*UPDATE* Warner fusioniert mit Discovery – Eine Einordnung

Konzernmutter AT&T hat einen Deal mit Discovery geschlossen! Vorrangig, um eine starken und zukunftsfähigen Streamingdienst wie Medienkonzern zu schaffen, der es mit Marktkonkurrenten wie Disney und Netflix aufnehmen kann. Was das für Warner selbst, für DC und nicht zuletzt für Batman bedeutet, betrachten wir hier.

 

Update 03. Juni 2021

@Warner Bros. Discovery

An diesem Dienstag haben Warner Bros. und Discovery während eines Town Hall Meetings Namen, Slogan und Logo für das neue fusionierte Unternehmen bekannt gegeben. So soll der neue Mediengigant ganz unaufgeregt „Warner Bros. Discovery” heißen, wie Discovery-Chef und designierter Leiter des noch entstehenden Unternehmens, David Zaslav (s. u.), verkündete.

Als Wahlspruch wählte man „The stuff that dreams are made of“, eine Zeile die aus dem Film „Die Spur des Falken” von 1941 stammt. Der Slogan soll den Kerngedanken von Warner Bros. Discovery transportieren – Das Geschichten erzählen; eine Disziplin, die man ab Gründung in den Fokus nehmen wolle.

Zaslav: „Wir glauben, dass dies der beste und aufregendste Ort der Welt sein wird, um große, wichtige und beeindruckende Geschichten zu erzählen – und das über alle Genres und Plattformen hinweg: Film, Fernsehen und Streaming.

Offiziell wird all das erst zum Abschluss im Jahr 2022 werden.

Inhalt

  1. Die Nachricht
  2. Die Zahlen
  3. Die Zukunft für WarnerMedia
  4. Die Zukunft für Warner Bros. Games
  5. Die Zukunft für DC und Batman

Die Nachricht

Bereits Ende letzter Woche pfiffen es die Branchenmagazine von den Dächern – US-Telekommunikationsgigant AT&T plant eine Verschmelzung seiner Medien-Sparte mit dem global agierenden Unterhaltungsunternehmen Discovery Inc.

Am Montag nun wurde es offiziell verkündet und war selbst deutschen Leitmedien eine Meldung wert (u. a. danke an Comicheld für den Verweis auf die Tagesschau):

AT&T wird seine „WarnerMedia” genannte Mediensparte auslagern, um sie spätestens 2022 in einem separaten Unternehmen gemeinsam mit Discovery zu fusionieren.

So fänden sich dann die Inhalte u. a. von Warner Bros., CNN, TNT, HBO und HBO Max mit Discoverys Reality- und Dokumentarsendern wie HGTV, Animal Planet, Food Network, TLC oder OWN unter einem Dach und sehr wahrscheinlich auf einem Streamingservice.

Damit entstünde nach Disney der zweitgrößte Medienkonzern der Welt. Im Streamingbereich könnte sich dadurch ebenfalls ein bedeutender neuer Player platzieren. Eine Aufsummierung wäre zwar zu simpel, doch der neue Dienst könnte sich in der Nähe der Marktführer Netflix (208 Millionen Kunden) und des aktuell leicht stagnierenden Disney+ (100 Millionen Kunden) einordnen. Während HBO Max und HBO eine Abonnentenzahl von weltweit 64 Millionen zu verzeichnen haben, kommt DiscoveryTV auf 88 Millionen, aktuell allein in den USA.

 

Die Zahlen

Diese Nachricht zementiert die Gerüchte, dass AT&T sich nunmehr von ihrer einstigen Idee verabschiedet haben, eine mediale Supermacht aus ihrem Portfolio heraus erschaffen zu können und sich jetzt nach und nach von dem Business trennen, das unter ihrer Führung nie richtig ins Laufen kam. 2018 hatte das Telekommunikationsunternehmen Time Warner aufgekauft und sich mit der Kaufsumme von 85 Milliarden Dollar schwer verschuldet.

Die jetzige Fusion der mittlerweile WarnerMedia genannten Sparte mit Discovery bringt dem Konzern (mittels einer als „Reverse Morris Trust” bezeichneten komplexen Transaktion) 43 Milliarden Dollar gesichert zurück, sorgt für eine Schuldenaufteilung und belässt gar 71% des neuen Medienunternehmens in der Hand der AT&T-Aktionäre, was gleich für einen Aufwind der Aktien beider Unternehmen sorgte.

 

Die Zukunft für WarnerMedia

© Warner Bros.

Sobald die US-Aufsichtsbehörden den Deal genehmigt haben, soll Discovery CEO David Zaslav das fusionierte Medien-Unternehmen leiten. Diese Nachricht führte hie und da zu vorsichtigem Frohlocken, da sich damit die Entscheidungsgewalt weg von dem offenbar ausschließlich auf die eigenen Kurse schielenden Konzern AT&T hin zu einem gefestigten Medienunternehmen verschiebt. Außerdem wird es wohl in der neuen Firma keinen Posten für den bisherigen WarnerMedia CEO Jason Kilar geben (Quelle: New York Times). Kilar hatte sich im vergangenen Jahr den Unmut der Warner-Filmschaffenden wie Kinobetreiber zugezogen, als er entschied, die eigenen Filme gleichzeitig im Kino wie auf HBO Max zu veröffentlichen; was Wiedergutmachungszahlungen von gerüchteweise ca. 200 Millionen Dollar nach sich zog.

Getragen wird die aktuelle Aufbruchsstimmung zur Fusion auch von den Verlautbarungen der Verantwortlichen beim Hollywood Reporter. So ist dort die Rede von größeren Investitionen in mehr Original-Content des Streamingdienstes, von Erweiterung des gesamten Programmangebotes sowie von innovativen und abwechslungsreicheren Videoangeboten; selbstverständlich immer mit Blick auf die Bedürfnisse der Konsumenten.

Dieses Statement sollte man nicht allzu leichtfertig als reine PR-Sprechblase abtun. Discovery und WarnerMedia haben aktuell 20 Milliarden Dollar in Content investiert, 3 Milliarden mehr als Spitzenreiter Netflix.

Auch wenn Discovery sicherlich nicht die erste Adresse ist, die einem einfällt, wenn man an kreative, fiktionale Inhalte denkt (die deutsche Tochter stellt u. a. DMAX und Tele5), so kann man wohl trotzdem davon ausgehen, dass nunmehr Menschen an einer Programmverbreiterung arbeiten, die zumindest schon eine lange Zeit Unterhaltungsdienste bereitgestellt haben. Abgesehen davon gibt es noch kreative Ressourcen bei den ursprünglichen WarnerMedia-Sparten abzurufen, die von AT&T zuvor kaum beachtet bzw. rein auf Funktionalität ausgerichtet waren.

Das Worst-Case-Szenario wären weitere Massenentlassungen und die Verschlankung des neuen Dienstes, um diesen dann möglichst gewinnträchtig an den Meistbietenden zu verkaufen. Für AT&T ist der kurze Ausflug ins Medienbusiness nach wie vor ein Verlustgeschäft (z. B. auch weil CNN nach der Trump-Ära knapp die Hälfte seiner Primetime-Zuschauer verloren hat) und aktuell ist der Konzern vollends auf den 5G-Ausbau in den Staaten fokussiert. Da käme ein abschließendes wie einträgliches Abstoßen von WarnerMedia gerade recht.

Nicht zu vernachlässigen ist bei dieser Frage aber auch die Personalie hinter dem Deal. Wie gesagt, ist ein solches Verfahren wohl recht kompliziert und wird daher dem Verhandlungsgenie und Discovery-Eigner John Malone zugerechnet, der immer wieder medial gegen AT&T und ihr Streamingabenteuer ätzte und seinen Discovery-CEO Zaslav bereits vor 2 Jahren eine derartige Fusion öffentlich vorschlagen ließ (Quelle: Hollywood Reporter). Malone, der so unfassbar reich ist, dass er selber Batman sein könnte, wurde ob seines Verhandlungsstils nicht nur als „Darth Vader” bezeichnet, sondern er gilt ebenso als ein Mediengenie, das nicht nur strukturell klug agiert, sondern auch inhaltlich die richtigen Leute platziert und arbeiten lässt. Die Entlassung unzählig vieler Warner-Veteranen wie einst bei AT&T ist daher ebenso wenig zu erwarten wie eine überhastete, kompetenzlose Etablierung des neuen Streamingdienstes.

 

Die Zukunft für Warner Bros. Games

Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. IGN teilte nach einem Gespräch mit David Zaslav mit, dass Teile der Spieleabteilung namens Warner Bros. Interactive Entertainment verkauft werden sollen.

Von den 11 betroffenen Spielestudios würden nur die starken bzw. die eng mit Warner Bros. verbundenen Entwickler in die neue Firma integriert. Darunter werden sehr wahrscheinlich die meisten Warner Bros. Games-Ableger sein, weil diese auch mit den zugkräftigsten IPs von Warner verbunden sind. Ein Studio wie TT Games, das maßgeblich an der Entwicklung von Lego-Spielen beteiligt ist, wird sehr wahrscheinlich verkauft werden, da zum Beispiel Universal eine viel engere Verbindung mit LEGO hat als Warner. Was mit den NetherRealm Studios (Mortal Kombat), den Rocksteady Studios (Batman: Arkham-Reihe) und den anderen Studios geschehen wird, bleibt vorerst offen.

 

Die Zukunft für DC und Batman

© Warner Bros.

Um gleich Eines klarzustellen: Die DC-IP hatte und hat neben Harry Potter und Game of Thrones einen ungebrochen hohen Stellenwert bei WarnerMedia. Zudem bietet das Traditionsunternehmen eine Fülle an originären, kreativen Inhalten, die unter kluger Führung weit mehr Raum im allgemeinen medialen Geschehen einnehmen könnten als bisher.

Auch der CEO des neuen Unternehmens, David Zaslav, hat dies erkannt und DC gegenüber IGN als „extremely important to Discovery” bezeichnet. Es wird spekuliert, dass man – von Kinofilmen mal abgesehen – zukünftig wahrscheinlich mit weit mehr DC-Inhalten rechnen kann als in den letzten Jahren (was ja auch jetzt schon langsam anläuft).

Auch der eigentliche Ideenlieferant DC Comics wird weiterhin eine Warner Bros.-Tochter bleiben und gemeinsam mit WB in dem neuen Unternehmen aufgehen. Wie sich das einspielen wird, ist natürlich noch offen. Doch den Mitarbeitern des vor allem im letzten Jahr arg gebeutelten Verlags sollte man aktuell nicht mehr zu viel zumuten. DC Comics bietet zwar starke, potenziell gut verwertbare Marken an, aber die Comicsparte selbst wird zunächst nicht mehr als ein winziges Zahnrad in diesem neuen Unterhaltungsmulti sein. Das kann gleichermaßen Gutes wie Schlechtes bedeuten.

Auf der Habenseite könnte man auch bei den Comics verbuchen, dass hier nun medienerprobte Profis die Entscheidungen treffen und einen der stärksten Comic-Verlage nicht einfach unbeachtet mitlaufen lassen, um nur dessen geistiges Eigentum auf anderen Kanälen gewinnbringend auszubeuten. In der Geschichte des Verlages gab es auch bisher noch keine so starke inhaltliche Verknappung wie bei der ausschließlich gewinnorientierten Konzernmutter AT&T. Es steht nicht zu vermuten, dass dies nach der Übernahme so weitergeht.

Andererseits unken bereits die ersten wieder, dass jetzt nun die Zeit für die Verlagsschließung gekommen wäre. Dieses Schreckgespenst kennt jeder Superheldenfan zur Genüge, ohne dass der vorhergesagte Tod bei den beiden großen Häusern je eingetreten wäre. Aber der Vollständigkeit halber sollte man es wohl erwähnen.

Abschließend ist anzumerken, dass sowohl für DC und insbesondere für Batman bereits jetzt Pläne für die nächsten 4 Jahre feststehen (dazu an dieser Stelle bald mehr). Hausintern sind Entscheider und Kreative weiterhin fleißig bemüht, den Lesern unterhaltsame und anregende Inhalte mit ihren Lieblingsfiguren zu liefern.

Und – mal ab von dem ganzen Business drumherum – seien wir mal ehrlich – wenn einer das Licht bei Warner ausmacht, dann ist das sehr wahrscheinlich ein Mann im Fledermauskostüm.

© DC Comics

Batmanfan seit frühester Kindheit; besonders geprägt durch die Animated Series und die Dino-Comics.

7 Kommentare

  1. Edgenson sagt:

    Hat das irgend eine Auswirkung auf Hamada und meiner Meinung nach sehr fragwürdige Ausrichtung zu DC Films???
    Oder kann er getrost weiter das DCEU zu Grunde richten?

    • Fluchtwagenfahrer aus Hollywood sagt:

      Das wäre schön.
      Na ja immerhin hat es in Zukunft Auswirkungen als Aktionär, hatte die news diesbezüglich schon Tage vorher gelesen finde es aber sehr toll das ihr das hier so anschaulich darstellt.

    • Schiller sagt:

      Das ist bisher noch nicht bekannt. Nach dem, was man so liest, wird wohl jede Leitungsposition nochmal auf Herz und Nieren geprüft und zwar sowohl im kreativen wie auch v. a. im finanziellen Sinne. Da alles dort in einer völlig neuen Firma aufgehen soll, ist noch überhaupt nicht klar, wer dann was macht (bis auf den CEO).

      Offenbar ist es auch wichtig, wer mit Zaslav und Malone regelmäßig auf dem Golfplatz steht. Da müsste man Mal recherchieren, ob Hamada überhaupt golft.

      Und noch eine Anfügung zum DCEU: Nach allem, was über Malone, seinen Discovery CEO und dessen Firmen liest, sind das inhaltlich wie strukturell strategisch ausgezeichnet orientierte Menschen. Bei einer solchen Führung könnte es gut sein, dass man niemals Männern wie Geoff Johns oder auch Zack Snyder ein ganzes Film-Universum anvertraut hätte.

      4
      • Arieve sagt:

        Keine Ahnung wem man was anvertraut hätte. Zumindest gerüchteweise hört man, dass Zaslav einige zerbrochene Beziehungen kitten möchte (Nolan, SnyderCut?). Außerdem hört man, dass angeblich jemand gesucht werden soll, der beim DCEU die Zügel in der Habd haben soll ( eine Art Kevin Feige für DC), was sich dann etwas nach zusammenhängenden Universum anhört.

        Aber warten wir es ab, die Gerüchteküche hat ja schon sehr oft sehr daneben gelegen.

        1
  2. Nico sagt:

    Tolle Zusammenfassung eines extrem komplexen Sachverhaltes.
    Vielen Dank für eure Mühe!

    2
  3. Ras al Cool sagt:

    Bei den Summen wir einem ja schwindelig O.O

  4. Visual Noise sagt:

    Das Logo und der Slogan sind ja völlig banane! xD Hätten’se ruhig etwas moderner gestalten können…

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