitere Betonung von Emotionalität (oder von Erinnerungen an früher), wirkt immer einen Ticken zu schmalzig, selten anrührend. James Robinson schafft es einfach nicht, ein adäquates Maß an Nachdenklichkeit oder Gefühlsbetonung zu erzeugen, geschweige denn ein solches durch seine Protagonisten zu transportieren. Überhaupt sind die Dialoge recht durchschnittlich geraten, manchmal sogar unpassend albern. Das ist schade, denn die Geschichte ist die meiste Zeit geradlinig erzählt, an allen Ecken und Enden mit Kampfeinsätzen und hie und da mit etwas detektivischer Recherchearbeit ausgestattet. Dieser zum Teil recht schwurbeligen, teils immer wieder den Status Quo erklärenden Gespräche hätte es nicht bedurft. Wenn man eine Actiongeschichte erzählen will, kann man das doch einfach tun, notfalls mit wenig Text. Die Geschichte mit derartigen Pseudo-Dialogen auszubauen hat ihr eher geschadet, weil man neben dem ganzen Palaber auch den Storysträngen folgen muss und möchte. So wirkt auch die Einbindung eines weiteren altgedienten Charakters – vor allem wegen der Dialoge – nur mäßig gelungen.

Denn wie Cover, Klappentext und nicht zuletzt der Titel des Paperbacks verraten, spielt Two-Face eine nicht unwesentliche Rolle in der Geschichte. Das Zusammenspiel mit Batman (und bald auch mit Jim Gordon) ergibt sich zwar aus einer unerwarteten Prämisse, ist aber altbekannt. Zudem wird hier der innere Kampf von Harvey Dent und Two-Face auf eine Art und Weise gespielt, die einfach nicht mein Cup of Tea ist. Die Idee von der Funktionsweise des menschlichen Geistes und von Persönlichkeit(en) entspricht einer zu simplen Hollywoodideologie, als dass man die Geschichte ernst nehmen oder sie den Figuren noch eine Facette hinzufügen könnte.

Auch bei Two-Face ist es so, dass es diese zusätzlichen Dialoge und Erklärungsversuche überhaupt nicht gebraucht hätte. Seine Einbindung in die Story sowie seine Funktionsweise darin erklärt sich vollends aus dem Hauptplot. Auch das Ende wirkt überstürzt und quatschig. Das könnte man noch kaufen, doch gerade zum Schluss erleben wir den sowieso schon ziemlich ungewohnt agierenden Two-Face als fast völlig out of character. Auch seine zuvor mehrfach in Bild und Text zitierte Münze spielt plötzlich in Schlüsselszenen keine Rolle mehr. Das wäre alles kein so großes Problem, hätte man nicht zuvor versucht, den Charakteren und ihrer Beziehung zueinander derart künstlich Tiefe zu verleihen. Robinson hat sich mit der erzwungenen Psychologisierung seiner Figuren keinen Gefallen getan und die Geschichte damit unnötig verkompliziert. Auch wenn jetzt das Phrasenschwein klingelt: Manchmal ist weniger eben mehr. Schade.

Dabei ist James Robinson bei DC kein Unbekannter. Er schrieb in den frühen Neunzigern lange die Starman-Serie und fiel mir erstmals positiv bei seinen Arbeiten an der JSA und generell den Golden Age-Helden auf. Über die letzten Jahre lieferte er hin und wieder Ausgaben für Wonder Woman, Superman oder Trinity und agierte nicht zuletzt als Mastermind hinter den Erde-2-Comics der New52. Letztere mochte ich ebenfalls sehr, aber auch da neigte Robinson schon zur Geschwätzigkeit bzw. zur Erstellung unnötiger Fillerausgaben. Das reicht dann eben nicht mehr in Zeiten, in denen Autoren wie Tom Taylor, Chip Zdarsky, Mariko Tamaki oder selbst der polarisierende Tom King die Hände an Batmantiteln bzw. -figuren haben. Besonders schade ist, dass Robinson offenbar ein Faible für Two-Face hat, denn bereits 2004 schrieb er über beide Haupttitel eine achtteilige Story, die hierzulande unter dem kreativen Titel „Im Zwietlaps” den dritten Batman-Neustart Paninis einläutete und damit die direkte Vorgängerstory zu Grant Morrisons langjährigem Run an der Fledermaus stellte.

Interessanterweise heißt „Im Zwietlaps” im Original „Face the Face” und könnte damit in direktem Bezug zur jetzigen „Gespalten”-Story stehen, deren US-Titel ja „Deface the Face” lautet. Auch in der Geschichte von 2004 hatte Robinson die Aufgabe, dem Leser den neuen Status Quo zu erklären. Nach der Infinite Crisis war ein Jahr vergangen, in dem u. a. Batman und Robin verschwunden und Gordon kein Commissioner war. Bullock ist die Hauptverbindung in die Geschehnisse der vergangenen 12 Monate, genauso wie der von Two-Face und seinem entstellten Gesicht „geheilte” Harvey Dent. So müssen auch in dieser Geschichte alle Protagonisten zu einem neuen, gemeinsamen Anfang finden, während sie Morde an Batman-Rogues aus der hinteren Reihe lösen müssen.

In „Zwietlaps” offenbart Robinson einen ähnlichen Hang zu übermäßiger Exposition hinsichtlich Figuren und deren Beziehungen und auch etwas schmalzig wird es hier und da. Doch die Geschichte ist stringent, inhaltlich bei weitem nicht so abstrus wie „Gespalten”, atmosphärisch gelungen, liefert ein paar Überraschungen und enthält auch eine meiner persönlichen Lieblingsszenen in den Batmancomics seit der Dino-Ära. „Gespalten” hingegen ist dazu weder ein wirkliches Sequel, noch eine gelungene Fortsetzung. Es kann die Qualität seines inoffiziellen Vorgängers nicht halten, sondern unterbietet „Zwietlaps” sogar erheblich. Einen dritten Two-Face-Strang von Robinson möchte ich daher die nächsten 20 Jahre bitte nicht lesen.

Artwork

Mit Zeichner Stephen Segovia arbeitete Robinson bereits an Earth 2 und Wonder Woman. Generell hat der phillipinische Künstler eine beachtliche Karriere in beiden großen Superheldenhäusern vorzuweisen. In „Gespalten” bietet er dem Leserauge daher gekonnt schöne Zeichnungen, die an den frühen Jim Lee-Batman erinnern (versetzt mit leichten Mangaeinflüssen) und es einem leicht machen, der Geschichte zu folgen. Manchmal sieht Batman bei Segovia zwar aus wie eine Todd McFarlane-Figur, was ja aber nicht zwingend schlecht sein muss. Der Dunkle Ritter fügt sich damit gut in den Gesamtstil ein. Segovia und Kolorist Ivan Plascencia schaffen es, ein düsteres Gotham und einen grimmigen Batman gut in Szene zu setzen und das Setting punktuell angemessen in Farbe zu tauchen. Zudem ist es für mich immer ein Highlight, wenn ich eine gut ausgestattete Bathöhle und diverse Batfahrzeuge präsentiert bekomme.

©Panini Comics Deutschland

Ab der Hälfte des Bandes übernimmt dann (fast unmerklich) Carmine Di Giandomenico den Stift und illustriert die restlichen Hefte. Der Stil des gebürtigen Italieners ist etwas generischer und erreicht nicht ganz Segovias Klasse, unterstützt aber ebenso den Fluss der Geschichte. Wenn man es festmachen wollte, kann man bei Di Giandomenico eine Art Mischung aus Einflüssen von Ed McGuiness und Dustin Nguyen erkennen. Die Bilder passen auch hier sehr gut zur Story, unterstützen die langen Actionsequenzen und sind damit wie gemacht für einen Batmancomic. Am Artwork scheitert der Band also nicht.


MARIAN MEINT

Mein Eindruck vom Detective Comics Paperback Nummer 9 ist … naja, gespalten (pun intended). James Robinson erzählt eine  eher vergessenswerte, zum Ende hin gar enttäuschende Batman-Geschichte. Der Schreibstil ist insgesamt zu soapig und nichtssagend, wohingegen die Bilder von Carmine Di Giandomenico und Stephen Segovia außerordentlich gut gefallen.

„Gespalten” fühlt sich im Grunde an wie ein (guter?) 90er Jahre Actionfilm – die Handlung fließt meistens stetig vorwärts, die Protagonisten müssen mehrere Stationen ablaufen und Kämpfe absolvieren, bis sie auf den/die Endgegner treffen. Die Dialoge sind oft nur Mittel zum Zweck, manchmal unpassend albern, repetitiv oder schlicht bedeutungslos.  Aber die Action ist geil und sie sieht fantastisch aus. Wem das reicht, der kann hier guten Gewissens zuschlagen. Alle anderen sollten wieder auf eine ernsthaftere Herangehensweise innerhalb der Detective Comics warten.


Zweitstimme aus der Batcave: Visual Noise

Die viel zu häufige Arroganz des sonst so in Kalkül und Schweigen gehüllten Batman ist nur eines der Fragezeichen nach diesem Leseerlebnis der abgeschlossenen Geschichte GESPALTEN / DEFACE THE FACE. Wenn es in einem kompletten Kapitel zu einer ausufernden Exposition über die vermeintlichen Hintergründe kommt, ist wirklich niemand mehr in seinem Charakter. Two-Face hat keinerlei Anspruch mehr, der charismatische Widersacher zu sein, den er noch aufregend und zerrissen in ALL-STAR BATMAN darstellte.

Batman hat weder sein Credo, noch seinen einfühlsamen Butler Alfred behalten dürfen. Die Fledermaus sei selbstredend „in letzter Zeit nicht mehr derselbe. Muss neu anfangen.“ Merkt man; aber doch bitte nicht so! Da hilft es auch nicht, dass dies ein Verweis auf die Hochzeit mit Catwoman sein soll. Der verlassene Ehemann lässt also jeden Zweifel fallen und wird die Verkörperung der erfolgreichen Actionhelden aus den 80er und 90er Jahren? Da ist eine Allianz mit Mördern und die Zerstörung historischer Exponate eines Museums auch noch legitim gewesen. So what?

VISUAL NOISE MEINT

Hier wird alles in Frage gestellt, was ich gedacht hatte, über Batman und seinen großartigen Widersacher zu wissen. Es sind völlig andere Charaktere, die lediglich optisch den (Anti-)Helden entsprechen. Vielleicht habe ich aber auch etwas verpasst und im Jahr 2021 ist jetzt Jason Statham in Gotham auf Verbrecherjagd?

Wie aus der Zeit gefallen, geht es um vermeintlich coole Sprüche, eine bis ins Detail hanebüchene konstruierte und in holprigen Versatzstücken erzählte Geschichte. Es fehlen im Grunde nur noch leicht bekleidete badefreudige Menschen und schnelle Autos – zumindest letzteres gibt es.


Bei Panini liegt der Band in einer Soft- wie auch einer Hardcovervariante vor.

Detective Comics Paperback 9: „Gespalten” – Softcover

Panini-Shop

Detective Comics Paperback 9: „Gespalten” – Hardcover

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DISCLAIMER

Für die vorliegende Review wurde uns ein Rezensionsexemplar von Panini Comics Deutschland zur Verfügung gestellt. Dafür vielen Dank!


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