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"TIM UND ICH HABEN ROBIN GEHASST"

Von Judy Sloane

In diesem Interview  aus dem Jahre 1995 erzählt ‚Batmans Rückkehr’-Autor Daniel Waters in einem Special der ‚Film Review’ sehr offen darüber, wie es zu der Zusammenarbeit mit Tim Burton kam, warum er Robin hasst und was er über den 'Returns'-Nachfolger ‚Batman Forever’ denkt.

Wie kamen sie dazu an Tim Burtons ‚Batmans Rückkehr’ zu arbeiten?

Ich glaube, dass er den Film ‚Heathers’, an dem ich ein paar Jahre zuvor gearbeitet habe, mochte, weil ich ein Jahr zuvor an einer Fortsetzung zu Beetlejuice arbeiten sollte. Aber das war etwas, was zu dieser Zeit überhaupt nicht mein Fall war.

Als sie mich für ‚Batmans Rückkehr’ haben wollten, war ich gerade in Rom und arbeitete an dem berühmten filmischen Desaster namens ‚Hudson Hawk’. Ich hatte also die Möglichkeit diese Arbeiten einzustellen um an Batman zu arbeiten – ich hätte für j e d e Fortsetzung dieser Welt diese Arbeiten eingestellt!

Sollten Sie nicht das Drehbuch von Sam Hamm, der schon das Script zu ‚Batman’ schrieb,  überarbeiten?

Sam Hamm schrieb ein angestaubtes, fast schon ‚Hardy Boys’-mäßiges Action-Abenteuer. Ein sehr komplizierter Plot. Wie Sie vielleicht wissen, will sich Tim Burton nicht wirklich mit einem Plot auseinandersetzen müssen. Es war sehr geradlinig und schwach.

Als es um die Fortsetzung zu Batman ging, nutzte Tim Burton die Chance sich davon zu distanzieren. Er musste sich neu in dieses Material einfinden, also brauchte er einen Ansatz, der aus einer völlig anderen Richtung kam, und deswegen glaube ich, dass sie zu mir kamen – der ein wenig außerhalb des Mainstreams stand.

Unterschied sich Ihr Konzept von Catwoman sehr von Sam Hamms Version?

Ja, er orientierte sich an den Comicheften und auch die Art wie dort normalerweise Frauen dargestellt werden – wie eine fetisch-sexuelle Fantasie. Sie sind stark, sind aber wie diese übertriebenen Monster, die sehr gewalttätig sind und dazu noch extrem sexuell. Ich wollte unbedingt alles aus ihrem Blickwinkel betrachten.  Zum Nachteil des Films habe ich die meiste Energie in die Figuren gesteckt und dies lies den Rest des Films etwas einseitig wirken.

Ich wollte am untersten Punkt der Gesellschaft beginnen, eine niedergeschlagene Sekretärin, jemand bei der man sehen kann, wie in ihr die Kräfte wachsen.  Mein Lieblingsmoment in dem Film ist die Szene, wenn sie zu Catwoman werden muss. Batman geht einfach in seinen Batcave, öffnet seine riesige Kammer mit all dem Bat-Zeugs drin und wendet sich dann dem ganzen High-Tech-Zeugs zu. Auf der anderen Seite sehen wir sie, wie sie in ihrem Volkswagen versucht ihr Catwoman-Outfit unter all dem Müll in ihrem Fahrzeug zu finden.

Sie schrieben eine Menge an Strängen, die es nicht auf die Leinwand schafften. Einer davon war zu zeigen wie Harvey Dent zu Two-Face wurde.

Das war etwas, was Sam Hamm definitiv geplant hatte und nie umgesetzt wurde. Ich habe damit geliebäugelt – so als kleine Nebengeschichte, in der Harvey Dent auftaucht und eine Münze wirft. Die Münze zeigt die heile Seite und er entscheidet sich nichts zu unternehmen. So hätte man dann auf den nächsten Film warten müssen bis er etwas unternimmt.

Aber Tim Burtons Hauptanliegen war es, dass er nichts machen wollte, was in Verbindung mit dem ersten Film stand. Er wollte einen komplett anderen Film machen.

Wieso wurde Robin aus dem Drehbuch gestrichen?

Eine der großen Gemeinsamkeiten von Tim Burton und mir, ist, dass wir Robin hassen. Er ist einfach der nutzloseste Charakter der Welt, besonders in Anbetracht Tim Burtons Konzeption von Batman als den Einsamsten der Einsamen. Diesen übermotivierten Jungen um ihn herum laufen zu sehen hat bei uns beiden richtige Magenkrämpfe verursacht!

Das damalige Warner Bros. Oberhaupt Mark Canton saß schon beim ersten Film immer da und murmelte, „Wo ist Robin?“. Unser Robin war der Anführer einer Gang – das war noch bevor wir ihn dunkelhäutig machten – der auf Leute einschlug und eine angespannte Beziehung zu Batman hatte. Dann sagten wir, „Wir können das nicht tun. Wir haben einfach so viele Figuren in diesem Film“. Dann hatten wir noch diese dunkelhäutige Figur, die in einer Werkstadt arbeitete und Batman  bei einer Panne half. Er trug einen dieser altmodischen Mechaniker-Strampler mit einem R auf der Brust. Wir haben noch nicht einmal darauf hingewiesen. Er half Batman und sie entwickelten diesen Kameradschaftsgeist. Er fuhr auch das Batmobil, was sie anscheinend für den dritten Film benutzt haben! Dafür hab ich noch nicht einmal einen Gutschein für eine Tüte Popcorn bekommen!

‚Batman Returns’ gilt als der düsterste von allen Batman-Filmen.

Richtig, wir waren die Killer der Filmserie! Eigentlich ist es witzig, weil ich glaube, dass ich als Sündenbock hingestellt wurde und sie Tim nichts anlasten wollten. Deswegen wurde ich wie ein Heroin-Dealer behandelt, der Tim Burton auf die dunkle Seite zog, auch wenn Tim mehr als alle anderen die Verantwortung für den düsteren Ton auf sich nahm.

Wenn Sie ein Drehbuch schreiben, haben Sie dann schon einen speziellen Schauspieler vor Augen?

Ich versuche es zumindest nicht. Aber irgendwie war mir klar, dass Danny DeVito den Pinguin spielen wird. Wir hatten ihn zwar noch nicht offiziell gecastet, aber die Liste an Darsteller, die einen fiesen kleinen Kerl spielen sollen, ist recht kurz! Als ich mit dem Schreiben an Danny DeVitos Rolle fertig war und er das Drehbuch las, meinte er, „Das ist eine verdammte Danny DeVito-Rolle!“

Wie hat Ihnen ‚Batman Forever’ gefallen?

An sich war es ein toller Film. Es war ein unterhaltsamer kleiner Film, aber das war es dann auch schon. Ich denke, ‚Batmans Rückkehr’ war um einiges interessanter – vielleicht nicht der gewünschte Erfolg – aber ich denke, wir hatten einiges mehr zu bieten als dass, was sie hier gezeigt haben. Aber unterhaltsam war ‚Batman Forever’ allemal.

Wie hat ihnen Robin in dem Film gefallen?

Er war so jungenhaft wie eh und je. Ich habe mich herrlich über den schwulen  Subtext amüsiert, der an manchen Stellen schon gar nicht mehr ein Subtext war, sondern Text. Da gibt es diese gruselige Szene, als Bruce Wayne und Alfred mit allen Mitteln versuchen ihn zum Bleiben zu überreden und ihn mit diesen Motorrädern locken. Dann kommt auch noch Alfred mit diesem Essen, „Mhhhh, schau mal was ich feines für dich habe!“ Da denkt man sich einfach nur noch, hey, dafür könnt ihr Jungs eingesperrt werden!

Was denken Sie über Val Kilmer?

Verraten Sie es Tim nicht, aber ich fand, dass Val Kilmer großartig war. Ich bin ein großer Val Kilmer-Fan, und ich denke, dass er es ganz locker anging. Ich glaube, dass Michael die Figur manchmal etwas zu ernst nahm. Val Kilmer fand einen guten Mittelweg.

In Tims Filmen war das Design und der Look des Films so speziell, dass es schon eine eigene Figur darstellte. In ‚Forever’ kam mir alles so unordentlich vor. Es ärgert mich schon, wenn manche Leute sagen, „Oh, dass sieht ja genauso gut wie in den anderen Filmen aus“, denn ich sehe das überhaupt nicht so. Es sieht sicherlich eindrucksvoll aus, aber es hat nicht diese eigene Integrität.

 

 


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