Review: Batman – Second Son

„Batman – Second Son“ ist die Vorgeschichte zum Next Batman aus dem DC-Zweimonats-Event „Future State”. Wer immer noch nicht gespoilert werden will, wer denn nun die Maske des nächsten Batman überzieht, sollte auf keinen Fall diese Review öffnen. Für alle anderen findet sich hier die Rezension der Origin eines gänzlich anderen Batman.

Titel: Batman – Second Son
Original: The Next Batman: Second Son #1-4

Story: John Ridley
Zeichnungen: Travel Foreman, Tony Akins
Tusche: Mark Morales, John Livesay,
Norm Rapmund
Farben: Rex Lokus

Verlag: Panini
Seiten: 140
Preis: 17,- € (Softcover)
29,- € (limitiertes Hardcover)

VÖ: 05.04.2022


Eine weitere Spoilerwarnung geht an alle, die noch den Ausgang des „Joker War“ oder die neuesten Ereignisse des Infinite Frontier-Reboots nachholen und dazu nicht gespoilert werden möchten. Denn all das ist Voraussetzung, um erstmal den Band, das Backcover und das Panini-Vorwort, als auch diese Review zu verstehen. Also, auf eigene Gefahr geht’s gleich los. Zuvor danken wir Panini ausgiebig für das Review-Exemplar.

INHALT

Tim „Jace” Fox ist die Hauptfigur dieses Bandes und dank DCs freizügiger Coverpolitik dürfte mittlerweile auch der Letzte begriffen haben – er wird der Next Batman des letztjährigen Future State-Events. Das sollen dieser Band sowie die nachfolgende Serie „I am Batman” klären. In „Batman – Second Son“ geht es zunächst um Herkunft und Hintergrund von Jace und der aktuellen Dynamik innerhalb seiner Familie. Denn Jace ist der Sohn von Bruce Waynes einstigem Vertrauten und Firmenleiter, Lucius Fox. Letzterer hatte zuletzt einiges während des Joker-Wars in Gotham zu erleiden und hat hernach die komplette Firma und somit einen großen Teil des wayneschen Vermögens übertragen bekommen.

In diese Situation hinein kehrt nun der verlorene Sohn zurück in den Schoß seiner Familie. Doch mit Friede, Freude, Fledermaus braucht er da nicht zu rechnen. Sein Vater ist ihm gegenüber höchst skeptisch, sein Bruder Luke (Batwing) begegnet ihm regelrecht feindselig. Seine beiden Schwestern versuchen Jace so gut wie möglich in der aktuell so aufgewühlten Familie willkommen zu heißen und Mama Tanya Fox verfolgt ganze eigene Pläne. Denn Jace wäre nicht zurückgekommen, wäre er nicht gezwungen sich den Geistern seiner Vergangenheit stellen zu müssen. Unter diesen mehr als ungünstigen Bedingungen, versucht er, seine eigene Mission in Gotham zu verfolgen und stößt dabei auf ein Geheimnis, das sein Vater bisher recht gut vor allen zu verbergen wusste.

WERTUNG

Seid vorab gewarnt – dies wird keine angenehme Review, denn sie spiegelt meine Erfahrungen mit dem Lesen dieses Bandes. Vor lauter Kopfschütteln weiß man gar nicht, wo man anfangen soll.

Na gut, beginnen wir mit dem Artwork. Das ist mir zu einfach gehalten. Die Panels sind meistens wenige, dafür aber groß und klar abgestuft. Die Zeichnungen sind ebenfalls mit einem klaren Strich versehen, zumeist schnörkellos und wenig detailliert. Dadurch wirken sie einerseits langweilig und andererseits (man möge mir das verzeihen) wie von einem Anfänger gezeichnet. Der Stil ist völlig beliebig, es gibt bestimmt viele Comic-Zeichner, die das so hinbekommen hätten. Ich kenne Travel Foreman noch aus Jeff Lemires Animal Man-Serie der New52-Ära und es kann durchaus sein, dass diese Schlichtheit im Stil nicht auffällig war, weil es da allerlei Abseitiges zu bestaunen gab, aber ich hätte schwören können, dass Foreman da weit prägnanter gezeichnet hat. An einigen Stellen ist diese Darstellungsform sicher nicht sonderlich störend, aber wenn man den Band am Stück durchliest, empfindet man die wiederkehrenden, fast völlig leeren Panel als eine Frechheit.

©Panini Comics Deutschland

Vor allem hat man ja in diesem Sammelband alle US-Hefte der Miniserie vor sich und damit den direkten Vergleich von Heft #1, an dem noch Tony Akins mitgezeichnet hat. Auch dieses Heft folgt schon der sehr simplen Panel- und Seitenstruktur der restlichen Teile und auch dafür wird es keine Eisner-Nominierung geben, aber es hebt sich schon sehr deutlich von den weiteren enthaltenen US-Heften ab, die – wie meine bessere Hälfte bemerkte – aussehen, als habe sie „wohl der Azubi gezeichnet“. Das Artwork von Second Son ist echt nicht gut und damit definitiv kein Kaufgrund.

Mir ist langweilig, ich bin verkatert und wär‘ wesentlich lieber woanders … .

– GRIFTER

Der Plot ist es dann leider auch nicht. Man folgt der Geschichte, weiß aber streckenweise weder wohin, noch wozu. Keine der Figuren(-Konstellationen) schafft es, anhaltendes Interesse zu wecken. Wie kann das sein, wo man doch endlich mal nähere Einblicke auf Lucius Fox‘ Hintergrund und Familie bekommt?! Ich habe tief in mich hineingeschaut und eigene Vorurteile geprüft. Tatsächlich wurde ich fündig, aber an anderer Stelle als zunächst vermutet.

Autor John Ridley erzählt hier von einer unfassbar reichen Familie, innerhalb derer jedes Familienmitglied mindestens ein anderes benennen kann, das an irgendwas schuld ist. Gründe, Auswirkungen und Personen sind auswechselbar und meistens auch egal, doch von Beginn an ist klar – Jace ist das schwarze Schaf der Familie … und das ist im Grunde alles, was man wissen muss. Dann kann man die ersten beiden US-Hefte im Band auch getrost überblättern (und von den anderen beiden immer noch den Großteil). Diese Leute wälzen Probleme, die nur oberflächlich wirklich welche zu sein scheinen und oberflächlich bleiben sie alle auch im Umgang mit denselben. Die Charaktere wirken wie Abziehbilder aus einer Telenovela.

Einzig Jace und mit ihm der Plot entwickeln sich vorwärts; denn eines ist klar – wer das hier liest, will sehen, wie „der Neue“ Teil der Fledermausfamilie werden konnte. Ungefähr im letzten Drittel des Bandes bekommt das Ganze dann doch noch etwas Fleisch, aber da sollte man inhaltlich auch nicht zu lang drüber nachdenken. Wir bekommen Rückblenden in die Vergangenheit der Familie Fox und damit gleichzeitig jedes Richboy-Klischee, das einem spontan einfallen will.

Zu allem Überfluss muss Lucius Fox für die übereilte wie holprige Charakterentwicklung seines Sohnes herhalten und wird für den kundigen Batmanfan einfach mal schnell entzaubert. Das geschieht auf eine Weise, dass man sich tatsächlich fragen muss, wie Batman je dazu gekommen ist, diesem furchtbaren Mann auch nur irgendetwas an Verantwortung zu übertragen; von der Ausgangslage für diesen Band ganz zu schweigen. Das Traurige dabei ist, es funktioniert. Tim „Jace“ Fox bleibt die einzige Person, von der man mehr wissen will und bei der es einen interessiert, wie es mit ihr weitergeht. Dafür die im Bat-Universum wohl etablierte Familie Fox zum Schafott des Storytelling zu führen, ist ein echt mieser Trick und kein gutes Writing.

©Panini Comics Deutschland

John Ridley wurde ständig und an jeder Stelle (auch von mir) damit angepriesen, dass er den Oscar für das beste Drehbuch („12 Years a Slave“) erhalten hat. Von derartiger Qualität zeugt „Batman – Second Son“ leider zu keinem Zeitpunkt. Das Einzige, was relativ gut funktioniert, ist der Fortgang der Geschichte, aber was nützt einem das, wenn man die Figuren nicht mag oder sie einem schlicht egal sind. Am Ende spitzt sich alles nochmal zu und die letzten paar Seiten machen tatsächlich etwas neugierig auf die Zukunft, aber nach all dem Sermon zuvor wirkt auch das nur wie ein billiger Trick.

An dieser Stelle erscheint in den nächsten Tagen die Review zu „I am Batman“ #1, der Nachfolgeserie zu diesem Band. Wir werden sehen, ob man vorher Second Son gelesen haben sollte oder ob nicht die Wikipedia-Zusammenfassung ausreicht (ich denke aber schon).

FAZIT

MARIAN MEINT

„Batman – Second Son“ bietet eine dahinplätschernde Geschichte mit höchst unsympathischen Hauptfiguren, kombiniert mit vergessenswertem Artwork.

Kaum etwas an diesem Band kann wirklich fesseln. Die zur Schau getragene Belanglosigkeit wird ab der Mitte hie und da unterbrochen, aber dennoch ist die Geschichte nur schwer auszuhalten. Gleiches gilt für die Zeichnungen, bei denen man kaum fassen kann, dass das ein Redakteur abgenommen haben soll. Wie wenig wert kann den Kreativen und einem Verlag eine Figur sein, mit der man eine Ongoing-Serie starten will.

DCs Antwort: „Ja“.

Ich kann mich nicht erinnern, wann mich in den letzten Jahren ein Comicband so geärgert, weil u. a. so schlecht unterhalten hat.


Bei Panini liegt der Band jeweils im Soft- und Hardcover vor.

Batman – Second Son (Softcover)
Batman – Second Son (Hardcover)


Übrigens: Panini gibt in einer einer Preview noch ein paar weitere Einblicke.

LESEPROBE (bereitgestellt von ©Panini Comics)

DISCLAIMER

Für die vorliegende Review wurde uns ein Rezensionsexemplar von Panini Comics Deutschland zur Verfügung gestellt. Dafür vielen Dank!

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Batmanfan seit frühester Kindheit; besonders geprägt durch die Animated Series und die Dino-Comics.

2 Kommentare

  1. TMM sagt:

    Sorry aber ich hab auch nichts Anderes als Müll erwartet….

    1

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