Review: „Man-Bat – Das Monster von Gotham”

Zwei Fledermäuse, eine Stadt in Angst und eine spezielle Eingreiftruppe, bestehend aus besonders gefährlichen Schwerverbrechern – all das und noch vieles, vieles mehr finden wir im abgeschlossenen Comicband „Man-Bat – Das Monster von Gotham”.

Titel: Man-Bat – Das Monster von Gotham
Original: Man-Bat (2021) #1 – 5

Autor: Dave Wielgosz
Zeichner: Sumit Kumar
Farben: Romulo Fajardo Jr.

Verlag: Panini
Seiten: 124
Preis: 15,- € (Softcover)

VÖ: 16. November 2021


Zunächst geht unser Dank an Panini, die ein Review-Exemplar spendiert haben, damit wir uns mit Man-Bat in die Lüfte schwingen und dort das monsterhafte Wesen und dessen neueste Geschichte auf Herz und Ohren überprüfen können. Im Gegensatz zu den meisten unserer Reviews, enthält diese leichte SPOILER. Wir bitten um Verständnis.

INHALT

In „Man-Bat – Das Monster von Gotham” bekommen wir eine Art modifizierte, neuzeitliche Origin von Kirk Langstrom und seinem Alter Ego Man-Bat. In Rückblenden und Dialogen erfahren wir von der Tragödie Kirk Langstroms, der aus durchaus auch persönlichen Gründen versuchte, ein Serum herzustellen, das Gehörlosen die Chance verschaffen sollte, hören zu können, wie die meisten anderen Menschen auch. Doch wie die meisten Batman-Fans wissen, ging dies schief und Langstrom verwandelte sich im Selbstversuch mit dem Serum zur monströsen Fledermauskreatur. Immer wieder versuchte er abwechselnd mal das Serum zu verbessern oder sich mal von der Kreatur zu befreien, die von ihm Besitz ergriffen hatte; immer wieder ist er gescheitert.

Ein letzter Rückschlag nun lässt die Angelegenheit eskalieren und Man-Bat kommt mit zerstörerischer wie mörderischer Absicht über die Stadt. Batman und das GCPD schreiten ein und nach viel Chaos ist Kirk Langstrom bzw. Man-Bat auf der Flucht. Dies aber nicht nur, um sich seiner Ergreifung zu entziehen, sondern ebenfalls, um den von ihm angerichteten Schaden wieder gutzumachen. Doch das ist gar nicht so einfach, hat man ihm doch auch die Suicide Squad auf den Pelz gehetzt.

Mit schwindender geistiger Stabilität und verwickelt in heftige äußere wie innere Kämpfe, muss Kirk nun versuchen, all seine Kräfte zu bündeln, um den Menschen zu helfen, die er verletzt hat und darf dabei dem Monster in sich nicht die Kontrolle überlassen. Zu allem Überdruss zieht ein weiterer Feind im Hintergrund die Fäden und bedroht nicht nur Langstrom selbst, sondern auch jene, die ihm lieb und teuer sind.

WERTUNG

Wenn man das so liest, geht es also diesmal für Man-Bat sprichwörtlich um alles. Anfangs hält der Band diesen Anschein auch aufrecht, verliert sich dann aber ab der Mitte zusehends. Die Hauptstory ist in Teilen auch ziemlich vernachlässigbar. Viel wichtiger ist, dass wir hier eine Art aufgefrischte Origin für Kirk Langstrom und Man-Bat bekommen.

Das Fledermaus-Monster in ihm droht Langstrom zu verdrängen, ihn auszulöschen. Damit dies eine angemessene Tragik für den Leser bekommt, enthält die Geschichte interessante Rückblenden in Kirk Langstroms Vergangenheit. Wir lernen seine Herkunftsfamilie kennen, erhalten abermals die Geschichte einer Liebe zu seiner Frau … und zu seinem Forschungsgegenstand.

Denn Autor Dave Wielgosz eröffnet eine interessante Perspektive auf Kirk Langstrom und seine Besessenheit, ein Heilmittel für taube Menschen zu finden. In den Rückblenden wird er dargestellt als ein Getriebener, einer, der helfen will, selbst wenn man ihn nicht darum bittet. Und das bereits weit vor der Entwicklung seines fatalen Serums. Doch solch starke Leidenschaft kann kippen und bald erlebt man hier Langstrom als eine Art Drogenabhängigen, der den Man-Bat-Rausch liebt, immer wieder braucht und sich und allen anderen versucht einzureden, all dies diene immer noch der Heilung Hörgeschädigter.

Und dann … ja, dann kommt die Suicide Squad. Und noch andere Charaktere und Tropes der modernen Batman-Welt. Dadurch entgleitet Wielgosz leider ziemlich oft die (durch ihn hier und da anklingende) Tiefgründigkeit. Das muss man kaufen. Aber wenn man sich auf diese Stimmungswechsel einlässt, ist das Ganze dennoch ziemlich unterhaltsam.

Sumit Kumars Zeichnungen passen wunderbar zu dieser Tonalität – nicht zu schwer, nicht zu leicht. Zu Beginn ist die Qualität der Zeichnungen wechselhaft –  das reißt einen manchmal raus. Doch auch wenn sie anfangs ungewohnt sind, passen sie doch zum teilweise cineastischen Aufbau der Geschichte. Außerdem stabilisiert sich das Artwork ab Heft 2. Ehrlicherweise sieht es sogar aus, als hätte jemand anderes die erste Ausgabe gezeichnet. Vor allem die mangaeske Darstellung der Figuren (unpassenderweise auch Batmans), verschwindet bereits ab dem nächsten Heft. Ab da passt das Artwork stimmig zur Geschichte.

Wenn nur die Geschichte an sich etwas stimmiger wäre. Die Miniserie wirkt letztlich so, als würde es schon eine fortlaufende Man-Bat-Serie geben und die sechs Hefte in diesem Sammelband seien ein Story-Arch, den man dort herausgegriffen hätte. Zudem hätte man erzählerisch hie und da deutlich straffen können und sollen. Manche Dialoge sind zu lang, manche Wendungen zu abstrus und das letzte Kapitel dafür viel zu überhastet (und auch ein bisschen albern). Trotzdem hat mir „Das Monster von Gotham“ mehr Spaß gemacht, als ich erwartet hatte. Als Batman-Fan kennt man die Charaktere sowie Settings und kann mit der ganzen Geschichte durchaus seine Freude haben.

FAZIT

MARIAN MEINT

Dave Wielgosz und Sumit Kumar liefern hier eine mehr als solide Man-Bat-Geschichte ab. Im Wesentlichen handelt es sich um typisches Superhelden/-villain-Futter, welches aber einen tieferen Einblick in Kirk Langstroms Psyche und dessen Beziehung(en) mitliefert. Daneben gibt es noch eine Menge (im Grunde unnötigen) Füllmaterials, das die Geschichte nicht wirklich schlechter, aber auf jeden Fall länger werden lässt. Außerdem dient es dazu, Man-Bat in den Kampf mit anderen Schurken zu verwickeln und das erhöht auf interessante Weise den Action-Anteil. Damit hat man dann alles, was es für einen Man-Bat-Comic braucht. Für Freunde und Fans des Fledermausmonsters kann so durchaus eine Leseempfehlung ausgesprochen werden; ebenso für jene, die gern mal wieder eine leichte, unterhaltsame Geschichte mit Bat-Bezug lesen würden. Für alle anderen gibt es aktuell ausreichend bessere Alternativen im Batman-Bereich.


Zweitstimme aus der Batcave: VISUAL NOISE

VISUAL NOISE MEINT

Dave Wielgosz präsentiert uns eine interessante Geschichte von wechselhafter Qualität. Wechselhaft deshalb, weil hier mehrere Persönlichkeiten skizziert werden, die mir so völlig unbekannt waren. Langstrom ist nicht Man-Bat, sondern trägt das geflügelte Ungeheuer in sich, streitet mit ihm, verträgt sich wieder, schließt Deals mit ihm ab und kämpft regelmäßig um die Vorherrschaft der menschlichen oder übernatürlichen Form. Eigentlich ist es ja die nicht vorhandene Selbstbeherrschung von Kirk, die ihn immer wieder ins Straucheln bringt. Langstrom und seine Frau, deren dramatische Ehe schon genug Stoff für Selbstzweifel hergeben sollte, wird mit einer unnötigen Entität ausgestattet, die dann eigentlich am Ende auch keine mehr sein soll … Im Ganzen jedoch wirklich sehr unterhaltsam, da es auch eine Menge Interaktionen mit anderen DC-Charakteren gibt. Aufgrund des fairen Preises und des großen Unterhaltungswertes gebe ich gut gelaunte dreieinhalb Bat-Heads.


Wer noch mehr Interesse an Man-Bat hat, den Charakter vielleicht sogar durch die Batman Animated-Serie kennen- und lieben gelernt hat, dem sei unser Special zur Mensch-Fledermaus-Kreatur innerhalb der Animated Chronicles empfohlen.


Bei Panini liegt der Band jeweils im Soft- und Hardcover vor.

Batman – Erde Eins 3 (Softcover)



Übrigens: Panini gibt in einer einer Preview noch ein paar weitere Einblicke.

LESEPROBE (bereitgestellt von ©Panini Comics)

DISCLAIMER

Für die vorliegende Review wurde uns ein Rezensionsexemplar von Panini Comics Deutschland zur Verfügung gestellt. Dafür vielen Dank!

 

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Batmanfan seit frühester Kindheit; besonders geprägt durch die Animated Series und die Dino-Comics.

2 comments

  1. Jonathan Hart sagt:

    Bitte endlich ein Film mit Man-Bat.

  2. Pirosa sagt:

    Könnt ihr mal ein Ranking eurer persönlichen Comics machen?

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