Endlich bricht Regisseur Chris Nolan das Schweigen und spricht über das wahrscheinlich letzte Kapitel des Dunklen Ritters unter seiner Obhut.
„Es ist wirklich aufregend. Wir haben eine fantastische Geschichte zu erzählen“, meint Christopher Nolan. „Und wir spüren, dass wir es richtig anstellen können. Wir kennen das Milieu, oder wenn man will, wir kennen das Genre und wie man es richtig anstellt“.
Doch damit meint Nolan nicht den nächsten Batman-Film, sondern sein neuestes Superhelden-Projekt: Superman!
Nolan steht neben seiner Frau, Produzentin Emma Thomas, seine Partnerin bei all seinen Filmen – inklusive ‚Batman Begins’ und ‚The Dark Knight’, das düstere Franchise, welches mehr als 1,3 Milliarden Dollar Weltweit in die Kassen spülte – und erzählt von ihren Plänen, etwas zu bewältigen, was Hollywood über zwei Jahrzehnte lang frustrierte: einen weiteres Superman-Filmfranchise aus dem Boden zu stampfen.
Auch wenn Nolan noch einiges für sich behalten möchte, ist er bereit ein paar Antworten zu seinen Superman-Plänen preis zu geben – aber auch zu seinem dritten Besuch in Gotham City – doch dazu später mehr.
Als letzten Monat herauskam, dass Nolan eine Paten-Rolle für den Reboot des Mannes aus Stahl übernehmen wird, wird er jetzt als der Hitchcock des Superhelden-Kinos angesehen. Er wird als Produzent tätig sein und das noch Regisseur-lose Projekt überwachen. Die Story stammt aus seiner und aus der Feder seines ständigen Mitarbeiters David S. Goyer.
Im Internet gingen seither Meldungen um, welche Emma Thomas bestenfalls als Fan-Fiction beschreiben kann. So hieß es, der Film würde den Titel ‚Man of Steel’ tragen und mit Gegenspielern wie Lex Luthor und Brainiac aufwarten. Oder auch das Gerücht, es würde sich um eine weniger fantastische Version eines Held handeln.
„Ich habe keine Ahnung, woher dieses ganze Zeug stammt“, meint Thomas kichernd. Aber wie bei jedem guten Poker-Spieler, kann man schwer sagen, wo der Bluff beginnt und wo er aufhört.
Nur soviel ist sicher: Das Pärchen ist vollends auf die Fertigstellung des aktuellen Filmprojekts ‚Inception’ fokusiert, welcher am 16. Juli mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle startet. Dieser spielt einen Traum-Dieb, was den Film als Hollywoods ersten metaphysischen Krimi einordnet. Der Film ist das bislang schwierigste Unterfangen in Nolans Karriere – gedreht in 6 Ländern, erzählt der Film eine Geschichte, welche zwischen Realität und den drei Schlafphasen hin-und her wechselt.
Zuletzt nahm sich Regisseur Bryan Singer dem Superman-Franchise an. Singer hatte sich durch seine zwei ‚X-Men’-Filme einen Namen bei den Comicfans gemacht und brachte 2006 ‚Superman Returns’ mit Brandon Routh in der Hauptrolle zurück auf die große Leinwand. Der 200 Mio. teure Film brachte letztendlich beachtliche 391 Mio. Dollar weltweit zustande, war aber nicht heldenhaft genug, um eine Fortsetzung spendiert zu bekommen.
Nolan bewundert Singers Film, besonders die Art, wie er mit Richard Donners Filmversion von Superman verbunden ist. Sein Film wird aber für sich selbst stehen.
„Eine Menge Leute sind an Superman auf verschiedene Art und Weisen herangegangen. Die einzige Art und Weise die für uns funktioniert, ist die, bei der ich weiß wie ich es anstellen muss“, erklärt Nolan. Er betont, dass gerade die Vorstellung davon, Batman in einer Welt leben zu lassen, in der er der einzige Superheld ist auch ein ähnlicher Ansatz für den Mann aus Stahl ist, welcher sicherstellt, dass der Film in sich funktioniert. „Jeder der Filme braucht seine eigene innere Logik der Geschichte. Sie haben nichts miteinander zu tun“.
Umso erstaunlicher, dass es ein frustrierender Moment im Batman-Franchise war, welcher zu diesem neuen Superman-Revival führte. Nolan und Goyer, einer seiner wichtigsten Partner bei beiden Batman-Filmen, standen vor einer ausweglosen Situation bei der Story für einen dritten Batman-Film (welcher nun auch in die Gänge kommt). Aus einer Ablenkung heraus, erzählte Goyer dem Regisseur seine Traumversion davon, wie er eine Geschichte über den letzten Sohn Kryptons angehen würde.
„Er meinte zu mir, ‚Ich habe da diesen Gedanken, wie du Superman angehen würdest“, erinnert sich Nolan. „Ich habe es sofort verstanden, geliebt und dachte mir: Das ist eine Art eine Story anzugehen, wie ich sie vorher noch nie gesehen hatte. Was das Ganze ungeheuer aufregend macht. Ich wollte unbedingt, dass Emma und ich dieses Projekt auf den richtigen Weg bringen, es dem Studio verkaufen und auf eine aufregende Weise umsetzen.“
Goyer schreibt gerade das Drehbuch und Nolan hält es fest unter Verschluss.
Es ist manchmal schon erstaunlich, wo so manche Inspirationen ihren Ursprung haben. Nolan scharrte eine recht ansehnliche Besetzung für seine Batman-Filme zusammen – schon alleine im ersten Film waren Morgan Freeman, Liam Neeson, Gary Oldman und Tom Wilkinson in kleineren Rollen zu sehen. Diese Idee stammt direkt aus Metropolis.
„Ich ging mit einer Analogie auf das Studio zu. ‚Ich will auf die Art die Rollen besetzen, wie sie es einst 1978 bei ‚Superman’ taten’. Diese hatten solch fantastische Schauspieler wie Marlon Brando, Glenn Ford und Ned Beatty für kleine Rollen besetzt, was schon eine recht absonderliche Idee für einen Superhelden-Film zu dieser Zeit war. Und es zahlte sich auch aus. Als Kind war ‚Superman’ für mich ein gigantischer Film, und bemerkte erst viel Später, das dies eigentlich am Casting lag. Einfach an den unglaublich talentierten Leuten und deren Charakterisierung. Und Marlon Brando ist dann auch noch der erste, den man als Supermans Vater sieht. Das ist einfach unglaublich.“
Nur um eines klar zu stellen: Nolan bestätigt nicht, dass er auch beim dritten Batman-Film die Regie übernehmen wird. Aber wie bei Nolan üblich, wird man dies auch nicht erfahren, bevor nicht sein aktueller Film unter Dach und Fach ist. Auszutricksen ist der Filmemacher in dieser Beziehung auch nicht. Auf die Frage, ob ein Franchise wie Superman mit seinem Defizit an wirklich großen Schurken überhaupt zu bewerkstelligen sei – anders als z.B., sagen wir, Spider-Man und Batman, beisst er nicht an. „Das ist eine sehr listige Art eine Frage zu stellen, auf die ich nicht antworten werde.“
Nolan sagt, er habe keine Ahnung wer die Regie des neuen Superman-Films übernehmen werde (es gab zwischenzeitlich Gerüchte, sein Bruder Jonathan würde in dem Regiestuhl platz nehmen), aber seine Rolle scheint vergleichbar mit der von Peter Jackson bei ‚District 9’ zu sein, welcher von dem Newcomer Neill Blomkamp inszeniert wurde.
Solch düstere Filme wie ‚Memento’ machten Nolan zum idealen Regisseur für das Batman-Franchises. Doch passt dieser Stil auch zu einer strahlenden Stadt wie Metropolis? Die Warner Bros.-Verantwortlichen scheinen diesbezüglich zuversichtlich zu sein – und er muss auch der richtige sein, denn Franchises wie ‚Harry Potter’ – und vielleicht auch Batman – nähern sich ihrem Verfallsdatum.
Wenn man Nolan so in seinem Schnittraum sitzen sieht, welcher mit Postern von Heath Ledger als Joker dekoriert ist und die Deckenleuchte eine gewisse Batcave-Stimmung aufkommen lässt, fragt man sich, wie es denn nun um einen dritten Batman-Film steht.
Jonathan Nolan „leistet gerade die Schwerstarbeit“, indem er das Drehbuch auf Basis der Story seines Bruders und David Goyer ausarbeitet. „Mein Bruder schreibt für mich das Drehbuch und wir warten darauf zu sehen, was daraus wird ... Er kämpft gerade damit, es zu der epischen Story werden zu lassen, die wir uns wünschen“.
Aber um was soll es im dritten Teil gehen? „Ohne zu sehr ins Detail zu gehen: wir wollen die großartige Möglichkeit nutzen, unsere Geschichte abzuschließen“, sagt er. „Und wir wollen sie lieber abschließen anstatt sie unendlich aufzublasen und die Geschichte ausufern zu lassen“.
Nolan verrät, das die verbleibenden Hauptcharaktere der ersten beiden Filme wieder dabei sein werden. „Wir haben eine großartige Besetzung, welche mitunter ein Anreiz war, einen weiteren Film zu drehen, da wir mit ihnen über Jahre hinweg eine großartige Zeit hatten.“
Aber die große Herausforderung dürfte es sein, einen Schurken zu finden, welcher es mit dem Dunklen Ritter und gleichzeitig mit Heath Ledgers Oscar-prämierten Darstellung des Jokers aufnehmen kann. Seit Monaten werfen Fans Namen für verschiedene Schurken in die Runde: Johnny Depp als Riddler? Angelina Jolie als Catwoman? Philip Seymour Hoffman als Pinguin? Ben Kingsley als Hugo Strange? Aber Nolan macht da nicht mit.
Bislang fiel seine Wahl auf Schurken, die keinen übernatürlichen Ursprung haben oder aus dem direkten Fantasybereich stammen (also kein Man-Bat, Mr. Freeze oder Poison Ivy zum Beispiel). Aber er schüttelt auch mit dem Kopf wenn man ihn fragt, ob er diesen Kurs beibehalten wird. Aber ein Schmankerl wirft er uns dann doch vor die Füße: „Es wird jedenfalls nicht“, sagt er, „Mr. Freeze“.
„Ich bin von dem Ende des Films wirklich sehr begeistert, dem Fazit welches wir damit ziehen, und was wir mit den Charakteren gemacht haben“, verrät Nolan.
"Mein Bruder kam auf wirklich aufregende Ideen. Im Gegensatz zu den Comics können solche Dinge im Film nicht ewig weiterlaufen, was einem sehr schnell dazu bringt, den richtigen Weg zur adäquaten Auflösung und zur Essenz der Geschichte, welche wir erzählen wollen, zu finden. Und es bringt einem wieder dazu, die Realität in diesen fantastischen Geschichten zu finden. Und das haben wir vor.“
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