Batman: The Animated Chronicles, Kapitel 2 – Bane

Abschluss und Fazit

Und damit war es das mit der Analyse zu Bane im Batman TAS-Universum. Ihr seht, es gibt eklatante Unterschiede in der Behandlung dieser Figur im Vergleich zum zuvor hier vorgestellten Mr. Freeze. Während Freeze nahezu bei jedem Auftritt auch Dreh- und Angelpunkt der gesamten Geschichte war, so dient Bane oft (nur) als bedrohlicher Abschluss bzw. angeheuerter Prügelknabe für Batman.

Wie schon erwähnt geraten die Vorstellung und Behandlung des Charakters Bane für meinen Geschmack etwas zu kurz. Fairerweise muss man aber berücksichtigen, dass die Essenz der Figur (mit dem Anspruch Batman zu brechen und über Gotham zu herrschen) durchaus wiedergegeben wird. Vielmehr noch – sie wird in Ansätzen gar kulturell erweitert. Im TAS-Original wird Bane (zumindest anfangs) mit deutlich südamerikanischem Akzent gesprochen. Maske und verwendete Kampfstile sind stark am Lucha Libre orientiert. Gerade der alte Zeichen- und Figurenstil schafft es meiner Meinung nach, einen bedrohlichen Charakter aufzubauen, welcher sowohl in Wort als auch in Tat vermittelt, dass er bereit ist, (Batman) zu töten. Dennoch wirkt all das manchmal recht erzwungen bzw. in der Darstellung ziemlich flach.

Im Gegensatz zu Mr. Freeze, den die TAS-Produzenten von 0 auf 100 gebracht haben, ausgestattet mit einem umfassenden Background, mit Gefühl, Persönlichkeit und Bedrohlichkeit, wurde einer der ehemals gefährlichsten Gegner Batmans hier heruntergebrochen zu einem immer mal wieder abrufbaren Schläger, bei dem man eben ein paar Tricks aus dem Hut zaubern muss, um ihn zur Strecke zu bringen. Mehr aber auch nicht.

Die Knightfallsaga gehört meiner Meinung nach in ein ähnlich kompromissloses Animated-Gewand wie Millers Dark Knight Returns (neben noch so einigen Storyline-Perlen). Man kann nicht im Samstag-Morgen-Programm Killer Croc die Arme oder Batman das Rückgrat brechen. Das geht nicht. Bane hätte man aber doch – per Doppelfolge zum Beispiel – angemessen einführen können. Als einen Gegner, welcher Batman zermürbt, der dem Dynamischen Duo immer zwei Schritte voraus ist, Schach mit ihnen spielt und durchaus gewinnen darf. Den eindeutigen Ausgang der Origin-Episode hätte es dann auch nicht gebraucht.

Aber so wollten es die Macher nicht. Also beschäftigen wir uns mit dem Charakter, wie er hier vor uns liegt. Und leider bleibt da nicht viel mehr, als ein Typ, der immer wieder behauptet, Batman zerbrechen zu wollen. Im Hinblick auf seine Motivation kommt man zwangsläufig ins Spekulieren. Nur vereinzelt wird angedeutet, dass Batman DIE Herausforderung für Bane darstellt. Bemerkenswerterweise ist Bane der einzige Charakter, der es schafft, in jeder Serie(ninkarnation), in jewweils nur einer Episode aufzutauchen: Batman-TAS, The New Batman Adventures, Superman-TAS, Rätsel um Batwoman, Batman Beyond. Zu mehr hat’s dann eben nicht gereicht ? Ab der Neuausrichtung wirkt der Charakter auch zunehmend inkonsistent und die Bezüge zu seiner einzigen eigenen Episode „Kampf der Giganten“ gehen verloren bzw. werden ignoriert. Die ersten zwei hier beschriebenen Bane-Geschichten habe ich beide als zu kurz und zu forciert bewertet. Dennoch gewinnt man den Eindruck, über Bane haben sich die Autoren damals schon Gedanken gemacht. Das überhebliche, siegessichere Auftreten, sein Bemühen um Augenhöhe mit seinen Kontrahenten und nicht zuletzt der respektvolle Umgang mit seinen Gegnern (Bane ehrt Robins Kampfgeschick; später verwehrt er die Demaskierung des Boy Wonder; die Weigerung aus dem Hinterhalt zuzuschlagen; die „Darbietung“ Thornes als gerechte „Beute“ an Batman etc.) – all das versüßt ihm ja erst den Sieg (wenn er denn einträte), weil dieser ehrenhaft errungen würde. Ab TNBA lässt man Bane zu einem rüpelhaften Söldner ohne derartigen Kodex verkommen. Er handelt nach dem Motto: „Bane Zerstören“. Sorry, das gehört zu einem anderen Verlag.

Dass ich Banes neuen Sado-Maso-Look nicht verstehe, habe ich auch schon angemerkt. Das ist aber auszuhalten. Die Verwaschung der Figur hinsichtlich ihrer Motive und Handlungen hingegen stößt mir doch etwas bitter auf. Klar kann man den „neuen“ Bane so perfekt nach eigenem Gutdünken als gefährliche Nebenfigur einsetzen wann und wo man will, aber genau das nimmt Bane meiner Meinung nach den Geschmack einer wahrhaften Bedrohung. Die Sidestorys aus den Gotham Adventures tun leider auch nichts dazu, um den Charakter zu festigen oder tiefer zu gestalten. Allein sein Ende in Batman Beyond finde ich – im Hinblick auf den jahrelangen Venomabusus – angemessen und der Figur entsprechend. Auch, wenn Bane für einen weiteren Storypitch wieder mal nur fragmentarisch benutzt wird.

Zusammengenommen kann es auch einfach sein, dass mein Blick auf den TAS-Bane einem zu starken Denkfehler unterliegt. Denn wie schon oben angerissen: Vielleicht gibt es an Bane auch nicht viel zu würdigen. Vielleicht kann man Batman nur einmal brechen und dann ist die Luft raus; dann hat die eigens nur zu diesem Ziel geschaffene Figur Bane ihren Zweck erfüllt. In diesem Fall natürlich, hätten Timm, Dini & Co. das Meiste aus dem Charakter herausgeholt, was er anzubieten hatte. Einem Charakter ständig dabei zuzusehen, wie er auf die gleiche Weise immer und immer wieder scheitert, ermüdet irgendwann auch das größte Fanherz.

Ganz möchte ich mich aber nicht der Resignation hingeben. In den Comics der späten 90er schwang sich Bane abermals auf zu einem Batmangegner auf Augenhöhe. Das sah auch R’as Al Ghul so, welcher ihn dort ebenfalls als würdigen Nachfolger ansah (bis dahin zog dieser lediglich den Mitternachtsdetektiv in Betracht). Und mittlerweile hatte Bane – dank Tom King – auch einen (eingangs unerwähnten) furiosen Einstand in den Rebirth-Comics („I am Bane“), als brutales Ebenbild von Batman, geformt aus der gleichen Tragödie.

Mir ist klar, dass es einfacher ist, einem blassen, nahezu unbeschriebenen Mr. Freeze zu immerwährender Größe zu verhelfen, als einem schon markanten Bane, der das scheinbar Unmögliche schon unter Beweis gestellt hatte: Die Bezwingung Batmans. Wie beschrieben fand Paul Dini – nach eigener Aussage – wenig Zugang zum Charakter und arbeitete ihn als das ein, als was er ihn verstand – als „Heavy Hitter“. Dinis spätere Bane-Bearbeitung innerhalb der Arkham-Spiele gibt Hinweis darauf, dass er über die Zeit auch wenig Neues, Verabeitungswürdiges an der Figur zu finden schien.

Ich persönlich kann aber meinen Frieden damit machen, denn ich werde den TAS-Bane immer mit einer der grandiosesten Folgen der ganzen Serie verbinden, „Over the edge“. Dort bekommt er sogar eine noch größere Rolle, als jene, die ihm auch einst von seinen Schöpfern (Chuck Dixon/Graham Nolan) zugedacht worden war: Als der Einzige, der Batman schlussendlich besiegt und tötet.

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