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Batman: The Animated Chronicles, Kapitel 5 – Red Claw

Der Löwe und das Einhorn

„Der Löwe und das Einhorn“(S02E12; Original: „The Lion and the Unicorn“)

Story: Diane Duane, Peter Morwood, & Steve Perry | Regie: Boyd Kirkland

Yeah, eine Alfred-Folge.

Im Gegensatz zum Catwoman-Zweiteiler oben, steht hier noch in den Sternen, ob und v. a. wann eine Chronik zu Alfred kommen wird. Daher lassen wir uns hier etwas ausgedehnter auf den Butler der Herzen ein. Immerhin lernen wir in „Der Löwe und das Einhorn“ viel über den Hintergrund Alfreds und gleichzeitig ist dies schon der letzte Auftritt von Red Claw. Da können wir uns eine ETWAS umfassendere Betrachtung durchaus leisten. Also, fangen wir an.

Synopsis:

Die Episode eröffnet mit einer Szene in der Bathöhle. Und wir bekommen durch anfängliches Geplänkel einen guten Einblick in die Beziehung der drei Männer zueinander. Kurze Zeit später erhält Alfred einen Anruf aus London, durch welchen er sich veranlasst sieht, sofort in die englische Hauptstadt aufzubrechen.

Der Anrufer nennt sich selbst „Cousin Frederick“. Und wir sehen etwas, das Alfred leider vorenthalten wird: Nachdem Frederick aufgelegt hat, entpuppt sich das Telefonat als Köder für Alfred, ausgelegt von Red Claw [Dramatische Musik: Ta Ta Taaaaa].

Als Alfred aufbricht, hinterlässt er dem Dynamischen Duo nur eine kurze, mysteriöse Nachricht: „[…]. Eine persönliche Angelegenheit, die meinen Cousin betrifft, muss dringend erledigt werden“. Aber zunächst müssen wir die verwunderten Bat Boys zurücklassen, denn die Szenerie wechselt ins neblige London.

Dort wird Alfred von zwei zwielichtigen Typen empfangen (Ernie und Bert mit Namen – ernsthaft), die behaupten, Frederick habe sie geschickt. Doch der Butler durchschaut die Lüge, kämpft und entkommt den beiden Schlägern. Nun wird ihm klar, in welch misslicher Lage er sich befindet und ruft Bruce an. Dieser ist erleichtert, von Alfred zu hören, wundert sich aber über dessen Reiselust.

Bruce: „Alfred, ist alles in Ordnung? Wo sind Sie denn?“

Alfred: „Zurzeit bin ich […] in London.“

Bruce: „London in England?“

Alfred: „Es gibt nur eins, Master Bruce“

Diese Fehlinformation wird nie berichtigt. Dafür darf Bruce live mithören, wie Ernie und Bert in Alfies Zimmer eindringen, den Butler überwältigen und ihn entführen. Das ruft natürlich Batman und Robin auf den Plan. Noch vor ihrem Abflug (im Batwing), erstaunt uns Batman mit bisher unbekannten Details zu Alfred:

Batman: „Bevor er in die Staaten kam war Alfred für den britischen Geheimdienst tätig. Mehr Schreibtischtätigkeit als Außendienst aber er war dafür bekannt, diplomatisch brenzlige Situationen im Hochsicherheitsbereich zu entschärfen.“

Robin: „Und ich dachte immer, er ist ein harmloser netter Herr der das Silber putzt und mir die Brote macht.“

Batman: „[…]. Unter der biederen Erscheinung steckt ein äußerst findiger Geheimagent.“

Und schon im nächsten Atemzug klärt man uns noch über seine Beziehung zu Frederick auf.

Batman: „Er erwähnte seinen Cousin. Aber soweit ich weiß, hat er keine Verwandten mehr. Und ‚Cousin‘ nennt man auch Kollegen im Geheimdienstbereich.“ Aha!

Unterdessen wird der gefesselte Alfred in den Innenhof einer imposanten Burg befördert. Dort darf er Frederick wiedersehen und seine Entführerin kennenlernen – (naja, wir wissen es ja schon). Red Claw: „Befolgen Sie meine Anweisungen, überleben Sie den morgigen Tag vielleicht.“

Derweil ist das Dynamische Duo in London angekommen und untersucht in Zivil Alfreds Hotelzimmer. Dabei werden sie von Ernie und Bert observiert. Als die beiden offensichtlich den Befehl bekommen, sich um die Amerikaner „zu kümmern“, folgen sie diesen in eine dunkle Gasse. Dort werden sie allerdings schon von den kostümierten Batman und Robin erwartet und erhalten die Tracht Prügel ihres Lebens, samt aufregender Fahrt in einem der berühmten Londoner Doppeldecker. Dank einschlägiger Hinweise ist klar, wer Alfred entführen lassen hat.

In der Zwischenzeit erfahren wir, dass Red Claw auf der Suche nach Rakteneinsatzcodes ist. Erneut geht es dabei nur um Geld: „Ich fordere […] 5 Milliarden Pfund, sonst wird London von der Landkarte verschwinden.“ Alfred und Frederick besitzen jeweils eine Hälfte des Zündcodes, weshalb sich beide nun in dieser misslichen Lage befinden. Weil die Agenten ihrer Majestät nicht reden wollen, greift Red Claw zum allseits beliebten Wahrheitsserum.

Batman und Robin indes stören eine Unterredung geheimnisvoller Regierungsmitarbeiter (MI5, MI6, SIS?). Als Batman den Schlapphüten verspricht, ihnen Red Claw zu liefern, eröffnen sie ihm, dass sich ein Sicherheitsposten auf Blairquhan Castle (Schottland) seit einiger Zeit nicht gemeldet hat. Außerdem verraten sie Batman (ungefragt), dass Alfred und Frederick eben die Codes für das Projekt namens „Excalibur“ (was sonst!) besitzen. Damit stünde Red Claw eine mächtige Waffe zur Verfügung, weshalb sie unbedingt aufgehalten werden muss. Also hebt der Batwing ab, Richtung Schottland.

Dort hat Red Claw bereits den beiden Alt-Agenten das Wahrheitsserum injiziert und aktiviert im nächsten Schritt die Abschusskonsole. Das sollte für sie nicht schwer sein, denn ihr eigenes Geheimversteck in „Gefährliche Klauen“ brauchte etwas mehr Geschick und Notenkenntnis.

Frederick erliegt als erster der wahrheitsfördernden Chemikalie und plappert munter seinen Teil der Startcodes aus. Doch Alfred ist hartnäckiger. Wie angekündigt, hört Red Claw „nur Kauderwelsch“ von ihm und eine Gedichtrezitation nach Alfred Tennyson (für Briten natürlich bedeutsam, da geht es um hohe Verluste einer englischen Brigade, et cetera, et cetera).

Und während sich also Mr. Pennyworth redlich für Krone und das Vaterland bemüht, keine Geheimnisse zu offenbaren, dringen Batman und Robin (zunächst unentdeckt) in Blairquhan Castle ein. Was folgt sind einige großartige Szenen, wie sich das Dynamische Duo durch das Schloss kämpft. Batmoves at its best. Doch die noch soeben von Red Claw entdeckte Konsole meldet ihr die Eindringlinge brav per Alarm, als sie eine der Kameras passieren. Sofort ergreift die Terroristin Gegenmaßnahmen und sorgt dafür, dass die Batboys in eine Falle laufen. Die eine Tür schließt sich automatisch, die andere wird per Hand geschlossen. Doch wir haben keine Zeit uns darüber zu wundern, denn schon wird Lava oder kochendes Pech oder Öl oder etwas in der Art in den Raum gelassen. Die Brücke, auf der sich Batman und Robin befanden ist buchstäblich überflutet von der heißen Flüssigkeit. Doch die beiden haben sich cleverer Weise unter der Brücke sichern können und schalten gleich darauf ein paar übrige Handlanger aus (indem Batman sie sehr wahrscheinlich in den sicheren Tod wirft!)

Red Claw ist überzeugt, dass ihr niemand mehr in die Quere kommt und erpresst London nun per TV-Botschaft. 5 Milliarden Pfund möchte sie bis Mitternacht haben, damit sie London vor der Zerstörung per Rakete bewahrt. Das Ultimatum lautet auf eine Stunde. Und während sich Batman und Robin weiterhin zu ihr vorkämpfen, hadert die Rote Klaue mit dem brabbelnden Alfred. Doch bald geht ihr ein Licht auf. Die Worte Alfreds: „Der Löwe und das Einhorn kämpfen um die Krone“ sind nicht bloßes Kauderwelsch (oder lediglich die Wiedergabe eines bekannten britischen Kindergedichts), sondern „Der Löwe und das Einhorn“ stellen den zweiten Teil des Abschusscodes (Folgentitel untergebracht. Boom!).

Es kommt, wie es kommen muss. Die Fledermaus und der Wunderknabe stehen quasi vor Red Claws Tür. Und statt mit geballter Manpower die einzige Tür zum Kontrollraum zu bewachen, entscheidet sich Red Claw, alle bis auf eine ihrer Handlanger aus dem sichersten Raum im Schloss abzuziehen, die Tür in den Vorraum zu öffnen und frontal auf (den für sie nicht sichtbaren) Batman zuzustürmen. Clever! Ach ja, vorher stellt sie den Countdown der Rakete tatsächlich auf 60 Minuten ein. Hatte sie ja so versprochen 🙂Doch das Dynamische Duo behält die Oberhand, Red Claw zieht sich in den (beachtenswert haltbaren) Nebel zurück und Alfred rettet schließlich sogar Robin das Leben (oder die Dummheit seiner Bewacherin – je nachdem). Robin daraufhin: „Und ich dachte, sie schlagen nur Sahne“. Nett!

Doch, Red Claw taucht hinter Robin auf, schlägt ihn nieder, richtet ihre Waffe auf Alfred und verschließt den Raum. Warum sie Alfred und Frederick nicht erschießt, beantworten uns einzig und allein den Allgemeinen Trickfilmgesetze. Warum sie sie nicht bewusstlos schlägt oder warum beide plötzlich völlig frei von dem vorher so betäubenden Wahrheitsserum sind, das wird dagegen für immer offen bleiben.

Red Claw hat es nun endgültig satt und startet die Rakete nun doch vorzeitig. Dann geht alles ganz schnell. Batman dringt in den Raum ein, doch die Terroristin kann erneut fliehen. Jetzt muss der Batwing ran. Direkt, nachdem das Flugzeug landet, steigt Bats zu und verfolgt die Rakete in Windeseile. Doch er hat nicht mit Red Claw gerechnet. Diese hat sich auf dem Rücksitz versteckt(!) und verwickelt die Fledermaus in einen Sitzkampf. Dabei zieht sie ihm die Maske herunter. Ob sie Bruce Wayne erkennt, bleibt offen. Batman reicht es und per Knopfdruck befördert er seine Kontrahentin samt Notsitz aus dem Flugzeug.

Die mit einem halb geöffneten Fallschirm auf dem Wasser landende Red Claw – das ist die letzte Szene, die wir mit ihr sehen. Für immer. Ihr Schicksal – ungewiss.

Aber da ist ja noch die Rakete. Keine Angst, Batman holt sie natürlich kurz vor Einschlag ein und zerstört sie nahe dem Big Ben.

Dann folgt Happy-End-Geplänkel. Frederick versucht Alfred wieder zum Geheimdienst bzw. nach London zurückzuholen. Doch der ist zufrieden mit seiner Arbeit in Gotham und schlägt das freundliche Angebot aus. Das hat etwas Witz, weil er sein Wayne-Gehalt abfällig mit der Beamtenbesoldung vergleicht. Irgendeinen guten Grund braucht er ja. Damit endet die Folge.

Zur Episode:

„Hey, ich habe mir überlegt, wir schreiben eine James Bond Folge mit Batman und Robin. Und Alfred, der alte Engländer, ist das Bindeglied.“

„Aha. Wie soll das aussehen?“

„Na, wir brauchen irgendeinen Schurken und der entführt Alfred oder einen seiner Kumpels und deswegen müssen alle nach London.“

„Wer soll das sein? Bane?“

„Bane? Nee, der haut doch immer nur. Der hat doch nichts im Kopf! Wie wäre es mit Riddler, Joker oder Pinguin?“

„Was wollen die denn in London? Das muss was Internationaleres sein …“

„Wie wäre es mit den Al Ghuls?“

„Zu kompliziert.“ [Blättert] „Hier. Red Claw.“

„Was ist denn ein Red Claw?“

„Extra für BTAS entworfen. Bisher nur ein Auftritt.“ [Liest vor:] „Internationale Terroristin. Leitet eine ganze Terrororganisation. Und sie hat damals Gotham erpresst. Mit der Pest. Um Geld zu bekommen“ – Kohle raus oder ich setze eine Seuche frei.“

„Und warum entführt die jetzt ausgerechnet Alfred? Ich will was mit Alfred schreiben!“

„Na, der war ja mal ein Geheimagent und … ach komm, wir machen das genauso wie damals mit Red Claw. Aber statt der Pest …“

„…eine Rakete und die schießt sie ab auf Gotham.“

„London!“

„Genau und Alfred kennt die Abschuss-Codes.“

„So machen wir das. Aber das mit Alfred ist mir auch wichtig. Wir müssen das ganz klar machen für die Kinder, dass der so dumm wirkende Butler, eigentlich ein harter Hund und ein helles Köpfchen ist.“

„Aber das ist doch allen klar.“

„Nee, das sind Kinder. Die verstehen so was nicht. Da lassen wir Robin ein paar freche Zeilen sagen, so dass er sich wundert, dass Alfred mehr kann als Schnittchen vorbereiten.“

„Und Alfred kontert, aber ‘very british‘.“

„Soooo! Und dann machen wir noch ganz viele Anspielungen auf Großbritannien. Da will ich einen London Doubledecker und einen britischen Gentleman.“

„So wie … ähm … David Niven. Den kennen alle.“

„Gut. Um nochmal auf Red Claw zurückzukommen …“

„Och nö, ich hab‘ gleich Mittagspause.“

„Komm schon … Sie wird am besten auf einem Schloss stationiert sein und dort Alfred hinentführen. Das muss ganz europäisch aussehen.“

„Am besten ein schottisches Schloss. Ich schau heute Nachmittag mal bei Yahoo, welche es da gibt.“

„Ach und geben wir ihr dort doch eine Konsole aus dem kalten Krieg. Damit wird sie dann die Rakete abschießen.“

„Noch besser: sie kann damit auch Eindringlinge sehen.“

„Das wäre dumm, wenn sie damit nicht auch gleichzeitig alle Sicherheitssysteme bedient. Sie könnte zum Beispiel bestimmte Räume mit Stahltüren verschließen.“

„Gute Idee. Da sperrt sie B. und R. ein. … Und wie wäre es, wenn sie diesen Raum dann mit Lava fluten könnte? Eine tödliche Falle!“

„Aber die beiden verstecken sich unter einer Brücke und dann kommen Red Claws Leute …“

„Wie, die kommen? Die müssten doch verbrennen oder ersticken.“

„Nein, das heiße Zeug fließt schnell wieder ab. Die bekommen nicht mal warme Füße.“

„Aber heiße Köpfe … Haha“

„Hey, Red Claw soll doch ziemlich abgebrüht sein, oder?“

„Ja. Klar.“

„Lassen wir sie doch ganz bequem per Live-Schalte eine Stunde vor Mitternacht ihr Ultimatum stellen. Ganz entspannt. So, als ob Batman und Robin nicht gerade alle ihre Männer vor der Tür ausschalten würde.“

„Okay. Aber wir machen noch was mit Lokalkolorit. Wir lassen sie sagen, dass sie direkt den Trafalgar Square beschießt.“

„Cool … Warte mal, wie wird’n das geschrieben? Tra-fal-gar?“

„Ist doch egal, sieht doch keiner.“

„Und auf der Konsole, wenn sie dann die Rakete abschießt?“

„Ach, da schreiben wir einfach London. Das ist doch diese Alleskönnerkonsole aus dem kalten Krieg.“

„Stimmt.“

„Und wenn die Rakete dann abgeschossen ist, dann muss Batman mit dem Batwing hinterher.“

„Ja, aber Red Claw sitzt auf der Rückbank und kämpft mit ihm.“

„Können wir das noch dramatischer machen?“

„Naja, es sind nur noch ein paar Minuten bis zur Detonation und sie hält ihm vom Abfangen ab“

„Noch dramatischer!!!“

„Im Kampf zieht sie ihm die Maske vom Kopf!“

„Oha!“

„Hat das dann später irgendeine Konsequenz?“

„Es ist gleich Mittagspause, du erinnerst dich?!“

„Okay. Ähm. Bruce wirft sie aus dem Flugzeug, indem er eine Art Eject-Knopf drückt.“

„Hmm …“

„Und Red Claw landet im Wasser. Da müssten wir noch was schreiben, wie man sie später aus dem Wasser birgt und sie dann …“

„Hunger!!!“

„Also … ähm … schneller Abspann. Alfred und David Niven verabschieden sich. Natürlich mit britischem Humor.“

„Mahlzeit.“

Ich hoffe, man verzeiht mir diesen Ausflug in den imaginären Writers-Room zu „Der Löwe und das Einhorn„. Er enthält die Wesentlichen Kritikpunkte zur Folge (ausführen werde ich diese trotzdem gleich noch), u. a., dass der Plot auf einen Bierdeckel passt und sich frech v. a. bei sich selbst bedient wurde. Vor allem gilt dies bezüglich Red Claw. Ganze 75 Episoden ließ man uns auf einen erneuten Auftritt der osteuropäischen Schurkin warten. Wir bekommen (trotz der Schwächen) eine charmante, leichte Folge. Red Claw selbst aber gewinnt hier leider nicht an Konturen, verblasst und wird uns daher fortan weder bei BTAS, noch in irgendwelchen anderen Bat-Medien (oder sonstwo) begegnen. Obwohl … das stimmt nicht ganz. Aber dazu später mehr. Konsequenterweise wurde diese Episode als die letzte der ursprünglichen Serie ausgestrahlt, womit auch hier wieder ein schöner Rahmen gezogen wurde (wie bei Man-Bat).

Und wie schon angedeutet bietet „Der Löwe und das Einhorn“ viel Licht und Schatten. Die Episode besticht jetzt nicht durch ihre erzählerische Tiefe. Und doch gefällt sie allein schon durch die erweiterte Biografie Alfreds und die näher beleuchtete Beziehung der Batcave-Männer untereinander. Wir haben hier eine hübsche Fish out of water Story, angereichert mit üblichen (Film-)Klischees über die Briten, welche (wie die wenigen Slapstick-Elemente) meistens recht liebevoll in die Geschichte integriert sind. Die Actionanteile sind viel und umfangreich. Dadurch lernen wir aber Red Claw nicht näher kennen. Außerdem wird uns damit der angeteaste harte Alfred vorenthalten. Denn nach dem kurzen Schirmkampf zu Beginn sinkt seine Bedeutsamkeit (für die Episode) stetig gen Null. Er hat immer weniger zu sagen und Butler-Action … naja. Schön wäre es gewesen, vielleicht direkt etwas von Alfreds Vergangenheit zu sehen. Klar, offenbar war er eher im Innendienst tätig. Aber so ein paar Flashbacks, die auch seine Bedeutsamkeit innerhalb des Geheimdienstes und vielleicht auch eine Art Gefährlichkeit Alfreds vermittelt hätten, wären hier dem Storytelling zugute gekommen. Show, don’t tell!

Leider haben sich die Autoren eher darauf konzentriert, die große Differenz zwischen Alfie in Wayne Manor und Agent Pennyworth in England hervorzuheben; nicht zuletzt anhand Robins dümmlicher Kommentare. Und davon gibt es ein paar. Dick scheint bis zum Schluss kaum glauben zu können, dass Alfred mehr auf dem Kasten hat, als Wäsche zu waschen und Brote zu schmieren (ein Schicksal, dass vielen Hausfrauen vergangener Generationen sehr bekannt vorkommen dürfte). Der Beigeschmack bleibt, da Robin derartiges auch in Alfreds Abwesenheit äußert, also fernab von deren gegenseitigen Neckereien. Als Bruce Alfreds Notiz im Haus findet, antwortet Dick: „Muss ja ziemlich wichtig sein. Alfred würde keinen schmutzigen Teller hinterlassen, auch wenn ganz England im Meer versinkt.“ Und später: „Und ich dachte immer, er ist ein harmloser alter Herr, der das Silber putzt und mir die Brote macht.“ Das kann man schon als Entwertung begreifen, v. a. vor dem Hintergrund der eigentlichen Rolle, die Alfred im Batman-Mythos spielt. Sicherlich wird er auch schon Robin nach dessen nächtlichen Einsätzen ernsthaft verarztet haben. Etwas schade ist es auch deshalb, da wir in der Eingangsszene einen kurzen intimen Einblick in das alltägliche Miteinander der drei Männer bekommen. Naja, wenigstens Batman berichtigt später Robins Vorurteile. Er verkauft ihm und uns Alfred als einstmals knallharten Typen; als einen britischen Agenten, der „einiges gewöhnt war zu seiner Zeit“. Und immerhin wird Alfred diesem Ruf im Verlauf der Folge auch mehr oder weniger gerecht.

Neben dem näheren Blick auf unseren Butler der Herzen, hat diese Episode natürlich auch noch mehr zu bieten: Schön animierte Szenen, spannende Kämpfe und riesige Logiklöcher. Allein der direkte Kontakt Batmans mit dem britischen Geheimdienst ist hanebüchen.  Noch vor dessen Auftauchen, schlussfolgern die Geheimdienstler, dass etwas aufBlairquhan Castle nicht mit rechten Dingen zugeht und dass dies sehr wahrscheinlich etwas mit Fredericks Verschwinden zu tun hat. Batman liefert dann zwar noch die Information, dass auch Alfred und Red Claw involviert sind, aber die bereitwillige Übergabe der Mission an den kostümierten Amerikaner wirkt doch etwas befremdlich. Sie wissen, dass eine internationale Terroristin in Britannien operiert (und später ganz offen London bedroht); sie wissen, wo diese sich befindet und auch warum. Und trotzdem sehen wir nie Regierungstruppen oder weitere Agenten beim Schloss. Es gibt keinerlei Abwehrmaßnahmen gegen die Raketen. Allein Batman rettet London vor der Auslöschung. Das ist ein ziemlich träger Haufen, da beim SIS (oder wie auch immer). Wenn das alles bis zum Regierungschef vordringt, darf wohl die ganze Führungsetage ihren Hut nehmen. Abgesehen davon, dass die Fledermaus hier im Auftrag Ihrer Majestät handeln darf, wird auch großzügig über weitere Rechtsbrüche hinweggesehen.  Das dynamische Duo spaziert so mir nichts, dir nichts in hochgesicherte Regierungsgebäude hinein, verletzt mehrfach den internationalen Luftraum (mit einem Kleinstflugzeug, dass offenbar ohne Zwischenbetankung von der Ostküste bis nach London fliegen kann) und schießt direkt über London auf eine Rakete samt (möglicherweise nuklearem) Sprengkopf. Die Konsequenzen für beide sind … nicht existent. Da hätten sich die Autoren durchaus ein wenig anstrengen dürfen.

Wirklich großartig sind dagegen die Sequenzen, in denen sich Batman und Robin durchs Schloss nach oben kämpfen. Da schießt mir sofort die Mario Bros.-Nostalgie durch die Adern. Außerdem mag ich diesen „Kampf“-Stil von Batman. Das Agieren aus den Schatten heraus, dann aber kräftig und schnell. Großartig. Da kommt richtiges Batman-Feeling auf. Und Robin ist hierbei eine wunderbare Ergänzung. Man muss sich vorstellen, welches Vertrauen man in die Fähigkeiten und die Disziplin seines Partners haben muss, damit man selbst ausreichend fokussiert bleibt. Wirklich schön. Eine etwaige filmische Umsetzung derartiger Szenen würde sich ja frühestens im anstehenden „Birds of Prey“ anbieten. Mal sehen, ob das bis nach Hollywood dringt 😉

Übrigens gibt es Blairquhan Castle wirklich. Doch handelt es sich hierbei nicht um ein imposantes Schloss, sondern vielmehr um ein hübsches Herrenhaus mit mehreren Gästezimmern, dass vor allem für Hochzeiten und runde Geburtstage genutzt wird.

Und wo wir gerade bei den Exkursen sind: Löwe und Einhorn sind die Wappentieren des United Kingdom, wobei der Löwe für England und das Einhorn für Schottland steht. Popkulturell wird diese Symbolik bis heute häufig aufgegriffen, u. a. sehr populär von Lewis Carroll in Alice hinter den Spiegeln. Oft wird auch ein Kinderreim bemüht, jener, dessen erste Zeilen Alfred in unserer Folge hier ebenfalls rezitiert: „The lion and the unicorn were fighting for the crown. The lion beat the unicorn, all around the town.“

All diese Dinge sorgen tatsächlich für einen gewissen Charme der Episode. Der Zuschauer wird schon zu Beginn in der Bathöhle darauf vorbereitet, dass es nicht allzu ernst zugehen wird. Und doch übertreiben sie es manchmal mit der Leichtigkeit. Das führt dann wieder zu Logiklöchern oder zu charakteruntypischem Verhalten. Als besonders abstrus erscheint da die Lavafalle im Schloss.

Batman und Robin können sich gerade noch so retten. Ein Großteil des Raumes wird geflutet von heißem Öl oder etwas Ähnlichem. Erstaunlicherweise können buchstäblich eine Sekunde danach zwei der Goons von Red Claw den Raum betreten. Die Brücke ist völlig unbeeinträchtigt und trocken und von der vorher heiß dampfenden Flüssigkeit ist nichts mehr übrig. Weg. Abgeperlt. Doch als die beiden Schurken die Brücke betreten, sieht man eindeutig, dass von unten noch flirrender Dampf aufsteigt und man hört unheilvolles Tropfen, Brodeln und Zischen. Natürlich haben Batman und Robin überlebt. Doch Bats reicht es diesmal nicht, die beiden einfach nur mit den Köpfen aneinanderzuschlagen und sie so auszuschalten. Sondern er wirft sie danach über die Brücke nach unten in den (wie zuvor gesehen) sehr tiefen Abgrund. Dort ist ja aber immer noch die zischende und dampfende Teflon-Lava. Ich sehe keine Möglichkeit, wie die beiden das überlebt haben sollten (da es zudem hörbar platscht, als sie den noch unter der Brücke hängenden Robin passiert haben). Das heißt, wir bewegen uns hier nah am Batman-tötet-nicht-Dilemma. Obwohl es diesmal überhaupt keinen Grund dafür gegeben hätte, wirklich derartig grobe Gewalt anzuwenden. Immerhin müssen wir davon ausgehen, dass diese Männer gerade zu Tode schmelzen. Gequälte Schreie bleiben dem Zuschauer aber erspart.

Während da nun unnötig Gewalt eingesetzt wird, fehlt sie an anderer Stelle und sorgt (aus erzählerischen Gründen) dafür, dass einige Figuren plötzlich dümmer agieren müssen, als zuvor. Okay, okay, ich weiß. Wir sollten nicht vergessen, dass es sich hier um einen Trickfilm handelt. Aber: etwas nachvollziehbar dürfen die Charaktere sich durchaus verhalten. Es gibt zu dem Raum mit Red Claw, Alfred, Frederick und den Goons nur einen einzigen Zugang, durch den Batman aus dem Vorraum zu ihnen gelangen kann. Warum stellen sich die Red Claws Leute nicht mit einer Waffe vor die Tür, warten bis das Dynamische Duo hereinkommt und schießen alles was sie bei sich haben auf diese beiden Störenfriede? Nein, Red Claw wird ungeduldig und geht aus dem Raum – hinein in das völlig unübersichtliche Nebelgetümmel im Vorraum. Als Robin schließlich zur letzten Tür hereinkommt, bedeutet ihm die Handlangerin Red Claws, die Hände oben zu lassen. Und dann legt sie in einer Seelenruhe die MP vors Gesicht, als würde sie versuchen ein Ziel auf 500 Meter zu treffen. Warum schießt sie nicht auf ihn? Warum sind eigentlich noch Alfred und Frederick am Leben? Red Claw hat doch ihre Codes. Welche Kalküle oder humanistischen Anwandlungen halten sie denn zurück? Das sind Terroristen, die sind bereit eine ganze Stadt auszulöschen.

Batman darf Leute in einen wahrscheinlich tödlichen Abgrund werfen, aber die Bösen müssen sich an die Spielregeln halten, oder was?

Als Batman dann der Rakete hinterherjagt, taucht ja von hinten Red Claw auf, greift ihm ins Steuer und versucht ihm auch die Maske vom Gesicht zu ziehen. Wie zum Henker ist sie denn in den Batwing gelangt? Wir haben keine einzige Szene, die darauf hindeutet, wie sie überhaupt in die Nähe des Fluggeräts kommen konnte. Kaum landet der Batwing, stößt Batman die Tür auf, um Platz zu nehmen. Red Claw hat sich also sehr beeilen müssen. Und sie hätte sich das ja alles sparen können, indem sie eben vorher Batman einfach erschossen hätte. Oder auch Alfred. Oder Frederick. Oder Robin. Nein, sie wartet bis zum letzten Augenblick (ebenso mit dem Raketenabschuss), versteckt sich dann im Batwing, um Bats mit hohem Risiko für sich selbst von der Rettung Londons abzuhalten. Das hätte sie auch ihr eigenes Leben kosten können (oder hat es vielleicht sogar). Bei Terroristen geht man davon aus, dass ihnen ihr eigenes Leben tatsächlich weniger wert ist als „die Sache“. Hier allerdings ging es ja wieder mal nur um die Erlangung von Geld. Warum versucht Red Claw dort ihr Leben auf so waghalsige Art und Weise zu riskieren, anstatt zu fliehen? Das ist wirklich schwer nachzuvollziehen.

Und Batman hat dafür ja nun alle Skrupel verloren und befördert Red Claw in den stürmischen Ozean. Dass er das auch tut, um sich selbst zu schützen, ist einleuchtend, ok. Ob er sie aber je herausfischt und wie versprochen der britischen Regierung übergibt, bleibt für den Zuschauer offen. Ist ja auch nicht wichtig. Nachdem er zwei ihrer Leute hat verbrennen lassen, kann er auch Red Claw ertrinken/erfrieren lassen. Da wir sie ja auch in späteren Folgen, Comics oder ähnlichem auch nie wieder sehen, müssen wir wohl davon ausgehen, dass sie tot ist; dass Batman sie möglicherweise hat sterben lassen.

Darüber lässt einen die Episode aber nicht lange nachdenken. Vielmehr schmunzelt man am Ende der Folge über Alfreds Anspielung und kann dann beruhigt ins Bett gehen.

Wie gesagt, trotz der unübersehbaren Logiklöcher und der himmelschreienden Story- und Charakterentwicklung hat diese Folge trotzdem großen Spaß gemacht. Dem kann ich mich nicht erwehren. Man darf sie halt nicht zu ernst nehmen. Also eine Art Marvel-Film im DCAU 😉

Zur Figur:

Leider lernen wir wenig bis gar nichts Neues über Red Claw. Sie fungiert hier als austauschbare Gegner-Statistin. Wie beschrieben hat sie offenbar nichts hinzugelernt, scheint sogar etwas dümmer geworden zu sein. Schade ist, dass sie scheinbar nichts Anderes kann, als Geld mit der Bedrohung ganzer Städte zu erpressen. Selbstverständlich macht sie das gefährlich. Aber man leitet uns nie zu dem Punkt, an dem erklärt wird, was sie mit dem ganzen Geld machen will. Kann man bei „Gefährliche Klauen“ noch beide Augen zudrücken, ob der undurchsichtigen Motive der Schurkin, so sollte es zum Ende der BTAS doch möglich sein, eine weiterentwickelte Gegnerin zu treffen. Das ist aber nicht der Fall, was u. a. an der schon besprochenen Leichtigkeit der (Spaß-)Episode liegt. Daher: Nichts Neues.

Naja, bis auf eine Sache vielleicht. Ganz offensichtlich war Red Claw über die letzten Jahre auch viel in Kontakt mit angelsächsischen Muttersprachlern (vielleicht in Blackgate). Ihr Akzent kommt – sowohl im Original, als auch in der Synchro – weitaus sanfter und unaufdringlicher durch, als zuletzt in „Gefährliche Klauen“. Gerade im Deutschen wurde da zur Entspannung des Zuschauerohrs fast das ganze Fake-Russisch aus der Stimme genommen. Gottseidank.

Schön übrigens, dass ihre Handlanger einen ähnlichen Look haben wie in „Gefährliche Klauen“. Sie sehen allesamt noch so aus wie sich der Amerikaner halt europäische Saboteure des frühen 20. Jahrhunderts vorstellt. Ich glaube sogar, man kann den ein oder anderen Goon aus den beiden Auftaktepisoden identifizieren. Diesmal sind außerdem noch Frauen hinzugekommen, die Red Claw genauso ungefragt folgen, wie bereits alle Männer zuvor. Es wäre sehr schön gewesen, irgendwann einmal zu erfahren, warum sich diese Frauen und Männer fast bedingungslos der Terroristin unterordnen. Aber das wird nie geschehen.

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