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Gotham People

The Dark Knight

3 HOT DOGS FÜR BATMAN

Von Adam Higginbotham

Viel Neues über ‚The Dark Knight’ erfährt man aus dem Interview des DETAILS-Magazins mit Christian Bale nicht. Dafür umso mehr über den Menschen Christian Bale. Lest hier das amüsante Interview in der deutschen Übersetzung.

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie sich zum ersten Mal im Batsuit sahen?

Ich stand in dem Bereich, wo sie den Anzug entworfen haben und hatte ein paar Minuten für mich alleine. Ich stand vor dem Spiegel und dachte mir, „Das wird nicht funktionieren. Ich werde klaustrophobisch, ich kann nicht atmen, ich hab jetzt schon Kopfschmerzen, und das wird ganz übel enden.“

Was konnte Sie dennoch überzeugen?

Ich habe zu mir selbst gesagt, „Atme ein paar Minuten tief durch. Versuch es wenigstens. Mach dich nicht zum Idioten in dem du schreiend rumläufst und das Teil wieder ausziehst“. Dabei konnte ich dass nicht einmal alleine. Es brauchte dazu drei Leute. Ich hab mir gerade vorgestellt, was für ein Arsch ich doch wäre, wenn ich jetzt sagen müsste, „Nun, ich konnte die Rolle damals nicht spielen, weil ich in dem Anzug jedes Mal Panik bekam“.

Sie spielten bereits eine große Bandbreite an Rollen, aber nur wenige davon gehen unbekümmert durchs Leben. Zieht sie die dunkle Seite an?

Ich bevorzuge bestimmt nicht das Elendige. Und ich mach auch nicht absichtlich auf düster. Was ich aber mit Bestimmtheit sagen kann, ist, dass ich überhaupt kein Interesse daran habe in einer romantischen Komödie zu spielen – so was könnte ich einfach nicht. Das würde grausam werden. Und ich denke so was ist ohnehin ein Widerspruch in sich. Lustig fand ich keinen von denen.

Michael Caine sprach über die intensive Spielweise von Heath Ledger als Joker in ‚The Dark Knight’. Wie fanden Sie die Arbeit mit ihm?

Er war in der Tat bei seiner Leistung sehr intensiv, aber auch unglaublich heiter und entspannt. Bestimmt war da auch dieser großartige anarchistische Charakterzug, sprich, dreckiger als jeder zuvor den Joker darzustellen. Diese Figur hat dadurch Macht, da er keine Grenzen kennt – und überhaupt nichts zu verlieren.

Wie hat Ledgers Tot Ihre Einstellung dem Film gegenüber verändert?

Natürlich war es etwas, was ich mit ihm teilen wollte – und damit habe ich auch fest gerechnet. Und ich kann jetzt einfach nur hoffen, dass der Film seine Leistung ehren wird.

Irgendwie habe ich den Eindruck, dass manche Sachen die Sie in der Vergangenheit über sich erzählt haben, z.B. dass einer Ihrer Großväter ein Bomberpilot war und der andere ein Zauberer für Kinder …

… erfunden habe. Richtig. Ich bin ein Schauspieler und kein Politiker. Ich könnte mir jedes Mal einen Tritt verpassen, wenn ich zuviel über meine Familie oder persönliche Dinge spreche. Im ersten Moment genieße ich es darüber zu sprechen, und im nächsten Moment bereue ich es schon wieder.

Sie sagten einmal, dass Sie den Leuten Geschichten über Dinge erzählt haben, die Sie als Kind getan haben, um dann festzustellen, dass Sie diese Dinge nie getan haben.

Um ehrlich zu sein passiert das recht häufig. Es gibt so viele Dinge von denen ich weiß, dass ich sie nur im Film erlebt habe, aber trotzdem das Gefühl habe sie erlebt zu haben. Und dann muss ich mir erstmal darüber den Kopf zermatern, „Ist das überhaupt in meinem Leben passiert?“ Es gibt Momente, da tu ich so, als wäre ich in einem Schusswechsel gewesen, und dann sind da Leute, die tatsächlich in einem Schusswechsel waren. Das ist natürlich albern und auch respektlos zu behaupten zu verstehen, was das bedeutet. Jeder der behauptet dies zu verstehen, verdient eine richtig schallende Ohrfeige. Aber die Macht der Wahnvorstellung ist unglaublich stark

Als Kind sind Sie in 15 Jahren 15-mal umgezogen. War dies der Grund ein unkonventionelles Leben führen zu wollen?

Eigentlich ist das gar nicht so unkonventionell. Es hat einfach so laufen müssen. Ich hatte nie das Verlangen nach einem unkonventionellen Leben. Es war mehr die Erkenntnis das andere nicht haben zu wollen.

Das andere?

Keinen Ausweg zu haben. Ich war es immer gewohnt die Sachen zu packen und zu gehen.

Als Sie ‚Mio, mein Mio’ in der Ukraine drehten, geschah das Unglück von Tschernobyl.

Richtig. Wir wussten, dass etwas passiert ist, da die Produktion uns sagte, dass wir fertig sind und nun gehen müssen. Einen Monat später kamen wir zurück. Beim Abendessen hatten wir immer jemanden mit einem Geigerzähler neben uns der alles abscannte.

Wussten Sie, dass „Im Reich der Sonne“ Ihr Start in einer Karriere als Schauspieler sein würde?

Ich habe noch nicht einmal für eine Sekunde vermutet dass überhaupt jemand den Film sehen wird. Ich habe nie an irgendwelche Konsequenzen gedacht. Das kümmerte mich nicht. Ich ging nach China, ich ging nach Spanien. Ich sprang herum und ständig flogen Flugzeuge über meinen Kopf hinweg.

Was haben Sie in diesem Alter gemacht, wenn Sie mal nicht schauspielerten?

Ich lebte friedlich in Bournemouth (England) wie jeder andere Teenager auch. Nein, ich formuliere das neu: Die meiste Zeit war ich wie jeder andere Teenager. Aber dann gab es auch die Momente, in denen ich daran erinnert wurde, dass manche Leute nicht der gleichen Meinung waren und mich spüren ließen, dass ich etwas anders war und nicht wirklich dazu gehörte. Anscheinend ist man kein Mensch mehr, wenn man einmal in einem Film mitgespielt hat.

Die Rolle des Patrick Bateman in ‚American Psycho’ zu übernehmen wurde von vielen als beruflicher Selbstmord gesehen.

Ja. Ich mochte immer die Vorstellung von beabsichtigter Selbstzerstörung. Etwas zu übernehmen, was wichtig für mich war – Schauspielern – um dann als unbesetzbar zu gelten. Um zu Testen wie wichtig es wirklich für mich war. ‚American Psycho’ stellte sich als das genaue Gegenteil heraus. Es bescherte mir weitaus mehr Arbeit.

Was hätten Sie getan, wenn es nicht so gelaufen wäre?

Keine Ahnung. (lacht)

Es gab keinen Plan B?

Nein, es gab nie einen.

Gab es einmal eine Zeit, als es für Sie gefährlich wurde nicht genug Geld allein durch die Schauspielerei zu verdienen?

Ich glaube, es gibt keinen lebenden Schauspieler, der noch nicht in so einer Situation war – und Jahre nach dieser Situation haben die Leute nachdem sie einen bemerkt haben keine Vorstellung davon, welchen Lebensstil ich pflege.

Können Sie sich daran erinnern, wann Sie zuletzt in solch einer Situation waren?

(Lange Pause) Ich weiß genau wann das war. Ich bin mir nur nicht sicher, ob ich darüber sprechen möchte … welches Jahr haben wir jetzt? 2008? Dann ist es erst 5 Jahre her. Genau. Die Pfändung meines Hauses, das war’s.

Eine Hauspfändung?

Ja, aber ich will nicht mehr darüber sprechen.

Haben Sie jemals etwas nur wegen des Geldes getan?

Filme gedreht? Hm … nun, ich glaube es gab da eine bestimmte Zeit – und ich sage Ihnen nicht, was es war – aber es ist dem anderem über das ich nicht sprechen möchte sehr ähnlich. Aber letztendlich habe daraus viel gelernt – aber immerhin ging es darum seinen Kopf über Wasser halten zu können.

War es schon immer der Plan für ‚The Machinist’ 30 Kilo abzunehmen?

Nein, das war nie geplant. Es brauchte nur weitaus länger das Geld für den Film zusammenzubekommen als ich erwartet habe. Deswegen wurde der Drehbeginn nach hinten verschoben und verlor so mehr und mehr an Gewicht.

Laut Drehbuch sollte Ihre Figur 60 Kilo wiegen.

Ich stand auf der Waage und sie zeigte 60 Kilo an. Dann kam Brad (der Regisseur) und schob die Skala auf 65 Kilo hoch, da es sonst niemand glauben würde. Und ich sagte, „Leck mich doch! Ich wiege 60 Kilo!“ Ab einem bestimmten Punkt verliert man sein Gefühl dafür, wie dünn man geworden ist. Es ist so schleichend, dass es einem nicht mehr schockiert. Man denkt sich, „Nun, so sehe ich jetzt aus.“

In dem Film ‚Rescue Dawn’ hängen Sie am Gestell eines Hubschraubers, während eines Flugs über den Dschungel. Wann kamen Sie bei Ihrer Arbeit dem Tod am nahesten?

Man spürt eine Art Unverwundbarkeit wenn man einen Film dreht. Ich war in einigen Situationen wo die Dinge auch hätten schief gehen können. Ich sah eine Reihe an ängstlichen Gesichtern während der Arbeit zu ‚The Dark Knight’ als ein Hubschrauber mir bedrohlich nahe kam. Ich stand an einer Kante des Sears Towers, im Freien, 110 Stockwerke hoch oben. Dessen war ich mir gar nicht bewusst. Ich sah den Piloten an und stand da rum, ohne auch nur daran zu denken, dass die Rotorblätter nur wenige Meter von meinem Kopf entfernt waren.

Welche Rolle, die sie mit nach Hause genommen haben, mochte Ihre Frau am wenigsten?

Ich würde sagen, Jim (der Kriegveteran mit post-traumatischen Stress-Syndrom aus ‚Harsh Times’). Da dürfte es nicht viele gute Erinnerungen an ihn geben. Die nächste Zeit wird er wohl kein gern gesehener Gast bei uns sein.

Und wen mochte sie am Meisten?

Überraschenderweise würde Trevor aus ‚The Machinist’ immer ein willkommener Gast bei uns sein.

Hatte das Mitwirken in einem Blockbuster irgendwelche spürbare Ausmaße auf ihr Privatleben?

Ich war einmal mit meiner Tochter und ihren Freunden im Science Museum in London. Sie wollten Hot Dogs. Also ging ich zu dem Hot Dog-Stand und sagte, „Ich hätte gerne 3 Hot Dogs“. Sie sagten daraufhin, „Tut uns leid, wir haben bereits geschlossen“. Also ging ich weiter. Aber dann meinte einer von ihnen, „Entschuldigen Sie, sind Sie nicht Batman?“ Und ich meinte, „Nun ja, ich spiele Batman.“ Und sie meinten, „Nun, hier haben Sie 3 Hot Dogs – die gehen aufs Haus.“ Das ist schon recht beachtlich, oder?

Wann wurden Sie zuletzt für jemand Anderes gehalten?

Gestern Nachmittag. Ich saß irgendwo und zwei Typen unterhielten sich. Sie erzählten, dass sie Agenten wären und fragten mich, was ich so tue und antwortete, „Ich bin Schauspieler.“ Und sie meinten, „Oh, wie läufts bei Ihnen?“ Ich sagte, „Läuft ganz gut.“ Und sie fragten mich, ob ich schon einen Agenten hätte. „Ja, ich habe bereits einen Agenten“. „Nun, falls Sie mal Arbeit suchen, rufen Sie einfach an.“ Und ich sagte, „Vielen Dank“.

Aber das Beste war, als mich eine Casting-Leiterin in einer Hotel-Lobby erkannte und mit einem Drehbuch auf mich zurannte: „Gott-sei-Dank, ich habe Sie endlich gefunden! Wir machen gerade diesen Film für den Sie die perfekte Besetzung wären. Was für ein wunderbarer Zufall. Der Regisseur und Produzent werden es nicht glauben, dass ich Sie hier getroffen habe! Wir haben schon so oft darüber gesprochen, wie perfekt Sie doch für diese Rolle wären! Und jetzt endlich treffe ich Christian Slater.“ „Christian Bale.“ „Wie bitte?“ „Ich sagte, Christian Bale.“ Und sie meinte, „Oh, Entschuldigung“, nahm das Drehbuch und ging weiter.

Wie gut sind Sie darin, berühmt zu sein?

Ehrlich gesagt verstehe ich die Frage nicht. Es gibt unbestreitbar Menschen, die man als berühmt bezeichnen kann. Mich nicht. Man kann einer menge Menschen den Namen „Christian Bale“ sagen und haben keine Ahnung wer zum Teufel damit gemeint ist. Sie haben vielleicht ein paar meiner Filme gesehen, wissen dann aber immer noch nicht wer damit gemeint ist. Deswegen glaube ich nicht, dass ich über berühmt sein sprechen darf.

Wie auch immer Sie damit umgehen, Sie machen es sehr gut – aber ich komm nicht dahinter, wie Sie das schaffen.

Ich auch nicht. Wenn es gut läuft, und ich nicht weiß warum, dann muss ich es aber auch nicht wissen.

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  1. Jack Nicholson über den neuen Joker
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  3. Das Nolan-Interview, Teil 1
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