Review: Batman – Die Maske im Spiegel 3

Das Kreativteam um Mattson Tomlin bringt seinen kreativen Dreiteiler, um einen äußerst geerdeten und noch jungen Batman zu einem explosiven Finale. Werfen wir einen Blick darauf, was noch an Substanz übrig bleibt, wenn der Rauch sich verzogen hat.

Titel: Batman – Die Maske im Spiegel 3
Original: Batman: The Imposter 3

Autor: Mattson Tomlin
Zeichner: Andrea Sorrentino
Farben: Jordie Bellaire

Verlag: Panini
Seiten: 60
Preis: 14,- € (Hardcover)
21,- € (Variant-Hardcover)

VÖ: 14. Dezember 2021


Inhalt

Es ist soweit. In dieser letzten Ausgabe steht der große Showdown an. Zuletzt wurde ein Helfer des mordenden Batmandoppelgängers festgenommen, Bruce und Blair haben die Parallelen ihrer Vergangenheit zueinander geführt, Batman muss sich derweil gegenüber Leslie zunehmend erklären und die Polizei hat Batman endgültig den Krieg erklärt und zwar mit voller Härte. Freunde werden zu Feinden und ein jeder muss sich entscheiden, auf welcher Seite er steht. Schließlich kommen sowohl Blair als auch Batman in ihren Ermittlungen dem Doppelgänger immer näher. Doch der ist vorbereitet.


Wertung

Ich erinnere nochmal an Tomlins Tweet nach seiner gefeierten ersten Ausgabe.

Bruce habe es im ersten Kapitel noch leicht gehabt. Und – oh ja – nach der Lektüre von Band 3 ist das unbestritten. Batman leidet hier – extrem. Von der Theorie, dass der Batman aus „Die Maske im Spiegel” der gleiche Verbrechensbekämpfer wie Matt Reeves „The Batman” sein könnte, habe ich mich bereits mit Beginn der zweiten Ausgabe verabschiedet. Dennoch dürfte der Realismusgrad ein ähnlicher sein. Kein Fehler wird verziehen, jede falsche Bewegung bringt (zumeist schmerzhafte) Konsequenzen mit sich. Man hört Batman förmlich, wie er sich keuchend und Blut gurgelnd durch die Seiten schleppt.

Sofort ist man bei Leslie Thompkins und will Batman zurufen: „Hör doch auf auf! Lass es gut sein! Der Preis ist zu hoch”. Doch Tomlins Fledermaus atmet den modernen Batman-Mythos mit jeder Pore. Bruce Wayne ist ein Mann auf einer Mission. Diese ist er jederzeit bereit zu verteidigen, ob nun mit Argumenten oder seinen Fäusten (oder mit jedem sonstigen Teil seines völlig geschundenen Körpers).

©Panini Comics Deutschland

Und das muss er auch. Die Kreativen schicken den jungen Dunklen Ritter hier auf eine Tour de Force, die wahrlich nur wenige Menschen auszuhalten im Stande wären. Bruce Wayne kann. Weil er es muss.

Es ist schon erstaunlich, wie dicht Mattson Tomlin seine Figuren erzählen kann, sodass der Leser sie schnell und vollständig erfasst. In keinem der drei Bände gibt es ausufernde Dialoge oder geschwätzige Erklärungsversuche. Er liefert die Charakterisierungen im beständigen Fluss der Geschichte, wie in einem (guten) Film eben.

In der Review zum zweiten Band schrieb ich zwar, dass durch die Zeit für die Charaktere etwas(!) Tempo aus der Geschichte genommen wurde. In Heft 3 nun wird aber klar, welchen Zweck das Ganze hatte – Anlauf nehmen. Luft holen gibt es in diesem letzten Teil nicht, die Handlung – und damit auch die Figuren – werden stetig nach vorn geprügelt, bis zum unausweichlichen Endkampf.

Der aber ist noch nicht das Ende. Dieses wird (ähnliche einem Epilog) auf den letzten 5 Seiten inszeniert und bettet (Bat-)Mann und Mythos in einen zeitgemäßen Rahmen, den ich mir schon lange so ähnlich und in dieser Konsequenz für den Dunklen Ritter gewünscht habe. Über das Ende als auch die Identität des Doppelgängers wird bestimmt noch zu diskutieren sein. Aber nicht an dieser Stelle.

©Panini Comics Deutschland

Insgesamt aber ist die Autorenschaft Mattson Tomlins für diesen Titel unbedingt zu loben. Seine Kompromisslosigkeit hinsichtlich Story, Charakteren und Atmosphäre machen „Batman – Die Maske im Spiegel” zu einem ganz besonderen Leseerlebnis.

Dabei bekommen wir hier gar keine Batmangeschichte, die sich für den langjährigen Fan grundsätzlich fremd anfühlt; wir erleben keine innovative Neuerfindung der Fledermaus. Als Leser erhält man jedoch ein erstaunlich gut kombiniertes wie stimmiges Kondensat der wichtigsten Batmanmerkmale: ein Mann im Fledermauskostüm, ermittelnd, kombinierend, manipulierend, Gadgets nutzend und zu Gewaltexzessen neigend. Dabei findet alles in dieser geerdeten, dichten und teils richtig dreckigen Atmosphäre statt. Das ist schon großes Kino und zwar in jeder Hinsicht.

Wie bereits in den letzten beiden Reviews angemerkt, ist das nicht zuletzt dem herausragenden Artwork zu verdanken. Andrea Sorrentinos Spiel mit dem Medium ist (ohne Übertreibung) eine Offenbarung. Als Leser wird man von ihm gleichermaßen gefordert wie geschmeichelt. Allein wie hier Rückblenden inszeniert werden, habe ich so noch nicht gesehen. Teilweise werden Panel oder ganze Seiten aus den vorherigen beiden Bänden kopiert, aber völlig anders angeordnet oder gestaltet und dann in den Kontext dieses Teils eingebunden. Das ist meisterhafte Comickunst.

Und – so schlicht und einförmig die Farbgebung des Bandes wirkt – man kann auch Jordie Bellaire nicht genug rühmen. Kolorierung und Schattierung sind zurückhaltend aber bedeutsam eingesetzt. Keine Farbe knallt einem hier ins Auge, sondern die Geschichte steht im Vordergrund. Sorrentino und Bellaire liefern zwar auf optischer Ebene eine Art eigene Erzählung ab, ohne jedoch Tomlin in die Parade zu fahren. Vielmehr veredeln sie die sehr gut erzählte Story mit ihrer innovativen und einfach spektakulären Kunst.

 

MARIAN MEINT

Mattson Tomlin hat alle zuvor sich selbst (und dem Leser) gestellten Fragen vollständig beantwortet und liefert verlässlich auch im letzten Band die dichte Atmosphäre und stringente Erzählweise aus den beiden vorangegangenen Teilen. Bis zum Schluss bleibt er seinen Figuren treu und kann allein schon dadurch Spannung erzeugen. Die wird bis zum Ende kontinuierlich gesteigert und gipfelt in einem atemberaubenden Showdown. Dabei geht nie das Gefühl für die Charaktere verloren, was innerhalb der Geschichte zu interessanten Interessenskollisionen und Entwicklungen führt.

Andrea Sorrentino und Jordie Bellaire unterstützen dabei die Erzählung an allen Ecken und Enden. So ungewöhnlich und auffällig Sorrentinos Stil und sein Seitenaufbau sind – beides dient immer nur der Geschichte. Der Lesefluss wird nicht gestört und man muss an Paneln oder Seiten nicht kleben bleiben, wenn man nicht will. Aber man sollte!

Man sollte auch diese Ausgabe lesen! Ohne Einschränkungen


Gesamtfazit für alle drei Teile

Batman – Die Maske im Spiegel” ist ein spannendes, aufwühlendes Comicerlebnis. Wir bekommen Batman nicht nur in einem geerdeten, depremierenden Gotham zu sehen, sondern hier wird er in einem ungewohnten, frischen Licht präsentiert. Auch die Figuren fühlen sich unverbraucht an. Bekannte Charaktere haben oft eine nur marginale und doch zeitgemäße Anpassung bekommen, die den ganzen Ansatz dieses Dreiteilers äußerst interessant macht. Mattson Tomlin hat sich für seinen beachtlichen Comicerstling viele Freiheiten genommen, ohne den Kern der Figuren oder Batmans Welt zu verraten.

Dazu kommt ein Artwork, das nicht von dieser Welt ist. Andrea Sorrentino und Jordie Bellaire zaubern auf eine Seite wunderschöne Gemälde und überziehen die nächste mit vielen kleinteiligen, detaillreichen Paneln, während auf der übernächsten Seite die üblichen Sehgewohnheiten ins Stocken geraten zu lassen. Das kreative Artwork kann gar nicht genug in den Himmel gelobt werden und ist schon für sich ein Kaufgrund.

Doch auch insgesamt ist „Batman – Die Maske im Spiegelvorbehaltlos zu empfehlen – Batmanfans, sonstigen Comicfans als auch Einsteigern. Der Comic findet eine angemessene Ausgewogenheit generischen wie innovativen Erzählens, sodass für jeden etwas dabei sein sollte. Unbedingte Leseempfehlung.


Bei Panini liegt der Comic ab dem 14. Dezember 2021 im Hardcover vor. Ein Variant-Hardcover gibt es auch.

Batman – Die Maske im Spiegel 3 (Hardcover)

Batman – Die Maske im Spiegel 3 (Variant-Hardcover)

Batmanfan seit frühester Kindheit; besonders geprägt durch die Animated Series und die Dino-Comics.

6 comments

  1. Fleck sagt:

    Diese Rezensionen sind einfach hervorragend informativ und beschreiben die Storys immer so, dass man gerade genug erfährt, um Kaufentscheidungen zu fällen. Da ich den ersten Ton schätze, werde ich nicht drumherum kommen nächste Woche nochmal den Comicladen aufzusuchen

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  2. David sagt:

    Ich habe mal eine Frage ans Batman news-Team, ich stelle sie mal hier, weil die Email glaube ich nicht angekommen ist. Aber jeder andere, der das liest kann natürlich auch sehr gerne antworten.
    Nachdem ich über die Jahre die ganzen Filme geguckt habe, habe ich vor ein paar Wochen endlich angefangen auch Batman-Comics zu lesen. Habe bereits „Das erste Jahr“, „Die Rückkehr des dunklen Ritters“, „Der dunkle Ritter schlägt zurück“, „Die Übermenschen“, „Ein tödlicher Witz“ und „Ein Todesfall in der Familie“. Welche ich mir auf jeden Fall kaufen möchte sind „Das lange Halloween“ und „Die drei Joker“.
    Jetzt die Frag: Welche anderen Comics muss man eurer Meinung nach unbedingt gelesen haben und gehören in jede Sammlung? Es gibt ja so viele…

    Tut mir leid für die lange Nachricht…

  3. Visual Noise sagt:

    Das… War… Der… Überknüller! 😍 Bin jetzt endlich auch in den Genuss dieser Story gekommen. Das ist wirklich ein 1A Comic! Nichts auszusetzen. Wirklich gar nichts! 😁 Kann deine Wertung absolut unterschreiben und freue mich überhaupt die Review lesen zu können!? 🤣

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    • Visual Noise sagt:

      Eines gebe es dann doch zu kritisieren… Der Soundtrack zum Comic kam viel zu spät. 😏 Mit musikalischer Untermalung von THE BATMAN ist DIE MASKE IM SPIEGEL nochmal intensiver. 😌🤌

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