Von Marc Shapiro
In der Nacht bevor sie als Catwoman die Peitsche knallen lassen sollte, war Michelle Pfeiffer nervös und aufgeregt. Das gleiche traf auf ihren Trainer zu, der ihr den Umgang mit der Peitsche beigebracht hatte. Beide taten in der Nacht kein Auge zu. Den Rest können Sie sich denken.
„Weil wir beide in der Nacht vorher nicht geschlafen hatten, waren wir am nächsten Tag müde, und unser Timing hat darunter gelitten“, erinnert sich Pfeiffer. „Als ich das erste Mal mit der Peitsche hantierte, habe ich ihn mitten ins Gesicht getroffen, und es floß Blut. Ich bin total durchgedreht, aber ich habe auch eine wertvolle Lektion gelernt. Wenn man eine tödliche Waffe in der Hand hält, kann man sich keine Nachlässigkeit leisten.“
Für Pfeiffer war die Welt von Catwoman nicht gerade etwas Neues. Sie ist bereits seit ihrer Jugendzeit mit der Figur vertraut.
„Als Kind habe ich mir immer die BATMAN-Serie im Fernsehen angeschaut“, erinnert sie sich, „und von Julie Newmar, die Catwoman darstellte, war ich besonders fasziniert. So wie ich das damals sah, brach sie mit den Konventionen, denen eine Frau zur damaligen Zeit unterworfen war. Sie durfte die verbotenen Dinge tun. Sie durfte gut und schlecht, bösartig und lasterhaft sein.
Das fiel auch genau in die Zeit, in der ich mir meiner eigenen Sexualität bewusst wurde, demzufolge war es für mich faszinierend zu verfolgen, wie Catwoman immer versuchte, Batman eins auszuwischen, nur weil sie in ihn verliebt war und er ihre Liebe nicht erwiderte. Catwoman war eine spannende Figur, die ich mir unheimlich gern ansah.“
Dementsprechend riss sich Pfeiffer um die Chance , als Annette Bening wegen ihrer Schwangerschaft die Rolle abgab. „Zeitmäßig hätte dieser Film für mich gar nicht besser passen können“, sagt sie. „Ich finde diesen Charakter so faszinierend, weil er die Idee verkörpert, dass eine Frau eine Machtrolle spielen und Stärke ausstrahlen kann. Wenn ich ehrlich sein darf, hatte ich von der Melancholie in meinem eigenen Leben die Nase voll.“
Die Schauspielerin gibt zu, dass ihr nicht lange nach der Zusage, diese Rolle zu übernehmen, Zweifel kamen. „Ich habe mich nur gefragt, wie ich es schaffen würde, eine gute Leistung hinzulegen. Ich war auf mehreren Ebenen gleichzeitig nervös. Ich fragte mich, wie ich all die physischen und technischen Hürden bewältigen sollte, aber meine größte Sorge bestand darin, wie ich meine Hemmungen überwinden könnte.
Als Katze kostümiert war ich total bloßgestellt und benahm mich auf eine Art und Weise, die Frauen nicht beigebracht wurde. Um das zu schaffen, musste ich meine eigenen Hemmungen hinter mir lassen.“
Pfeiffer erklärt, dass es eines Gesprächs mit Co-Star Michael Keaton bedurfte, um ihr Selbstbewusstsein aufzubauen.
„Michael sagte mir eines Tages, dass man halt über den eigenen Schatten springen muss, und er hatte recht. Was hätte ich sonst tun können? Ich musste mich entweder völlig der Rolle hingeben oder bereit sein, eine Niederlage einzustecken. Bei Catwoman gab es keinen Mittelgrund. Um sie wirkungsvoll darzustellen, konnte ich mich nicht hinstellen und lange nachdenken. Ich musste einfach handeln.“
Der Schauspielerin stand ein Monat zur Vorbereitung auf ihre Katzenrolle zur Verfügung. Sie beschäftigte sich intensiv mit dem Skript, um „meine“ auf dem Papier dargelegte Figur zu definieren und mich geistig darauf einzustellen, sie mit Leben zu erfüllen.“ Was die physische Seite anging, absolvierte sie intensive Schnellkurse in Kickboxen, Martial Arts, Gymnastik und natürlich auch in der Handhabung der gefürchteten Peitsche.
„Ich glaube, dass sich mein Verständnis von Selina als einer Frau, die sich auf einen Machtsprung vorbereitet, während des Trainings zementierte“, sagt sie. „Beim Kicken und Peitscheknallen habe ich plötzlich nachvollziehen können, was Selina Kyle gefühlt haben muss, als sie sich von einer mausgrau bescheidenen Sekretärin in diese gefürchtete Kriminelle wandelte. Und, mir gefiel der Klang der Peitsche“, lacht sie.
Beim Gedanken an ihren ersten Tag im Kostüm verzieht Pfeiffer das Gesicht. „Mir ging es wie den meisten Frauen, wenn sie das erste Mal in einem neuen Outfit in den Spiegel schauen. Ich sah jede Fettrolle und körperliche Schwachstelle. Meine Oberschenkel waren fett. Was es auch war, dieses Kostüm betonte es.
Und das Kostüm selbst war auch nicht gerade kuschelig. Die Stiefel waren sehr hoch geschnitten, und das Design war nicht besonders gut durchdacht. Beim Aufstehen bin ich jedes Mal leicht nach vorne gewankt. Die Designer hatten auch nicht in Erwägung gezogen, wie ich in diesem Kostüm auf die Toilette gehen sollte, das Problem musste erst noch gelöst werden. Das Outfit war sehr eng. Der Halsriemen schnürte mir die Stimmbänder ab, und die Maske deckte meine Ohren so gut ab, dass ich nur schlecht hören konnte. Tim hatte die Klimaanlage für die Soundstage auf zwei Grad eingestellt, so dass ich im Kostüm schwitzte und dann hinterher unheimlich fror. Die ersten paar Wochen fühlte ich mich miserabel, aber ich habe mich daran gewöhnt.
Die Kampszene zwischen Michael (Keaton) und mir auf dem Dach verlangte ausgezeichnete Choreographie; das Timing war ausschlaggebend. Ich musste kicken und Verrenkungen machen und dabei auf diesen hohen Absätzen die Balance halten. Auf der Leinwand sieht das sehr gut aus, aber es bedurfte einer Menge Planung und Proben, bevor wir an diesen Punkt gelangten.“
Pfeiffer hat es Spaß gemacht, neben Christopher Walkens Bösewicht Max Shreck die bescheidene Maus zu spielen, aber die intimeren Szenen mit Keaton hatten ihre eigene Art von Spannung, da Pfeiffer und Keaton einmal liiert waren.
„Ich habe mich schon gefragt, wann Sie diese Frage stellen würden“, meint Pfeiffer mit nervösem Lachen. „Wie sich das auf unsere Beziehung auf der Leinwand ausgewirkt hat, war schon genau richtig. Zwischen uns besteht gerade so viel gemeinsam erlebte Vergangenheit, dass sie sich positiv auf die Szenen auswirkte, aber nicht genug, um sich als Hemmschuh zu erweisen.“
Pfeiffers Kontakt zu Co-Star Danny DeVito war beschränkt. „Danny und ich verbrachten viel Zeit in der Maske, demzufolge sahen wir uns nur im Kostüm auf dem Set. Danny fiel nie aus der Rolle, er gab zwischen den Aufnahmen Grunzlaute von sich und stierte mich komisch an. Darum habe ich mich von ihm ferngehalten.“
Pfeiffer wendet ihre Aufmerksamkeit dem Regisseur, Tim Burton, zu und gibt ihm hohe Noten. „Mit ihm zusammenzuarbeiten hat mir sehr gefallen. Ich war überrascht, dass jemand, der so visuell ausgerichtet ist, der Entwicklung der Figuren so viel Aufmerksamkeit schenkt. Er bestand darauf alles in BATMANS RÜCKKEHR in der Wirklichkeit zu verankern, aber wenn etwas nicht realistisch genug hinhaute, dann sagte er so etwas wie: Ach, es ist Batman, machen wir es trotzdem.
Er war, was die Vorschläge der Schauspieler anbelangt, auch sehr aufnahmebereit. Die Szenen im Film, in denen ich mich lecke und säubere, waren meine Idee, und Tim gab seine Zustimmung.“
Pfeiffers Erinnerung an den ersten Tag, den sie im Kostüm verbrachte, ist genauso deutlich wie die an den letzten. „Es war ein unwirklicher Tag. Es war traurig, das Kostüm an den Nagel zu hängen, aber irgendwie war es auch sehr befreiend zu wissen, dass ich es geschafft hatte und es nicht mehr anziehen müsste.“
Michelle Pfeiffer wird daran erinnert, dass einer der denkwürdigsten Augenblicke in BATMANS RÜCKKEHR die Nahaufnahme ist, in der Catwoman miaut. „Tja, das war schon komisch. Und wenn man genauer darüber nachdenkt, dann war das schon riskant. Aber ich wusste, dass ich mit dieser Szene bei Tim in guten Händen war, aber bei einem weniger guten Regisseur wäre das ein waghalsiges Spiel gewesen. Man kann halt nicht für jeden miauen.“