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Batman: The Animated Chronicles, Kapitel 3 – Man-Bat

Abschluss und Fazit

(naja, nicht ganz 🙂):

Mit Man-Bat ist es so eine Sache. Oberflächlich betrachtet, fällt es zunächst schwer, Zugang zu der Figur zu finden. Zwar ist eine überlebensgroße Fledermaus nicht unbedingt schlecht aufgehoben in Batmans Welt, aber die Storys wirken zum Teil entweder recht flach oder ziemlich abgehoben. Außerdem ist Kirk Langstrom nicht gerade ein Sympath; ebenso verhält es sich mit den um ihn herum agierenden Personen. Lediglich Francine kann man mögen, aber insgesamt bleibt auch sie eher blass.

Auf den zweiten Blick aber offenbaren die Produzenten nicht nur ihre Vorliebe für einen kunterbunten Bestienzoo, sondern die animierte Man-Bat-Historie bedient allerlei klassische Motive und das über eine einfache Frankenstein-Reminiszenz hinaus. Unter anderem werden thematisiert: die Bekämpfung von Krankheiten; die Verbesserung des Menschen und seines Genoms, die (ethischen) Grenzen und Möglichkeiten wissenschaftlicher Forschung sowie die Überschreitung jener Grenzen, eine notwendige Anpassung der Menschheit im Hinblick auf wohl bald gefährlichere Umweltbedingungen (zur Erinnerung: die Serie ist ein viertel Jahrhundert alt); der Übermensch; die Funktion von Lügen (in den ersten Geschichten kocht jeder sein eigenes Süppchen, sei es nun aus Motiven des Selbst- oder Fremdschutzes – erinnert etwas an die ersten „Arrow“-Staffeln); die ständige Konfrontation mit den Konsequenzen der eigenen Taten und die Unfähigkeit, die gerufenen Geister wieder einfangen zu können.

Was als Selbstversuch begann, setzte sich (in Kombination mit anderer Forschung) für den Verursacher kaum kontrollierbar fort und führte in der Zukunft schließlich zu einer zunächst massentauglich anwendbaren Technologie. So ist das mit Forschung. Wenn sie funktioniert, wird sie angewendet, weiterentwickelt und für alles eingesetzt, was dem Menschen so einfällt. Gut und Böse sind dabei keine gültigen Kategorien. Auch der ursprüngliche Zweck kann dabei völlig verloren gehen; hier ist es die Schaffung eines widerstandsfähigeren Menschen zur Verhinderung einer antizipierten humanitären Katastrophe, was schließlich aber „nur“ zur individuellen Verbesserung und für eher unlautere Zwecke genutzt und schließlich deshalb auch verboten wird.

Die eigentliche Figur, Man-Bat, erleben wir zunächst mit stark reduzierter Intelligenz, aber immensen körperlichen Kräften, Ausdauer und Flugfähigkeit und einer vagen Ahnung, dass er sich aus Kirk Langstrom heraus entwickelt hat. Zudem scheint der zurückverwandelte Kirk später konkrete Erinnerungen an die Verwandlung zu haben und auch schwammige Fetzen aus den Man-Bat Phasen zu erinnern. Erstaunlicherweise ist Man-Bat – vor dem Hintergrund seiner eher tierischen Natur – ziemlich spezifisch und erfolgreich beim Diebstahl der Chemikalien.

Über Langstroms persönlichen Hintergrund erfahren wir zu Beginn leider sehr wenig. Vor allem präsentiert man uns die Dres. March und Langstrom als die typischen Wissenschaftler aus dem Elfenbeinturm. Zwei Biologen (oder mit Dorian auch drei) mit Größenideen, die auf Konsequenzen für einzelne Menschen pfeifen. Das große Ganze, die (vermeintliche) Errettung der Menschheit, ist wichtig und Kollateralschäden gehören nun mal dazu. Sie allein wissen, was richtig ist für die Welt. Gesetze und Ethik stellen für sie keine legitimen Grenzen dar und sind auch nicht der Erwähnung wert.

Später wird uns eben offenbart, dass Langstrom Man-Bat ist und dass jener Kreatur-Teil in ihm nun alles daran setzt, vollständig die Kontrolle zu übernehmen und Kirk schließlich zu ersetzen. Das ist recht erstaunlich, bedenkt man, dass Man-Bat anfangs als ansonsten weniger intelligentes Wesen dargestellt wird. Aus Kirks Versuchen ist also eine Wesenheit hervorgegangen, die nach einer Art innerer Programmierung handelt und die eigene Vervollkommnung anstrebt, indem sie nach und nach die Langstrom-Persona löscht.

Interessanterweise kann man hier Parallelen zu Batman ziehen. Abseits von der bekannten Ist-Bruce-Wayne-die-eigentliche-Maske-Diskussion, erkennen wir oft auch in Batman eine dunkle, wilde Seite, die auszubrechen droht. Diesen Kampf kann man über die gesamte Comic-Historie, in den Filmen und auch innerhalb der Animated Serie nachvollziehen. Diese – also für Batman sowieso relevante – Jekyll und Hyde-Problematik wird sozusagen mit Man-Bat auf die Spitze getrieben. Sowohl Bruce als auch Kirk sind beide der Überzeugung, dass das Überschreiten gesetzlicher als auch moralischer Grenzen notwendig ist, um eine bessere Welt zu schaffen. Beide kommen zu dem Schluss, dass eine Art Befreiung ihres persönlichen wilden (und vor der Außenwelt versteckten) Inneren Teil der Lösung ist.

Doch im Gegensatz zu Batman gelingt es Kirk nicht mehr, seiner Bestie Herr zu werden, er verliert die Kontrolle. Und das wiederum hat nicht nur einen Effekt auf ihn selbst (man denke auch an seine Albträume), sondern sein ganzes Umfeld wird in Mitleidenschaft gezogen. Nahe Beziehungen werden gestört und Man-Bat zieht Nachahmer und Verbrecher an (na, erinnert uns das nicht an einen bestimmten Mitternachtsdetektiv?!). Dr. March kann in „Terror am Himmel“ sein Lebenswerk vernichten. Das ist zwar für ihn eine Tragödie, doch ist dadurch noch ein emotionaler Abschluss möglich. Kirk hingegen hat schon zu oft von der verbotenen Frucht genascht und ist nun dazu verdammt, mit den Auswirkungen weiterzuleben.

In den weiteren Geschichten kann er dadurch wiederum sympathischer dargestellt werden; als ein Biologe, der unter den Folgen seiner Forschung und seines Substanzmissbrauchs leidet, als ein liebender Ehemann, welcher um seine Beziehung kämpft und schließlich in (der anachronistischen Story) Windows to the Soulals eine wirkliche Mischung aus dem Mensch und der Kreatur, welche als eigenständiges Lebewesen bestehen bleiben will, sich aber dennoch um das Wohlergehen Francines sorgt.

Man kann diese Darstellung natürlich auch von einem anderen Blickwinkel aus betrachten: Dr. Kirk Langstrom, ein etwas unterkühlter Wissenschaftler, der sein Leben der Forschung für die Menschheit und seiner Frau gewidmet hat. Francine und Kirks liebevolle Hingabe zu ihr werden wiederholt thematisiert. Doch sehen sie sich immer wieder macht- und geldhungrigen Kontrahenten gegenüber, die ihre Forschung stehlen, zweckentfremden und missbrauchen, um niederen Motiven zu folgen. Dadurch geraten die Langstroms immer wieder in Lebensgefahr, werden selbst delinquent und treffen schlussendlich auf Batman. Wen das an eine andere Figur im DCAU erinnert, der hebe die Hand. *hust* Victor Fries *hust*. Ihr könnt sie jetzt wieder runternehmen.

Alles in allem lehrt uns die stets wiederkehrende Verknüpfung der Fledermauskreatur mit Kirk, dass jede unserer Taten Konsequenzen hat, mit welchen wir unter Umständen ein ganzes Leben lang konfrontiert werden.

Zum Schluss möchte ich noch mein Versprechen vom Beginn einlösen. Ausnahmsweise stelle ich noch eine Episode ganz ans Ende; einfach, weil es dramaturgisch besser passt.

Normalerweise klammern wir in dieser Chronik die Justice League Serie aus (Fass ohne Boden und so), doch es gibt diese eine, immens bedeutsame Folge namens

„Epilog“
(Justice League Unlimited, S02E13; Original „Epilogue“).

Diese Episode bildet nicht nur den inoffiziellen Abschluss der animierten Batman Beyond Saga, sondern schließt den Serienkosmos gleich auf mehreren Ebenen ab (dennoch erschien danach noch eine weiter Staffel der JLU-Serie). „Epilogue“ werden wir innerhalb der Chroniken nochmals besprechen (müssen!!!), aber hier soll es lediglich um den Schluss der Folge gehen.

Denn so endet es … Wir sehen Terry als Batman …. und wie er den Flug von Man-Bat aus der Auftaktfolge von ’92 quasi rückwärts (also aus der Stadt hinaus) absolviert, für uns erneut sichtbar durch Batmans Silhouette, abgebildet auf den (nunmehr futuristischen) Häuserwänden der Gothamer Skyline.

Schließlich steigt die Fledermaus nach oben in den Himmel, durchbricht die Wolkendecke und fliegt knapp an einem Flugtaxi(!) des GCPD vorbei. Einer der Polizisten wendet sich an seinen Nachbarn und sagt (im Original wieder mit Kevin Conroys Stimme!):

„Hast du das grade gesehen?“

Chapeau, schöner hätten sie Batman Animated kaum einrahmen können.

3 Kommentare

  1. Avatar Mr.Bowser sagt:

    Oh-mein-Gott! Die Folge Epilog gehört ja wirklich zu meinen Lieblingsfolgen. Aber meint ihr, ich hätte in all den Jahren die Verbindung zur ersten TAS-Folge hergestellt? Wie genial! Das Alpha und das Omega – Anfang und Ende. Applaus!

  2. Avatar Alex H sagt:

    Bitte diese Folgenberichte weiterhin fortführen Marian!

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