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Chris Terrio über ‚Batman v Superman‘ und ‚Justice League‘

Viel wurde über den Regisseur und die Hauptdarsteller von ‚Batman v Superman: Dawn of Justice‘ gesprochen. Es wird höchste Zeit, dass der Autor des Films zu Wort kommt: Oscar-Preisträger Chris Terrio.

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Wie gut kennen Sie sich mit Comics aus und was war Ihre Inspiration für diesen Film?

Der erste Film den ich je sah war ‚Superman 2‘. Und im Alter von 4 Jahren wäre ich beim Versuch Aquaman zu spielen fast ertrunken.

Mit Comics hatte ich die meiste Zeit überhaupt nichts am Hut. Aber ich blieb den Superhelden-Filmen treu. Am meisten fasziniert hat mich die Nolan-Reihe. Ihr war es möglich innerhalb eines Genres interessante Fragen aufzuwerfen. Jetzt stehen wir auf den Schultern dieser Filme. Nolan ermöglichte es einen Raum zu schaffen, in dem Superhelden-Filme ernst genommen werden können. Wir haben viel über diese Filme nachgedacht und ich musste auch irgendwann aufhören ‚The Dark Knight‘ anzusehen, weil ich ihn sonst kopiert hätte.

Es ist so gut wie unmöglich alles über das DC Universum zu wissen, aber ich hab mich ins Zeug gelegt und versucht so viel wie möglich aufzusaugen und habe so einige Informationen aus vielen Comics bezogen. Frank Miller ist ein bekannter und anerkannter Autor, welcher einen großen und direkten Einfluss auf den Film hatte. Auch andere Autoren wie Grant Morrison, welcher schwierige philosophische Fragen auf eine extrem intelligente Weise aufstellt. Ich habe versucht so viel wie möglich reinzupacken, aber es auch immer aus der Distanz zu betrachten.

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Was sind die Ursprünge des Batman-Superman-Konflikts?

Es ist fast archetypisch. Wenn ich an Batmans Ursprungsgeschichte denke, dann denke ich daran wie er fällt. Dies wird oft in der westlichen Literatur benutzt: Es braucht nur ein Ereignis und alles fällt auseinander. Und dies lässt auch Superman hinterfragen.

Zu beginn stellte ich mir Batman und Superman als Gegensätze aus der Mythologie vor. In den Superhelden-Geschichten stellt Batman Pluto, den Gott der Unterwelt, dar. Superman ist Apollo, der Gott des Himmels. Ab hier wurde es interessant für mich – das ihr Konflikt nicht einfach auf eine Manipulation beruht, sondern aus ihrer eigenen Existenz. Letztendlich gibt es aber eine gemeinsame menschliche Ähnlichkeit, welche in einem bestimmten Moment des Films offenbart wird.

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Sie haben nicht viel Zeit damit vergeudet die Ursprungsgeschichte von Wonder Woman oder der neuen Batman-Version erneut zu erzählen.

Nach ‚Man of Steel‘ wollte ich keine Situation schaffen, in der wir sagen müssen, ‚Batman existiert in dieser Welt, wir haben nur vergessen es euch zu erzählen‘. Wir wollten sagen, ‚Nein, er war schon die ganze Zeit über da‘.

Diana Prince wollte ich zu beginn als Bürgerin etablieren um sie so stärker in die Geschichte des Films einweben zu können, was sich dann wie ein Thriller anfühlt. Sie ist eine geheimnisvolle Frau, die sich für dieselben Dinge wie Bruce Wayne interessiert.

Das Tolle sie nicht von Anfang an in ihrer Superhelden-Gestalt zu zeigen ist es, dass sich der Moment der Enthüllung viel feierlicher gestaltet. Wenn man eine Figur auf diese dynamische Art einführt, akzeptiert man die Realität viel einfacher.

Haben Sie gleich daran gedacht auch ‚Justice League‘ zu schreiben?

Ursprünglich rechnete ich nicht damit die ‚Justice League‘ zu schreiben und stattdessen an etwas anderem zu arbeiten. Aber schon am ersten Tag am Set als ich Jesse in einer Szene mit Holly Hunter bewundern durfte, hatte ich das Gefühl eine merkwürdige und großartige Performance in einem Independent Film zu betrachten.

Da dachte ich mir, ‚Du bist hier noch nicht fertig. Ich will diese Geschichte weiter erzählen‘. ‚Batman v Superman‘ ist in etwa wie ‚Das Imperium schlägt zurück‘ oder ‚Die Zwei Türme‘ oder andere Filme die die Mitte einer Trilogie darstellen. Die mittleren Filme neigen dazu die düstersten Teile zu sein. Ich sehe ‚Man of Steel‘ bis zur ‚Justice League‘ als eine große Saga.

Der ‚Justice League‘-Film wird wohl nicht so düster vom Ton her werden wie ‚Batman v Superman‘. Ich wollte einen anderen Ton anschlagen, denn wenn man einen düsteren Film geschrieben hat, hat man das verlangen dies ein wenig auszugleichen.

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Es warten noch einige DC Filme auf ihre Veröffentlichung, auch ein zweiter Teil zur ‚Justice League‘-Verfilmung. Werden Sie sich weitere dieser Filme annehmen?

Ich habe zwar ‚Justice League, Part One‘ geschrieben, aber ich muss nicht unbedingt ‚Part Two‘ schreiben. Dies war die bisher härteste intellektuelle Prüfung in meiner Karriere als Autor. Für ‚Batman v Superman‘ habe ich mich mit allem möglichen beschäftigt, von amerikanischer Macht bis zur Machart der Rache bis hinüber zu dem gewaltigen Kanon der DC Comics hin zur Mythologie der Amazonen. Für die ‚Justice League‘ konnte ich mich in die Rot-oder Blauveschiebung der Physik einlesen, Diodor von Sizilien und seiner Bedeutung beim Krieg zwischen den Amazonen und Atlanten, oder die Tiefsee Biologie und welche Lebensform im Marianengraben möglich wären.

Wenn man mir vorher gesagt hätte, das größte dramaturgische und intellektuelle Schaffen meines Lebens wäre ein Superhelden-Film, ich hätte ihn für verrückt erklärt. In meinen Augen haben die Fans dies verdient. Ich war den Fans all meinen Körper und Geist schuldig, denn weniger wäre für diese einmalige Chance nicht angemessen gewesen.

Quelle: The Wall Street Journal

Batcomputer
Gründer und Chefautor von Batmannews.de. Batman-Fan seit 1987.

3 comments

  1. (S)laughter sagt:

    Klingt sehr gut finde ich. Vorallem mit seinen Ansätzen und womit er sich auseinandergesetzt hat. Hört sich so an als wird das Genre anständigt gewürdigt 🙂 Bin super gespannt.
    Und Goyer war ja die andere hälfte der Schreibkraft, also daher 😀

  2. RexMundi sagt:

    Mich stimmt das Interview auch positiv. Vielleicht schaffen es Warner/DC ja, ein ernsthaftes Comicfilm-Universum zu schaffen, dass trotzdem ebenso erfolgreich sein kann, wie die Marvelfilme. Terrio schafft es, diese Hoffnung zu verstärken.

  3. Miracle Man sagt:

    Ich hoffe der Mann bietet nicht nur leere Versprechungen. Ich bin positiv gestimmt nach den Interview.

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