Ramin Setoodeh vom Newsweek-Magazin hatte die Chance sich mit Tim Burton neben seinen aktuellen Film 'Corps Bride' auch über seine Batman-Werke zu unterhalten.
Ich habe irgendwo gelesen, dass Johnny Depp gesagt haben soll, dass es eine Fortsetzung zu ‚Charlie und die Schokoladenfabrik’ geben könnte?
Das glaube ich nicht. Für ihn als Schauspieler, der ‚Fluch der Karibik’ dreht, mag er es Charaktere nochmals aufzugreifen. Für mich sind Fortsetzungen keine gute Idee.
Aber Sie haben immerhin eine Fortsetzung zu ‚Batman’ gedreht.
Ja, und dafür musste ich auch einiges einstecken. Das ist auch der Grund warum ich denke, dass ich keine Fortsetzungen machen sollte. Und einige Leute denken genau das gleiche darüber.
Richtig, und ich verstehe das nicht, weil ‚Batmans Rückkehr’ für mich der beste Batman-Film ist.
Es ist ein bizzares Phänomen. Ich kann mich daran erinnern, wie ich damals so einige Pressegeschichten durchging – und die hälfte der Leute meinten: „Dieser ist um einiges leichter als der erste Film.“ Und die andere Hälfte meinte: „Dieser ist um soviel düsterer als der erste Film.“ Wie kann ein Film gleichzeitig leichter und dunkler sein? Das macht für mich überhaupt keinen Sinn. Es war eine sehr konfuse Erfahrung.
Der Grund warum ich ‚Batmans Rückkehr’ so mag ist die Fülle an Gegnern.
Ich glaube, dass ist der Grund, warum Batman mein Lieblingscomic ist. Ich liebe den Joker, Catwoman und den Pinguin. Ich mochte es, ihnen eine Hintergrundgeschichte zu geben. Beim Joker war das um einiges leichter, aber bei Catwoman und dem Pinguin war es ein richtiger Ansporn. Es gab einige Kritik daran, dass ich zuviel Zeit mit diesen Figuren verbrachte und den Leute das Gefühl gab, Batman wäre nur eine Nebenfigur. Ich habe nur versucht die Charaktere zu respektieren. Er ist nun mal ein Typ, der lieber im Verborgenen bleiben möchte. Er versucht nicht solch eine grelle Figur wie seine Gegner zu sein und gibt nicht ständig James Bond-Sprüche von sich. Das ist auch der Grund, warum ich ihm niemals Robin an die Seite gestellt habe. Er will alleine sein.
Aber ich dachte, Robin war ursprünglich für ‚Batmans Rückkehr’ vorgesehen?
Es gab ständig Gespräche darüber. Aber für mich war es letztendlich so, dass ich nicht so weit gehen konnte. Es fühlte sich einfach nicht richtig an wie er aufgebaut war. Er war jemand, der unterdrückt wurde und einige psychische Probleme hatte und dazu sich auch noch in einer Höhle versteckte. Wenn man noch jemanden mit einbringt, der mit jemanden in einer Höhle lebt, wird das ganze mehr ein – ich weiß nicht – Höhlenmenschen-Film.
Wollten Sie Michael Keaton direkt nach ‚Beetle Juice’ für die Rolle?
Nein. Wir haben uns nach einem mehr traditionellen, superheldentypischen Schauspieler mit breiten Kinn und Schultern umgesehen. Dann dämmerte uns, dass Batman gar nicht solch ein Typ ist. Er versucht in eine andere Rolle zu schlüpfen. Er versucht etwas zu werden, dass er nicht ist. Bei der Arbeit mit Michael zu ‚Beetle Juice’, bemerkte ich seine Wildheit in seinen Augen, eine aufgestaute Energie. Er war einfach der Richtige.
Aber im Verlauf der Serie bekamen wir George Clooney, Val Kilmer und Christian Bale. Das sind alle kantige Typen.
Aber zu der Zeit waren wir einem neuen Umfeld. Zu der Zeit war es für mich die richtige Entscheidung – aus einer psychologischen Sichtweise. Ich dachte mir immer, wenn der Typ wirklich stark aussieht, wieso sollte er sich ein Fledermauskostüm überziehen? Warum zieht er sich nicht einfach eine Maske über und zieht los um den Leuten die Seele aus dem Leib zu prügeln? Für mich war dies die einzige Möglichkeit für jemanden, zu solch einer eigenartige Person zu werden, die er nicht ist.
Was ist mit Catwoman. Wollten Sie schon immer Michelle Pfeiffer für die Rolle?
Eigentlich war Annette Bening dafür vorgesehen, die allerdings schwanger wurde. Sie wäre großartig gewesen – aber Michelle war einfach nur fantastisch. Sie tat Dinge, die mich einfach nur verblüfften. Ich verehre sie wirklich, vor allem als Schauspielerin. Aber um dann auch noch mit einer Peitsche und hochhackigen Schuhen auf einem schrägen, nassen Dach herumzuhüpfen gehört einiges.
Haben Sie schon den neuen Batman-Film gesehen?
Nein. Worüber ich aber auch froh bin.
Weil Sie angst hätten, dass er Ihnen nicht gefallen würde?
Nein, davor hätte ich keine Angst. Ich glaube einfach, dass es unfair wäre. Die Medien mögen es die Leute gegeneinander auszuspielen. Die Leute da draußen können selbst entscheiden, welche Filme sie mögen und welche nicht – und nur darum geht es.
Und die Joel Schumacher-Filme?
Ich habe grundsätzlich ein Problem damit meine eigenen Filme zu sehen. Und da fängt es schon an. Ich habe mir die Filme nicht angesehen, weil es Material war, dem ich mich noch verbunden fühlte. Es war ein merkwürdiges Gefühl. Es war für mich zu der Zeit einfach zu früh sie zu sehen.
Also haben Sie sie nie gesehen?
Nein, ich habe zwar Ausschnitte im TV gesehen, aber nie ganz.
Finden sie die Kritik, dass Ihr ‚Batman’ zu schaurig wäre, unfair? Schließlich haben Sie diese Filme nicht für Kinder gemacht.
Ich bin mit Filmen aufgewachsen, in denen Menschen die Arme abgetrennt wurden oder sie mit blutigen Stümpfen die Treppe runtergelaufen sind. Dann beißt auch noch ein Monster einem Doktor in den Hals und reißt ihm Fleisch heraus. Sowas sieht man im Fernsehen. Diese Filme sind wie düstere Märchen. Ich glaube in solch einer mystischen Fabelwelt können Kinder mehr ertragen, als die Erwachsenen glauben.