Batman: The Animated Chronicles, Kapitel 4 – Splicer, Monster, Schöpfer und Geschöpfe

Wolfsmond

„Wolfsmond“ (S01E43; Original: „Moon of the Wolf“)
Story: Len Wein | Regie: Dick Sebast

Wie gewohnt ein paar kurze Vorbemerkungen. Der Hauptakteur (neben Batman und Dr. Milo) ist ein gewisser Anthony Romulus. Mir ist sowohl seine gewaltige Monobraue aufgefallen, als auch der Umstand, dass der Werwolf-Charakter den Namen des von einer Wölfin gesäugten (mythischen) Gründungsvaters Roms trägt. Auf beides werde ich nicht nochmal eingehen. Was allerdings erwähnenswert ist: für das Ansehen dieser Episode sollte ein gewisses Grundvermögen an Humor vorhanden sein. Sonst lieber: Finger weg!

Synopsis:

Der Zoowächter John Hamner geht mit seinem Hund spazieren, als ihn plötzlich eine Wolfskreatur attackiert. Batman rettet Hamner erst vor dem unheimlichen Wesen und dann vorm Ertrinken. Der Werwolf verschwindet aber.

Als nächstes spricht Batman mit Commissioner Gordon über den Vorfall. Er beschreibt den Angreifer als einen „Kerl in einer Wolfmaske“. Alles, was Gordon im Rechner dazu findet, ist der Diebstahl zweier Alaskawölfe („Alaskan Timberwolves“) aus dem Gothamer Zoo. Bats erinnert sich daran, dass der gerettete Hamner für den Zoo arbeitet und bemerkt zufällig, dass er echtes Fell auf seinen Handschuhen hat. Langsam kommen ihm Zweifel, ob der Wolfsmensch tatsächlich nur eine Maske trug.

Auf der Baustelle des „Gotham Colisseum“ bricht derweil der Werwolf in die Hütte des Bauunternehmers ein (Cameo-Alarm).

Dort wartet (völlig unbeeindruckt) der gute Dr. Milo auf ihn. Er weiß genau, dass die Zeit der Verwandlung für den Man-Wolf vorüber ist. Und tatsächlich nimmt dieser nach und nach wieder seine menschliche Gestalt an. Milo versichert dem Mann hinter dem Wolf, dass all das nun vorbei sei, da er ja Hamner erledigt habe.

Doch der Andere berichtet von seinem Misserfolg:
„Batman ist dazwischen gekommen“
Milo: „Der schon wieder. Gegen den muss offensichtlich etwas unternommen werden.“

Wir hören als nächstes in einer Radiosendung, dass Anthony Romulus, der ehemalige Olympiasieger („Autumn Games“) und Top-Athlet, seine geplante Wohltätigkeitsspende verdoppelt, wenn Batman bei ihm zu Hause erscheint, um den Scheck persönlich in Empfang zu nehmen. Schnell wird klar, dass Romulus der Wolfsmensch von letzter Nacht ist. Und zufällig(?!) trainiert er mit Bruce Wayne und einer weiteren Bekannten im Fitnessstudio. Letztere fragt Anthony nach seinem Interesse an Batman. Tony antwortet, er sei gespannt „Gothams zweitbesten Sportler“ zu treffen.

Nach einem kurzen Geplänkel mit Alfred in der Bathöhle, fährt der Mitternachtsdetektiv zu Romulus‘ Haus. Dieser bietet ihm an, sich zu setzen und etwas zu trinken. Batman lehnt ab und will „gleich zur Sache kommen“. Doch irgendetwas stimmt nicht. Romulus hat schon heimlich die Fenster verriegelt und Batman stellt erschrocken fest, dass Gas in den Raum strömt. Bats greift noch nach seiner Atemmaske, doch es ist zu spät. Die Fledermaus sinkt ohnmächtig zu Boden. Unmittelbar darauf kommt Milo zur Tür herein. Er plant, Batman auf der Baustelle anzuketten und ihn vom Werwolf töten zu lassen: „Er soll das Ende kommen sehen.“

Auf der Baustelle angekommen, gibt es eine Diskussion zwischen den beiden zwielichtigen Männern, ob Batman wirklich sterben soll. Milo erinnert Anthony daran, dass er der Einzige ist, der seinen Zustand heilen kann.

Rückblende: Tony will Olympiasieger werden und findet schließlich in Dr. Milo einen möglichen Helfer. Milo bietet ihm eine Mixtur aus nicht nachweisbaren Steroiden (dank Alaskawolföstrogenen) an. Trotz Milos Warnung, dass die Formel noch experimentell sei, reißt ihm Romulus das Reagenzglas aus der Hand und trinkt das Serum.

Das Gesicht Milos in diesem Moment lässt darauf schließen, dass er damit sehr zufrieden zu sein scheint. Dank des Serums gewinnt der Athlet an Kraft und Ausdauer und gelangt von nun an zu Ruhm und Erfolg.

Später weigert sich Tony aber, die Gewinne mit Milo zu teilen. Doch bald darauf muss er erkennen, dass ihn die Mixtur mit „Lykanthropie“ infiziert hatte, ganz so wie Milo es geplant hatte. Als ihn Anthony um ein Heilmittel bittet, überzeugt ihn dieser davon, eine weiteres Mittel zu sich zu nehmen, welches ihn aber in einen vollständigen Werwolf verwandelt. Milo zwingt Tony dazu, seinen Anweisungen zu folgen, wenn er jemals das echte Heilmittel haben will.

Und damit zurück in die Gegenwart in der Milo ihm immer noch das Gegenmittel verweigert.

Harvey Bullock verhört inzwischen Hamner (indem er ihn hart gegen die Gitterstäbe der verbliebenen Alaskawölfe drückt) und findet heraus, dass dieser dafür bezahlt wurde, die anderen beiden Wölfe freigelassen zu haben. Seine Auftraggeber kennt er aber nicht. Daraufhin nimmt Bullock Hamner fest.

Währenddessen eskaliert der Streit in der Bauhütte. Romulus verwandelt sich in den Werwolf und greift Milo an. Im Kampf lässt Milo das (mal grüne, dann mal rote) Gegenmittel(?) aus Angst fallen. Der Werwolf schlägt Milo bewusstlos. Indes kann Batman sich befreien und verwickelt den Wolfmenschen in einen Kampf. Ein vorübergehendes Pärchen bemerkt die Auseinandersetzung und holt die Polizei dazu. Hoch oben auf einem Kran besiegt Batman aber den Man-Wolf allein, woraufhin dieser (von einem Blitz getroffen) in den Fluss fällt. Dann ist er verschwunden und Milo wird ins Haftkrankenhaus überstellt.

Anthony Romulus bleibt verschwunden und um seine Gläubiger zu befriedigen, wird seine Villa verkauft. Einer der Interessenten fragt die Maklerin, was aus dem bekannten Athleten wurde.

Daraufhin die Verkäuferin: „Nein, das weiß keiner so genau. Merkwürdig nicht?!“
Interessent: „Tja, ein Mann der praktisch alles hat und dann gibt er es auf?“

Ein lahmer Schlussdialog für eine lahme Folge.

Ach ja, die letzte Szene: Vor der Silhouette des Mondes sieht man einen Wolf heulen.

Zur Episode:

Diese Folge ist wieder von geringerer Qualität. Die Zeichnungen sind unsauber (wenn auch nicht ganz so schlimm wie bei „Ein teuflischer Plan“), die Kolorierung ist eine Katastrophe und die Schnitte innerhalb der Szenen sind ungewohnt hastig. Das ist alles vielleicht kein Wunder, da auch hier noch die oben schon angezählten AKOM Studios verantwortlich waren. Auch die Synchronisation ist nicht immer auf den Punkt, sowohl im Deutschen als auch im Original. Teilweise bewegen sich die Münder der Figuren, wenn nicht gesprochen wird oder andersherum. Aufgrund der Tierlastigkeit in dieser Episode kommt für mich persönlich noch störend hinzu, dass die Crew für die Soundeffekte ganz erbärmliche Knurrgeräusche einfügt, hier eben v. a. für Hunde, Wölfe und Werwölfe. Ich kann aus dem Stand 5 Leute nennen, die ein wütendes Hundeknurren besser imitieren können, als diese merkwürdige Gekrächze. Der Konroy hätte das bestimmt auch noch übernommen, wenn sie ihn gefragt hätten ? Was auch unglaublich nervt ist der bei den Actionszenen übermäßige Einsatz einer (ziemlich dominanten) E-Gitarre. Abgesehen davon, dass es sowieso schwer fällt, die hier gezeigten Kampfszenen rundherum ernst zu nehmen, so kommt die E-Gitarre noch als weiterer Störfaktor hinzu. Während das bei der späteren Batman Beyond Serie meiner Meinung nach die meiste Zeit recht passend ist, wirkt hier die Abweichung vom meist orchestralen Klang irgendwie schräg.

Der Kampf zu Beginn ist besonders schrecklich anzusehen. Es kommt keine Spannung auf, sondern alles wirkt nur ungeheuer behäbig und gleichzeitig äußerst albern. In Slapstickmanier kämpft der Werwolf erst mit dem Hund und jagt dann dem Zoowärter hinterher.

Apropos … Mr. John Hamner weist eine verblüffende Ähnlichkeit zum Wächter des Gotham Zoo aus „Tiger, Tiger“ auf, oder?! Nachtigall …

Bei „Wolfsmond“ gibt es leider auch inhaltlich viel zu kritisieren. Buchstäblich eine Folge zuvor hat ein größenwahnsinniger Wissenschaftler Selina Kyle in eine echte Catwoman verwandelt. Dabei traf Batman auch auf einen Cat-Man und einen Ape-Man. Er hatte zudem mehrere Auseinandersetzungen mit einem Wesen namens Man-Bat. Aber all das hatte unser größter Detektiv aller Zeiten offenbar nicht auf der Rechnung, als er hier das erste Mal mit dem Werwolf kämpft. Immerhin hält er ihn lange Zeit für einen Typen mit einer Wolfsmaske, was tatsächlich ziemlich lächerlich ist, wenn man sich den kompletten Werwolf ansieht. In einer Scooby-Doo-Folge hätte ich das akzeptieren können. Hier eher weniger.

Batman verhält sich auch ansonsten recht dämlich. Die Wolfshaare, welche er später analysiert, findet er mehr zufällig. Die Falle in Romulus‘ Haus ruft schon direkt aus dem Radio heraus: „Hallo, ich bin eine Falle!“ und Batman tappt völlig unvorbereitet(!) hinein. Dass er noch kurz zuvor mit Anthony trainiert, lässt Bruce/Batman noch dümmer aussehen. Als er die Wolfshaare in der Bathöhle analysiert, fällt ihm mehr zufällig ein, dass er ja „heute Abend noch etwas anderes vor“ hat und fährt unvermittelt los. Batman hat also nicht nur seinen detektivischen Scharfsinn (oder eine Art Überlebensinstinkt) verloren, sondern er besitzt plötzlich überhaupt keine Menschenkenntnis mehr. Das wäre aber auch hinderlich für den Fortgang der Geschichte. Immerhin soll er doch von Milo und Romulus gefangen werden.

Und kann mir mal bitte jemand 2 Sachen erklären:

  1. Warum ist Bruce Wayne der Einzige im gesamten Fitnessstudio, der einen Pullover trägt?
  2. Wo bekomme ich dieses Gas aus Romulus‘ Haus, das nur kostümierte Vigilanten ausschaltet, während ich nebenbei noch locker atmen, laufen und sprechen (!) kann.

Das größte Drama an der ganzen Geschichte: Der Autor heißt Len Wein. Vielleicht klingelt ja was bei dem Namen. Len Wein war ein (leider im letzten Jahr verstorbener) ausgezeichneter Comicautor, dessen (Mit)Schöpfungen einigen wenigen Supernerds sicher etwas sagen. Denn dazu gehören Figuren wie: Preston Payne (Clayface III), Amadeus Arkham, Nightcrawler, Storm, Colossus, Amanda Waller, Lucius Fox, Swamp Thing und ein wilder kleiner Kanadier, namens Wolverine. Weiß nicht, ob euch die Namen etwas sagen …

Len Wein ist also ein Schwergewicht in unserer Nerdwelt und hat an unzähligen Comic- und Trickfilmserien gearbeitet. Eine Geschichte davon soll uns besonders interessieren: Batman #255: „Moon of the Wolf“ (1974). Ja, eine Geschichte im Batman-Universum, in der ein gewisser Athlet namens Athony Lupus (!) aufgrund einer Erkrankung Hilfe sucht und einen Prof. Milo findet. Dieser hilft ihm allerdings nicht, sondern narrt ihn mit einem Serum, welches Lupus schlussendlich in einen Werwolf verwandelt. Das Antidot wird ihm von Milo nur unter der Voraussetzung versprochen, dass Lupus Batman tötet. Der Rest der Geschichte ist sehr ähnlich zu der vorliegenden Folge. Witzigerweise funktioniert die Comicstory (in ihrem Zeitrahmen) erstaunlich gut und da ist wahrscheinlich das Problem. Wein hätte nicht seine eigene Story in eine 90er Jahre Trickfilmepisode transferieren dürfen. Das hat einfach nicht funktioniert. Schade.

Er hat es nicht nur geschafft, Batmans Intellekt gefährlich weit unter 100 zu drehen, sondern er lässt ihn auch sonst wenig wie Batman agieren. Wir erleben den Dunklen Ritter in „Wolfsmond“ recht locker, regelrecht flapsig. Er scherzt im Kampf, gibt dem Wolf verschiedene Namen, im Deutschen oft „Pelztier“ oder „der Zottelige“. Beim Kampf auf der Baustelle schlägt er den Werwolf mit einer kräftigen Holzlatte nieder.

Batman: „Tu mir einen Gefallen und bleib liegen.“ Der Werwolf wehrt sich. Batman schaut auf seinen zerbrochenen Knüppel: „Dann anscheinend nicht.“ usw.

Vielleicht nicht ganz verwunderlich, wenn man weiß, dass Len Wein in dieser Zeit auch Episoden für die 90er Spider-Man-Trickserie schrieb… aber für Batman ist das schon irgendwie out of character. Davon geht aber die Welt nicht unter. Da gibt es ganz andere Aufreger in der Geschichte.

Die ganze Sache mit der Sportler-Werwolf-Verwandlung zum Beispiel. Das ist quasi der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte und dabei so hanebüchen, dass ich auch das übliche „naja, wir schauen ja eine Serie mit einem Mann im Fledermauskostüm“-Argument nicht gelten lassen will. Dabei haben wir auf diesen Seiten schon einiges akzeptiert (geht mal ein paar Absätze zurück).

Ein unerprobtes Steroid, gemixt mit Timberwolfextrakt, um die Nachweisbarkeit unmöglich zu machen? Gekauft! Die Mixtur führt schließlich zur Verwandlung in einen Werwolf – naja, ok. Das (zuvor unerprobte) Serum ist so konzipiert, dass die Verwandlung nur bei Vollmond ausgelöst wird – Bitte, was?! Die Heilung kann nur dann erfolgen, wenn alle Zwischenstadien abgeschlossen sind und die Verwandlung vollständig vollzogen ist – Nein! No f******* way!

Das verwirrt nicht nur den jungen Zuschauerverstand (die nehmen das einfach als gegeben hin), sondern es widerspricht auch jeglicher herkömmlicher Behandlungsweise. Selbst der Homöopath wartet doch nicht bis zum Endstadium der Krankheit, sondern fängt bei den ersten Symptomen an, seine Fläschchen zu schütteln. Es gibt bestimmt seltene Krankheiten oder Befall von irgendwas, wo es notwendig sein wird auf einen bestimmten Symptomausbruch zu warten. Aber die hier genannte Lykanthropie ist eine für die Folge erfundene Krankheit, überhaupt erst hervorgerufen durch das Mittel von Dr. Milo. Wenn das meine Story, meine Krankheit, meine Mittel und Gegenmittel sind, dann halte ich doch die Dinge einfach. Nein, hier wird ein unnötig komplexer Überbau geschaffen, der dann bei näherer Betrachtung auch nur aus heißer Luft besteht. Gerettet wird das Ganze nur durch einen Umstand, nämlich, dass offen gelassen wird, ob nun der Zuschauer oder Anthony Romulus für dumm verkauft wird. Am Ende können die Autoren immer darauf abstellen, dass Medizin natürlich so nicht funktioniert, aber der klischeehaft dumme Sportler weiß das eben nicht.

Übrigens, den Begriff „Lykanthropie“ gab es natürlich schon und er beschreibt meistens (wer hätte es gedacht) die Verwandlung eines Menschen in einen Werwolf. Für tatsächliche derartige Verwandlungen gibt es bisher keine fundierten Nachweise. Menschen, die trotzdem daran (und an Hexen, Vampire und derlei Gestalten) glauben, nennt man Lykanthrope.
Lykanthropie wird auch ein äußerst seltenes Phänomen aus dem Bereich der psychiatrischen, genauer, der wahnhaften Störungen, genannt. Hierbei glauben die Betroffenen, sie würden sich ein Tier verwandeln.

Innerhalb der somatischen Erkrankungen wird das Symptom übermäßiger bzw. ungewöhnlicher Behaarung (betrifft Menge, Dichte, Körperstellen etc.) als „Hypertrichose“ bezeichnet und ist am ehesten mit einem lykanthropischen Erscheinungsbild vergleichbar. Der Wikipedia-Artikel hierzu ist kurz und informativ.

Gut, zurück zur Story und ihren Logiklöchern. Es gibt ja noch so viel Schönes mehr. Anthony reißt Milo die Steroide aus der Hand und trinkt das Reagenzglas leer. Augenblicklich fühlt er sich gestärkt und voll von wilder Kraft. Na, wenn da nicht alle Allarmglocken zum Placebo-Effekt läuten. Und weil das ja so gut funktioniert, kommen die beiden Gauner nicht auf die Idee, es mal mit Injektionen zu versuchen, sondern es bleibt bei der oralen Einnahme – jedes Mal aus dem Reagenzglas; u. a. gefertigt in einem Labor, welches sich in einer 4-Wand-Holzhütte auf einem öffentlichen Baugelände befindet. Klar. … Obwohl … Wenn wir davon ausgehen, dass „Ein teuflischer Plan“ auch in dieser Parallelweltepisode stattgefunden hat, kann man argumentieren, dass Milo zwischen der Ersteinnahme des Serums (in einem echten Labor) und dem Jetzt aus dieser Folge im Gefängnis war. Deshalb hat er kein normales Labor mehr. Also, wir können uns den Plot quasi selbst schönreden.

Noch was? Auf jeden Fall: Die Zeitdimension in diesem Stück ist völlig unklar. Die Timberwölfe wurden erst vor kurzem entwendet. Die erste Steroidgabe an Tony muss aber einige Zeit vor „vor kurzem“ liegen. Dazwischen war Olympia. Anthony bekam Geld, Ruhm und Frauen. Er schloss Werbeverträge, drehte entsprechende Spots usw. Schlussendlich kam noch die volle Werwolfverwandlung hinzu. Wie hat Milo das vorher gemacht? Woher hatte er die Wolfsöstrogene? Warum soll Hamner erst jetzt beseitigt werden? Erklärungsversuch: Erst jetzt ist Not am Mann, weil ein Werwolf durch die Nachbarschaft streunt. Deswegen muss der Zeuge auch erst jetzt sterben. Und irgendwie hatte Milo die Hormone vorher woanders her. Oder so. Es ist schon ziemlich bedenklich, wenn der Zuschauer derartige Löcher alleine stopfen soll.

Gut fand ich aber tatsächlich zwei Dinge: Den Jack Bauer Moment von Bullock, als er Hamner gegen die Gitterstäbe drückt (auch die Idee, Hamner als Zeugen loswerden zu wollen, ist ok). Nicht, weil ich das begrüße, sondern weil es gut zum BTAS-Bullock passt. Leider hat diese Szene keinerlei Relevanz für die Handlung. Wir erfahren etwas Background, nämlich, warum Milo Wolfsöstrogene zur Verfügung hat – keine weiteren Ermittlungserfolge, kein schlaues GCPD, keine Pointe.

Damit ist und bleibt der Held des Tages: Ein Gothamer Durchschnittsbürger, der sieht, dass Batman von einem Werwolf angegriffen wird und sofort die Polizei verständigt (die natürlich zu keinem Zeitpunkt irgendeine Hilfe ist). Der war also nicht nur wach, sondern auch schlauer als alle Haupt- und Nebencharaktere zusammen. Wenigstens einer, der mitdenkt.

Mir ist klar, dass man die Episode auch anders sehen kann. „Wolfsmond“ hat durchaus (Trash)potential. Wen die E-Gitarre oder Logiklöcher nicht stören, wer schon immer mal Batman gegen Wolfman sehen wollte oder wer die Einhegung derart klassischer Horrorstoffe in den Batmanmythos mag, der wird dieser Folge wahrscheinlich doch das ein oder andere abgewinnen können. Wenn dem so ist – nichts für ungut. Fühlt euch dennoch frei, mir eure ggf. gänzlich anders lautende Meinung ungeschönt in die Kommentarspalte zu schleudern ?

Zu den Figuren:

Die Selbstüberschätzung des Dr. Milo

Ähnlich wie Batman, ist auch Achilles Milo seit seiner letzten (offenbar sehr kurzen) Inhaftierung um 5 – 10 IQ-Punkte gesunken. Aus irgendeinem Grund glaubt er, den Werwolf kontrollieren zu können. Als er zum Ende von dem Untier angegriffen wird, ist er völlig überrascht. Dabei gibt es während der gesamten Episode keinen Anhalt dafür, dass Milo über die Erpressung hinaus irgendwie Macht über seine Schöpfung hat. Er kann lediglich Romulus nach seiner Pfeife tanzen lassen, aber je ausgewachsener, je wilder der Werwolf wird, desto unberechenbarer wird das Tier. Und Milo fällt nichts Schlaueres ein, als Romulus, kurz vor Verwandlung in den Werwolf, zu verspotten und ihm zu erklären, dass er ihm das Gegenmittel vorerst nicht geben will. Somit schaltet Milo praktisch die letzte Vernunftsinstanz im Inneren des Man-Wolf aus. Hier verliert auch die Story einen potenziellen Höhepunkt. Man kann die Auflehnung des Tieres gegen seinen Meister so feinfühlig und gleichzeitig dramatisch inszenieren, wie in „Tiger, Tiger“ oder eben wie hier.

In seinem übersteigerten Selbstbild gefangen, besteht für Milo keine Sekunde ein Zweifel daran, dass sein Plan aufgeht, er Batman töten wird und aus der Sache mit Romulus heil herauskommen kann. Jenes „Genie“ also, das einen Top-Athleten dazu manipuliert hat, sich von ihm abhängig zu machen und sich so seit Monaten oder Jahren(?) einen willfährigen Diener an seiner Seite geschaffen hat, hat keinen Plan B oder eine Exitstrategie. Das kann entweder nur Dummheit oder Selbstüberschätzung sein. Oder eine Mischung aus beidem. Denn so richtig blöd scheint er nicht zu sein. Am Ende sagt er zum Commissioner: „Hören Sie mein Lieber, ich bin unschuldig. Man wird mir auch nichts nachweisen können.“

Gordon ist sich da nicht so sicher. Aber durchdenken wir die Sache mal. Milo hat stets nur mit Wolfsöstrogenen experimentiert, er hat nie offiziell Steroide hergestellt. Und verkauft hat er auch keine. Er hat Tony kein einziges Mal das Serum verabreicht (das war der immer selbst) und das Geld hat er bis zum heutigen Tage nicht bekommen. Der Diebstahl der Wölfe wird nur schwer zu ihm zurückzuverfolgen sein; Hamner sagte aus, dass er seinen Auftraggeber nicht kenne. Für alle Zerstörung und den Mordversuch an Hamner kann ein mittelguter Anwalt ausschließlich Romulus beschuldigen. Und der bleibt günstiger Weise vorerst verschwunden. Milo war zwar an der Körperverletzung und Entführung von Batman beteiligt, aber den wird keine Vorladung als Zeuge erreichen und selbst hier könnte man hauptsächlich Romulus belasten. Man könnte Milo lediglich aufgrund der Nutzung der Bauhütte wegen Landfriedensbruch oder Einbruch belangen, aber da bleibt die Frage, ob das überhaupt für eine Haft reichen würde.

Also steckt schon eine gewisse Cleverness in dem fiesen Wissenschaftler. Leider verlässt sie ihn ab und zu auf so wundersame Weise, wie oben ausgeführt.

Ansonsten präsentiert man uns Milo noch unsympathischer als zuvor. Er scheint es zu lieben, andere zu manipulieren und leiden zu sehen. Er scheint keinerlei Empathie oder gar Mitleid für andere zu empfinden. Wie schon in „Ein teuflischer Plan“ folgt Milo beharrlich seinen eigenen Zielen und geht dabei buchstäblich über Leichen.

Ich will meine Mittelchen austesten? Ok, her mit streunenden Tieren oder einem Promi, egal.

Ich muss mich lästiger Zeugen entledigen? Fein, ich rücke ihnen mit einem Werwolf auf die Pelle oder ich erledige das gleich selbst.
Batman funkt mir wieder dazwischen? Boom, er wird sterben!

Mehr muss man kaum wissen, um Dr. Achilles Milo als Person vollständig zu erfassen.

Dann begeht Milo natürlich den Fehler eines jeden schlecht geschriebenen Bösewichts und tötet Batman nicht an Ort und Stelle, wenn er doch nun schon bewusstlos vor ihm liegt. Demaskierung spielt natürlich auch keinerlei Rolle. Warum auch?! Es macht doch viel mehr Spaß, Batman seinen Utility-Belt abzunehmen, ihn unbemerkt aus dem Haus eines Promis in eine Auto zu verfrachten, Bats zu einer baufälligen Hütte auf einer öffentlichen Baustelle zu karren, ihn dann draußen anzuketten, ihm seinen Gürtel wieder anzulegen(!), um ihn dann genüsslich vom Werwolf zerfleischen zu lassen; welcher (ja aus Gründen) Milo überhaupt nicht gehorcht. Sinn macht dieses Verhalten vor allem dann nicht, wenn man berücksichtigt, was Milo zum gerade betäubten Batman in Tonys Haus sagt: „Tut mir leid Batman, aber Sie hätten lieber den vergifteten Drink nehmen sollen.“ Der zwielichtige Biologe hatte also vor, den dunklen Ritter direkt zu töten. Weil das nicht funktioniert, entschließt er sich eben zu dem vielfach komplizierteren Plan. Wie man es dreht und wendet, man findet wenig Sinn in derartigen Handlungen Aber Glück für den Dr. – es gibt mindestens einen in der Geschichte, der offenbar weitaus dümmer ist, als er selbst:

Die Dummheit des Anthony Romulus

Was nachvollziehbar ist, ist Anthonys Motivation, sich mit Milo abzugeben sowie sein ihm geltender Gehorsam (mehr oder weniger). Alles, was Romulus will, ist die Werwolfsache umzukehren und er scheint bereit, alles dafür zu tun. Anthony Romulus ist ein Spitzensportler in mehreren olympischen Disziplinen. Aufgeben oder Scheitern sind keine Option für ihn. Dass er sich also bezgl. der Zielerreichung verrennt, kann man ihm wohlwollend als Charakterzug und nicht als bloße Dummheit auslegen.

Doch es gibt Einiges, was den Zuschauer an Romulus Verstand zweifeln lässt. Von vorn: Anthony sucht also nach jemandem, der ihm nicht nachweisbare Steroide zusammenbraut. Nehmen wir mal im Sinne der Geschichte hin, das sei ein übliches Anliegen. Trotzdem kann man davon ausgehen, dass er sich hierfür in mindestens halbkriminellen Gefilden bewegen muss. Nach einiger Suche findet er also jemanden, der aber – oh Wunder – für diese Leistung bezahlt werden möchte. Der überhebliche und selbstverliebte Athlet ist allerdings keine Sekunde gewillt, einen Cent dafür zu zahlen.

Was ist das denn für eine Attitüde? Vor allem bei der Beschaffung illegaler Substanzen. „Hallo, sind Sie die Mafia? Ok, ich hätte gern, dass ihr meinen Nachbarn umlegt? Wie? Gefallen? Bezahlung? Wisst ihr, wen ihr vor euch habt? Ach komm, ich mach’s selbst.“ Sorry, das ist ganz großer Bulls***.

Aber gut, nehmen wir einfach an, dass auch Romulus starke Größenideen entwickelt hat und ein derartiges Verhalten für ihn selbstverständlich ist. Dann haben wir aber einen überehrgeizigen Sportler, der ganz besonders auf sich, seinen Körper und sein Vorankommen achtet und dann dem nächstbesten Biologen ein Reagenzglas mit irgendeiner Flüssigkeit aus der Hand reißt und in sich hineinschüttet. Klar! Daraufhin hat er (glücklicherweise) Erfolg. Aber er verweigert weiterhin die Beteiligung Milos an seinen Gewinnen. Und als die ganze Sache nach hinten losgeht, sucht er sich keine Unterstützung, Polizei, Vertraute oder andere Kriminelle, sondern er lässt sich von dem Wissenschaftler erpressen und glaubt dem Betrüger jede weitere Behauptung und trinkt fleißig alles, was der ihm vorsetzt. Er verschwendet keinen Gedanken daran, dass einmal Gift dabei sein könnte, obwohl der Doktor schon Batman ein tödliches Getränk anbieten ließ.

Also auch Romulus verzichtet völlig auf einen Alternativplan, bis Milo ihm schließlich eröffnet, dass es natürlich keine Heilung für ihn gibt. Gut, nennen wir Anthony nicht dumm, sondern … ungünstig fokussiert. Immerhin verhält er sich ebenfalls recht gradlinig und emotionslos, als er die Fledermaus in eine Falle lockt. Schön, bringe ich halt Batman um. Wat mut, dat mut. Die Bewerbung für den Sympathiebambi braucht er also nicht abschicken.

Ein Blick noch auf den Werwolf selbst. In seiner Gestalt ist er den hier abgebildeten Alaskawölfen (eigentlich Timberwölfe) ähnlich. Das macht ja auch Sinn. Er ist kein völlig wildes Tier, aber bei weitem auch nicht so bewusst handelnd, wie z. B. Tygrus. Der Vergleich zu Man-Bat bietet sich da eher an. Also eine Wolfskreatur, die Zugang zu einigen Motiven und Plänen seiner menschlichen Seite hat und diese auch ausführen kann. Sprache oder komplexe Überlegungen scheinen nicht möglich. Vielmehr scheint es so, als würde auch hier die innere tierische Seite langsam die Oberhand gewinnen. Innerhalb dieser schlichten Geschichte wird das allerdings bei weitem nicht so differenziert ausgestaltet, wie z. B. bei „Auf mächtigen Schwingen“. Da gibt es lieber einen E-Gitarren-Kampf oder einen überflüssigen Polizei-Subplot mehr.

Am Ende wird Anthony (in Werwolfgestalt) praktisch gegrillt und ertrinkt ganz offensichtlich. Aber, der heulende Wolf zum Schluss deutet in eine andere Richtung und ja, wir werden ihn noch einmal wiedersehen.

Der einzige heute hier vorgestellte Charakter, dem wir nicht mehr begegnen ist Achilles Milo. Doch im Diniverse taucht er nochmal auf und das kann nicht unerwähnt bleiben. Dies betrifft eine „Liga der Gerechten“-Episode namens „Der Tag des Jüngsten Gerichts“ (JL Unlimited, S02E03; Original „The Doomsday Sanction“), welche wir hier nicht ausführlich besprechen. Nur so viel:

Dr. Achilles Milo treffen wir eines Tages bei Project Cadmus unter der Leitung von Amanda Waller wieder.

Diese hatte ihn dort zum Chef einer Splicing-Abteilung gemacht und ihm zusätzlich Kirk Langstroms Notizen zur Verfügung gestellt.

Doch Milo kann nach viel Zeit keinerlei Erfolg vorweisen, weshalb Waller, Emile Hamilton und Hugo Strange entscheiden, sein Projekt zu schließen und ihn zu degradieren. Seinem Rachedurst folgend stiehlt sich Milo heimlich zu dem bei Cadmus gefangenen Doomsday und bietet ihm einen Deal an. Er erklärt Doomsday, dass seine Existenz eine Lüge sei und sein Hass auf Superman nur antrainiert. Schuld seien Waller, Hamilton und Strange; die drei hätten ihn gequält und seien maßgeblich für seine Lage verantwortlich. Milo verspricht, Doomsday freizulassen, wenn er sich um diese drei kümmern würde. Doomsday stimmt zu… und tötet Milo sofort nach seiner Befreiung. Damit endet Dr. Achilles Milos unrühmliche Geschichte.

Alle anderen Figuren von heute verabschieden wir mit einem Knall:

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