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Batman: The Animated Chronicles, Kapitel 3 – Man-Bat

Anfang

Und so beginnt es … Die erste produzierte Folge der Animated Series führt noch vor dem Dunklen Ritter selbst die andere Fledermaus, Man-Bat, ein. Daher tauchen wir ohne weitere Umschweife in die erste Folge Batman: TAS (ever) ein:

Auf mächtigen Schwingen
(S01E01; Original: „On Leather Wings„)

Am bewölkten Himmel über Gotham folgen wir einem Polizeizeppelin. Wir sehen 2 Polizisten vor dem Radar des Fluggeräts.

„Hast du das gesehen?“

„Was?“

„Da war ’ne Anzeige. Ist mir eben über den Schirm gegeistert.“

„Ich sehe nichts.“

„Ich spinn‘ doch nicht. Was es auch ist, es muss direkt unter uns sein.

[Plötzlich, ein Schatten …]

„Da ist es.“

„Da ist was?“

„Es sah aus wie … Fledermausflügel.“

„Fledermausflügel? OK, wir steigen sicherheitshalber über die Wolkendecke.“

Und während die ahnungslosen Gesetzeshüter immer noch über gesehen oder nicht gesehen diskutieren, dürfen wir, begleitet von elfmanesken Melodien, dem Fledermausschatten an Gothams Skyline folgen.

Bevor wir weiter in die Geschichte an sich eintauchen, nochmal ein kurzer Hinweis: Dies ist tatsächlich die erste Folge der Batman-Trickfilme und legte damit den Grundstein für den gesamten Animated-Kosmos (auch Dini-Verse genannt), von Batman über Superman bis schließlich JL Unlimited, mit seinen vielen Ablegern in Trickfilmen, Serien oder Comics.

Diese allererste Sequenz (mit dem von Kevin Conroy gesprochenen Polizisten – „Hast du das gesehen?“) ist in den USA sogar in die popkulturelle Historie eingegangen und wird uns auch ganz am Ende noch einmal beschäftigen.

Für alle jenseits des Tellerrands sei daher auch erwähnt, dass diese Szene z. B. innerhalb der Serie „Supernatural“ zitiert wird. Die Folge 12 der Staffel 6 mit den Winchester-Brüdern, „Wie man einen Drachen tötet“, beginnt mit einem Pärchen in einem Privatflugzeug. In der stürmischen Nacht nimmt die Frau draußen ebenfalls einen Schatten wahr, welcher stark an eine Fledermaus erinnert (was nicht der Fall ist) und fragt ihren Mann, ob er das gesehen habe. Um die Reminiszenz rund zu machen, findet Batman später noch Erwähnung in der gleichen Folge.

Übrigens wurde in den Staaten kurz vor Beginn der Animated Series noch ein schneller Wechsel der Episodenreihenfolge vorgenommen, so dass dort „On Leather Wings“ erst als zweite Folge ausgestrahlt wurde. Aufgrund des Erfolgs von ‚Batman Returns‘ entschied sich Fox, zunächst den ersten Teil von „The Cat and the Claw“ („Gefährliche Klauen“) zu veröffentlichen und dann erst mit Man-Bat fortzufahren. Aber das nur am Rande.

Zurück zur Handlung:

Phoenix Pharmaceuticals (eine Tochter der Wayne Enterprises) ist das Ziel des geheimnisvollen Schattens. Nachdem das Fledermauswesen (welches der Zuschauer bisher noch nicht direkt gesehen hat) einen dortigen Wachmann aus dem Fenster geschmissen und Chemikalien entwendet hat, erfahren wir am nächsten Tag aus der Zeitung:

„Gothamer Polizei erklärt Batman den Krieg. Nachtwächter von Riesenfledermaus verletzt.“

Detective Harvey Bullock hat hierzu ein unautorisiertes Interview gegeben und muss sich nun vor Bürgermeister Hill, Commissioner Gordon und Generalstaatsanwalt Harvey Dent verantworten. Bullock geht dennoch einen Schritt weiter und fordert eine Spezialeinheit zur Ergreifung Batmans. Jim Gordon ist der Einzige, der etwas dagegen hat und Bullock bekommt seine Sondereingreiftruppe, mit Absegnung durch die Staatsanwaltschaft.

Und dann haben wir sie: Die erste Szene Batmans – Zeitung lesend in der Bathöhle. Batman scheint recht unbeeindruckt von den Vorstößen der Polizei und recherchiert selbst, wie er seinen „Doppelgänger“ aufspüren kann. Daraufhin sehen wir eine zum Batman-Theme inszenierte (lange) Fahrt des Batmobils von Wayne Manor bis nach Gotham City.

Mittels seiner Gadgets und seinem detektivischem Können, verschafft sich Batman Zugang zum Tatort der letzten Nacht und kann ein Tonband und seltsame Haarproben sicherstellen. Dem (teils recht nach Slapstick anmutenden) Bullock-SEK entkommt er dabei ohne größere Anstrengung.

Um die Haarproben angemessen analysieren zu können, greift der Dunkle Ritter auf sein Alter Ego Bruce Wayne zurück. Dieser wendet sich an den Gothamer Zoo (dem er zuvor wohl schon so Einiges gespendet hat) und dort an den von Fledermäusen geradezu besessenen Dr. March. Im Verlauf lernt er außerdem dessen Tochter und Schwiegersohn, Francine und Kirk Langstrom kennen. Den drei Wissenschaftlern überlässt Bruce schließlich sowohl die Haare als auch ein Band mit den aufgenommenen Fledermausgeräusche.

Bald darauf meldet sich Dr. March und bestätigt, dass es sich eindeutig um „Mausohrfledermäuse“ handle und sich Bruce Wayne keine Sorgen machen brauche. Batman ist der Schwindel aber sofort klar und lässt sich dies nochmal von seinem mächtigen(!) Batcomputer bestätigen. Dr. March lügt! Nur warum?

Die Antwort erhalten wir gleich darauf in den Labors des Gothamer Zoos. Batman taucht auf und stellt Dr. Kirk Langstrom zur Rede. Dieser erklärt im Selbstgespräch, dass er süchtig nach einer Substanz sei, welche sein Schwiegervater entwickelt und er verbessert habe. Das Serum diene dazu, eine neue Spezies zu kreieren, eine Mischung aus Fledermaus und Mensch. March ist der Überzeugung, dass die Menschheit „die nächste evolutionäre Katastrophe“ nicht überstehen würde – im Gegensatz zu unseren geliebten Fledertieren.

Schließlich war es Langstrom, der sich das abhängig machende Präparat einflößte, um selbst zu dieser neuen Art zu werden. Doch die neue Kreatur in ihm habe die Kontrolle übernommen und sorge nun (dank der gestohlenen Chemikalien) dafür, dass sie sukzessive die ursprüngliche Persönlichkeit des Doktors ersetzt. Und kaum hat Langstrom diese merkwürdige Geschichte zum Besten gegeben, bricht sich das fremde Wesen Bahn und Batman wird Zeuge der Verwandlung des Doktors in eine furchtbare fledermausartige Kreatur: Man-Bat.

Dieser verwickelt den Dunklen Ritter umgehend in einen Kampf. Für Batman sieht es nicht gut aus, doch er wird gerettet durch die hinzueilende Francine Langstrom. Diese scheint zum ersten Mal ihren transformierten Mann zu Gesicht zu bekommen. Ganz offensichtlich beschämt, tritt Man-Bat daraufhin die Flucht an. Dank seiner Grapling Gun kann sich Batman an das Geschöpf dranhängen und wird von ihm durch Gothams Nachthimmel gezogen.

Dort treffen wir übrigens wieder auf die beiden Polizisten vom Anfang. Das Radar piept.

„Ich empfange da etwas merkwürdiges.“

„Oahr, nicht schon wieder!“

„Im Ernst, es ist direkt unter uns.“

Der vorbeifliegende Man-Bat und der gegen die Scheibe knallende Batman bestätigen endlich die Meldungen des Polizisten Nr. 1 😃

Unter enormem Kraftaufwand und dank Schwindelfreiheit, gelingt es Batman, das Ungeheuer zur Strecke zu bringen. In der Bathöhle schließlich, kann er die Verwandlung umkehren und Kirk wieder zum Menschen machen. Dafür hat er eigens ein wirksames Gegenmittel entwickelt.

Batman: „Die Substanz ist nicht mehr in seinem Kreislauf. Es ist vorbei. Für’s Erste“

Und das gilt auch für diese erste Episode.

„Auf mächtigen Schwingen“ bietet eigentlich einen sehr guten Einstieg in eine „neue“, düstere Batman(trick)serie. Wenn man die zu schnell vorangetriebene Story und die wenigen Slapstickelemente außen vorlässt, hat man eine Episode, welche sich fast ausschließlich mit Fledermäusen, deren Mythologie und (angeblicher) Natur befasst. All das geschieht leider etwas oberflächlich, teils unlogisch und wissenschaftlich sicherlich kaum haltbar (die gemeine Kakerlake wird in Katastrophenszenarien wohl der Fledermaus um Einiges überlegen sein). Aber für den Anfang ist das alles schon ganz okay. Sehr schön auch die Einführung der Stadtoberen und Gesetzeshüter Gothams – Jim Gordon, Harvey Bullock, Harvey Dent und Bürgermeister Hill. Agieren sie in dieser Episode noch mehr als Statisten, so werden sie ab sofort  immer öfter zu sehen sein und zu einem wichtigen Teil des TAS-Mythos werden.

Ich habe diese Folge seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Nicht nur die Qualität, sondern auch die Inhalte haben mich daran erinnert, wie alt die Serie tatsächlich ist. Ein Batman, der vor riesigen Computerbildschirmen in der Bathöhle sitzt, Zeitung liest, mit Kabeltelefonen telefoniert usw. Es wäre schön, mal wieder eine ähnlich gut erzählte Batman-Serie mit einem modernen Batman zu sehen, der auf Informationssuche durch sein Handy scrollt, eine eigene, hilfreiche Bat-Siri entworfen hat oder auf Flachbildschirmen, Tablets o. ä. die Instagramstorys der frisch entflohenen Harley Quinn verfolgt usw. … Aber ich schweife ab.

Was wir in „Auf mächtigen Schwingen“ über Kirk Langstrom, dessen Umfeld und das Man-Bat-Wesen erfahren, ist vordergründig nicht besonders viel. Schauen wir etwas tiefer, lernen wir aber: Es gibt da diese Biologen mit Größenfantasien im Gothamer Zoo. Sie sind der Überzeugung, sie allein könnten die Menschheit adäquat auf die nächste Apokalypse vorbereiten. Mögliche negative Konsequenzen werden entweder ignoriert bzw. wissend in Kauf genommen; der menschliche Fortschritt ist ein höheres Ziel und für dessen Erreichung sind nun mal Opfer möglich, manchmal auch nötig. Dr. Langstrom ist sogar dermaßen überzeugt von der Sache, dass er zum (in der Literatur sehr beliebten) Selbstversuch greift.

Daraufhin verwandelt er sich in Man-Bat, die menschliche Fledermaus. Dafür, dass uns dieses Wesen zwar als dem Menschen physisch überlegen, aber nur mäßig intelligent und ungesteuert wild präsentiert wird, agiert es doch erstaunlich zielgerichtet. Immerhin fliegt Man-Bat schnurstracks Richtung Phoenix Pharmaceuticals und beschafft die notwendigen Chemikalien für seinen Erhalt. Später sorgt das Wesen IN Langstrom dafür, dass er gefälligst ein besseres, stabileres Mutagen mittels dieser Chemikalien herstellt und das Serum auch regelmäßig einnimmt. Das ist so gar nicht Fledermaus-like. Gleichzeitig kann die wilde Kreatur auf Kirks Wissen (welche Stoffe brauche ich; wo muss ich dafür hin) und offenbar auch auf seine Erinnerungen zugreifen. Kirk wiederum kann sich an Einzelheiten von Man-Bats Raubzügen erinnern. Es ist, als ob zwei Instanzen, zwei umfassende Persönlichkeiten in diesem Organismus wohnen, sich gegenseitig bedingen, Körperwechsel initiieren können und eine Art Kampf um die letztendliche Vorherrschaft austragen. Da wäre jetzt schon der ein oder andere Vergleich zu Jekyll & Hyde legitim.

Allerdings macht all das den guten Kirk de facto zum Straftäter. Er führt sich diese unzureichend getestete Substanz zu, begeht Einbrüche und Raubzüge und wirft Menschen aus dem Fenster. Es liegt hier der Verdacht nahe, dass seine Motive eher selbstbezogen sind.

Dadurch ist allerdings auch Batmans Agenda in dieser Folge zu hinterfragen. Er versucht zwar, Man-Bat Einhalt zu gebieten, aber letztlich hält er seine Hand über Langstrom. Kirk entpuppt sich hier nicht gerade als Sympath und trotzdem schützt Batman sowohl ihn, als auch Dr. March. Normalerweise müsste der gute Doktor verhaftet und dann vor ein ordentliches Gericht gestellt werden, aber Bats kämpft mit ihm, rettet dann ihn und das Happy End und das war’s. Ins Blaue spekuliert, würde ich sagen, Batman weiß, wie es sich anfühlt, ein Mann mit einer Mission zu sein; nur auf sich und sein Ziel fokussiert. Vielleicht ist der Fledermausmann für ihn in mehrerlei Hinsicht eine Art verwandte Seele … Wir werden noch sehen, ob und inwieweit Batman bereit ist, Langstrom weiterhin zu schützen.

Übrigens: Dass wir Man-Bat in der ersten Folge sehen, ist kein Zufall. Es sollte unbedingt ein eher unbekannter Gegner der Fledermaus sein, da sonst unnötige Assoziationen mit bekannten Charakteren wie dem Joker (Jack Nicholson, Cesar Romero) für den Zuschauer hätten störend sein können. Dass letztendlich FOX entschied, die gerade populäre Catwoman in der Ausstrahlung vorzuziehen, war für Alan Burnett  & Co. so nicht vorauszusehen.

Auch, wenn wir Man-Bat selbst nur noch ein Mal in bewegter Form zu Gesicht bekommen werden, so geht doch das Langstrom-Serum tief in den TAS-Mythos ein. In der folgenden Episode erfahren wir sogar mehr über dessen Ursprung.

„Tiger, Tiger“
(S01E41; Original: „Tyger, Tyger“)

Die Folge in ihrer Gesamtheit würde ich lieber anderenorts ausführlich behandeln. Da wir aber ein paar Zusatzinfos zum Man-Bat-Serum bekommen und auch Kirk Langstrom wiedersehen, soll „Tiger, Tiger“ hier kurz angerissen werden.

To make a long story short: Selina Kyle wird im Gothamer Zoo entführt. Als Batman am Tatort zum Einen hört, dass der Entführer eine Art Mischwesen aus Mensch und Gorilla gewesen sein soll und zum Anderen einen Betäubungspfeil mit einer ähnlichen chemischen Verbindung wie beim Man-Bat-Mutagen findet, sucht er umgehend Dr. Kirk Langstrom auf.

Langstrom bestätigt Batmans Verdacht und Identifiziert die Chemikalie als „T-99“, eine Erfindung von Dr. Emilio Dorian („Emile“ im Original), einem alten Laborpartner Langstroms. Das uns bekannte Man-Bat-Präparat ist eine Weiterentwicklung der Dorian-Formel. Dorian selbst experimentierte lieber mit Katzen (Langstrom zeigt Batman ein besonderes bedauernswertes Geschöpf aus dieser Zeit), weshalb er nun Catwoman gekidnappt hat. Der Auftritt Langstroms für diese Episode hat sich aber damit erledigt.

Durch seine Einbindung aber, wird nochmals untermauert, dass Kirk offenbar nie für seine Gesetzesbrüche aus „Auf mächtigen Schwingen“ bestraft wurde. Wir treffen ihn hier – fröhlich forschend – in seinem Labor an. Naja, nicht ganz so fröhlich, sondern wir erleben wieder den unnahbaren, leicht herablassenden Wissenschaftler. Für Batman scheint das auch ganz selbstverständlich zu sein. So nutzt er den Biologen in dessen beratender Funktion. Schwamm drüber.

Wir gehen weiter zur nächsten und gleichzeitig auch letzten (echten) Man-Bat-Episode:

„Terror am Himmel“
(S01E45; Original: „Terror in the Sky“)

… oder „Die Geister, die er rief, wird er nun nicht mehr los.“

Wir begegnen dem Fledermausmenschen gleich zum Auftakt. Man-Bat plündert am Hafen ein paar Obstkisten und verjagt die Hafenmitarbeiter. Nach einem kurzen Flug durch das winterliche Gotham landet die Fledermaus auf dem Balkon der Langstroms. Kirk wacht erschrocken auf und für den Zuschauer bleibt es zunächst unklar, ob die ganze Szenerie nicht bloß ein Albtraum des Chemikers war.

Auch (die leicht genervte) Francine versucht ihn zu beruhigen. Kirk verschweigt ihr, dass er glaubt, sich wieder in das Mischwesen verwandelt zu haben, auch, als er später Orangenreste und einen zerkratzten Teppich vor seinem Balkon vorfindet.

Und während er die Beweise verschwinden lässt, hat sich Batman bereits an den Docks eingefunden. Die hinzugerufenen Streifenpolizisten schmunzeln nur über die Monstersichtungen der Hafenarbeiter. Doch der Dunkle Ritter weiß genau, womit bzw. mit wem er es hier zu tun hat.

Am nächsten Tag findet auch Francine Langstrom den zerkratzten Schlafzimmerteppich im Hausmüll. Sie sucht ihren Mann im gemeinsamen Laboratorium auf. Hier erfahren wir nebenbei, dass Kirk seit dem ersten Vorfall nicht mehr mit Francines Vater, Dr. March, zusammenarbeiten will. Anschließend konfrontiert Francine ihren Mann mit ihrem Verdacht. Und nicht nur sie, sondern auch Batman wirft Kirk seine abermalige Verwandlung vor: „Ich hab’s satt, Ihre Spuren zu beseitigen, Langstrom.“

Der aber streitet alles ab. Er nehme das Präparat seit damals nicht mehr ein und könne sich die Verwandlung nur so erklären, dass „das Biest“ noch in ihm stecke; fieberhaft arbeite er schon an einem neuen Gegenmittel. Francine will all dies nicht mehr hören und stürmt hinaus (im Original übrigens sehr eindrucksvoll gespielt/geschrien von Francines Sprecherin). Kirk wiederum wirft Batman (recht herablassend) vor, dessen damals entwickeltes Antidot sei fehlerhaft und nun hätten alle unter den Konsequenzen seines (also Batmans) Scheitern zu leiden. Batman verlässt mit einer neuerlichen Blutprobe das Labor und Langstrom steht vor den Scherben seiner Ehe.

Nur ein paar Augenblicke später wird Batman von dem (erstaunlich starken) Man-Bat-Wesen angegriffen. Es sieht nicht gut aus für den Dunklen Ritter, doch schließlich gelingt es ihm, das Ungeheuer mit einem Batarang zu verletzen und dann per halsbrecherischer Flucht auf dem Motorrad zu entkommen.

Doch Batman wäre nicht Batman, wenn er nicht gleich darauf versuchen würde, die Fledermaus aufzuhalten. Man-Bat entkommt aber und der Mitternachtsdetektiv kann sich schon mal auf eine saftige Werkstattrechnung gefasst machen.

Bald darauf besucht der Dunkle Ritter erneut Dr. Langstrom, welcher inzwischen verzweifelt nach seiner Frau sucht. Batman eröffnet ihm, dass er sowohl dessen Blut, als auch die Haare des Wesens analysiert hat:

„Ich bin jetzt sicher, dass es jemand anders ist. Ein neuer Fledermausmensch. Sie sind also aus dem Schneider.“

Bei weiteren Nachforschungen ergibt sich eine Spur zu Dr. Robert March, welcher Bats auch schnell bereitwillig Auskunft gewährt. Nach den Ereignissen in „Auf mächtigen Schwingen“ hat March ein neues, verbessertes Man-Bat-Serum entworfen, doch er schwört, dass er bisher noch keine Lebendversuche durchgeführt habe. Per Rückblende erfahren wir aber, dass Francines Blut (durch einen Unfall) mit der Substanz in Berührung kam. March erkennt, dass das neue Man-Bat-Wesen seine Tochter ist. Daraufhin zerstört er die Ergebnisse seiner Forschung in einer kurzen, aber recht bewegend inszenierten Szene.

Weniger rührend ist die Art, wie das Mutagen in Francines Blutkreislauf gelangt ist (Schnitt am zerbrochenen Reagenzglas, welches sie mit einem Lappen wegzuwischen versucht). Selten hat man dümmer agierende Wissenschaftler gesehen. Alle laufen in einem Labor im Zoo(!) ständig in weißen Kitteln herum, aber für ethische oder hygienische Forschungsregeln, für Handschuhe oder mal Schaufel und Besen ist weder Zeit noch Platz.

Naja, zumindest schreitet die Story voran.

Denn unterdessen hat Kirk seine Frau aufgespürt und heimlich(!) einen Platz in dem Flugzeug ergattert, mit welchem sie gerade Gotham verlässt. Ja, 1992 war so was noch möglich 😃 Langstrom legt Francine Batmans entlastende Beweise vor und kann sie dazu bewegen, wieder zu ihm zurückzukehren.

Aber die traute Zweisamkeit wird unterbrochen. Francine fühlt sich nicht wohl und das Unvermeidliche geschieht auf der Flugzeugtoilette: Man-Bat – oder besser She-Bat – bahnt sich (sehr schön animiert) ihren Weg und sorgt nun im Flugzeug für „Terror am Himmel“ (ein Titel, den man nach 9/11 wahrscheinlich so nicht mehr gewählt hätte). Das Tier versucht aus dem Flugzeug zu entkommen und zerstört die Tür, woraufhin es zu einem Druckabfall in der Kabine kommt (es fallen übrigens keine Atemmasken aus der Decke, was mich persönlich sehr beunruhigt hat).

Der mittlerweile bewusstlose Kirk wird durch den Sog an der Tür nach draußen befördert. Batman (welcher im Batplane schon zur Rettung naht) muss mit ansehen, wie sich She-Bat den leblosen Körper ihres Mannes schnappt und in Richtung Stadt verschwindet. Doch darum darf sich Bats erst einmal nicht kümmern, denn eine der Stewardessen droht ebenfalls aus dem Flieger zu fallen. Batman gelingt es nicht nur, die Flugbegleiterin zu retten, sondern auch von außen die Flugzeugtür zu verschließen. Ein Teufelskerl!

Nach der anschließenden, kurzen Verfolgungsjagd durch Batman, kann She-Bat schließlich entkommen und Kirk auf der Gotham Bridge ablegen. Man erkennt die Sorge der Kreatur um ihren immer noch bewusstlosen Mann. Kurz darauf kommt es zum finalen Kampf der Fledermäuse. Batman muss ein paar ordentliche Schläge einstecken, kann aber schließlich 2 Ampullen des Gegenmittels auf She-Bat abfeuern, wodurch sich die Fledermaus wieder zu Francine zurückverwandelt. Für den kurzen Schreckmoment danach stolpert die Chemikerin noch von der Brücke, aber Kirk und Bats können sie natürlich rechtzeitig retten. Die Langstroms umarmen sich und dann beendet Kirk die Folge mit den Worten: „Der Albtraum ist endlich zu Ende.“

Und damit auch die Auftritte Man-Bats innerhalb der (animierten) Serie. Aber es gibt ja noch ein paar gedruckte Gastspiele, einige Cameos und Erwähnungen innerhalb des Animated Universums und es gibt noch das Erbe des Man-Bat-Serums. Das Dini-Verse bietet neben Man-Bat und den Kreaturen aus dem hier erwähnten „Tiger, Tiger“ noch ein beachtliches Bestiarium von Mensch-Tier-Mischwesen, worauf wir auch schon ein paar Zeilen weiter unten eingehen können. Das bedeutet allerdings, dass in dieser Episode zwar die Forschung um das verbesserte Präparat zerstört wurde, aber ganz offenbar die ursprüngliche Formel der Langstroms nicht. Im weiteren Verlauf der diversen Animated-Serien wird es nämlich immer wieder aufgegriffen. Aber dazu später mehr

Die Szene, in welcher Dr. March seine Forschung vernichtet, fand ich übrigens recht bewegend, auch, wenn sie etwas im Rausch der leicht sprunghaften Handlung untergeht. Mag auch daran liegen, dass die Story in Teilen auf einem Batman Comic von 1972 basiert (DC Comics #429: „Man-Bat over Vegas“). Als dort klar wird, dass Francine das Fledermauswesen ist, geht sie übrigens ab da als „She-Bat“ in den Kanon ein. Ob wir es in der nächsten Geschichte aber mit Man- oder She-Bat zu tun haben, klären wir gleich.

Zunächst wagen wir noch ein Blick auf die Figurenkonstellation in dieser Episode, v. a. im Vergleich zu „Auf mächtigen Schwingen“. Es sei nochmal die veränderte Man-Bat-Formel hervorgehoben. She-Bat ist offenbar fledermausiger (so mit Echolot), stärker, aber auch wilder als Kirks Alter Ego. Während Man-Bat noch zielgerichtet Chemikalien „besorgt“ hat, verhält sich Francines Counterpart vielmehr wie ein echtes Tier. Paradoxerweise führt diese animalischere Ausgestaltung der Figur zu einer geringeren Bedrohlichkeit. She-Bat wirft niemanden aus dem Fenster, um an höhergesteckte Ziele zu kommen. Wir erleben sie umherfliegend auf Nahrungssuche und schließlich Früchte mampfend an den Docks. Da sich ihr die Hafenarbeiter nicht in den Weg stellen, greift sie diese auch nicht an. Kein Hintergrundprogramm, keine Jekyllpersona, die nach Macht oder Vorherrschaft zu streben scheint. Francine selbst scheint keinerlei Erinnerung an ihre nächtlichen Ausflüge zu haben (und sich morgens auch nicht über ihre zerrissene Kleidung zu wundern). Einzig der aufflammende Beschützerinstinkt betreffs Kirk, erinnert daran, dass eine ganz bestimmte Frau hinter bzw. in der Kreatur steckt. Das ist zwar romantisch, macht aber im Vergleich zu Kirk/Man-Bat weniger Sinn. Wir lernen wenig darüber, was She-Bat eigentlich will, als einfach zu sein, triebgesteuert und (im menschlichen Sinne) ziellos. Da Francine aber nur versehentlich mit dem neuen Mutagen in Berührung kommt, soll uns das als Ausrede reichen.

Bei den Beziehungen der Figuren untereinander ist vor allem die veränderte Einstellung von Batman und Francine zu Kirk auffällig. Der Dr. Langstrom, auf den wir hier treffen, befindet sich mitten in einer Identitätskrise. Er kämpft mit den Geistern seiner Vergangenheit, hat Albträume, ist ruhelos.

Hat der Dunkle Ritter einst noch den Biologen gedeckt, ihm das Gegenmittel verabreicht und ihn behutsam seiner Frau „zurückgegeben“, so schlägt er nunmehr einen schärferen Ton an. Der getroffene Hund Langstrom bellt zurück und wirft frecher Weise Batman dessen Versagen vor. Erstaunlicherweise geht das nicht so spurlos an Batman vorbei, wie es erst den Anschein macht. Denn dem wütenden Kirk widerspricht er nicht und seine späteren Untersuchungen beginnen mit seinem alten Gegenmittel.

Batman findet hier also mehrere Ansätze für eigene Schuld. Zum einen war es womöglich ein Fehler, dass er Langstrom damals geschont hat. Zum anderen wäre all das zu verhindern gewesen, wenn er nicht beim Entwurf des Antimutagens (vermeintlich) gepatzt hätte. Wir wissen, Batman hat so seine Probleme mit der Verteilung von Verantwortung und Schuld und Langstrom rennt bei ihm mit seiner Äußerung offene Türen ein. Im weiteren Verlauf der Folge scheint sich Bats daher um (emotionale) Abstandnahme zu bemühen (was nur leidlich gelingt), was Ausdruck in einer noch grimmigeren und unterkühlteren Haltung des Detektivs findet. Zum Schluss ist es auch Kirk, der als erster Francine am Brückenpfeiler wieder nach oben zieht und Batman lässt beide schließlich auch dort oben allein zurück.

Auch die in „Auf mächtigen Schwingen“ äußerst umsorgende Francine hat die Nase voll. Als Kirk in der Nacht schweißgebadet aufwacht, reagiert seine Ehefrau nur noch genervt und kurz angebunden. Ganz offensichtlich kennt sie das von ihm schon und möchte einzig ihre Ruhe. Als sie der Verdacht beschleicht, Kirk könne sich erneut in Man-Bat verwandelt haben, platzt ihr der Geduldsfaden und sie erklärt die Ehe für gescheitert. Das Ganze (also beide Episoden) ist auch ein passendes bzw. mögliches Szenario für die Auseinandersetzung einer Familie mit drogensüchtigen Angehörigen. Zuerst wird die Abhängigkeit angesprochen und problematisiert, dann verhält sich das Umfeld umsorgend, nachgiebig oder vertuscht evtl. Gesetzesbrüche, nur um dem Betroffenen den Entzug zu erleichtern und dann beginnt der – teils entnervende – Alltag mit Albträumen, Gedanken an abermaligen Drogenmissbrauch in größeren Stresssituationen usw.. Und kommt es schließlich doch wieder zum Rückfall, erfolgt unter Umständen ein Beziehungsabbruch. Oder so ähnlich. Dass am Ende Francine zum neuen Fledermauswesen geworden ist, dreht die ganze Geschichte natürlich nochmal und ermöglicht so auch das Happy End. Und da ein gewisser Status Quo wiederhergestellt ist, können wir auch ohne weitere Umschweife zum nächsten Man-Bat-Auftritt (nun nur noch in Comicform) vorrücken.

3 Kommentare

  1. Mr.Bowser sagt:

    Oh-mein-Gott! Die Folge Epilog gehört ja wirklich zu meinen Lieblingsfolgen. Aber meint ihr, ich hätte in all den Jahren die Verbindung zur ersten TAS-Folge hergestellt? Wie genial! Das Alpha und das Omega – Anfang und Ende. Applaus!

  2. Alex H sagt:

    Bitte diese Folgenberichte weiterhin fortführen Marian!

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