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Review: Leviathan 1

Brian Michael Bendis und Alex Maleev feiern eine Reunion beim ersten Band des DC-Events „Leviathan“. Wir klären, ob es auch darüber hinaus Grund zum Feiern gibt.

 

©Panini Comics Deutschland

 

Die League of Assassins wurde ausgelöscht. Sie löschen uns alle aus.

Mit dieser Information wird der Leser direkt hineingeworfen in DCs Zweiteiler-Event „Leviathan“. Und damit nicht genug. Der große Gegner Leviathan (hier sowohl der Name für die zerstörerische Organisation, die hinter allem steckt, als auch für deren mysteriösen Anführer) hat auch sämtliche Geheimdienststrukturen bzw. kriminellen Netzwerke des DC-Universums (Argus, Cadmus, B.P.E., Spyral, Cobra) an einem Tag (!) beseitigt.

Damit schließt die Story im Wesentlichen an Ereignisse aus der aktuellen Action-Comics-Reihe an, was für Gelegenheitsleser sowohl in der Geschichte selbst als auch redaktionell mehrmals ausreichend erklärt wird. Daraus ergibt sich, dass Lois Lane eine der Hauptprotagonistinnen ist. Die versteht schnell, dass der Untergang der bekannten Welt droht und schlägt dem hinzugeeilten Batman vor, doch einen Club der Detektive zu gründen, um erstens nach Talia al Ghul zu suchen, der ursprünglichen Schöpferin der Leviathan-Organisation. Zweitens soll der (optisch wohl Star Wars entsprungene) Hauptgegner Leviathan enttarnt und natürlich aufgehalten werden. So steht alsbald eine kleine schlagkräftige Gruppe bereit, bestehend aus Lois, Batman und Robin, Plastic Man, Green Arrow, The Question und der Dame namens Manhunter.

Dann geht es aber los, also so richtig und zwar mit vielen Dialogen und wenig Action. Das wäre gar nicht so schlimm, wenn die Charaktere nicht die ganze Zeit kryptisch über den nahenden Untergang faseln würden, ohne mal konkret zu werden. Die meisten weiteren Dialoge beschreiben schlicht, was uns ohnehin gezeigt wird. Die durch die Bank interessanten Figuren verkommen zu Stichwortgebern, die vom Unheil künden, dieses aber nie ausformulieren.

Hierdurch erinnert das Ganze zeitweise an den Plot einer CW-Serie. Da hat Lois Lane die Idee, der allmächtigen Leviathan-Organisation mit einer Gruppe der „besten Detektive der Welt“ (alles Amerikaner!) auf die Spur zu kommen und natürlich findet die Gruppe rasch zusammen. Es ist die Rede von umwälzenden Ereignissen, einer neuen Weltordnung, bedeutenden Hinweisen, falschen Verdächtigungen und Superspionen. Dazu gibt es den klassischen Oberbösewicht, der hie und da auftaucht, bedeutungsschwangere Sprechblasen absondert und sowieso schon vorher weiß, wie all das enden wird. Das birgt viel Potenzial zum Augenrollen. Spannung kommt nur selten auf.

Das liegt auch an einem anderen Problem auf der Erzählebene: Die Geschichte handelt bereits in der Exposition die wichtigste Veränderung ab (die Auslöschung der Geheimdienste). Alles, was folgt, ist die ständige Wiederholung dieses Themas, ohne zum Punkt zu kommen. Die Suche nach Talia und Leviathan führt ebenso zu nichts. Die „größten Detektive der Welt“ (sic!) erklären nicht oder nur knapp, wie sie zu ihren Schlussfolgerungen gekommen sind. Überhaupt bekommen wir nur die Ergebnisse präsentiert, ohne der Ermittlung folgen zu dürfen. Und während erzählt und erzählt und erzählt wird, was war und dass bald alles schlimmer wird, passiert (besonders ab der Mitte des Bandes) faktisch kaum noch etwas. Daraus folgt eine seltsame Gleichzeitigkeit, die den Lesefluss stört.

So riecht diese Geschichte nach lacy writing, was eine Schande ist, wenn man weiß, wozu Brian Michael Bendis eigentlich in der Lage ist. Ich habe seinen Daredevil-Run geliebt und habe mich deshalb auf den vorliegenden Band gefreut, den er wieder mit seinem einstigen Marvel-Kompagnon und Zeichner Alex Maleev gemeinsam gestaltet hat.

Ich war nie ein großer Fan vom Strich des bulgarischen Künstlers. Aber man muss anerkennen, dass er sein Handwerk beherrscht. Sein gemäldeartiger und doch schmutziger Stil passt zu diesen eher bodenständigen Themen und Figuren. Mit Blick auf Superhelden tue ich mich damit aber immer noch schwer und mochte Maleevs Darstellung von Batman zum Beispiel schon zu No-Mans-Land-Zeiten nicht so besonders. Doch das wiegt nicht so schwer, weil Maleev es versteht, diese Charaktere in ein Gesamtbild zu integrieren, welches mehr eine angenehm düstere Atmosphäre als nur einzelne herausgeputzte Heldenfiguren vermittelt. Dass das zum Erzählstil seines langjährigen Kollegen Bendis passt, liegt auf der Hand. Doch auch ein Alex Maleev kann diese dünne Story nicht retten.

©Panini Comics Deutschland

 

Fazit

Der erste Teil von „Leviathan“ wirkt auf den ersten Blick dürftig. Es handelt sich hierbei um keine herausragend schlechte Geschichte, jedoch gibt es viel zu viele Stolpersteine. Die Prämisse an sich klingt spannend und das Helden- wie das Künstler-Team versprechen beide (eigentlich) eine reizvolle Dynamik. Aber der Funke will nicht überspringen. „Leviathan“ weiß nicht so recht, was es erzählen oder sein will: Superheldenevent, Detektivgeschichte oder Spionagethriller. Das ist im Grunde auch egal, denn neben einem zwar erkennbaren roten Faden, wartet die Story nur mit inhaltsleerem Wichtigtuer-Blabla auf. Wohin dann der rote Faden führen soll, weiß offenbar nur Leviathan selbst. Der Leser erfährt davon nicht viel und ob es Brian Michael Bendis weiß, ist auch noch nicht sicher. Das ist schade, denn Konstellation und Atmosphäre haben das Potenzial einer interessanten Story. Das wird bisher aber verschenkt und man fragt sich, wie das beim abschließenden zweiten Teil besser werden soll.

In diesem Sinne, wäre es auch schöner gewesen, die komplette Story in einem Band zu lesen. Der Umfang der Miniserie lässt nicht darauf schließen, warum man beim Panini das Ganze nun unbedingt zweiteilen musste. Aber gut, das Finale erscheint ja schon diese Woche bei Panini.

Dort im Shop ist natürlich auch noch der erste Band zu ordern. Bei Amazon* selbstverständlich auch. Dort findet sich per Kindle auch die digitale Ausgabe*.


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Schiller
Batmanfan seit frühester Kindheit; besonders geprägt durch die Animated Series und die Dino-Comics.

4 Kommentare

  1. Avatar Visual Noise sagt:

    Eines der Titel die ich mir im Comicladen meines Vertrauens angeschaut,aber nicht mitgenommen habe… Der beschriebene „übermächtige“ Gegner und dessen Erscheinungsbild haben mich in der Tat einfach abgeschreckt!?

    Gut zu lesen,dass ich da ein paar Moneten an anderer Stelle besser investieren konnte!? ^^

    • Schiller Schiller sagt:

      Gerade der Einzelgegner Leviathan (inhaltlich wie auch seine Erscheinungsform) ist für mich einer der wenigen Positivpunkte bei der Story :D

  2. Avatar NightwingX sagt:

    Hab mir leviathan auch zugelegt und muss sagen ich war auch richtig gespannt auf das Band.

    Der Titel sowie die Story Teaser die mir davor bekannt waren klangen auch echt cool auf green Arrow hat ich mich gefreut da ich zuerst das Gefühl habe er hat da so mit batman die Hauptrolle und die Dynamik zwischen denen ist bzw war immer selten jedoch gut.

    Muss jedoch deinem Beitrag voll und ganz zustimmen alle paar Seiten dachte ich ok jetzt wird’s cool und dann springt das wieder weiter wie du sagst immer direkt zu den Ergebnissen und lässt den Geschehnissen kaum Raum. Die düsternis die um Leviathan aufgebaut wird, ist erst interessant aber dann auch voll übertrieben. Als es mit red hood interessant wird springt geht mir das auch zu schnell und als man denkt ok jetzt wird’s gut! Naja endet das Ding auch.

    Bin jetzt nicht sonderlich glücklich auch nicht komplett enttäuscht aber Mann muss sagen die Aufteilung hätte anders sein dürfen als komplett band wärs am besten denke ich.

    Trotzdem will ich jetzt unbedingt den zweiten weg hauen 😅 Grüße Nightwing

    • Schiller Schiller sagt:

      Ja, nicht gerade die beste Leistung von BMB. Ich bin auch der Meinung, ich hätte zuvor einige positive Reviews aus dem englischsprachigen Raum gelesen, aber da würde mich mittlerweile sehr interessieren, wie man sich an der bisherigen Story begeistern kann. Aber ja, auch ich muss und werde jetzt noch den zweiten Band lesen ;).

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