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The Dark Knight Rises – Eine Geschichte von zwei Städten

Was war die Inspiration für die ‚The Dark Knight Rises‘-Story? Hat Batmans Plan Gotham zu retten funktionert? Warum wurde an der Wall Street gedreht? Diesen Fragen versucht der Leitartikel der aktuellen Entertainment Weekly-Ausgabe auf den Grund zu gehen. Batmannews.de präsentiert euch hier die deutsche Übersetzung:


Laut Christopher Nolan’s Batman-Filmen dienten die Höhlen unter Wayne Manor einst der Underground Railroad als Zufluchtsstätte für Sklaven und später dem kostümierten Vigilanten als Versteck. Die Bathöhle, welche in ‚Batman Begins‘ noch eine wichtige Rolle spielte und in ‚The Dark Knight‘ keine Erwähnung mehr fand, kehrt in ‚The Dark Knight Rises‘ zurück. Das Set – welches den größten Teil des gigantischen Studios in Los Angeles einnimmt – ist genau das, was es darstellen soll: einfach eine riesige alte Höhle. Ein intakter Wasserfall, der nicht nur den subterranen Fluss mit Wasser versorgt, sondern auch geheime Plastik-Schränke unter sich birgt, welche sich auf Knopfdruck aus dem Boden erheben.

In einem dieser durchsichtigen Schränke befindet sich Bruce Wayne’s Batsuit. Während einer Drehpause steht Christian Bale alleine am Set, direkt vor dem Kostüm. Er legt die Maske an, streift sich den Gurt um. Aber die meiste Zeit steht er mit verschränkten Armen da und starrt auf den Anug. Monate später erinnert sich der 37-jährige Oscar-Preisträger daran, das er sich nach 7 Jahren als Superheld diesen Moment einfach mal gönnen musste. „Dieser Anzug ist schon ein faszinierendes Ding, oder? Und obwohl ich ihn die meiste Zeit trage, habe ich ihn kaum von aussen gesehen. Zumindest nicht so, wie die anderen ihn sehen.“

Am 20. Juli geht die überaus erfolgreiche Kinoversion der 72 Jahre alten Pop-Ikone mit dem meistererwartesten Film des Jahres (sorry, Bilbo) seinem Ende entgegen. Ein kommerzieller Erfolg ist mehr oder weniger eine Pflichtübung um die Produktionskosten von angeblich 250 Mio. Dollar zu rechtfertigen. Alles andere bleibt ein Geheimnis, genauso wie die Story und die Frage, ob ‚The Dark Knight Rises‘ das Pop-Kultur-Phänomen von vor vier Jahren wiederhohlen  kann. ‚The Dark Knight‘ spielte allein in den USA 533 Mio. Dollar ein (das höchste Einspielergebnis eines Films, bei dem nicht James Cameron Regie führte), brachte dem verstorbenen Joker-Darsteller Heath Ledger eine posthume Oscar-Ehrung ein und etablierte eine Herangehensweise an Superhelden-Material, welche oft kopiert wurde (z.B. Watchmen, Kick-Ass, der anstehende Spider-Man-Reboot). Die Comicverfilmung schaffte es sogar als Bester Film des Jahres gehandelt, aber nicht nominiert zu werden, was die Juroren der Oscar-Verleihung in Zugzwang brachte um im darauffolgenden Jahr die Nominierungsliste künftig von 5 Filme auf 10 zu erhöhen. Das hat schon einen höllisch großen Eindruck hinterlassen, oder? “Jetzt, da es ja vorbei ist, kann ich ja die Wahrheit sagen: Ich habe einen immensen Druck verspürt”, gibt Bale zu. “Aber ich glaube es war ein positiver Druck, weil man es dem Film und den Erwartungen der Leute schuldig ist, großartige Arbeit abzuliefern.“

‚The Dark Knight Rises‘ (zu dem das Drehbuch von Nolan in Zusammenarbeit mit seinem Bruder Jonathan, auf Basis einer Geschichte des Regisseurs und David S. Goyer, entstanden ist), behandelt die Auswirkungen des „heroischen“ Gänsehaut-Finales des Vorgängers. Zur Erinnerung: Bezirksstaatsanwalt Harvey Dent (Aaron Eckhart) gelang es bei seinem Kreuzzug die Korruption und das Verbrechen in Gotham zu bekämpfen, bevor ihn der Joker in den schrecklich entstellten und unmoralischen Cop-Killer Two-Face, verwandelte. Nach Dents Tot nahm Batman die Schuld für die Verbrechen des Bezirkstaatsanwaltes auf sich, in der Hoffnung, die Bürger Gothams würden nicht den Glauben an die guten Taten des ‚White Knight‘ verlieren. „Wenn es Batmans Plan war das Verbrechen auszuradieren“, erklärt Jonathan Nolan, „dann stellt sich in dem neuen Film die Frage: Was, wenn der Plan tatsächlich funktioniert hat?“. Und so setzt die Geschichte 8 Jahre später ein. Bruce Wayne erholt sich noch immer von dem körperlichen wie geistigen Trauma, welches die Joker/Two-Face-Kombination hinterlassen hat. Noch immer ist Batman der gejagte Sündenbock, während Gotham immer mehr aufblüht. „Zumindest Oberflächlich“, meint Christopher Nolan. „Wenn man Risse mit Papier stopft, hat man vielleicht das Problem gelöst, wird aber nicht auf Ewig halten.“

Während Bruce Wayne zusammen mit dem Police Commissioner Jim Gordon (Gary Oldman) weiterhin an der Vertuschungsaktion festhält, muss er auch die angespannte Beziehung zu seinem treuen Butler Alfred (Michael Caine) und seinem Waffenschmied und Fahrzeug-Designer Lucius Fox (Morgan Freeman) kitten. Als neue Figuren werden ein Cop, gespielt von Joseph Gordon-Levitt, und das Wayne Enterprises Vorstandsmitglied Miranda Tate (Marion Cotillard) vorgestellt. Und dann gibt es da noch Batman’s geheimnisvolle Gegenspielerin: Selina Kyle, auch bekannt als Catwoman (Anne Hathaway), eine Diebin, die sich mit einem High-Tech-Sichtgerät tarnt, welche im aufgestellten Zustand an Katzenohren erinnert. Und der brillante und bullige Terrorist Bane (Tom Hardy), welcher sich hinter einer bedrohlichen, aber auch medizinisch notwendigen Maske verbirgt.

Wenn Sie den Prolog (die ersten 6 Minuten des Films) und zuletzt den Trailer gesehen haben, dann wissen Sie bereits das Bane und seine Anhänger zu ungewöhnlichen Taten bereit sind, die eine immense, und gleichzeitig IMAX-freundliche, Bandbreite (Heiliges, explodierendes Football-Feld, Batman!) erfordert. Allerdings werden Sie dann auch festgestellt haben, das Bane nur sehr schwer zu verstehen ist. Laut Nolan soll man sich aber daran nicht stören. “Wenn die Leute den Film sehen, dann wird sich ihnen das Gesamtbild ergeben”, erklärt Nolan. “Bane ist ein sehr vielschichtiger und interessanter Charakter. Wenn die Menschen den fertigen Film sehen, werden sie sich von ihm sehr gut unterhalten fühlen”.

Wie schon bei Nolan’s vorherigen Batman-Filmen unterlegt er in ‚The Dark Knight Rises‘ einen epischen Unterhaltungsfilm mit stichelnden politischen Untertönen. „Um eine Metropole als Stadt verschiedener Schichten und darin lebender Menschen darstellen zu können“, haben sich Nolan und sein Bruder von Charles Dicken’s ‚Eine Geschichte von zwei Städten‘ und Fritz Lang’s Stummfilm ‚Metropolis‘ inspirieren lassen.
Die Produktion ging 2011 von England, Indien, Pittsburgh und Los Angeles, schließlich nach Manhatten – inklusive des Wall Street-Bezirks. Nolan verneint dabei die Unterstellung, die seinerzeit vorherrschenden Proteste im Zuccotti Park für den Film verwenden zu wollen. Er und seine Mitarbeiter arbeiteten bereits vor 3 Jahren an ‚Rises‘ und merkt an, das die Anfrage in New York zu drehen bereits 9 Monate vor den Wall Street-Aufständen stattfand. Trotzdem sieht er eine gewisse Gemeinsamkeit. „In Wahrheit wählten wir die Wall Street aus denselben Gründen wie die Demonstranten: Es ist ein Symbol für Amerikas Wohlstand und Kapitalismus“, erklärt Nolan, welcher gerade erst mit dem Schnitt an dem Film begonnen hat und vor voreiligen Schlüssen warnt. „Wenn man versucht eine Geschichte über einen selbsternannten Helden erzählt der gleichzeitig ein Multi-Milliardär ist, dann stellt dies Fragen auf, die man in der heutigen Zeit nicht unbeantwortet lassen kann. Und dazu zählt Bruce Waynes einzige Superwaffe: übermässiger Wohlstand.“
Für Bale hat die Wall Street eine etwas andere, mehr persönlichen Bedeutung: Hier ist der Ort, an dem er von Batman endgültig Abschied nehmen wird. „Mein letzter Tag im Kostüm war auch mein letzter Drehtag“, meint der Schauspieler. „In New York stand ich auf einem Hochhaus. Der Tag begann mit Morgan Freeman und endete mit Anne Hathaway. Noch mit der Maske auf dem Kopf nahm ich Abschied“. Als er das Cape und die Maske abnahm, sich der schmerzvollen, enganliegenden Körperrüstung zum letzten mal entledigte, erkannte er plötzlich das Besondere an diesem Moment. „Es war sehr ruhig, nur ein paar Leute waren anwesend“, erinnert er sich. „Aber dann meinte ich plötzlich, ‚Jetzt wartet mal. Mal ehrlich: Das war’s. Ich werde nie wieder dieses klaustrophobische Gefühl haben!‘ Deshalb musste ich kurz innehalten. Ich musste.“
Interessant ist Nolans Anmerkung, ‚The Dark Knight Rises‘ wäre stark von Charles Dicken’s ‚Eine Geschichte von zwei Städten‘ (‚A Tale of two Cities‘) inspiriert worden, dessen 23. Kapitel des zweiten Buches den Titel „Fire Rises“ trägt. Auch Selina Kyles Dialog aus dem Trailer erinnert an eine Textpassage des vor über 150 Jahren geschriebenen Romans, welcher sich den anbahnenden Aufständen der Landbevölkerung gegen die vorherrschende französische Adelsherrschaft widmet: „Es gab aber auch andere Echos, die während dieser ganzen Zeit aus der Ferne drohend sich vernehmlich machten. Und um die Zeit von Lucies sechstem Geburtstag waren sie allmählich in einen schrecklichen Ton übergegangen, als kämpfe in Frankreich ein mächtiger Sturm mit einer furchtbar hochgehenden See.“

Gründer und Chefautor von Batmannews.de. Batman-Fan seit 1987.

15 Kommentare

  1. d-kun sagt:

    Vielen, vielen dank für die Übersetzung des Artikels. Ist wirklich total klasse.
    Jetzt verstehe ich das Kostüm von Catwoman.
    Kann den Film gar nicht mehr erwarten. Ob es noch weitere Zeitschriften geben wird, die einen großen Artikel über TDKR bringen werden?

    Hab da noch nen kleinen Fehler entdeckt:
    „Die Bathöhle, welche in ‘Batman Begins’ noch eine wichtige Rolle spielte und in ‘The Dark Knight Rises’ keine Erwähnung mehr fand, kehrt in ‘The Dark Knight Rises’ zurück

  2. d-kun sagt:

    @Batcomputer
    Kann ich irgendwie verstehen. 🙂

  3. Patman sagt:

    GROßARTIG!

  4. Kai sagt:

    Danke für diesen Artikel! Wenn man etwas zwischen den Zeilen liest dann kann man die Geschichte, die erzählt wird, fast erahnen! Naja, fast! Wahrscheinlich liege ich mal wieder falsch! Wie damals bei Super 8! Aber egal! Ich freue mich riesig auf TDKR! Besonders auf Bane!

    Batcomputer rules!!!! 🙂

  5. keysersöze sagt:

    der Bezug zu Dickens ist wirklich überraschend und super interessant.

  6. Batman94 sagt:

    WOW! Einfach nur WAHNSINN ! Kann es nicht mehr abwarten 🙂

  7. Captain Harlock sagt:

    Es stimmt mich mächtig traurig, wenn Christian Bale vom LETZTENMAL spricht !!!

    Ich möchte noch viele viele viele … Batman Filme mit ihm sehen !!!

  8. Batman94 sagt:

    Ja… Gebe ich dir recht. Vor allem wie er es beschreibt.

  9. Weltenreiter sagt:

    Sehr interessanter Artikel, aber gleich am Anfang steht eine kapitaler Übersetzungs-Bock:
    Amerikanische Sklaven, die sich in den U-Bahn-Schacht flüchteten?
    Underground Railroad übersetzt sich wenn überhaupt mit Untergrundbahn oder besser gar nicht, und die Sklaverei wurde natürlich lange vor dem Bau von U-Bahnen abgeschafft.

  10. Danny P. sagt:

    kann mal einer die zeit bitte vorstellen…kann nicht mehr warten…danke…:-D

  11. XXX sagt:

    Hat zwar jetzt nichts mit Batman zu tun, loswerden will ich es aber trotzdem. Nicht nur, dass man bei Spider-Man nochmal das ganze Entstehungsgedöns sieht (hätte genaus gut ablaufen können wie schon seit Jahrzehnten bei Bond, ist aber mittlerweile eine alte Nummer), jetzt muss man auch da die Realismus-Schiene fahren. Schon die Maguire-Filme waren im Vergleich zur 90er-Zeichentrickserie mehr auf realistisch getrimmt (auch wenn mit dem Sandmann und dem Symbionten im dritten schon mehr Science-Fiction vorkam), aber jetzt noch mehr? Der Regisseur meinte ja mal in einem Interview, dass der Film so gemacht wurde, dass der Zuschauer das Gefühl hat, die eigene Welt vor sich zu haben. Oh man! Da muss leider wieder gesagt werden, das Dark Knight wirklich auch einige Schattenseiten hinterlassen hat.

  12. Nata sagt:

    Ich warte schon sooo lang auf den nächsten Teil und endlich kommt er in die Kinos!!! Allerdings muss ich sagen, dass ich etwas enttäuscht war als ich den Trailer gesehen habe weil ich gehofft hatte, dass Rachel Weisz die Rolle der Catwoman bekommt. Erst standen ja sie und Angelina Jolie in Frage. Das dafür Anne Hathaway genommen wurde damit hätte ich nicht gerechnet. Aber trotzdem freu ich mich rießig auf den Film. Aber ich bin auch etwas traurig, dass Christopher Nolan sagt, dass mit diesem Teil alles endet. Ich hätte nichts dagegen wenn es soviele Teile wie bei Harry Potter geben würde :-DDDD

  13. Speedolstar sagt:

    Moin,

    ich musste es zweimal lesen um es zu begreifen: Heiliges, explodierendes Football-Feld, Batman!

    eine anspielung auf 60iger jahre robin mit seinen endlosen repertoir an sprüchen mit denen er seine erstaunung in worte fasst „Holy , Batman!“

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