Review: „Batman – Das Reptil“ 2 (von 2)

Das namengebende Ungeheuer bekommt nun ein Gesicht, aber was für eins …

Enthaltene Titel:
Das Reptil / Batman Reptilian #4 – 6

Autor*in: Garth Ennis
Künstler*in: Derec Donovan, Erich Owen, Max Sarin

Verlag: Panini
Seiten: ca. 84
Softcover: 18,00 €
Variant: 24,00 €
Status: abschließender Storyband

Erschienen am 21.06.2022

©Panini Comics Deutschland

Mit dem immens ansehnlichen ersten Teil von DAS REPTIL wurde die neue namensgebende Bedrohung bereits eingeführt. Allerdings wurde sie noch nicht gezeigt. Das ändert sich mit diesem abschließenden Band. Unter Liam Sharps künstlerischer Freigeistigkeit bekommt das Monster nicht nur Hand und Fuß, sondern gleich mehrere davon spendiert. Und noch etwas mehr …

©Panini Comics Deutschland

HANDLUNG

Es wird nahtlos dort angesetzt, wo der erste Band aufgehört hat. Batman verfolgt die heiße Spur des Reptils in den Untergrund. Auch mit der Annahme, Killer Croc alias Waylon Jones könnte im ungünstigsten Fall mit der gefährlichen Kreatur zusammenarbeiten. Dieser ist einer krokodilartigen Fabelgestalt nicht unähnlich, doch hat aktuell ganz andere Probleme und ist von dem Blutrausch des Ungeheuers eher verwirrt. Ohnehin scheint sein Gedächtnis vermehrt Lücken aufzuweisen. Doch auch dafür präsentiert uns Batman erneut eine seiner weitreichenden Theorien.

„Soll ich zum Supermarkt oder was?“
„Nein, ich meine, produzierst du Muttermilch?“

Mit Croc als Verbündetem begeben sich beide auf die Jagd nach dem hungrigen Untier, bevor es noch weitere Opfer fordert. Die anfängliche Exposition ist die Grundlage für die weitere Handlung. Sie legt auch die Tonalität der beiden fest, die nun gemeinsam auf die Jagd gehen. Das reißerische Finale hält im Übrigen kein richtiges Happy End bereit, so viel sei verraten. Bevor uns das Reptil aber endlich auch gezeigt wird, malt Sharp schemenhaft eine groteske Unterwelt in Alien-Manier mit Schläuchen und Brutbeuteln.

©Panini Comics Deutschland

WORT & BILD

Wenn man davon ausgeht, dass man den ersten Band gelesen hat, sollte die Neugierde auf das namensgebende Reptil groß sein. Als es dann endlich präsentiert wurde, kam ich nicht drum herum, angewidert zu staunen. Es handelt sich tatsächlich um ein völlig groteskes Wesen, das selbst Man-Bat zierlich wirken lässt. Mehrere Gliedmaßen und ein vorgeschobenes Fresswerkzeug sind noch das Natürlichste dieser Kreatur. Der Rest ist ein Gebilde aus Albträumen und Sagengestalten. Ich liebe es. Also nicht direkt. Aber ich liebe die Art der Präsentation, wie die Kreatur aufgebaut wurde und nun endlich sichtbar in Gotham wüten darf.

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Die Darstellung ist epochal wie beim Vorgänger. Total neben der Spur werden hier Panels angeordnet und ebenso unkonventionell erneut in Szene gesetzt. Wer eine saubere Strichführung und einen visuell geordneten Aufbau bevorzugt, wird hier nicht fündig. Figuren und Kreaturen sind oft nur Ideen, die mit künstlerischer Freiheit umschwärmt werden. Oft ähneln sich die Figuren auf der nächsten Seite nur minimal und nötigt der interessierten Leserschaft ab, eben diese Idee erfassen zu können.

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Anhand des Reptils wird dieser Umstand besonders deutlich. Denn es hat keine klar definierten Merkmale, die als gesetzt gelten. Das äußere Erscheinungsbild variiert anhand verschiedener ästhetischer Abweichungen immer wieder. Aber was ich immer sehen konnte, war die animalische Kraft und die schauderhafte Bedrohung, die jeder Seite mit diesem Wesen innewohnt.

„Hat dir schon mal wer gesagt, dass du’ne fiese Lache hast?“
„Die Wenigen, die sie je gehört haben.“

Wie schon im Vorgänger liegt hier der Reiz des Ganzen in der kompletten Optik. Doch auch Autor Garth Ennis schaltet einen Gang hoch, gibt der Action mehr Raum und schreckt auch nicht vor völlig irren Erklärungsversuchen zurück. Dass dann auch noch das Duo Batman & Croc so gut funktioniert und sogar eine Portion Humor mit in die ausgefallene Handlung einbringen kann, grenzt an einen kleinen Geniestreich.

„Mr. Alles-unter-Kontrolle! Mr. Alles-bedacht!
Das Ding wird diese Typen in Stücke reißen …
Und das nur wegen deines brillanten Plans!“

Der erste Band hat die Gegebenheiten so gut angelegt und aufgebaut, dass hier darauf aufbauend bei mir alles gezündet hat. Die Detektivarbeit sorgt für einen stimmungsvollen Einstieg und wurde mit mysteriösen Leichen gepflastert. Nun scheint der Fall klar und die fulminante Monsteraction beginnt. Das bereitet mir sehr viel Freude und ist vom dramaturgischen Aufbau auch noch nachvollziehbar. Das macht Band zwei für mich zu einem richtig runden Erlebnis. Aber eben auch nicht besser oder schlechter als seinen Vorgänger.

FAZIT

Auch DAS REPTIL Band Zwei lebt von seiner beeindruckenden Zeichenkunst, fühlt sich aber deutlich flotter an und führt das spektakuläre Leseerlebnis des vorangegangenen Bandes fort.

Nachteil dieser ganz speziellen Darstellungsform ist ihr Vernissage-Charakter. Sind Kunstausstellungen für einige an sich schon uninteressant, mögen andere den Stil des Künstlers Sharp eventuell nicht. Dann bleibt wirklich nur noch die knappe, wenn auch interessante Geschichte. Die ist im abschließenden zweiten Band sehr experimentierfreudig und von unglaublicher Monsteraction getragen. Der Charakter des zweiten Teils ist also spürbar ein anderer, der seinem Vorgänger dadurch aber auch nichts nachzuahmen versucht.

Hardcover©Panini Comics Deutschland

Obendrein gibt es am Ende noch eine schaurig schöne Variant-Galerie, der die Übersetzung des Originalentwurfs zur Geschichte von Garth Ennis voransteht. Und auch wenn Ennis der Auffassung ist, dass derartige Entwürfe meist nie das Endprodukt widerspiegeln können, ist dieser erstaunlich genau und vermag es auf drei Seiten die Geschichte noch einmal gut zusammenzufassen.

Ich möchte eine sinnvolle Kaufempfehlung für Liebende, der etwas anderen Geschichten und herausragender künstlerischer Kreativität aussprechen. Für mich lädt diese Geschichte in seiner Gänze definitiv zum erneuten Lesen ein. In diesem Sinne natürlich auch ein verbundenes Dankeschön an Panini  Comics Deutschland für das Rezensionsexemplar, bei denen ihr beide Bände auch noch erwerben könnt.


4½ von 5 Bat-Heads

“You wanna get nuts? Come on! Let’s get nuts!” – Bruce Wayne (1989) / Lego Batman (2017)

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